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Mittwoch, 1. Juni 2011

Evangelischer Kindergeburtstag


Heute beginnt in Dresden der "Evangelische Kirchentag". Die allerbeste Gelegenheit, dem evangelischen Böböbösewicht Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Graf basismäßig endlich mal die Meinung zu sagen. Beharrt der doch immer noch auf seiner These, daß bei evangelischen Pastorinnen der "Mutti-Typ, nicht wirklich intellektuell" mittlerweile vorherrsche. Doch statt Abbuße zu tun, setzt Graf sogar noch einen drauf.

Nicht nur der pastorale Mutti-Typ, sondern auch der Vati-Typ sei das Problem.
Es gibt in der evangelischen Kirche derzeit einen Trend zur Infantilisierung des Christlichen, zu einem Stil religiöser Kommunikation, der sich primär an Kinder und andere vermeintlich Unmündige richtet
Zu diesem Thema hat Graf nicht nur ein knackiges Interview gegeben, sonder gleich ein ganzes Buch verfasst.
Das Evangelium gerate "zu einer ganz einfachen, letztlich banalen Allerweltsbotschaft von einem Wohlfühlgott, der immer nur Liebe ist", kritisiert Graf. Zwar seien Frauen nach seiner Meinung besonders empfänglich für jene Tendenzen, doch im Kern ärgert er sich über diese Strömung als solche.
Das Thema dürfte allerdings den meisten - tausenden - Kirchentagsbesuchern ziemlich am Bürzel vorbeigehen. Die werden wahrscheinlich viel lieber Margot Käßmann zujubeln, der Wohlfühlprotestantin schlechthin. Wir sind schon mal gespannt, was wir diesmal von ihr zu hören bekommen. Der 50. Geburtstag der "von Gott geschenkten" Anti-Baby-Pille ist ja auch schon vorbei.

Afghanistan, sollte man denken, ist auch schon durch. Nicht für Margot Käßmann. Die diskutiert mit Tom Koenigs, der1973 seine Erbschaft dem Vietcong geschenkt hat und zu "meiner" Frankfurter Zeit - wie ich - der Gruppe "Revolutionärer Kampf" angehörte, über das Thema: "Schaffen militärische Interventionen Frieden?". Wir dürfen also mehr als gepflegte Langeweile nicht erwarten. Es sei denn, Genosse Tom ist an diesem Abend gut aufgelegt und bereit, die gute Ex-Bischofeuse auf einem mit hartholzigen Fakten angelegten Feuerchen zu grillen.

Ansonsten wird es ganz bestimmt viele, viele Stuhlkreise geben. Überhaupt scheint mir der Ev. Ki.Tag der Erfinder des neoliturgischen Mediums Stuhlkreis zu sein.

Das Thema Homosexualität ist mit 38 Veranstaltungen breit vertreten, ja es gibt sogar ein "Zentrum Homosexuelle und Kirche".  Dann gibt es noch eine Veranstaltung unter dem Titel "und das ist auch gut so..." an der selbstverständlich Wowi teilnimmt, umrahmt von Personen, wie Prof. Dr. Steinacker, Maria Jepsen und dem Vorsitzenden der Vereinigung Homosexuelle und Kirche, die dieser These keinesfalls widersprechen werden.

Unter dem Suchbegriff "Lebensschutz" ist erstmal nichts zu finden. Stattdessen gibt es einen Workshop "Welches Verhütungsmittel paßt zu mir?" Aber immerhin finden sich einige Lebenschutzvereinigungen wie Rahel e.V. und die TCLG. Kaleb, Jugend für das Leben, die CDL und ALfA. Nur auf den Podien wird über das doch so dringende und drängende Problem Lebensschutz nicht diskutiert. Stehen wir nicht vor einer Bundestags-Abstimmung über das Thema PID? Hat der Kirchentag uns dazu nichts zu sagen?

Kirchentage waren für mich einmal Zwischenstationen auf dem Weg zurück zu Christus. Ob ich diesem Weg anderen heute empfehlen würde? Eher nicht.

Der Kirchentag ist diesmal grün. Soll gleichzeitig für die Energiewende stehen. Womit wir wieder beim Kindergeburtstagsthema wären. Die Blümelein sie schlafen. Und ich schlaf jetzt auch.

Sonntag, 1. Mai 2011

Catherine and John Paul II


Ich stelle fest, daß die kommunizierenden Röhren des christlichen Europa noch immer gut funktionieren. Die Koinzidenz zweier Ereignisse, der Hochzeit von William und Catherine  und die Seligsprechung Johannes Paul II, spricht dafür.

Was denn verbindet die Seligsprechung Johannes Paul des IIten mit der Hochzeit des künftigen britischen Kronprinzen und seiner Frau Catherine? Es ist der Name der Braut. Es sind nur Vermutungen, allerdings Vermutungen, denen niemand widersprochen hat, daß die Wahl des Hochzeitstages bewußt auf den 29. April festgesetzt wurde, den Festtag der Heiligen Katarina von Siena, und damit Namenspatronin der Braut.

So beginnt denn die Homilie des anglikanischen Bischofs von London mit einem Zitat von Catherine of Siena:
“Be who God meant you to be and you will set the world on fire.” So said St Catherine of Siena whose festival day it is today. Marriage is intended to be a way in which man and woman help each other to become what God meant each one to be, their deepest and truest selves."
Der Bischof zitierte neben Katharina von Siena noch einen anderen berühmten Katholiken, Geoffrey Chaucer. An diesem Ort fast unvermeidlich, den Chaucer wurde die Ehre zuteil, in Westminster Abbey begraben zu werden.

Die besondere Verehrung, die die Päpste immer Katharina von Siena entgegenbrachten, hat nun auch der selige Johannes Paul der II geteilt. Gemeinsam mit Birgitta von Schweden und Edith Stein ernannte er sie 1999 zur Patronin Europas.

