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Montag, 3. Oktober 2011

Einheitsbrei, fade Suppen, liturgischer Schrott


Gemeinsame Darstellungen der drei Erzengel sind eigentlich ungewöhnlich. Ein gemeinsamer Spaziergang der Erzengel Michael, Raphael und Gabriele (von links) mit Tobias (zweiter von rechts) ist jedenfalls biblisch nicht überliefert. Nur Raphael allein ist der Begleiter Tobias im Buch Tobit. 

Das hat nun die Liturgiereformer nicht daran gehindert, die drei Erzengelfeste Gabriels (24. März), Michaels (29. September) und Raphaels (24. Oktober) zu einem Fest zusammenzufassen.

Eine grundstürzende Reform, denn das Fest des Erzengels Michael wird spätestens seit dem fünften Jahrhundert als Fest "In Dedicatione S. Michaelis Archangeli", also zum Gedenken an die Weihe der dem Erzengel Michael gestifteten Kirche begangenen. Das Fest geht damit in die Zeit des Papstes Leo der Große zurück.

Welche Motive die Liturgiereformer dabei bewogen haben, die drei Feste zusammenzuwerfen, sind mir nicht bekannt. Die Folgen sind jedenfalls jedes Jahr zu beobachten. Liturgisch blieb alles beim "Alten", so daß nach wie vor etwa das Graduale des Tages lediglich den Erzengel Michael erwähnt. Auch das seit dem 17. Jahrhundert bekannte und an diesem Tag übliche Prozessionslied "O unüberwindlicher Held" (heute: unüberwindlich starker Held) von Friedrich Spee erwähnt nur den einen, den Erzengel Michael, womit faktisch Raphael und Gabriel liturgisch und hymnisch "entfallen". Damit wird liturgischer Schrott produziert, Raphael und Gabriel werden höchst unelegant "entsorgt". 

Das Michaelslied hat eine interessante Geschichte. Es ist gewissermaßen das erste "Lied der Deutschen". Wer sich Gedanken darüber macht, wo wohl der Begriff des "Deutschen Michel" herkommt, sollte sich mit dem seit 1642 bekannten lateinischen Text befassen. Solche Nuancen gehen heute im liturgischen Einheitsbrei verloren. Lateinisch singt man ohnehin kaum noch.

Daß Spee nicht nur das Michaelslied, sondern auch ein Lied für den Erzengel Raphael gedichtet hat, ist seit der Liturgiereform und der Vereinheitlichung der katholischen deutschen Gesangbücher durch das  "Gotteslob" in Vergessenheit geraten. Was wohl noch so im Einheitsbrei versunken ist? Ich bleib da mal dran.

Freitag, 30. September 2011

Herr Vizibiliduxi


Für die zahlreichen Fans von spätbarocken Putten mußte dieses Bild einfach sein. Und wie jedes Jahr hab ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, meinen Post zum Michaelsfest rechtzeitig hinzukriegen. Immerhin lebe ich ja unter einem doppelten Patronat, das ist Pfarrgruppen, Pfarrverbünden Seelsorgeeinheiten u.ä. schließlich so eigen. Als Schola und Chormitglied bin ich deshalb in zwei Kirchen zu Hause, deren eine der B.M.V. und deren andere dem heros invincibilis dux michael geweiht ist.

Zum Ausgleich habe ich fleißig daran gearbeitet, eine vollständige Fassung des "O heros invincibilis, dux Michael" ins Netz zu stellen.

Der Herr Vizibiliduxi kommt in einer Geschichte Gottfried Kellers vor.

Samstag, 10. Juli 2010

Nun bloggt er wieder, Gott sei Dank


Alipius hat seinen Abschiedsschmerz überwunden und ist unter die Blogozöseaner (oder sagt man Blogozesen, vielleicht ja auch Blogzinesen oder etwa Blogozisten?) zurückgekehrt.

