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Sonntag, 1. Januar 2012

Brradabumm! Bimm! Bamm!

Ippolito Caffi, Das Girandola-Feuerwerk auf der Engelsburg 1830

Als Georg Friedrich Händel 1749 für das große Feuerwerk, für das er seine berühmte Feuerwerksmusik schrieb, Feuerwerker suchte, war es selbstverständlich, daß für dieses Ereignis nur italienische Feuerwerker in Frage kamen. Denn das katholische Italien, nicht das damals vorwiegend protestantische Nordeuropa, war zu seiner Zeit führend in dieser Spaßtechnologie, so to say.

Womit sich auch in diesem Fall Hilaire Bellocs Bonmot bestätigt, daß, wo immer die katholische Sonne scheint, Gelächter und guter Rotwein zu finden sein sollte.

Das päpstliche Haus selbst war für seine Feuerwerke berühmt, selbst ein Friedrich Engels soll sich eigens nach Rom bemüht haben, um wenigstens einmal die berühmte Girandola sehen zu können, die zu seinen Zeiten noch auf der Engelsburg abgefeuert wurde. Zum katholischen "Neuen Jahr" selbstverständlich, an Ostern.

Wie das römische Karneval, starb auch die römisch-päpstliche Girandola mit dem Ende des Kirchenstaates. Die Versuche, das Spektakel wiederzubeleben, scheiterten. Atheists haben nun mal, wie wir wissen, nicht nur keine Songs, sondern auch sonst keinen Spaß. Feuerwerk also ist, wie Gelächter und Rotwein, immens katholisch.

Konnte man mir bis hierher folgen? Für einen Pyromantiker wie mich, der Neujahr selten ohne angesengte Haare und Brandflecken auf dem Jackett beendet, ist das unmittelbar einleuchtend und zwingend logisch.

Heute scheint das aber nun nicht mehr zu gelten. Sogar glühende Anhänger des Katholizismus scheinen heute der These zuzuneigen, daß man an Neujahr doch bitte sehr "Brot statt Böller" für die "Armen" zu kaufen habe.

Eine Initiative, für die die "Armen" sich wohl kaum bedanken werden, stammt doch das Gros der in Europa verfeuerten Kracher, Heuler und Raketen aus den Schwellenländer. Und der "Arme" lebt doch für gewöhnlich zufriedener und komfortabler von dem Ertrag seiner Hände Arbeit, als von den Almosen der "Reichen".

Nun ist ja Neujahr nicht wirklich Kirchen-Neujahr, sondern eben nur der Jahreswechsel, was aber spricht dagegen, das Neue Jahr mit Feuerwerk und Glockengeläut zu begrüßen?

Brrradabumm! Bimmm! Bammmm!

Freitag, 30. September 2011

Herr Vizibiliduxi


Für die zahlreichen Fans von spätbarocken Putten mußte dieses Bild einfach sein. Und wie jedes Jahr hab ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, meinen Post zum Michaelsfest rechtzeitig hinzukriegen. Immerhin lebe ich ja unter einem doppelten Patronat, das ist Pfarrgruppen, Pfarrverbünden Seelsorgeeinheiten u.ä. schließlich so eigen. Als Schola und Chormitglied bin ich deshalb in zwei Kirchen zu Hause, deren eine der B.M.V. und deren andere dem heros invincibilis dux michael geweiht ist.

Zum Ausgleich habe ich fleißig daran gearbeitet, eine vollständige Fassung des "O heros invincibilis, dux Michael" ins Netz zu stellen.

Der Herr Vizibiliduxi kommt in einer Geschichte Gottfried Kellers vor.

Montag, 29. August 2011

29. August. Beheading of St. John the Baptist


Caravaggio hat besonders häufig und besonders düster die Enthauptung des Heiligen Johannes des Täufers dargestellt, der wir heute gedenken.

Gleichzeitig der Geburtstag meiner ersten, im Prinzip ganz entzückenden, aber ziemlich wilden Enkeltochter A. Die als Schwedin wenig deutsch spricht, aber einen Satz perfekt beherrscht: Großpapa du muuußt... . Ob es da eine gewissermaßen geistige Verbindung gibt?


Sonntag, 28. August 2011

28. August Sankt Augustinus


Dies ist kein Bild von Aurelius Augustinus, sondern, wie jeder Fußballfan auf den ersten Blick erkennt, ein Bild von Zinedine Zidane. Aber dennoch hat dieses Bild etwas mit dem Heiligen August von Hippo zu tun. Beide, Zinedine Zidane wie Aurelius Augustinus entstammten nämliche dem selben Volksstamm. Aurelius war berberischer Abstammung, der Name seiner Mutter läßt sich eindeutig auf die Berber zurückführen, die Urbevölkerung Nordafrikas westlich des Nil. (Damit ist der Vorname Monika wohl der einzige berberische Name, der auch unter Christen weit verbreitet ist.)

Die ältesten Bilder, die von Aurelius überliefert sind, bilden denn auch offenkundig einen Nordafrikaner ab.

In diesen Tagen, da Nordafrika in den Schlagzeilen ist, insbesondere Tunesien und Libyen, sollte man sich diesen Zusammenhang klarmachen. Tagaste und Hippo, Geburtsort und Wirkungsort Augustinus liegen auf dem Gebiet des heutigen Algerien.

Lehren, die zum Kern des modernen christlichen Glaubens gehören, wie die Lehre von der Erbsünde - die englische Bezeichnung original sin trifft den Kern dieser Lehre allerdings besser - die moderne katholische Auffassung vom Fegfeuer oder die Lehre vom Gerechten Krieg gehen damit auf einen berberischen Intellektuellen zurück.

Augustinus Lehre von der Gnade, der Dreifaltigkeit, dem Verhältnis von Staat und Kirche sind bahnbrechend, seine Confessiones gelten als die erste Autobiographie der europäischen Literaturgeschichte, und seine Reflexionen in den "Confessiones" über die Zeit, haben selbst noch die Denker der Neuen Physik, Einstein und Heisenberg beeinflußt. Das Zeit relativ ist, lesen wir zum ersten Mal in den beiden letzten Kapiteln der Confessiones.

Nicht nur ein Genie, ein Gigant. Aber auch ein Zeitgenosse und erbitterter Gegner der Vordenker der Geisteskrankheit unserer Zeit. Pelagius dürfen wir als den Vordenker der neuzeitlichen Antiautoritären verstehen, wie auch des grünroten Gutmenschentums. Wer an das Gute im Menschen glaubt, weist sich als treuer Anhänger eines Theologen aus dem vierten Jahrhundert aus.