Aber es gibt da noch einen anderen Link. Westminster Abbey ist, wie der Petersdom dem Heiligen Apostelfürsten geweiht.

Daß im Zuge der Kalenderreform der Festtag der Heiligen Katharina wieder auf den 29. April gelegt wurde, ist eine der - eher wenigen - guten Entscheidungen im Rahmen der Kalenderreform. Die Dominikanerinnen jedenfalls haben  das königliche Paar herzlich gerne in ihre Gebete eingeschlossen.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Nicht die Gläubigen verlassen uns...

sondern die Ungläubigen.

Ich widerspreche nur ungern (gelogen; ich widerspreche von Berufs wegen), jedenfalls widerspreche ich ungern Alipius. Aber diesmal muß es sein. Ich widerspreche der These - die wohl eher eine Vermutung ist - daß uns die "Gläubigen" verlassen. Gemeint ist es sicher anders, aber die Wortwohl ist irreführend. Nicht die Gläubigen verlassen uns, sondern die Ungläubigen. Nicht die verlassen die katholische Kirche, die sich den Katechismus zu Herzen nehmen, ihrer Sonntagspflicht genügen und darüber hinaus noch viel mehr tun, die den Heiligen Vater in Rom nicht nur so nennen, sondern ihn auch dafür halten. Die verlassen die Kirche, deren Bindung an den Glauben ohnehin schwach ist, und die Zahl dieser eher Ungläubigen als Gläubigen ist in Deutschland hoch.

In Deutschland bezeichnen sich nur 43 % der Bevölkerung als religiös, weit weniger als formal einer Kirche oder Religionsgemeinschaft (66 %) angehören. Es sind diese reliös eher indifferenten, die in Krisenzeiten wie diesen geneigt sind, die Kirche zu verlassen.
Ob jemand einen Kirchenaustritt erwägt, hängt in erster Linie von seinen religiösen Bindungen ab. Konfessionsmitglieder mit starker religiöser Verankerung sind kaum für Austrittsgedanken anfällig, dagegen sehr wohl diejenigen, in deren Leben Religion eigentlich keine nennenswerte Rolle spielt. Von den Konfessionsmitgliedern, für die der Glauben eine große Rolle spielt, haben 9 Prozent schon einmal an einen Austritt gedacht, von den religiös völlig Indifferenten 69 Prozent.
Sagt uns Allensbach.

Noch einer weiteren Alipius-These bin ich geneigt zu widersprechen.
wo der schwindende Katholizismus ein Vakuum entstehen läßt, drängt das nach, was am nächsten sitzt. Und das ist zumindest in Europa immer noch der Protestantismus.
Die These widerspricht den nackten Zahlen der Statistiker. Der Kirchenaustritt führt nur in den seltensten Fällen zu einer anderen Kirche, in den meisten ins Vakuum. Und noch immer hat die Ev.Ki. mehr mit Austritten zu kämpfen, als die katholische.Kirche. Wie nicht nur bei Allensbach. nachzulesen, ist die religiöse Bindung der Protestanten geringer als die der Katholiken und das wachsende Spektrum der Konfessionslosen speist sich vor allem aus dem protestantischen Reservoir. 19 % der Konfessionslosen war einmal katholisch aber 35 % waren evangelisch.

Die religiöse Lücke wird - Standarthema dieses Blogs - vielmehr gefüllt mit der Sakralisierung der Person, der Gesellschaft und der Politik. Die Sozialisten hatten schon immer den Nimbus einer ersatzreligiösen Bewegung. Bekanntlich rettet uns keine höhres Wesen. Und die Ökos habe ich schon deshalb weit hinter mich gelassen (ich habe es getragen fuffzehn Jahr), weil der pseudoreligiöse Glaube an die Reinheit und Wahrheit eines in weiten Teilen aus den 70er Jahren stammenden Programms alles überstrahlt, vor allem die politische Vernunft.

Nicht zuletzt dürfte der Eso-Boom vom Nachlassen der Bindungswirkung der Religion profitieren, was ja - siehe Court de Gébelin und seine Jünger - schließlich schon immer so war.

Und schlußendlich protestiere ich - jawoll - gegen die These, wir beobachteten eine "Protestantisierung" der Kirche. In liturgischer Sicht mag dies stimmen, in ethisch-moralischer Sicht stimmte das noch nie. Schon Max Weber hat in seiner zugegeben milde antikatholischen Studie über Protestantismus und Kapitalismus darauf hingewiesen, daß der "moralische Rigorismus" der Calvinisten stärker ist, und immer stärker war, als der der in gewisser Weise stets geduldigeren und liberaleren katholischen Kirche.

Kandidierte nicht gerade vorgestern ein *piep*liberaler Pro-Choice-Katholik (Kerry) gegen einen in ethischen Fragen wesentlich standhafteren Pro-Life-Protestanten (Bush)?

Sicher, die mehrheitlich *piep*liberale Landeskirche kann man in fast jeder Hinsicht in der Pfeife rauchen, doch es gibt Traditionen und Vereine, die eine aufrecht-christliche Haltung pflegen. Auf das flammende Plädoyer evangelischer Diakonissen für das Zeichen der Ehelosigkeit habe ich ja schon hingewiesen. Und auf die Lehren des Kulturkampfes. Da waren es durchaus nicht die Protestanten, die gegen die Katholiken "auf der anderen Seite der Barrikade" standen. Und das Zentrum war zwar mehrheitlich katholisch, aber keinesfalls eine Konfessionspartei.

