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Sonntag, 23. Januar 2011
So weit die liebe Sonne leucht
Seit fast einem Jahr findet nun etwa in vierwöchigem Abstand eine Messe in der außerordentlichen Form in unserer Dorfkirche statt. Es kommen sogar ein paar Leute, und erfreulicherweise vorwiegend aus unserer eigenen Gemeinde. Wir haben eine Schola zu bieten und pflegen den gregorianischen Choral. Nicht so perfekt wie die Frankfurter aber wo gibt es schon eine Dorfschola, die nicht nur das Ordinarium, sondern auch einige Teile des Propriums zu bieten hat. Wochenlang geübt für den Weihnachtshymnus a solis ortus cardine und es klingt richtig gut - sagt der Pfarrer. Die Melodie, nach der wir gesungen haben stammt aus dem liber usualis, die Mädels singen offenbar nach der etwas komplexeren Melodie aus dem Antiphonale Monasticum.
Luther hat den Hymnus in die deutsche Sprache übertragen. "Christum wir wollen loben schon" und Bach hat einen Orgelchoral dazu geschrieben. Ist leider alles völlig aus der Mode.
Sonntag, 28. Februar 2010
Transfiguratio Domini
Der zweite Fastensonntag ist für mich immer der Tag, an dem ich vergeblich auf eine Predigt über dieses so wunderbare Geheimnis, das Geheimnis der Transfiguration Jesu (Lk 9, 28b-36) hoffe. Es ist nämlich auch meistens der Sonntag, an dem unser Bischof Karl seinen Hirtenbrief von den Kanzeln verlesen läßt. Einmal im Jahr muß es sein, und daß sich unser Pfarrer bei der Verlesung mit einem Glas Wasser bewaffnete, ließ schon nichts Gutes erwarten. Es kam, wie es kommen mußte, es war wieder ein unglaublich langer und unfaßbar langweiliger Hirtenbrief, sprachlich und inhaltlich in dem so sattsam bekannten Plätscherton, den wir von unserem Bischof kennen. Nachher bedankte sich der Pfarrer noch ausdrücklich bei den Kindern, daß sie so lange ausgehalten hatten. Ob ich da wohl etwas dezente Kritik an unserem Määnzer Bischof merke? An solchen Sonntagen tröste ich mich manchmal im internet mit der Lektüre des berühmten Sermons 51 von Papst Leo dem Großen:
Mt 17,19: Nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus, den Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias, die mit ihm redeten. Petrus aber nahm das Wort und sprach zu Jesus: "Herr, hier ist gut sein für uns: wenn du willst, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Moses eine und Elias eine!" Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke, und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Ihn sollt ihr hören!" Als die Jünger dies hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat hinzu, berührte sie und sprach zu ihnen: "Stehet auf und fürchtet euch nicht!" Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und während sie vom Berge herabstiegen, befahl ihnen Jesus und sprach: "Sprechet zu niemand von diesem Gesichte, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!"vgl. Mk 9,18: Lk 9,28-36
Geliebteste! Das verlesene Evangelium, das durch unser Ohr zu unserem Innern sprechen will, ladet uns zum Verständnisse eines großen Geheimnisses ein. Dazu werden wir mit Hilfe der göttlichen Gnade um so leichter gelangen, wenn wir zuerst das betrachten, was weiter oben erzählt ist in dem unserem Evangelium vorangehenden Kapitel, wo sich Christus als Sohn Gottes und als leidensfähigen und sterblichen Menschen bekennt. Wollte doch unser Erlöser Jesus Christus, dessen Glaubenslehre die Sünder zur Gerechtigkeit und die Toten zum Leben zurückruft, seine