Strafverteidiger wie Strafrichter hängen, wie ich aus beruflichen Gründen weis, in der Regel der augustinischen Lehre an.

Sind Berber Kopfmenschen? Wie man an Zinedine Zidane und Aurelius Augustinus nachvollziehen kann, ganz offensichtlich. Auch wenn Zinedines Kopfarbeit mehr der Sphäre des Sinnlich-Manifesten zuzuordnen ist.

Mittwoch, 6. Juli 2011

6. Juli: St. Maria Goretti und St. Godelieve


Elsa hat liebenswürdigerweise ihren wundervollen Artikel über die bekannteste Heilige des heutigen Tages auf ihrem blog veröffentlicht, so daß hier Raum bleibt, über eine andere Heilige zu schreiben, deren Gedenktag ebenfalls der 6. Juli ist, und die eine gewisse Verwandtschaft mit der Heiligen Maria Goretti zeigt.

Auch die Heilige Godelieve (der Name ist die niederdeutsche Variante des Frauennamens Gottliebe) wurde von einem Mann mißhandelt und umgebracht, und wie die Heilige Maria Goretti hat sie ihren Mörder gesegnet und mit ihrer Güte und Liebe zur Umkehr bewegt.

Die Geschichte spielt in einer anderen Zeit, vor tausend Jahren. Godelieve war die Tochter eines flämischen Edelmannes. Wie die Legende berichtet, war sie von frommer Gesinnung, sie war schön, gütig, großzügig zu den Armen. Viele junge Adelige hielten bei ihrem Vater um ihre Hand an, doch Godelieve lehnte ihre Werbung ab, sie sehnte sich danach, eine Nonne zu werden. Einer der Freier, Bertolf von Gistel, ließ sich aber nicht abweisen, und da sie ablehnte, sorgte er dafür, daß der Herzog von Boulogne ihren Vater Hemfried dazu zwang, ihrer Heirat mit ihrem unnachgiebigen Verehrer zuzustimmen.

Bertolf brachte also Godelieve als Braut auf sein Familienschloß in Gistel, in der Nähe des Hafens von Oostende. Kaum verheiratet, begann Godelieves Leidensweg. Die Mutter Bertolfs hatte nämlich andere Pläne mit ihrem Sohn, und so brachte sie Bertolf dazu, Godelieve noch vor dem Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten zu verstoßen. Bertolf überließ Godelieve seiner Mutter, die sie auf dem Schloß, dessen Hausherrin, technisch gesehen, eigentlich Godelieve selbst war, in ein winziges Zimmer sperren ließ. Godelieve wurde wie eine Sklavin gehalten, erhielt nur minimale Essensrationen aus Essensresten und wurde gezwungen, niedrige und schmutzige Arbeiten zu verrichten.

Godelieve gelang es schließlich, aus dem Schloß zu flüchten und zu ihrem Vater zurückzukehren. Nachdem ihr Vater sie dazu gebracht hatte, die Gründe für ihre Rückkehr zu berichten, beschwerte sich Hemfried bei dem Herzog von Flandern und dem Erzbischof von Tournai. Beide, die weltliche und die geistliche Macht des Landes, zwangen daraufhin Bertolf, seine Frau zurückzunehmen, und forderten ihn auf, sie von nun an anständig und würdig zu behandeln.

Bertolf und seine Mutter beugten sich zwar der Forderung der weltlichen und geistlichen Macht, heuchtelten Reue und gelobten Besserung, aber Godelieve hatte nach ihrer Rückkehr kein besseres Leben unter dem selben Dach mit einem Mann und einer Schwiegermutter, denen sie verhaßt war. Godelieve wurde weiter mißhandelt und nur wenige Monate nach Ihrer Rückkehr plante Bertolf die Beseitigung seiner lästigen Ehefrau. Bertolf arrangiert die Ermordung seiner Frau, und verließ dann das Schloß zu einer Reise nach Brügge. Godelieve wurde unter einem Vorwand aus dem Schloß gelockt, die beiden von ihrem Mann gedungenen Mörder strangulierten die junge Frau und ertränkten sie in einem Tümpel. Dann brachten sie die Leiche zurück in das Schloß, und legten Godelieve in ihr Bett.

Bertolf ließ trotz der offenkundigen Ermordung seiner Frau verbreiten, Godlieve sei eines natürlichen Todes gestorben. Unmittelbar nach dem Tod seiner Frau beeilte sich der "Witwer", erneut zu heiraten. Das Grab seiner Frau aber entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte. Godelieve, die schon zu Lebzeiten von ihren Untertanen verehrt wurde, wurde nun als Märtyrerin verehrt.

Die zweite Ehefrau Bertolfs starb nach der Geburt einer Tochter. Das Kind war seit seiner Geburt blind. Die zweite Ehefrau Bertolfs wurde neben Godelieve begraben. Eines Tages betete Bertolfs blindeTochter vor dem Grab Godelieves in der Meinung, es sei das Grab ihrer Mutter. Als sie dabei um Gesundung von ihrer Blindheit bat, wurde ihr die Augen geöffnet, und sie sah, daß sie vor dem Grab Godelieves kniete.

Die Verehrung des Volkes für Godelieve war durch ein Wunder bestätigt. Bertolf bewegte dieses Wunder endlich dazu, sich zu seiner Schuld zu bekennen. Bertolf begab sich nach Rom, um um Absolution für sein furchtbares Verbrechen zu bitten. Nach einer Pilgerschaft in das Heilige Land ging er in das Kloster Bergues-St.-Winnoc, um dort sein Leben als Büßer und Beter zu beenden.

Godelieve gilt als die "Heiligste Frau Flanders" sie wird bei Halserkrankungen angerufen, aber auch bei Familienproblemen. Das Bild stellt einen Ausschnitt aus dem Godelieve-Altar dar.

Samstag, 2. Juli 2011

2. Juli Visitatio


Bei uns gehen die Uhren ein bißchen anders. Auch der Kalender geht manchnmal ein bißchen anders. Das hat damit zu tun, daß unsere Schola in letzter Zeit häufiger zu gregorianischen Messen eingeladen wird, die Kunst des gregorianischen Chorals ist ja nun nicht mehr sehr verbreitet, und so hat unsere Dorf-Schola ein, wie es im Politjargon heißt, Alleinstellungsmerkmal zu bieten. Also war heute "Heimsuchung Mariens". Nicht daß wir das einfach draufhaben, zwei Wochen Üben war schon nötig.