Wir sollten uns klar machen, daß Christen entgegen den Mitgliedsstatistiken in unserem Land längst eine kleine Minderheit darstellen, bedauerlicherweise vor allem unter den Jüngeren. Doch das Bewußtsein, eine Minderheit zu sein, kann auch Motor einer religiösen Gegenbewegung sein. So steigt die Identifikation mit der eigenen Kirche bei den verbliebenen Protestanten wie Katholiken:
Am Beginn der neunziger Jahre verbanden 52 Prozent der Konfessionsmitglieder mit ihrer Mitgliedschaft die Möglichkeit, zum Beispiel die Heirat und die Geburt eines Kindes gebührend zu feiern, heute 65 Prozent. Ruhe, Gelegenheit zu Reflexion und Meditation sahen zu Beginn der neunziger Jahre 25 Prozent als Gratifikation ihrer Kirchenmitgliedschaft, heute 39 Prozent. Der Anteil, der aus seiner Kirchenmitgliedschaft Trost in schwierigen Lebensmomenten zieht, hat sich von 25 auf 33 Prozent erhöht.
Und gerade unter den Jugendlichen, die in ihrer Altersgruppe noch mehr zu einer religiösen Minderheit gehören, als die Älteren, wächst neue Stärke, die das Überleben der Religion wahrscheinlicher scheinen läßt, als ihr, wie es Marx nannte, "Absterben".
Die Minderheit der religiösen jungen Menschen unter 30 Jahren unterscheidet sich in vieler Hinsicht von den religiös indifferenten Altersgenossen: durch eine stärkere Familienhinwendung, ein überdurchschnittliches soziales Verantwortungsgefühl, Aufgeschlossenheit, Bildungsorientierung und eine signifikant größere Bereitschaft, sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie mit Fragen nach dem Lebenssinn auseinanderzusetzen, sowie unterdurchschnittlich ausgeprägten Materialismus.
Unter der jungen Generation sind die Christen in einer ähnlichen Lage wie es die Christen am Beginn des christlichen Zeitalters waren. Sie waren in der Minderheit, aber sie waren Anhänger einer zukunftsfähigen Moral, sie waren sozial verantwortlicher, politisch engagierter, gebildeter und leistungsfähiger als die Anhänger einer zum Sterben verurteilten Kultur. Die Kultur des Todes ist selbst nicht überlebensfähig.

Dienstag, 25. Mai 2010

Grün ist die Farbe der Hoffnung


In der russisch-orthodoxen Kirche ist die liturgische Farbe für Pfingsten grün, als Farbe des Lebens und als Farbe der Hoffnung. Die Kirchen sind mit frischen Birkenzweigen geschmückt und die Gläubigen tragen Zweige in den Händen. Hier finden sich noch mehr Bilder dieses im übrigen historischen Ereignisses. Die Pfingstmesse zelebrierten der russisch-orthodoxe Patriachrch und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios gemeinsam. /Via NLM)

Sonntag, 28. Februar 2010

Solidarität mit Margot!

   Versöhnliche Töne erklingen aus der Blogozese bei Elsa, im Volltext bei dilettantus und musikalisch hinreißend dargeboten von der Petrusbruderschaft.
   Also so superkritisch wie der böse Bösewicht Harald Schmidt wolln wir ja gar nicht sein, ist doch allgemein bekannt, daß Katholische dazu neigen, insbesondere dem in Barriquefässern gereiften Spätburgunder (vulgo für Noaddeutsche : Rotspohn) eine fast schon überirdische Qualität zuzusprechen.
Wherever the catholic sun does shine, you will find laughter and good red wine, at least I always found it so, benedicamus domino. (Hillaire Belloc)
Sicher, sicher, das Sujet der Traubenmadonna hat vor allem eine tiefgehend spirituelle Bedeutung. Aber im Rheinland, jedenfalls in den Ecken wo Wein angebaut wird, sind sie doch gehäuft anzutreffen?

Sonntag, 6. Dezember 2009

Deum de deo, lumen de lumine

  Ob er Heilige Nikolaus am Konzil von Nicaea teilgenommen hat, ist angeblich umstritten. Es gibt Listen der Teilnehmer, auf denen sein Namen nicht auftaucht. Daß aber ausgerechnet dieser Bischof nicht an diesem Konzil teilgenommen hat, ist aber eigentlich wenig wahrscheinlich.
   Jedenfalls geht die Kirche davon aus, daß Nikolaus an diesem entscheidenden Konzil teilgenommen hat, auf das die Formulierung des Großen Glaubensbekenntnisses zurückgeht.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Wie skandiert man Henryk?

   Das ist eine Kippa. Und jetzt muß man sich nur noch vorstellen, daß diese Kippa im Ring liegt. Und dann noch, daß es sich um die Kippa meines Lieblingsjuden Henryk Broder handelt. "Meine Kippa liegt im Ring!"
   Henryk will nämlich für das Amt des Präsidenten des Zentralrats der Juden kandidieren.
Und dafür in den Ring steigen. Broder gegen Kramer. Der Boxkampf des Jahres.
Schade, daß ich da nicht auf den Rängen stehen kann, um Henryk zuzujubeln. Weil, dafür muß man ja wohl Jude sein. Weil, wie Henryk immer so treffend sagt, er aus seinem Verein nicht austreten kann, kann ich auch in seinen Verein nicht eintreten. Henryk kann also locker Bahai werden, ich aber nicht Jude.
   Also bleibt nur die matte Äußerung der Sympathie auf diesem Blog, den sowieso Henryk niemals lesen würde. Jedenfalls hätte ich diese kernigen Sätze ja wirklich so gerne aus dem Mund eines Vorsitzenden des Zentralrats gehört:
Der Zentralrat tritt als Reue-Entgegennahme-Instanz auf und stellt Unbedenklichkeitserklärungen aus, wobei es weder nach oben noch nach unten eine Schamgrenze gibt. Der Zentralrat hat seine Beziehungen zum Vatikan und zur deutschen Bischofskonferenz im Zuge der „Williamson-Affäre“ zeitweise abgebrochen; wenn ein Theater in der Provinz Fassbinders Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ aufführen will, eilt der Generalsekretär persönlich hin, um den Theaterleuten zu sagen, was sie machen beziehungsweise nicht machen sollen. Wenn das keine Beschäftigungstherapie ist, dann ist es nur lächerlich.
Als Präsident des Zentralrates werde ich für ein Ende des kleinkarierten Größenwahns sorgen, der sich immer mehr zumutet, als er zu leisten in der Lage ist. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird. Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren. Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außer Frage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet. Wir brauchen nicht noch mehr Holocaustmahnmale und Gedenkstätten, sondern eine aktive Politik im Dienste der Menschenrechte ohne politische Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen. Wer vom Kampf der Dissidenten in China und der Verfolgung der Baha’i im Iran nichts wissen will, sollte auch am 27. Januar und am 9. November zu Hause bleiben.
  Ja, und was kann man nun tun um den genialsten Kandidaten aller Zeiten für dieses Amt zu unterstützen? Katholische Claqueure sind ja wohl nicht angesagt. Beten geht auch nicht, weil wir wollen ja nicht nochmal eine Diskussion provozieren ob Katholiken nun dürfen oder nicht dürfen. Schade, wenn man mal so richtig unzuständig ist. 