Dafür das schönste Francois-Boucher-Engelbildchen, das ich finden konnte.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Teresa die Wunderschöne

Dieses Bild meiner Lieblingsheiligen mußte heute sein. St. Teresa als junge Frau. Francois Gérard hat sie so im 19. Jahrhundert gemalt. Nach Berninis Skulptur der Ekstatikerin ein Bild von Teresa als überirdisch-mystischer Engel von seraphischer Schönheit.
Francois hat sich seine Brötchen ansonsten mit anmutig-erotischen Bildern junger Damen in durchsichtigen Empire-Kleidchen verdient, und nicht zuletzt mit Bildern Napoleons in imperialer Pose. Auch Talleyrand, der womöglich genialste Wendehals der Geschichte, war sein Kunde.
Dies ist nun eines seiner letzten Bilder. Als er es malte, war Francois schon 57 Jahre alt. Das bild entstand am Ende seines Lebens. 10 Jahre später starb er. Seine Zeit, nicht nur seine Lebenszeit, sondern auch seine Epoche, die Epoche des Klassizismus, des Empire, der Revolution und der Restauration war zuende. Gérard war unmodern geworden, aber in diesem Bild, eines der bekanntesten und schönsten von Teresa scheint schon die neue Zeit auf, die Zeit der Romantik.

Freitag, 2. Oktober 2009

Unser Beitrag zum Calvin-Jahr

ich hoffe ja, daß Calvin Johann eher nach seinem katholischen Großvater schlägt.

Wie ich mir meinen Schutzengel vorstelle

   Ja genau so. Schließlich haben nicht nur kleine Kinder Schutzengel. Meint jedenfalls Sister Mary Martha. Und außerdem bin ich mir ganz sicher, daß mein jüngstes Enkelkind Johann die üblichen Schutzengelbildchen voll peinlich findet. Wahrscheinlich auch die Schutzengelliedchen, die ich soooo gerne mag. Hier eine ganze Sammlung bei David.

Dienstag, 24. März 2009

Erzengel Gabriel, 24. März

   Auch der Erzengel Gabriel hatte bis zur Kalenderreform 1969 noch ein eigenes Fest. Nun wird Gabriel mit Raphael und Michael am 29. September gewissermaßen mitgefeiert. Schade, denn unter den Erzengel ist er sicher der Prominenteste. Nicht nur das Neue Testament nennt den Erzengel als Verkünder der Geburt Jesu und Johannes des Täufers (Lukas 1; 5-20 und 1; 26-38) auch das Alte Testament erwähnt ihn bereits als den Verkünder des kommenden Messias (Daniel 8; 15-17). Eine tragende Rolle hat Gabriel (arabisch Jibril) auch im Koran und der islamischen Überlieferung. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, an dem der Erzengel eine tragende Rolle übernehmen darf.

Samstag, 25. Oktober 2008

Erzengel Raphael, 24. Okt

    Im alten Kalender hatte Raphael noch ein eigenes Fest am 24. Oktober. Nach der Liturgiereform wurde Raphael nur noch "mitgefeiert", mit der Folge, daß er liturgisch in den Schatten des Erzengels Michael geriet. Sehr schade, denn Raphael, den wir vor allem aus dem spätjüdischen Buch Tobit kennen, hat einen ganz eigenen eigentümlich modernen Charakter. Nicht nur, daß er eine zentrale Rolle im einzigen "Entwicklungsroman" der Bibel - dem Buch Tobit eben - spielt. Hier begegnet uns der Erzengel als Arzt, der Sara, die Verlobte Tobias von einem Dämon befreit, und Tobit, den Schwiegervater Tobias, von der Blindheit.
    Eine wundervolle Predigt des Heiligen Bonaventura zum Fest des Erzengels Raphael findet sich auf der Seite des Instituts Philipp Neri.
   Raphael scheint Hunde zu mögen (Tobit 6,1 ; 11,4), jedenfalls zieht er auf der ganzen langen Reise mit Tobias und Tobias Hund. 
     Die Lesung aus dem Buch Tobit war früher bei Hochzeiten üblich, so wissen wir aus den Berichten über die Hochzeit des Heiligen Königs Ludwig, daß bei dessen Hochzeit aus dem Bucht Tobit gelesen und über das Buch Tobit gepredigt wurde.