Das Fest der Heimsuchung erinnert an die Begegnung der schwangeren Maria mit der schwangeren Elizabeth, und an die Stunde, da zum ersten Mal das Magnificat gesungen wurde (Ich bin mir jedenfalls ganz sicher, daß es gesungen wurde, das Magnificat kann man einfach nicht nur sprechen). Im 13. Jahrhundert hat der große Bonaventura das Fest für den Franziskanerorden eingeführt, seit dem 16. Jahrhundert wurde es in der ganzen Kirche begangen. Es wird noch immer gefeiert, allerdings aufgrund des wie immer so auch hier unergründlichen Ratschlusses der Bugninianer am 31. Mai. Es ist ja nicht ganz falsch, daß es ziemlich unlogisch ist, ein Fest, das an die Begegnung der beiden Ungeborenen, Jesus und Johannes, erinnert, nach der Geburt Johannes zu feiern. Bonaventura hat es als Oktavtag des Johannistages gedacht.

Noch unlogischer war es allerdings, das Fest, wie geschehen,  nun auf den 31. Mai zu verlegen. Wohl, weil es irgendwie mit Maria zu tun hat, und deshalb in den Maienmonat "paßt". Aber da hat es nun weder einen Bezug zu Johannes (an den Bonaventura gedacht hat), noch einen Bezug auf die Überlieferung des Lukasevangeliums. Danach besuchte Maria "einige Tage" nach der Verkündung des Engels Ihre Verwandte Elizabeth, die im 6. Monat mit Johannes schwanger war. Der Besuch wäre dann logischerweise auf Ende März zu datieren, was die Ostkirche ja auch tut. Dort wird am 30. März der Heimsuchung gedacht. Bei den Anglikanern und den Evangelen ist es bei dem 2. Juli geblieben.

Die Messe fand interessanterweise in der Kapuzinerkirche in Aschaffenburg statt. Also ein franziskanisches Fest reinster Güte, so to say. Pfarrer und Gemeinde, vor allem aber meine Herzallerliebste waren mit unserem Vortrag zufrieden. Die Akkustik war excellent, so daß unsere heute nur aus sechs Sängern bestehende Schola nach viel mehr klang. Wir haben uns gleich um unseren nächsten Auftritt beworben.

Der Introitus Salve, sancta parens, geht auf Sedulius zurück. Leider keine Version im internet gefunden, die mir gefällt. 

Von unserem marianischen Renommier-Offertorium, das wir auch heute gesungen haben, gibt es eine schöne Aufnahme, nur damit die Stimmung ein bißchen rüberkommt:


Advent - 4th Sunday of Advent: Offertory from Corpus Christi Watershed on Vimeo.


Jacopo da Pontormo, der diese Darstellung der Visitatio geschaffen hat, gilt als der Begründer des Manierismus. Mir gefällt an dieser Darstellung, daß der Altersunterschied der beiden wie auch ihr Status als Jungfrau (Maria trägt eine Art Schapel) und Ehefrau (Elizabeth trägt einen Schleier) deutlich zum Ausdruck kommt, und damit das doppelte Wunder, die Geburt aus der Jungfrau und die Schwangerschaft einer alten Frau, die schon die Hoffnung aufgegeben hat, noch ein Kind zu gebären. Die Botschaft des Bildes dürfte heute ohne Erklärung nicht ohne weiteres zu erkennen sein.

Freitag, 1. Juli 2011

Heiligstes Herz Jesu


Die Herz-Jesu-Verehrung schien mir früher als absolut kitschigster Ausdruck katholischen Volksglaubens. Der Sinn des Fests war mir nicht so recht klar, warum es ausgerechnet heute, Freitag in der Woche nach Fronleichnam, gefeiert wird, hat mich drum wenig interessiert. Nun wird es in unserer Gemeinde ganz besonders feierlich begangen, heute mit einer gregorianischen Messe, bei der ich leider fehlen mußte.

Ein paar Gedanken muß ich mir also noch machen, aber eine passende Illustration hab ich in jedem Fall gefunden. 

Übrigens wäre heute eigentlich auch noch das Fest des Heiligsten Blutes unseres Herrn zu feiern. Pius IX hat es 1849 nach seiner Rückkehr aus dem Exil für die ganze Kirche ausgerufen. Pius flüchtete 1848 aus Rom, nachdem dort die Revolution ausgebrochen war, und nachdem sein Premierminister einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Das Fest wurde während der Kalenderrevolution wieder abgeschafft. Schon eine merkwürdige Koninzidenz der Ereignisse. Ob sich die Kalenderrevolutionäre Gedanken über diesen bemerkenswerten Zusammenhang gemacht haben? Vielleicht gerade. Verstanden sie sich doch eher in der Tradition der "Aufklärung" als in der der Kirche.

Eine, ich würde sagen psychedelische Darstellung der Heiligen Margareta Maria Alacoque, auf deren Visionen das Fest zurückgeht.  Corrado  Giaquinto 1765. Rococo, für die oder genauer gesagt, den Rococo-Fan.

Freitag, 24. Juni 2011

St. Johannes: Bitte recht locker.



Gerade fällt mir auf, daß ich in diesem Blog, so lange er besteht, noch nicht ein einziges Mal einen Beitrag über meinen Namenspatron geschrieben habe, den Heiligen Johannes der Täufer.

Kann ja sein, daß das damit zusammenhängt, daß der Heilige etwas aus der Mode gekommen ist, zusammen mit dem Erzengel Michael, von dem seit der Liturgiereform auch nicht mehr so oft die Rede ist. Im alten Confiteor wird er jedenfalls mit dem Erzengel Michael noch ausdrücklich genannt: confiteor ... beato Joanni baptistae, das entfällt heute im deutschsprachigen Schuldbekenntnis, wenn es überhaupt noch gesprochen wird.

Daß man auch sonst im Rahmen der Liturgiereform nicht sonderlich freundlich mit dem Vorboten des Erlösers umgegangen ist, zeigt sich aber auch daran, daß das Fest arg zusammengestutzt wurde. Abgeschafft wurde die Vigil des Täuferfest, also die eigentliche St. Johannis-Nacht, beseitigt wurde die Oktav des Festes, das doch neben dem Geburtsfest der Gottesmutter, und neben dem Geburtsfest Jesu Christi selbst, das einzige Heiligenfest ist, das an die Geburt, und nicht an den Tod des Heiligen anknüpft.