Jünger durch Mahnworte und Wundertaten darin unterweisen, daß man Christus gleichzeitig für den "eingeborenen Sohn Gottes" und für den "Menschensohn" halten müsse. Eins wie das andere wäre für sich allein für unsere Erlösung ohne allen Nutzen gewesen. Denselben Schaden brächte es, wollte man in unserem Herrn Jesus Christus nur an eine göttliche Natur und nicht zugleich auch an eine menschliche oder nur an eine menschliche und nicht zugleich auch an eine göttliche glauben. Zu beiden müssen wir uns in gleicher Weise bekennen. Wie in Gott wahre Menschheit wohnte, so auch im Menschen wahre Gottheit. Um nun die so heilsame Erkenntnis dieses Glaubenssatzes zu bestätigen, richtete der Herr an seine Jünger die Frage, wofür sie selber ihn bei den widersprechenden Meinungen der Leute hielten und welche Ansicht sie über ihn hättenvgl.Mt 16,13 ff.; Mk 8,27 ff.; Lk 9,18 ff. Da erschaute der Apostel Petrus, der infolge einer Erleuchtung durch den himmlischen Vater die Schranken durchbrach, die ihm als körperliches Wesen und als Mensch gesetzt waren, mit geistigem Auge den "Sohn des lebendigen Gottes". Und diesem Glauben an die Majestät der Gottheit verlieh er auch in seinen Worten Ausdruck, weil er eben nicht allein auf die Substanz des Fleisches und des Blutes blickte. S o sehr erregte Petrus durch dieses über alles Irdische sich erhebende Bekenntnis das Wohlgefallen des Herrn, daß dieser ihm das Glück der Seligkeit verlieh und ihn zu jenem heiligen, starken und unverletzlichen Felsen machte, auf dem die von ihm gegründete Kirche den Pforten der Hölle und den Gesetzen des Todes trotzen sollte.S o sehr gefiel er dem Herrn durch jenes Bekenntnis , daß in allen Fällen, in denen es sich um Lossprechung oder um Vorbehaltung handelt, nur dann ein Urteil im Himmel Geltung hat, wenn Petrus der Richter war.
Wer weiter lesen will, bitte hier. Manchmal ist das internet doch ein rechter Segen.
Sonntag, 31. Januar 2010
Laetetur cor quaerentium dominum
Für diejenigen, die einen richtigen gregorianischen Introitus eher selten hören:heute ist der Introitus "laetetur cor" dran. Von Text und Melodie einer der schönsten, die ich kenne. Und wochenlang haben wir geprobt, und heute fällt der Chorleiter aus. Wie soll man das nur kommentieren? Mit "Rabäh"?. So irgendwie fühle ich mich jedenfalls heute. Naja, muß man noch ein Jahr warten.
Samstag, 26. Dezember 2009
Graubrot statt Canapés
Vorschriftsmäßig singt bei uns die Schola den Introitus zum Fest des Heiligen "Protomärtyrers" Stephanus. Ich glaub, ich hab es ein bißchen verhauen, aber schließlich werden wir ja geheiligt nicht durch unsere Werke, sondern ums mit Meister Eckhard zu sagen, durch unser Wirken. Vorschriftsmäßig wird das große Credo III. gesungen und vorschriftsmäßig bittet der Herr Pfarrer darum beim "et incarnatus est" zu knien, was dann auch vorschriftsmäßig geschieht. Die große Orchestermesse am "2.Weihnachtsfeiertag" gibt es bei uns nicht, weil, bei uns gibt es ja auch kein Orchester (gottlob). Ja die beiden Pfarrer unserer Pfarrgruppe (die gottlob nicht Seelsorgeeinheit heißt) tragen Soutane, Gemeindeassistenten haben sich in unsere heilige Diaspora-Provinz noch nicht verirrt, dafür haben wir aber zwei Diakone, ätschebätsche ihr Großstädter. Meistens liebe ich es, in der Provinz oder auf dem diesfalls keineswegs flachen Flachen Land zu leben.
Daß es heute um einen Diakon geht, den ersten der Jerusalemer Gemeinde, hat unser Pfarrer netterweise erwähnt.