Samstag, 18. Juli 2009

Ein zorniger Theist

Also auch wenn das die Blogozese bestimmt nicht nachvollziehen kann, ich mag Henryk Broder. Und Henryk Broder mag Prälat Imkamp, den ich eigentlich auch gut leiden kann, was die Blogozese wahrscheinlich eher nachvollziehen kann. Warum ich beiden jedenfalls gerne zuhöre, kann man vielleicht bei dieser Maischberger Talkveranstaltung nachvollziehen. Neulich hat Broder Imkamps bei St. Ullrich erschienene Predigtsammlung zur Urlaubslektüre empfohlen. Ausgerecht bei SpON!
Schließe mich dieser Empfehlung an. Prälaten, die unseren Glauben verständlich und ohne dieses unsägliche "Ich bin katholisch, tschuldigung, soll nicht wieder vorkommen" rüberbringen, sind ziemlich dünn gesät.

Sonntag, 24. Mai 2009

Heimat

  Hej-mat spricht man dieses Wort. Und dieser Altar ist für mich Heimat. Es ist der Alter der Kirche von Oerel, der Kirche in der mein Vater getauft wurde, und in der meine Eltern geheiratet haben. Die Gemeinde ist lutherisch, die Kirche steht auf früherem Bremer Land, fast nebenan. Die Bremer aber sind calvinistisch-reformiert (igitt, hätte meine Großmutter gesagt und das klingt wie igejitt, aber schreiben kann man das eigentlich nicht, es ist jedenfalls ein Ausdruck abgrundtiefen Widerwillens). Nun ja, die Bremer haben auch auf dem Land die Reformation durchgesetzt, aber dort hat man nur eine äußerst milde Form akzeptieren wollen, und so viel geändert haben die konservativen Bauren nicht. Schon gar nicht den Altar.
   Nein, diesen Altar hatten die armen Geestbauern von den kargen Erträgen ihres entweder sumpfigen oder trockenen und jedenfalls armseligen Landes bezahlt.  So kommt es, daß heute noch in dieser protestantischen Kirche ein Marienaltar steht. Nicht Christus, wie bei den meisten protestantischen Altären üblich, sondern Maria steht im Mittelpunkt. Links ist die Verkündigung dargestellt, rechts die Anbetung der drei Könige. Das Kruzifix stammt aus der Gothik, und ist wohl früher Teil eines Vortragkreuzes gewesen. Meine Konversion hat ein paar grummelige Kommentare provoziert, aber, nachdem ich meinen Lieben erklärt habe, daß man hierorts doch eigentlich immer ein bißchen katholisch geblieben ist, und ich eben jetzt wieder ein büschen mehr katholisch bin, wars dann auch gut.

Die Kirche von Oerel ist wohl mehr als tausend Jahre alt. Der Altar stammt jedenfalls, wie das Kruzifix, aus "katholischer Zeit".

Freitag, 22. Mai 2009

Dreimal werden wir noch wach

  heissa, dann ist der Evangelische Kirchentag endlich vorbei. Zum Einstieg erst mal ein superblöder Artikel von Klaus Harrpprecht in der Zeit. (Der unter anderem behauptet, Katholiken würden exkommunziert, wenn sie an einem protestantischen Abendmahl teilnähmen - isgarnichtwahr.) Dann eine superpeinliche "Bibelarbeit" von der superpeinlichen "Bischöfin" Margot Käßmann. (Die es gar nicht peinlich findet, Seit´an Seit´mit einem bhuddistischen Zen-Meister namens namen Thich Thien Son für eine neue, vöööllllig regelfreie "Spiritualität" zu plädieren). Dann ein gaaanz toller Beitrag eines Akademiker-Ehepaars, das zu berichten weiß, daß der Bericht der Genesis über die Vertreibung aus dem Paradies "fälschlicherweise" als "Sündenfall" bezeichnet werde, usw. usf. O weh! In dieser Stadt bin ich geboren. Und dieser Kirche (ichsachmalso) hab ich angehört. Irgendwo wird bestimmt "Kumbaya" angestimmt mit kurzen Hosen und Klampfe. Und alle laufen mit dem Kirchentagshalstuch rum. 
   Das find ich diesmal allerdings nicht schlecht (Achtung! Bremische Grammatik!  für Nicht-Bremer: wahnsinnig-super-affengeil). Das Kirchentagsmotto lautet "Mensch wo bist du?" (Genesis 3,9). Auf den Halstüchern steht "Hier bin ich" (Jes. 6,8). Jau, auch Evangelische können witzig sein (jedenfalls bremische Evangelische).
   Also ich hab ja noch einen fortschrittlichen  ökologischen Kirchentagslöffel von dem Kirchentag von Anno 1987. Fand ich damals toll. Ist aber jetzt ziemlich verrostet. Ob das wohl eine tiefe, innere Bedeutung hat? Jedenfalls werf ich den nicht weg. Ich mag ihn. Meinen Löffel. Manchmal mag ich sogar die Evangelen.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Also ...