Der Vesperhymnus der Festes spielt eine ganz besondere musikhistorische Rolle. Guido von Arezzo, dem wir die Notenschrift zu verdanken haben, hat den Hymnus als didaktische Stütze und Gesangsübung komponiert, bzw. möglicherweise umkomponiert. Jeder Halbsatz des Textes beginnt mit einer anderen Note, deren Abfolge die ursprüngliche Tonleiter unseres Notensystems bildet. Ut-re-mi-fa-so-la. Später wurde aus dem ut ein do, und  am oberen Ende der Tonleiter fügte man noch ein "Si" dazu, aus den Initialen des Sancte Johannes. Do re mi fa so la si do. Näheres hier. Aus dem Beitrag wird dann auch der ein wenig verrätselte Titel dieses Post klarer.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Fronleichnam: Oh Christ hie merk´..



Nachdem Echo Romeo das schöne alte Fronleichnamslied "Oh Christ hie merk´" von Friedrich Spee zitiert, hier eine YouTube-Version. Verwackelt und ein bißchen schräg gesungen, doch da hienieden ja alles unter dem eschatologischen Vorbehalt steht, sollt es uns genügen.

Keine Photos von unserer eigenen Prozession. Kamera vergessen.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Coelos ascendit hodie



Coelos ascendit hodie Jesus Christus Rex gloriae,
Alleluia!
Gubernat coelum et sedet ad Patris dexteram,
Alleluia!
Jam finem habent omnia Patris Davidis carmina,
Alleluia!
Jam Dominus cum Domino sedet in Dei solio,
In hoc triumpho maximo,
Alleluia!
Benedicamus Domino, laudatur Sancta Trinitas,
Deo dicamus gratias,
Alleluia! Amen.

Im Gotteslob findet sich unter der Nummer 230 eine Übersetzung dieses alten Hymnus. Die Zeile "Jam finem .." lautet allerdings wörtlich übersetzt "Nun sind alle Gesänge des Vaters David erfüllt." und nicht, "nun ist erfüllt, was gschrieben ist." Ein Hymnus auf die Psalmen also und nicht auf die Schrift. Die deutsche Fassung geht auf Bartholomäus Gesius (1562-1613) zurück.

Sonntag, 1. Mai 2011

The Chaplet of Divine Mercy



Ein kleiner Trost dafür, daß es uns am Samstag nicht gelungen ist wg. diverser Ausfälle an Vorsängerinnen und Vorsängern, den Barmherzigkeitsrosenkranz zu singen. Und um daran zu erinnern, daß wir heute den Barmherzigkeitssonntag begehen. (über NLM mit Bildern von der Seligsprechung Johannes Paul des IIten in Rom) (Den letzten link unbedingt ansehen!)

Sonntag, 17. April 2011

Sepp meets Fritz


Ob unser Papst wohl als Kind von seinen Eltern so gerufen wurde, wie man in Bayern einen Jungen mit dem Taufnamen Joseph anspricht? Mit Sepp nämlich. Eltern brauchen das. Vor allem bei Jungen. Der kürzest mögliche Kammandoton ist unbedingt und existentiell notwendig. Meist im Verbund mit einem Kurzsatz in der grammatischen Form des Imperativ, in etwa eine Umschreibung von "Würdest Du bitte die Güte haben, deine Schwester nicht an den Zöpfen zu ziehen?" Oder so. 

Und wehret den Knaben und lehret die Mädchen.

Zweisilbige Namen sind da untauglich. Also wird der in meiner Herkunftsregion sehr beliebte Name Johann(es) meist zu Hans - wegen des Zischlautes am Schluß nur mäßig tauglich - noch häufiger zu Jan verkürzt. Absolut tauglich für den Kasernenhofdiskant einer zornigen Frau Mutter. Die liebende Ehefrau kann den Namen dann ja zu dem wieder etwas weicheren Hans umwandeln.

In WestNorddeutschland ist indessen der Name Friedrich häufiger gebräuchlich. Wegen der noch immer nur mäßig erfolgreichen Christianisierung dominieren die altgermanischen Namen. Soweit männliche Kleinkinder nicht Kevin getauft werden, aber das ist ja bekanntlich kein Name, sondern eine Diagnose. Bekanntlich verkürzt sich der Name Friedrich in seiner muttertauglichen Variante zu Fritz.

Sepp also, in seinem jetzigen SoSein der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI, begegnet am 22. September Fritz. In concreto wird der Heilige Vater am 22. September vor dem preußischen Schloß 

Charlottenburg
eine Heilige Messe zelebrieren.

Errichtet wurde Schloß Charlottenburg von dem vormaligen Kurfürsten Friedrich (Fritz) III., dem späteren ersten König Preußens - und somit gleichzeitig Friedrich (Fritz) der I. Zur Ehre seiner Frau Sophie Charlotte von Hannover nannte der König das um 1700 noch recht überschaubare Schlößchen Charlottenburg.


Das Schloß sah dann noch eine ganze Reihe von mit "Fritz" benamsten preußischen Königen, bis sich dann im 19. Jahrhundert, nach einer Übergangsphase der mit Friedrich Wilhelm benannten Königen, der Name Wilhelm durchsetzte.

Charlottenburg war allerdings selten die Hauptresidenz der preußischen Könige, Friedrich Wilhelm der I. Sohn des Erbauers, ließ das Schloß im wesentlichen leerstehen, der "Alte Fritz" bevorzugte seine bescheidenere Sommerresidenz Sanssouci, und die Lieblingsresidenz der "Preußischen Madonna" Luise von Mecklenburg-Strelitz und ihres Mannes Friedrich Wilhelm III. war das Herrenhaus Paretz, eher eine etwas größere ländliche Villa, als ein Schloß.

Denkbar, daß die barocken Dimensionen, die das Schloß später annahm, doch der preußischen Botschaft von Sparsamkeit und Zurückhaltung widersprachen.


Der pompöse Endausbau des Schlosses war ein Werk Friedrich Wilhelms II., kein besonders beliebter König, dem das Volk (man bedenke, daß sich die Könige Preußens unvorsichtigerweise in der Nähe Berlins niederließen) den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Der dicke Lüderjahn" verpaßte. Insbesondere seine Mätressenwirtschaft entsprach eher nicht dem im Volk erwünschten "preußischen Stil".

Halten wir also fest, daß dieses Schloß im wesentlichen das Schloß von Fritz ist, vor dem Sepp - der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI - am 22. September eine Heilige Messe zelebrieren wird. Preußisch und katholisch paßt also doch besser zusammen, als man so denken sollte. Oder nicht?