Freitag, 25. Dezember 2009
Credo in unum deum
An den Weihnachtsfeiertagen wird in aller Regel das Große Credo gebetet, oder - wie bei uns zuhause, also in unserer Gemeinde - gesungen. Nicht vergessen, beim "et incarnatus est" zu knien.
Freitag, 14. August 2009
Vor 60 Jahren: Katholizismus besiegt Sozialismus
Heute vor 60 Jahren durften die Nachkriegsdeutschen zum ersten Mal die Abgeordneten des Bundestags wählen. Gegen alle Prognosen, die einen Sieg der Linken vorhersagten, gewann die katholisch geprägte CDU. Über diese Phase der deutschen Politik sollte dann später ein gewisser Dichterling, von dem man ein bißchen sehr spät erfuhr, daß er sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte, und ausgerechnet in diesem Zusammenhang sagen:Wir hatten Adenauer, grauenhaft, mit all den Lügen, mit dem ganzen katholischen Mief. Die damals propagierte Gesellschaft war durch eine Art von Spießigkeit geprägt, die es nicht einmal bei den Nazis gegeben hatte.Nun ja, 1972 als ESPEDE-Wähler (ach, ach, wie viel muß ich auf diesem Blog noch beichten) sah ich das wohl auch so ähnlich. Heute sehe ich die 50iger Jahre als Zeit des demokratischen Aufbruchs, der kulturellen Erneuerung, und als Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wird diese Zeit sowieso von dem meisten gesehen. Nun bin ich ausgerechnet in einer Gemeinde gelandet, die von eben diesen 50er geprägt, ja damals erst entstanden ist. Nun, es gibt keine Zufälle, ich sagte es ja bereits.
Mittwoch, 12. August 2009
Das Gesicht
unserer Madonna kam mir gleich bekannt vor. SIE ist es. Bei dem Bild handelt es sich um die älteste Marienikone Roms, möglicherweise die älteste Marienikone der Welt, die Maria Advocata
Montag, 10. August 2009
Maria! Maria! Maria!
Die Verehrung der Gottesmutter ist mir gewissermaßen angeboren. Der 8. September - an dem der Geburt der Jungfrau Maria gedacht wird - ist mein Geburtstag. Der 8. Dezember - an dem das Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria begangen wird - wurde aufgrund einer Kette von Zufällen (Zufälle gibt es nicht, wie also soll man das nennen) der Tag meiner Firmung. Wiederum aufgrund einer zielführend verwobenen Kette von Ereignissen (richtig so?) bin ich nun Bewohner des Pfarrhauses der Gemeinde Liebfrauen, deren Patrozinium am 15. August gefeiert wird - Aufnahme Mariens in den Himmel. Zwei Ereignisse verbinden mich also mit den beiden modernsten Mariendogmen, dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis (1854) und dem Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel (1950).
Das Marianische Jahrhundert ist nun seit einem halben Jahrhundert vorbei. Die Dekonstruktion selbst der überlieferten Mariologie, die noch fester Bestandteil der Glaubensüberzeugung eines Johannes Calvin und eines Martin Luther war, begann mit dem Siegeszug der "liberalen" evangelischen Theologie Ende des 19. Jahrhunderts.
Ich bete dafür, daß ein neues beginnen möge. Vielleicht gibt es doch Anzeichen?
Aus der Missionsstation Ober-Ramstadt
"Das hochwürdigste Bischöfliche Ordinariat bitten die unterzeichneten Kapläne an der St. Ludwigkirche zu Darmstadt, Fahrräder zu Dienstzwecken gebrauchen zu dürfen.Zur Begründung dieser Bitte beehren sie sich, auf folgendes ergebenst hinzuweisen:
Es sind die Missionsstationen Nieder- und Ober-Ramstadt und Griesheim zu versehen und außer in den genannten Orten ist auch noch in Weiterstadt Religionsunterricht zu erteilen. Die mangelhafte Zugverbindung zwingt öfter dazu, viel Zeit zu versäumen, ja manchmal bedeutende Ausgaben für Fuhrwerke zu machen."