ich finde His Royal Highness Prince Ghazi bin Muhammad bin Talal cool. Auch wenn ich einen Krummdolch stilechter gefunden hätte als eine Rolex, so wirkt eine Rolex eindeutig dialogorientierter.  Diese Rede ist - natürlich außer den Reden, die unser Heiliger Vater gehalten hat - vielleicht die interessanteste, die während des Aufenthalts des Heiligen Vaters in Jordanien und Israel und Palästina gehalten wurde.
   HRH Prince Ghazi bin Muhamad bin Talal ist wohl der geistige Vater der von 138 muslimischen Repräsentanten und Gelehrten unterzeichneten Erklärung "A common word". Interessanterweise endet seine Rede nicht nur mit einem Lob für die Encycliken des Papstes, sondern auch mit einem Lob für dem Mut, zu handeln und zu sprechen ohne Angst vor dem Zeitgeist, und für das motu proprio "Summorum Pontificum".
Second, we receive Your Holiness as Pope Benedict XVI, in particular whose reign has been marked by the moral courage to do and speak his conscience, no matter what the vogue of the day, who is personally also a master Christian theologian, responsible for historic encyclical letters on the beautiful cardinal virtues of charity and hope, who has refacilitated the traditional Latin Mass for those who choose it, and who has simultaneously made intrafaith and interfaith dialogue a top priority of his reign, in order to spread good will and understanding throughout all peoples of the world.
  Was sich doch sehr wohltuend abhebt vor den geistlich und theologisch völlig hohlen Phrasen deutscher Ökumeniker und Dialogisierer. "The moral courage to do and speak his conscience" ist, so lernen wir, nicht Hindernis, sondern Voraussetzung für ein interreligiöses Gespräch im Geist des gegenseitigen Respekts.

Montag, 9. Februar 2009

Das Konzil ist nicht das Superdogma

Das Zweite Vatikanische Konzil gegen Mgr. Lefebvre als Wertvolles und Verbindendes der Kirche zu verteidigen ist und bleibt eine Notwendigkeit. Aber es gibt eine einengende Haltung, die das Zweite Vatikanum isoliert und die Opposition hervorgerufen hat. Viele Ausführungen vermitteln den Eindruck, daß nach dem Vatikanum II jetzt alles anders ist und das Frühere alles keine Gültigkeit mehr haben kann, oder, in den meisten Fällen, diese nur noch im Lichte des Vatikanum II hat. Das Zweite Vatikanische Konzil behandelt man nicht als Teil der lebendigen Tradition der Kirche, sondern direkt als Ende der Tradition und so, als fange man ganz bei Null an. Die Wahrheit ist, daß das Konzil selbst kein Dogma definiert hat und sich bewußt in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte; trotzdem interpretieren es viele, als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt.
Der vollständige Text dieses Vortrags aus dem Jahre 1988, mit dem Joseph Ratzinger bereits vor 20 Jahren nahezu alle heutigen Einwände erledigte (etwa Bischof Lehmanns Meinung, bei der FSSPX handele es sich lediglich um eine politische Bewegung, oder Bischof Müllers Meinung es ginge nur um ein bissel Liturgie) findet sich hier.

Sonntag, 8. Februar 2009

Alles Müller oder was?



Bischof Müller, der sich inzwischen zu meinem Lieblingsbischof entwickelt, zu den Bemühungen um die Reconziliation der Pius-Bruderschaft:
1. Gibt es ein „Zurück“ hinter das II. Vatikanische Konzil?

Diese Frage kann sich jeder leicht selbst beantworten. Eindeutig: Nein! Selbstverständlich bleiben wir in der Mitte der Kirche und gehen ihren Weg in Lehre, Liturgie und Leben als gute katholische Christen mit. Die vier schismatischen Bischöfe haben den Primat des Papstes anerkannt. Damit ist auch die Pflicht eines jeden Katholiken verbunden, die oberste lehramtliche Autorität aller Konzilien zu respektieren, wie besonders auch das II. Vatikanische Konzil, das von den Päpsten Johannes XXIII. und Paul VI. einberufen und bestätigt worden ist.
Darüber wird es mit der Piusbruderschaft der „Lefebvrianer“ auch keine Verhandlungen geben. Aber man kann ihnen den Sinn dieser verbindlichen Texte besonders über den Ökumenismus, das Verhältnis zu den Juden und zur Religionsfreiheit besser erläutern
   Woran erinnert mich das nur? Nach langem Nachdenken geht es mir endlich auf. Richtig, Politiker, die auch noch nach der xten Wahlniederlage der festen Überzeugung sind, daß sich an ihrer Politik nichts ändern müsse, man müsse sie dem Wahlvolk nur besser erläutern. Doch Unverständnis ist nicht nur das Problem der Piusbrüder. Selbsterklärend sind die Ergebnisse des Vaticanums keineswegs, teilweise (wie das berühmt berüchtigte "Subsistit") auch kaum erklärbar, sonst wäre das Vaticanum nicht, um es mit einem deftigen Ausspruchs Luthers zu sagen "aller Rottenmeister Gaukelsack." So geht es weiter:
Viele Anhänger der Piusbruderschaft teilen nicht die Aggressivität gegen den Papst und das Konzil und distanzieren sich von antisemitischen Machenschaften. Sie nehmen wohl nur wegen der alten Form der Liturgie an den Gottesdiensten der Piusbruderschaft teil. Ich rufe diejenigen im Bistum auf, die vielleicht ein wenig damit sympathisieren, wieder ausschließlich die Gottesdienste der katholischen Kirche in voller Gemeinschaft mit Papst und Bischof mitzufeiern. Es besteht ohnehin die Möglichkeit der außerordentlichen Form der Liturgie, wie der Papst sie vor einem Jahr großzügig gewährt hat.
   Jetzt aber zack zack ins Körbchen. Herzerwärmend. Wie "großzügig" die deutschen Bischöfe das motu proprio des Papstes umsetzen, läßt sich auf den entsprechenden Seiten laufend nachlesen.
   Aber über folgenden Satz konnte ich mich richtig amüsieren:
Unsere Geistlichen, Religionslehrer und alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bitte ich mit viel seelsorgerlichem Geschick, denjenigen, die etwas liebäugeln mit den konzilskritischen Richtungen, die zentralen Aussagen des II. Vaticanums zu erklären.
   Über die Ausbildung der Mitarbeiter der katholischen Kirche in Deutschland ist schon treffendes gesagt worden . Eine Diskussion eines dieser armen unbedarften Menschen mit einem Piusbruder kann eigentlich nur zu einem traumatischen Ereignis werden.