Auf diesem Bild sieht Friedrich II. - der Alte Fritz - doch freundlicher aus, als auf den bekannteren Bildern, die ihn als grimmigen Grummelgreis darstellen, der nur seine Hunde liebte, aber nicht - zum Beispiel - seine bedauernswerte Ehefrau. Es ist gleichzeitig das einzige Porträt, für das Friedrich II. persönlich Modell gesessen hat. 1763 entstand das Bild, Fritz war damals 41 Jahre alt. Vielleicht vermittelt es ja ein etwas freundlicheres Bild des Königs, in dessen Reich "jeder nach seiner façon selig" werden durfte, der die Folter abschaffte, und die Kartoffel einführte, der ein begabter Komponist und Musiker, Literat und Philosoph war. Und ein Staatsmann, der erste Diener des Staates. Und, was einen Juristen natürlich am meisten rührt, der Initiator des Grundgesetzes des preußischen Rechtsstaates, des Preußischen Allgemeinen Landrechts. Am 17. August 1991 wurde Friedrich endlich, seinem letzten Willen entsprechend, vor seinem Lieblingsschloß beerdigt. Man ehrt den "Alten Fritz" für gewöhnlich damit, daß man eine Kartoffel auf sein Grab legt.


Sonntag, 3. April 2011

Laetare: die Rose und die Kaiserin


Im Gegensatz zum Rosenmontag, dessen Benamsung wir den "bürgerlichen" Karnevalisten des 19. Jahrhunderts zu verdanken haben, hat der Rosensonntag - der Sonntag Laetare - eine jahrhundertealte Tradition. Nun heißt der Sonntag nicht nur wegen der rosenfarbenen Paramente Rosensonntag, sondern auch deshalb, weil seit dem 11. Jahrhundert der Papst an diesem Tag einer besonders verdienstvollen Person, gemeint ist natürlich der Verdienst um die katholische Sache, eine goldene Rose verleiht. Ursprünglich wurde die Rose nur Männern verliehen, später wurden überwiegend Frauen ausgezeichnet.

Daß Pius IX im Jahre 1856 der Kaiserin Eugénie von Frankreich eine goldene Rose verehrte, war dennoch eine gewagte Aktion. Denn schließlich ehrte er damit nicht den Souverän Frankreichs, den Kaiser Napoleon III, sondern dessen Ehefrau.  Genau genommen war die goldene Rose ein Geschenk aus Anlaß der Geburt des einzigen Sohnes des Kaiserpaares. Doch Pius IX wußte sehr wohl, daß der vitalen und durchsetzungsstarken Kaiserin das Schicksal des Vatikanstaates, der gegen die italienischen Jakobiner um seine Existenz kämpfen mußte, weit mehr am Herzen lag, als ihrem Ehemann.

Die goldene Rose war jedenfalls eine lohnende Investition. Sie sicherte dem Kirchenstaat, der angesichts der italienischen Einigungsbestrebungen um seine Existenz fürchten mußte, die militärische Unterstützung der französischen Armee. Mit diesem Bündnis gelang es mehrfach, die Truppen Garibaldis zurückzuschlagen, und die Existenz des Kirchenstaates zu sichern.

Die goldene Rose war jedenfalls ein manchmal höchst wirksames Mittel des Vatikan, sich Einfluß zu sichern, oder Bündnisse zu festigen. Manchmal, geht man die Liste der Geehrten durch, aber auch nicht. Die Verleihung an Friedrich den III, Kurfürst von Sachsen, wird sich wohl kaum gelohnt haben. Dem Fürst waren seine machtpolitischen Ambitionen, deretwegen er sich der Schachfigur Luther bediente, wichtiger als die Sache des Glaubens.

Die Gelegenheit, wieder einmal ein Sujet des französischen Rokoko, diesmal des Neospätbarock abzubilden. Eugénie lehnte sich im Stil nicht ganz ohne Hintergedanken dem Stil der Madame Pompadour an. Auch ihre politischen Ambitionen und Strategien ähnelten der ihrer großen Vorgängerin in entscheidenden Details. Doch das französisch-österreichische Bündnis gegen Preußen scheiterte erneut. 1870 griff Preußen Frankreich an, die französische Armee unterlag, der Kaiser wurde festgenommen, Kaiserin Eugenie flüchtete unter abenteuerlichen Umständen nach England. Der Kirchenstaat verlor seine wichtigste Bündnispartnerin und unterlag den italienischen Jakobinern. Der Papst wurde zum Gefangenen im Vatican. Bismarcks Krieg hatte die politische Balance Europas verändert.  Jahrzehnte später sollte das Chaos zwei Monstren gebären.

Sonntag, 27. März 2011

Uhrzeitenwende


Wieder einmal werden die Uhren umgestellt. Die Winterzeit endet, die Sommerzeit beginnt. Vielen Menschen bekommt diese Umstellung nicht, die Umstellung verursacht stets ein leichtes Chaos, und auch unser Vikar kam heute zu spät. Wer sich gegen solche Unfälle wappnen will, sollte sich wohl eine funkgesteuerte Uhr anschaffen.

Skaphe mit temporalen Stunden
Einem Menschen der Antike und des Mittelalters, der Renaissance, ja selbst einem Menschen des 19. Jahrhunderts hätte man dieses Phänomen der Zeitumstellung wohl nicht erklären können. Jeder Ort hatte, bis zur Einführung der "Eisenbahnzeit" Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, seine eigene Zeit. Die Uhrzeit orientierte sich am Sonnenlauf und wurde stets zur Mitte des Tages, wenn die Sonne im Zenit stand "synchronisiert", auch als im 14. Jahrhundert mechanische Uhren aufkamen, baute man noch immer Sonnenuhren, um die noch recht ungenauen mechanischen Uhren nachzustellen. Wobei auch die meist planen Sonnenuhren des Mittelalters nicht an die Genauigkeit der sphärischen griechisch-römischen Skaphen herankamen.

Noch bis zum Beginn der Zeit der großen astronomischen Uhren Mitte des 14. Jahrhunderts, und auch noch viele Jahrhunderte danach wurde der Tag nicht in 24 gleiche Stunden eingeteilt, sondern, wie in der Antike üblich, in sogenannte "temporale" Stunden, was bedeutet, daß Tag und Nacht, unabhängig von der jahreszeitbedingten Länge in jeweils 12 Stunden eingeteilt wurden, beginnend mit der ersten Stunde nach Sonnenaufgang (der Prim). Dies sind die Uhrzeiten, von denen in der Bibel die Rede ist, wenn in Matth. 20 von der dritten (der Terz), der sechsten (der Sext) und der neunten (der Non) die Rede ist. Wenn im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg die Arbeiter um die elfte Stunde eingestellt werden, so blieb ihnen noch eine Stunde Arbeit bis zum Sonnenuntergang, und um so skandalöser schien es den Zeitgenossen Jesu, daß auch diese noch den vollen Lohn erhielten. Und wenn wir am Karfreitag der Kreuzigung Jesu in der sechsten Stunden gedenken, und seines Todes in der neunten Stunden, dann war dies nur zum Zeitpunkt der Frühlings- und Herbstzeitenwende präzise zwölf Uhr Ortszeit und 15 Uhr Ortszeit, und keineswegs zwölf und fünfzehn Uhr MEZ.