Das Bischöfliche Ordinariat stimmte dem Antrag am 14. September 1914 zwar zu, hatte jedoch offenbar gewisse Bedenken; Dr. Elz (der hochwürdige HerrDekan) habe "darüber zu wachen, daß die Kapläne, indem Sie von unserer Erlaubnis Gebrauch zu machen, alles vermeiden, was Anstoß erregen könnte."
Kennern der Filmgeschichte und neueren Kirchengeschichte fällt dabei natürlich sofort die Szene aus Don Camillo ein, wo sich ein Trüpplein kommunistischer Jungmänner unvorsichtigerweise über den rennradfahrenden Don Camillo lustig macht. Die Szene endet mit 14 leicht bis schwer verletzten kommunistischen Jungmännern und einem glorreichen Sieg des unerreichten Kämpfers für die Sache der alleinseligmachen Mutter Kirche. Obiges Bild zeigt Peppones nicht minder berühmte Moto Guzzi.
Sonntag, 9. August 2009
Unsere Madonna
Sie steht heute leider etwas versteckt, doch sie zeigt Spuren häufiger Berührungen. Viele, die vor dieser Statue beten, berühren sie. Es gibt keine Möglichkeit, vor dieser Madonna eine Kerze anzuzünde, so kann man dafür, durch diese leichte Berühung, etwas mitnehmen und etwas zurücklassen.
Auch wenn sie das Gotteskind trägt, hat sie doch etwas von einer Schutzmantelmadonna.
Just Married
GanzinweißmitSchleier entfiel, schließlich sind wir seit fast 31 Jahren standesamtlich - und streng genommen sakramental gültig - verheiratet. Dafür hätten wir mit eigenen Blumenkindern dienen können, unseren beiden hinreißenden Enkeltöchtern, die wir dann doch nicht zum Einsatz gebracht haben.
Unsere Schola hat sich gemüht und stundenlang für unsere Trauung geprobt, ebenso die Meßdiener, schließlich war das die erste Trauung im tridentinischen Usus seit unvordenklichen Zeiten. Es war berührend, aber glücklicherweise sitzt das Brautpaar ja mit dem Rücken zur Gemeinde, die sich diesmal aus unseren Freunden und unseren engsten Verwandten zusammensetzte. (Irgendwie hab ich dieses ein Indianerweintnicht doch noch immer verinnerlicht)
Mittwoch, 5. August 2009
Rome sweet home
Der Blick geht direkt auf den Eingang der Kirche. Alles ist im Stil der fünfziger Jahre gehalten, den ich (andere sprechen von Nierentischepoche) eigentlich schätze. Das Fenster ist jedenfalls in Gelb, Magenta und Blau gehalten. Mir gefällt es.
Über die Farben dieses Fensters mache ich mir schon Gedanken, so lange ich hier wohne. Was symbolisieren die Farben. Die Heilige Dreieinigkeit? Oder einfach nur das CMYK-System. So in etwa geben die Farben tatsächlich Yellow, Magenta und Cyan wieder. Aber auch das hat ja die heilige Zahl drei wieder in sich. Hat wer eine Idee?
Nun ja, von der PGR-Vorsitzenden wissen wir inzwischen, daß von der Kirchenausstattung einfach noch drei Fensterscheiben übrig waren. Und Pastellfarben waren in den fünfzigern eben Mode. Aber Zufälle gibt es nicht.
Nun ja, von der PGR-Vorsitzenden wissen wir inzwischen, daß von der Kirchenausstattung einfach noch drei Fensterscheiben übrig waren. Und Pastellfarben waren in den fünfzigern eben Mode. Aber Zufälle gibt es nicht.
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