Nachdem Bilder mehr sagen als Worte, obiges Bild zeigt Karfreitag im Priesterseminar Zaitzkofen Und dieses Bild. zeigt die Kapelle des Mainzer Priesterseminar nach seiner "im Geist von VII" erfolgten Umgestaltung

Samstag, 7. Februar 2009

"Antimodernistische Exclave"

   So heißt es in einer Erklärung einer Versammlung ganz spezieller Freunde der katholischen Kirche (darunter zweier "geweihter Priesterinnen") wobei ich insbesondere die Liste der Erstunterzeichner dem geneigten Leser zum genauen Studium anempfehlen möchte (Demel, Grabmeier, Hassenhüttl, Häring, Küng, um nur die bekanntesten zu nennen):
Die Unterzeichnenden werten es als klare Richtungsanzeige, dass Papst Benedikt XVI. diese Aufhebung in direkter zeitlicher Nähe zum symbolträchtigen 50. Jahrestag der Ankündigung der Einberufung eines Konzils durch Papst Johannes XXIII. vollzogen hat. Diese Rückwärtswendung lässt die Rückkehr von Teilen der römisch-katholischen Kirche in eine antimodernistische Exklave befürchten
   Da der Begriff "Modernismus" nicht mehr jedem geläufig sein dürfte, obige hübsche Karikatur, aus der sich ohne weiteres erklärt, was unter Modernismus zu verstehen ist.(die Damen und Herren Unterzeichner haben doch wohl bewußt nicht das Adjektiv "antimodern" sondern "antimodernistisch " gewählt)
 Hier die Übersetzung: Christentum - Die Bibel ist nicht inspiriert -  Der Mensch ist nicht nach Gottes Ebenbild gemacht - Es gibt keine Wunder - Jesus ist nicht Sohn der Jungfrau - keine Gottessohnschaft  - Vater und Sohn sind nicht wesensgleich - es gibt keine Auferstehung - Agnostizismus - Atheismus.

"Geliebter Heiliger Vater,

.
.. im Auftrag der Polnischen Bischofskonferenz möchte ich Eurer Heiligkeit Dank sagen, für die Gesten und Maßnahmen, die uns zeigen, daß die stete Sorge des Nachfolger von Sankt Peter der Einheit der Kirche gilt.
   Die Tür für den Dialog zu öffnen, im Hinblick auf die Überwindung einer schmerzhaften Spaltung ist ein Akt großen Mutes und wahrer pastoraler Liebe ...
   Wir vertrauen darauf, daß diese väterliche Geste von seiten der Bischöfe und Gläubigen der Bruderschaft des Heiligen Sankt Pius des Xten mit dem gleichen guten Willen und der gleichen Offenheit beantwortet wird, und daß diese Geste die Bruderschaft dazu führen wird, ohne Vorbehalte die vollständige Lehre der Kirche und ihre Disziplin anzunehmen, einschließlich des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramtes der in jüngster Vergangenheit amtierenden Päpste.
   In Beantwortung des Aufrufs zum Gebet, seien Sie versichert, Heiliger Vater, daß die Kirche in Polen stets den Nachfolger des Heiligen Petrus in seiner Sorge um alle Kirchen unterstützt, und zum Herrn betet, daß alle Bemühungen um die Wiedervereinigung der Christgläubigen Frucht bringen mögen.

Warschau, den 6. Februar 2009

Jozef Michalik, Präsident der Polnischen Bischofskonferenz
Stanislaw Gadecki, Vizepräsident
Stanislaw Budzik, Generalsekretär

gelesen auf rorate caeli

Geht doch!
Verglichen mit der säuerlichen und im Stil des Schlußplädoyers eines Oberstaatsanwaltes abgefaßten Anmerkung des deutschen Vorsitzenden der Bischofskonferenz Zollitsch ein echter Lichtblick. Allein die Diktion (statt "schismatische Bewegung" "Bruderschaft der Heiligen Sankt Pius des Xten") , zeigt, daß bei den Gliedern der katholischen Kirche, die wirklich ohne Vorbehalte hinter dem Papst stehen, die Freude vorherrscht, und nicht die Furcht. Interessant im übrigen, daß die Bischöfe der polnischen Märtyrerkirche, für die tausende Priester, Ordensleuten und Gläubige unter dem nazistischen und kommunistischen Terror starben, von St. Pius dem Xten sprechen, Zollitsch nur von Pius X. 
Der Ton macht bekanntlich die Musik. 