Wadokei-Uhr der Edo-Epoche
Auf dem Land ging man  noch lange Zeit mit den "Hühnern zu Bett" und stieg mit ihnen auf, Licht war teuer, es galt, das Tageslicht möglichst auszunutzen. In Ländern, in denen Energie rar, und die Resourcen begrenzt waren, blieb es - wie im Japan der Edo-Epoche - noch bis ins 19. Jahrhundert bei der Einteilung in temporale Stunden.

Als im 14. Jahrhundert mechanische Uhren aufkamen, stellte man mit einem ingeniösen Mechanismus sowohl die mit mechanischen Uhren einfacher darzustellenden "äquinoktialen" Stunden, wie auch die temporalen Stunden dar. Aber darauf beschränkten sich die Wunderwerke der astronomischen Uhren, die sich um die Jahrhundertwende von 14. zum 15. Jahrhundert in fast jeder größeren Kirche installiert wurden, keineswegs. Sie zeigten meist noch ein ganzes Spekturm astronomischer Ereignisse und Daten, wie die Sternzeit, die Mondphasen, die Position von Mond, Sonne und Planeten im Zodiac, die Stundenregenten der (temporalen) Planetenstunden, Sonnenauf- und -untergang, Mondauf- und -untergang, die Zeiten der Dämmerung und der "goldenen Stunden". Es waren eher astronomische Rechenmaschinen als Stundenuhren, wie wir sie heute kennen. Es ist die Existenz von nahezu tausend dieser Großuhren in Europa nachgewiesen, wenige nur sind erhalten.

Prager Rathausuhr
Die Funktionsweise dieser astronomischen Uhren ist äußerst kompliziert, und sie zu lesen ist eine eigene Kunst. Man hat nun in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viele dieser Uhren rekonstruiert, und auf meist liebevoll gestalteten Seiten kann man ihre Funktionen nachvollziehen.

Für den "Einstieg" ist die deutsche Wikipedia-Seite der Prager Rathausuhr empfehlenswert, da sie vor allem die Lesetechnik einer nach Art eines Astrolabiums gestaltete Uhr anschaulich darstellt. Diese "Astrolabiumsuhren" sind am weitesten verbreitet, und man kennt häufig auch ihre Konstrukteure. Nikolaus Lilienveld gilt etwa als Konstrukteur der astronomischen Uhren in Lund, Stralsund und Bad Doberan. Lilienvelds Uhren sind angesichts ihrer großen Ähnlichkeit schon fast Beispiel einer Serienproduktion, aber es bot sich ja gewissermaßen der Nachbau eines erfolgreichen Projektes an.

Ausschnitt der Münsteraner Uhr
Auch in Deutschland finden sich mehrere Beispiele dieser großen astronomischen Uhren, die bekanntesten (und schönsten) sind dabei wohl die Ulmer Rathausuhr, und die astronomische Uhr des St. Paulus-Domes in Münster/Westfalen. Mir persönlich gefällt die Münsteraner Uhr nicht nur aus ästhetischen Gründen am besten. Sie weist eine außergewöhnliche Vielzahl von Funktionen aus, neben der Darstellung des Standes von Sonne und Mond zeigt sie auch die Konstellation der damals bekannten Planeten und die Stellung der Fixsternhimmels. Anrührend ist auch ihr Glockenspiel und das kleine Schaustück, daß sich jeden Mittag abspielt. Bei diesem Schauspiel treten die heiligen drei Könige, von denen man im Mittelalter sehr wohl wußte, daß sie auch "magi", Sterndeuter nämlich waren, aus der Tür, um sich vor der Jungfrau und dem Kind zu verneigen. Die Astronomie, und in Mittelalter und früher Neuzeit damit auch die Astrologie, dient, sie herrscht nicht.

Astra regunt homines, sed regit astra Deus.
Cedunt astra Deo, precibus Deus ipse piorum.

Die Sterne beherrschen die Menschen, doch Gott herrscht über die Sterne. Die Sterne gehorchen Gott, doch Gott hört auf die Gebete der Frommen, liest man als Text auf dieser Uhr.

Ulmer Rathausuhr.
Die im internet sehr ausführlich dokumentierte Ulmer Rathausuhr, darf hier natürlich nicht fehlen, auch ihren Typus gibt es nicht nur einmal, unter anderem, weil der in Deutschland führende Hersteller von Großuhren diese Uhr rekonstruiert hat, und sie wartet. 

Eine nicht zum Typus der Astrolabiumsuhr gehörende Uhr findet sich in Rostock. Sie dürfte, was das Alter ihres Uhrwerks angeht, wohl die älteste noch original erhaltene astronomische Uhr in Deutschland sein. Von der Darstellung der astronomischen Daten fällt sie in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen, aber die Tatsache, daß die Uhr nahezu völlig erhalten ist, macht sie einzigartig. (Nicht vergessen, das Deutschlandfähnchen rechts oben zu klicken)

Die meisten der noch existierenden Uhren in Deutschland - ich habe da Lund einfach mal dazugezählt, ist doch die dortige Uhr von einem deutschen Uhrmacher und Ingenieur konstruiert worden, sind keine Originale mehr. Die Uhr in Lund wurde sogar erst im Jahre 1923 rekonstruiert, die Münsteraner Uhr wurde während der Zeit der Terrorherrschaft der Wiedertäufer völlig zerstört und erst im 16. Jahrhundert wieder neu erbaut, andere Uhre besitzen zumeist nicht mehr die originalen Uhrwerke.
Sicher fielen, wie etwa die Uhr des Münster von Doberan, die Uhren auch schlichten Plünderern zum Opfer, doch daß diese Uhren außer Mode kamen, hat auch seine tiefer gehenden Gründe. Nicht nur, daß mit der Verbreitung von Wand- und Taschenuhren die Großuhren ihre Funktion verloren. Die Verfasser eines Führers für den Dom zu Lund sehen die Gründe so:

Die Uhr im Dom von Lund mit der thronenden Gottesmutter
Während des 17. Jahrhunderts (nach der Reformation) stellte man ein neues Zifferblatt für die Uhr her, nachdem der raffinierte mittelalterliche Uhrenmechanismus nicht mehr funktionierte. Viele der Original-Funktionen, die die alte Uhr zeigte, fielen dabei weg, das Zifferblatt zeigte nur noch die Tageszeit. Glocken auf der Oberseite der Uhr läuteten jede Viertelstunde und jede volle Stunde, unter der Obhut von zwei Figuren, die das Leben und den Tod repräsentierten. In dieser Beseitigung der alten Uhr die den Blick auf religiöse Feste, die Zeiten des Gebets und den Kosmos richtete, liegt etwas Symbolisches. Die neue Uhr drehte sich stattdessen im wörtlichen Sinn um die Stunden des Erdenlebens zwischen den Grenzen von Geburt und Tod.

