Elsa hat, angeregt durch einen sehr lesenswerten
Vortrag des Sekretärs der Kommision "Ecclesia Dei" die berechtigte Frage gestellt, wie man sich in dem durch die nunmehr bestehende Konkurrenz zweier Kalender und zweier Riten eigentlich noch zurecht findet. Wie soll ein Laie das Stundengebet beten, wenn es doch sich widersprechende Kalender gibt, und wenn es nach der Liturgiereform des II. Vat. (es gibt auch eine nachkonziliare Liturgiereform, aber gemeint ist die in
"Sacrosanctum Concilium" vorgenommen Umgestaltung des Stundengebet.) nunmehr drei verschiedene Psalterien, zwei verschiedene Stundenordnungen, dazu noch (bzw. wieder) das kleine Stundenbuch, alternativ das officium parvum B.M.V. gibt.
Wir haben nunmehr
- das überkommene Einwochenpsalterium, das die gesamten Psalmen, der benediktinischen Ordnung folgend, auf eine Woche verteilt.
- den hierzu alternativ existierenden Zweiwochenpsalter,
- den vor allem für Laien gedachten Vierwochenpsalter, der die Lesungen der Psalmen auf vier Wochen verteilt.
- das kleine Stundenbuch, das lediglich Laudes, Vesper und Komplet enthält und auf dem Vierwochenpsalter beruht
- das große Stundenbuch, das das vollständige Programm, nämlich Laudes, Vesper, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet und Lesehore enthält.
- das nunmehr wieder zugelassene Breviarium, mit der bis zum II. Vat. geltenden Leseordnung Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Laudes und Vesper und dem entsprechenden Einwochenpsalter
- das Officium parvum Beatae Mariae Virginis.
Denn man tau, würde man in meiner Heimat sagen. Daß es überhaupt so etwas gibt, wie das Stundengebet, habe ich erst bei einem Aufenthalt in einem benediktinischen Kloster erfahren. Inspiriert habe ich nach gangbaren Wegen gesucht, wenigsten ein "kleines" Stundengebet zu finden, und bin zunächst auf das "Kleine Stundenbuch" gestoßen, daß ich bald frustriert zur Seite gelegt habe. Es handelt sich um eine reine Textausgabe, die Suche nach Melodien ist aufwendig und frustrierend, wer sich damit beschäftigt hat, wird wissen, daß der Gebrauch des Kleinen Stundenbuchs mit ständiger Blätterei verbunden ist. Die Kreativität der Liturgiereformer hat sich so richtig ausgetobt und den Ritus etwa dadurch, daß für die Komplet jeden Tag ein anderer Hymnus empfohlen wird, noch einmal verkompliziert.
Dazu kommen Übersetzungen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. So wird etwa das Responsorium der Komplet "In manus tuas domine, commendo spiritum meum", ein Text, der zu den letzten Worte Jesu am Kreuz gehört, übersetzt mit "Herr auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben."Leben statt Geist, Irgendein Dichter statt Worte des am Kreuz erhöhten Jesus Christus. Paßt so recht zu einer Kirchenkultur, die sich des Bekenntnisses zum Gekreuzigten schämt.
Vor der Reform, die ich nicht für eine solche halte, gab es für Laien Alternativen, die den Kontext des Gebetes der ganzen Kirche wahrten. So gibt es in den Schott-Meßbüchern eine verkürzte Fassung der Sonntagskomplet, die sich als Gebet für jeden Tag anbietet. Davor, und das illustriert das obige Bild, die eine Szene im Haushalt des Lord Chancellor Thomas Morus darstellt (Zeichner: Hans Holbein der Jüngere 1527) war das Officium Parvum Beatae Mariae Virignis das bevorzugte Gebet der Laien. Es fand sich im Stundenbuch, dem bis in die Renaissance meistverbreiteten Laiengebetbuch, von dem viele wunderschön illustrierte Exemplare exisitieren.
Diese kleine Fassung des Stundengebets existierte neben dem "großen" Stundengebet, diesem besonders an die Jungfrau Maria gerichtete Gebet waren in jeder Kathedrale eigene Kapellen und eigene Altäre gewidmet. Meistens im Osten, noch hinter dem Hauptaltar. Näheres auf meinem
Zweitblog.
Ich habe mich bemüht, eine Fassung mit Noten ins Netz zu stellen. Komplett ist das nicht, bisher seh ich so recht kein Interesse. Aber vielleicht wächst es ja mit dem Interesse an der Alten Messe, die gewissermaßen umrahmt wird durch das Stundengebet der Kirche und ja, auch durch das Kleine Officium.
Weiteres zum officium parvum auch auf diesem blog unter dem
label officium parvum BMV.
Bestimmt guckt wieder kein Schwein.
Literaturempfehlungen: Eine auf Laudes, Prim, Sext, Vesper und Komplet (Sonntag) oder auf Prim Sext und Komplet verkürzte Fassung des Stundengebets ist bei
Angelus-Press bei den böhsen Pius-brüdern zu haben. Ein kleines Büchlein mit dem
officium parvum gibt es beim Baronius-Verlag. Und ein gegen Spenden zu bestellende sehr schöne Fassung der
Komplet mit deutscher Übersetzung gibt es bei den Petrusbrüdern.