Dienstag, 27. Januar 2009

Priestermangel unbekannt

   Zur Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Pius-Bruderschaft hört man von Seiten jüdischer Funktionäre nicht eben freundliche Kommentare. Salomon Korn, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Frankfurts, kippt da mit seinem Kommentar gleich einen ganzen Kindergarten mit dem Bade aus. Dennoch lehrt uns diese Einlassung einiges, unter anderem, daß die Kritiker eine völlige Verkennung der "katholischen Realität" auszeichnet.
Der Papst steht einer Kirche mit über einer Milliarde Katholiken vor. Umso unverständlicher finde ich es, dass er einer Bruderschaft, zu der gerade einmal 500 Priester und rund eine halbe Million Gläubige gehören, so viel Gewicht beimisst.
   Das kann ich dem Salomon Kern gerne erklären. Eine Relation von 1000 Katholiken auf einen Priester ist  katholischer Weltrekord,auch ein Verhältnis von 500 Priestern zu 200 Seminaristen ist rekordverdächtig. , so weist die deutsche katholische Kirche rein statistisch gesehen nur eine Relation von  1 zu 1.600 auf, faktisch ist die Relation noch viel schlechter. Daß ein einziger Priester in einer Großstadtgemeinde - wie der meinigen - für mehr als 4.500 Katholiken zuständig ist, ist ganz normal. Nun ist die andere Seite der Medaille, daß für gewöhnlich gerade mal 300 Katholiken zur sonntäglichen Messe erscheinen, gerade mal ein bißchen mehr als 6 % der Gemeindemitglieder. 
   Wachstum, Engagement, missionarischer Eifer findet sich in der katholischen Kirche praktisch ausschließlich im traditionalistischen Milleu.  Die traditionellen Organisationen, wie die Petrus- und Pius-Bruderschaft haben über Zulauf nicht zu klagen, den traditionalistischen Orden mangelt es nicht an Novizen. 
   Benedikt weiß schon sehr gut, daß hinter der hohen Zahl von einer Milliarde Katholiken sich eine niederdrückende Zahl von Karteileichen verbirgt, daß die scheinbar geringe Zahl von "nur" 500.000 Anhängern der Pius-Bruderschaft hingegen eine beeindruckende Wachstumsdynamik repräsentiert. Schließlich ist die Pius- ebenso wie die genauso dynamisch sich entwickelnde Petrus-Bruderschaft (180 Priester und 120 Seminaristen) vor gerade mal 20 Jahren entstanden.

Sonntag, 4. Januar 2009

Weihnacht III. Ökumenische Offenbarung in Malmö

   Wer als Ausländer in Malmö eine katholische Messe besucht, wird - so ging es uns - vielleicht eine besonders "moderne", besonders "protestantische" katholische Messe erwarten. Denn die tägliche Erfahrung im angeblichen deutschen Mutterland der Reformation ist doch, daß man im schon längst nicht mehr mehrheitlich protestantischen Deutschland besonders eifrig dem "modernen" protestantischen Vorbild nacheifert.
   Nun ist ja Schweden mit Sicherheit das protestantischste Land Europas. Gesetzlich garantierte Religionsfreiheit gibt es - kaum zu glauben - in Schweden erst seit 1951. Und erst 1999 (!) wurde die lutherische Staatskirche der bis dahin der schwedische König als nicht nur politisches, sondern auch geistliches Oberhaupt vorstand, als Staatskirche aufgelöst.
   Mitte des 20igsten Jahrhunderts bekannten sich in einem fast ausschließlich protestantischen Land ganze 6 Promille der Bevölkerung zum katholischen Glauben. Der katholische Bevölkerungsteil hat sich vor allem aufgrund der massiven Einwanderung katholischer Vietnamesen, Philippinos und Polen um das dreifache erhöht, doch auch ein Bevölkerunganteil von fast zwei Prozent ist immer noch eine sehr kleine Diaspora.
   Doch die schwedische katholische Kirche ist stolz und selbstbewußt. Sie lebt in einem Land das zumindest katholischem Brauchtum gegenüber (Luciafest!) stets offen geblieben ist. Sie steht einer protestantischen Kirche gegenüber, die in ihrem strengen Lutheranertum in manchem konservativer ist als die katholische Kirche selbst. 
   Und die katholische Kirche Schwedens ist jung. Dreimal mehr Kinder werden getauft, als Verstorbene zu Grabe getragen werden. Die Kirche ist geprägt durch die großen Familien junger Emigranten. Der Klerus setzt sich mehrheitlich aus Ordenspriestern zusammen - ein europäisches Unikum. Und dieser Klerus verkleidet sich in der Öffentlichkeit nicht in Holzfällerhemden und Bluejeans. Die Ordenspriester - wie der Bischof selbst, der dem Orden der Carmeliten angehört - tragen außerhalb der Messe selbstverständlich ihren Habit, die Weltpriester ihre Soutane.
    In der Regel wird die Messe hier streng nach den Vorgaben des Römischen Meßbuchs zelebriert, die großen Gebete werden in latein gesprochen, einen anderen Meßkanon als den in Deutschland als vorkonziliar verpönten römischen Meßkanon habe ich hier noch nicht gehört. Die Handkommunion ist üblich, doch in den Kirchen kann jeder, der dies wünscht, auf einer Kommunionbank Platz nehmen.
    Auch das Pontifikalamt des schwedischen Bischofs, dem ich am 1. Januar beiwohnte, folgt dem römischen Meßbuch. Mit großer Selbstverständlichkeit werden die Teile der Messe zelebriert, die die deutschen Reformpfarrer demonstrativ ignorieren. Die Gemeinde beginnt mit dem gemeinsamen Schuldbekenntnis, sie singt das Kyrie in griechisch, gefolgt von dem lateinischen Gloria, das Große Glaubenskenntnis singt die Gemeinde im Wechselgesang mit dem Kantor in latein. Der Bischof orientiert sich am römischen Meßkanon und die Eucharistiefeier zelebriert er nicht vor dem Volxaltar "ad populum" sondern zum Hochaltar gewandt "ad orientem".
    Es bleibt in diesem Fall auch gar nichts anderes übrig, denn einen Volxaltar gibt es in dieser Kirche nicht. Die Pontifikalmesse der schwedischen Bischofs findet nämlich - im sonst so ökumenebesoffenen Deutschland undenkbar - in der protestantischen St. Petri Kirche statt, einer wunderschönen hochgotischen Kirche, mit dem - so sagen es die Kunsthistoriker - größten und bedeutendsten Renaissance-Hochaltar Schwedens. Und daß die Kommunion mal wieder im Stehen ausgeteilt wird, statt an den in jeder lutherischen Kirche vorhandenen Kommunionbänken ist dann auch nicht so schlimm.
    