Die innerweltliche Askese, die die lutherische Staatskirche Dänemarks gewissermaßen zur Staatsdoktrin erhob, führte die Menschen dazu, daß sie den Blick vom Himmel ab und den Werktischen zuwandten. Von diesem Moment bis zur Einführung der Eisenbahnzeit sollte es noch drei Jahrhunderte dauern. Die Uhrzeit aber stand nicht mehr im Dienst des Gebetes, im Dienste Gottes und der Menschen, sondern gab den industriellen Marschkolonnen den Takt. Wer morgen unter einem time lag leidet, sollte vielleicht einen Moment darüber nachdenken. 

Astrolabium der Firma Festo
Nun sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten astronomische Uhren wieder rekonstruiert worden, sogar Neukonstruktionen sind hinzugekommen. So hat die Firma Festo, Marktführer in Sachen Automation, vor wenigen Jahren sogar eine völlig neu entwickelte, äußerst komplexe und hochpräzise astronomische Uhr Bauen lassen. Daß einer der bedeutendsten Technologieführer der Welt dies unternimmt, läßt sich vielleicht ja im Hegelschen Sinn als Umschlag der Quantität in die Qualität verstehen. Und daß diese Uhr in jahrelanger Feierabendarbeit von einem ehemaligen Vorstandsmitglied entwickelt wurde, läßt gewissermaßen den Typus des Universalgelehrten und Ingenieurs der Renaissance auferstehen. Vielleicht helfen diese neuen Uhren ja, den Blick wieder gen Himmel zu richten. 

Nikolaus Lilienveld
Von dem Konstrukteur und Erbauer der astronomischen Uhren des Münster in Bad Doberan. Stralsund und Lund haben wir sogar ein Selbstbildnis. Die Uhr in Bad Dobern selbst wurde im dreißigjährigen Krieg zunächst geplündert, später zerstört, das Zifferblatt blieb erhalten. Es läßt ein wenig darüber nachdenken, ob der Islam vielleicht doch ein bißchen zu Deutschland gehört. Wie bei Lilienvelds Uhren üblich, stehen in den vier Ecken des Zifferblatts Darstellungen der vier Weltweisen, des in Ägypten geborenen Griechen Ptolemäus, des spanischen Königs Alfons von Kastilien des ägyptischen Astrologen und Arztes Ali bin Ridwan und des in Persien lebenden und Lehrenden Mathematikers, Astronomen und Astrologen Albumasar.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Lucia und ein Dankeschön


Als schwedisches Mädchen hat man am 13.12. etwa vier Möglichkeiten der Darstellung. Die interessanteste ist zweifellos Lucia. Allerdings in der Familie der ältesten Schwester vorbehalten, im Kindergarten nicht so streng limitiert, ab Schulalter gibt es eigentlich nur eine einzige Lucia pro Schule (eine pädagogische Herausforderung ersten Ranges). Dann Tärna (Jungfrau) ebenfalls zahlenmäßig begrenzt, aber beliebt, für die Mädchen, die gar keine Lust haben, in weißen Kleidern einherzuschweben bleibt die Möglichkeit, als Tomte (eine Art schwedischer Gnom) oder als Pepparkaksgubbe aufzutreten. Jungen bleibt da nur die Rolle des Stjärngosse (eher unbeliebt) oder wiederum als Tomte (eher männlich) oder als Pepparkaksgubbe (gewissermaßen die Genderversion).

Man sieht, das ist eher ein Fest für Mechen, wie meist. Wobei im ziemlich gendermaingestreamten Schweden eigentlich alle Kinder Lucia sein dürfen, auch die Jungen. (Für Gegner des Gender-Mainstreaming sei gesagt, daß dies eine seeeeeeeehr theoretische Möglichkeit ist).  Die Behauptung, man könne nur als langhaarige schwedische Blondine Lucia werden, wird von dem meist politisch äußerst korrekten Schweden heftigst bestritten, allerdings fiel in den letzten Jahrzehnten der Geschichtsschreibung die Wahl landauf, landab meist völlig zufälligerweise immer auf ein schwedisches Mädchen mit langen blonden Haaren.

Meine jüngere Enkeltochter Naomi als Tärna.

Mir geht es wieder besser, die Star-Operation ist einäugig überstanden, ich stelle erstaunt fest, daß die Welt in roten grünen blauen Farben sowie deren Mischtönen strahlt, statt wie bisher in einem milden altrosa bis mittelblaugrau. Danke für Eure guten Wünsche und für Eure Gebete. Am Freitag folgt der nächste Akt, und diesmal sind die Voroperationsbauchschmerzen zwar noch da, aber merklich geringer. 

Montag, 13. Dezember 2010

Lucia in Stockholm



Gestern abend - einen Tag nach den islamistischen Terroranschlägen - fand in Stockholm wieder das große Konzert zu Ehren der Heiligen Lucia statt. Daß im erzprotestantischen Schweden nicht nur das größte Fest des Winterhalbjahres der Heiligen Lucia geweiht ist, sondern auch ein urkatholischer Hymnus in lateinischer Sprache gesungen wird, finde ich bemerkenswert.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Immaculata, Blogpause und eine kleine Bitte


Der 8. Dezember ist eigentlich immer mein großer Tag. Weil ich vor 8. Jahren an einem 8. Dezember in die Kirche aufgenommen wurde. Und weil ich außerdem kein Dogma so vielschichtig und interessant finde, wie das, das wir am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria feiern. Mir fehlt es heute allerdings ein bißchen an der Konzentration, um Lesbares dazu zu produzieren.

NLM hat eine kleine Sammlung patristischer Texte ins Netz gestellt, und die Blogozese hat sich heute auch viel Mühe gegeben.

Für mich beginnt heute eine mindestens mehrtätige Blogpause, Muß mich morgen einer Augenoperation unterziehen (Star) und darf dann erstmal weder Zeitung lesen (kann man verschmerzen) noch bloggen, Wenn wer an mich denkt, fänd ich das lieb.

Und ich schließe heute in mein Gebet eine liebe Freundin ein, die in den nächsten Tagen ihr Kind erwartet.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Ambrosius, Luther, Bach, 7. Türchen



Ambrosius wird heute mit einem großen G geehrt, einem gebotenen Gedenktag. Ist ja auch das mindeste für den Urvater des ambrosianischen Gesanges. Und da bietet es sich doch an, als 7. Türchen Luthers Übersetzung des ambrosianischen Veni redemptor gentium und eine von Bachs zahlreichen Vertonungen - alle höchst bekannt - einzustellen. Wie "brav" Luther bei seinen Übersetzungen so im Großen und Ganzen dann doch war, läßt sich hier nachlesen.

Montag, 6. Dezember 2010

6. Türchen: Congaudentes Exsultemus


Schon komisch, dieser römische Generalkalender. Am 4. Dez. keine Heilige Barbara und am 6. Dezember "bloß" ein nicht gebotener Gedenktag. Bis zur Kalenderreform war der 6. Dezember immerhin noch ein Fest 3. Klasse, also ein gebotener Gedenktag. Aber St. Nikolaus hatte ja schon anläßlich der tridentinischen Reform Federn lassen müssen, so wurde in der Liturgie des 6. Dezembers die Sequenz gestrichen, die das Fest als besonders bedeutend kennzeichnete. Text und Melodie sind hier zu finden.

Bild: das ganz besonders wunderschöne Ciborium der Kathedrale St. Nikolaus in Bari.

Stecken und Stab


Ich weiß nicht, wann ich den Knecht Ruprecht aus den Augen verloren habe. Jedenfalls war er, als ich selbst noch ein kleines Kind war, noch da. Der Typ war echt zum Fürchten. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß ich mich ein bißchen gefürchtet habe. Auch wenn ein Indianer ja eigentlich völlig furchtlos ist. 

Ganz supergruslig fand ich damals jedenfalls, daß er damit drohte, die bösen Kinder - und das waren fast immer die Jungs - in den Sack zu stecken. Dann hat er doch am Schluß kein Kind in den Sack gesteckt, es gab nur ein Standpauke, und am Schluß hat uns Nikolaus, der seinen Knecht ja immer im Griff hatte, doch was geschenkt. Ich lebte damals im Rheinland, in einer eigentlich mehrheitlich protestantischen Stadt mit katholischen Sitten, wie es im Rheinland halt so ist.

Es stellt sich nun die Frage, ob man ihm - dem Schwarzen, der im Alpenraum auch noch mit zwei Bockshörnern rumläuft - wirklich nachtrauern muß. Als papsttreuer Kirchenbürger neige ich mittlerweile  zur Ansicht, daß er uns wirklich fehlt. 

Benedikt XVI hat in jüngerer Vergangenheit immer wieder auf die fatalen Folgen einer alles verstehenden, alles verzeihenden "Liebeskirche" hingewiesen.
... seit der Mitte der 60er Jahre wurde (das kirchliche Strafrecht) einfach nicht mehr angewandt. Es herrscht das Bewußtsein die Kirche dürfe nicht Rechtskirche, sonder müsse Liebeskirche sein; sie dürfe nicht strafen. So war das Bewußtsein dafür, daß Strafe ein Akte der Liebe sein kann, erloschen. Damals kam es auch bei ganz guten Leuten zu einer merkwürdigen Verdunkelung des Denkens.
Heute müssen wir wieder neu erlernen, daß die Liebe zu dem Sünder und die Liebe zu dem Geschädigten dadurch im rechten Ausgleich stehen, daß ich den Sünder in der Form bestrafe, die möglich und die angemessene ist. Insofern gab es in der Vergangenheit eine Bewußtseinsveränderungh, durch die eine Verdunkelung des Rechts und der Notwendigkeit von Strafe eingetreten ist - letztendlich auch eine Verengung des Begriffs von Liebe, die eben nicht nur Nettigkeit und Artigkeit ist, sondern die in der Wahrheit ist. Und zur Wahrheit gehört auch, daß ich denjenigen strafen muß, der gegen die wirkliche Liebe gesündigt hat.(Licht der Welt,  42, f.)
Mitte der 60iger Jahre verschwand auch Ruprecht. Ausgemerzt durch die antiautoritäre Welle, die zuallererst die Kindergärten erfaßte. An die Stelle des teils belohnenden, teils strafenden Paaares trat dieser dickbäuchige, rotnasige Suffkopf, dessen ikonographische Gestalt letztlich von einer Firma gestaltet wurde, die koffeinhaltige Zuckerplörre verkauft.

Mittlerweile hat die Welle offenbar auch die katholische Welt erfasst. Nett, artig, lieb, politisch korrekt, selbstverständlich inclusivelanguageschraubsprechend, multikultimäßig und radikal durchgegendert, so scheint sich die katholisch sich nennende Jungschar den zeitgeistgemäßen krampusfreien Nikolausauftritt vorzustellen.

Da wächst in mir das echte Bedürfnis nach einem krachledernen Auftritt eines grimmigen, bocksgehörnten  Ruprecht (im gesamten deutschsprachigen Raum), Ascheklas, Bullerklas, Klas Bur (Westfalen, Norddeutschland), Zwarter Piet, Pietermann, Swarte Piet (Niederlande), Pulterklas (Diethmarschen) Ruklas, Rupsack (Mecklenburg) Hans Muff (= der muffige Hans), Heiliger Mann, Düvel, Zink Muff, Zink Knatsch (Niederrhein), Belzebub, Pelzebock (Eifel und Mosel), Pelzebub (Baden), Pelznickel (Pfalz und Saar), Butz (Schwaben), Rumpelklas (Allgäu), Schmutzli, Düsseli (Schweiz), Semper, Klaubauf (Bayern), Krampus (Österreich), Schiachtperchten (Salzburger Land), Partl, Bartl (Kärnten, Steiermark), Leutfresser (Ostalpen), Père Fouttard (Frankreich), Hans Trapp (Pfalz), Biggesel, Böser Klaus, Einspeiber, Gangerln, Kläuse, Klosen, Busebrecht, Buzebercht, Kehraus, Klausmänneken, Klausenpicker, Klombsack, Spitzbartl, schwarz Käsperchen, Rollebuwe, Battenmänner, Bullkater, Dollochs, Erbsbär, Spitzbartel, Buttmandeln, Treichler  Geißelchlöpfer usw. (Professor Dr. Manfred Becker-Hubertis Aufzählung ist wie meist nahezu vollständig)

Das Bild stammt von einem Blog über das Village Life in Kreis Saarburg Germany.