Mittwoch, 24. September 2008

Christentum und Poesie


Es waren schöne, glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war, wo eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Weltteil bewohnte; ein großes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs. – Ohne große weltliche Besitztümer lenkte und vereinigte ein Oberhaupt die großen politischen Kräfte. – Eine zahlreiche Zunft, zu der jedermann den Zutritt hatte, stand unmittelbar unter demselben und vollführte seine Winke und strebte mit Eifer, seine wohltätige Macht zu befestigen. Jedes Glied dieser Gesellschaft wurde allenthalben geehrt, und wenn die gemeinen Leute Trost oder Hilfe, Schutz oder Rat bei ihm suchten und gerne dafür seine mannigfaltigen Bedürfnisse reichlich versorgten, so fand es auch bei den Mächtigeren Schutz, Ansehn und Gehör, und alle pflegten diese auserwählten, mit wunderbaren Kräften ausgerüsteten Männer wie Kinder des Himmels, deren Gegenwart und Zuneigung mannigfachen Segen verbreitete. Kindliches Zutrauen knüpfte die Menschen an ihre Verkündigungen. – Wie heiter konnte jedermann sein irdisches Tagewerk vollbringen, da ihm durch diese heiligen Menschen eine sichere Zukunft bereitet und jeder Fehltritt durch sie vergeben, jede mißfarbige Stelle des Lebens durch sie ausgelöscht und geklärt wurde. Sie waren die erfahrnen Steuerleute auf dem großen unbekannten Meere, in deren Obhut man alle Stürme geringschätzen und zuversichtlich auf eine sichre Gelangung und Landung an der Küste der eigentlichen vaterländischen Welt rechnen durfte.

Novalis, Die Christenheit oder Europa

Freitag, 12. September 2008

Mariä Namen 12. Sept.


Das Fest Mariä Namen - zum Gedenken an den (imaginären) Namenstag der Jungfrau und Gottesmutter Maria - wird regional schon seit dem 16. Jahrhundert begangen. Für die gesamte katholische Christenheit verbindlich wird das Fest erst zum Gedenken an den Sieg der christlichen Truppen über das Belagerungsheer der Osmanen vor Wien am 12. September 1983. Der katholische Teil des christlichen Heeres stellte sich unter den Schutz der Schutzmantelmadonna. "Maria hilf" sollte der Schlachtruf sein, den man allerdings aus Rücksicht auf den protestantischen Teil der Heeres dann in "Jesus und Maria hilf!" änderte. Denn nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten kämpften an der Seite Jan III Sobieskis gegen die osmanischen Belagerer Wiens.

Der militärische Sieg über das zwar kopfstarke, aber schlecht geführte osmanische Heer beendete das jahrhundertelange Ringen zwischen Christentum und Islam. Das osmanische Reich sollte sich von dieser Niederlage nicht mehr erholen.

Im Zug der Kalenderreform nach dem II. Vatikanischen Konzil ging das Fest "irgendwie" verloren, blieb aber als regionales Fest für die deutschsprachigen Länder erhalten. Am 12. September 1983 beging Johannes Paul II ganz persönlich den 300. Jahrestag des Sieges vor Wien. Erst im Jahr 2002 wurde das Fest Mariä Namen - wohl nicht zuletzt als Reaktion auf den 11. Sept. 2001 - durch Johannes Paul II wieder in den liturgischen Kalender eingefügt. 


Samstag, 30. August 2008

Ein Brocken zum Kotzen



In einer Einladung zu einem Bittlinger-Konzert in einer Katholischen Kirche lesen wir:

Clemens Bittlinger zu Gast bei "FREUNDEN"

Mit seinem neuen Soloprogramm „Habseligkeiten“ trifft Liedermacher & Pfarrer Clemens Bittlinger einmal mehr den Nerv der Zeit. In diesem besonderen Konzert präsentiert er u.a. auch zwölf neue Songs des gleichnamigen Albums. Seit einem Jahr hat Bittlinger zusammen mit Dieter Falk und David Plüss an diesem Werk gefeilt. Herausgekommen ist ein wundervolles Album, prall gefüllt mit einfühlsamen Melodien, erstklassigen Texten und äußerst abwechslungsreichen Arrangements.

... Trauer und Hoffnung, Humor und Wut auf Ignoranz, das sind die Grundthemen dieses neuen Bittlinger-Programms. Ein offizieller Song zum Kirchentag 2009 „Mensch, wo bist Du?“ darf hier ebenso wenig fehlen, wie die augenzwinkernde Einladung an den Papst: „Mensch, Benedikt, ich würde gerne ein paar Schritte mit dir gehen …“

Clemens Bittlinger ist Pfarrer und der evangelische Liedermacher. Mit über 200.000 verkauften CDs Gesamtauflage und jährlich hundert Konzerten bundesweit zählt er zu den erfolgreichsten Interpreten seines Genres.

Und am 30. August 2008 um 19.00 Uhr spielt er solo für Freunde in der Katholischen Kirche in Weiterstadt.

Wie es die FAZ vor kurzem in Bezug auf "Wir sind Kirche" sagte: Wer solche "Freunde" hat braucht keine Feinde mehr.