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Montag, 21. Februar 2011

Astronomie und Officium divinum


Bei meinem letzten Besuch in der Kathedrale von Lund habe ich wieder einmal die großartige astronomische Uhr bewundert, die dort seit dem 14. Jahrhundert steht, oder besser stand, denn die heutige Uhr ist erst im zwanzigsten Jahrhundert nach alten Plänen rekonstruiert worden. Nun zeigen diese Uhren nicht nur die Uhrzeit im heutigen Sinn, sondern auch die sogenannten "temporalen" Stunden, die Zeiten also, zu denen ursprünglich und bis weit in unsere Zeit die Stundengebete gebetet wurden. Die alten mechanischen Uhren waren mit einem faszinierenden Aufwand konstruiert worden. Sie heute elektronisch zu simulieren, ist eher einfach. Mit GPS und Computertechnik passen sie in die Westentasche und gehen sogar genauer als die alten Uhren. Genaueres, auch zur Zeiteinteilung des Stundengebets hier.

Das Bild zeigt einen Screenshot des IPhone-Programms Astrock.

Samstag, 14. August 2010

Officium Parvum B.M.V., Laudes



Der zweite Teil des Quem Terra dient als Hymnus der Laudes.

An der Übersetzung bin ich gescheitert. Mittelalterliches Dichter-Latein zu übersetzen, ist echt eine Qual. Kann mich jemand unterstützen?

Officium Parvum B.M.V., Matutin



Liebfrauen heißt die Gemeinde, der ich angehöre. Und heute ist unser Patrozinium (Frage an die Spezialisten: müßte es in diesem Fall nicht Matrozinium heißen? Ist ja nur so eine Frage.)

Die Matutin des Officium Parvum hat  das "Quem terra, pontus, sidera" (notabene aethera) als Hymnus, ebenso das Breviarium Romanum. Die Version mit "aethera" scheint die ältere zu sein. Der Hymnus wird im allgemeinen dem Dichter Venantius Fortunatus. zugeschrieben.

Den Erde, Seen und Lüfte,
Preisen, rühmen, anbeten
Der beherrscht ihr dreifach Element
Den trägt Mariens Leib

Dem Mond, die Sonn´, das All
Allezeit eifrig dienen,
Den trägt eines Mädchens Eingeweid,
Voller himmlischer Gnade

Seligste Mutter, Gnadenschatz,
Dein allerhöchster Schöpfer
Dessen Hand hält Himmel und Erd´
In Deinem Leib, wie in der Lade liegt

Gesegnet durch des Himmels Bot´
Gesegnet durch den Heilgen Geist
Den alle Völker ersehnten
wurd durch Dich als Mensch geboren

Jesus, Dir sei Ehre,
Der durch die Jungfrau geboren,
Und dem Vater und dem Nährer-Geist,
In aller Ewigkeit.

Mittwoch, 11. August 2010

Ad Vesperas etc.


Für Laien, die das Stundengebet sprechen oder singen wollen, empfehle ich, nachdem ich mich selbst jahrelang mit der Materie - muß ich schon so sagen - herumgeschlagen habe am ehesten das Officium Parvum B.M.V. Es ändert sich - was auch ein Nachteil sein mag - nicht jeden Tag im Text und in den Melodien, es gibt lediglich für den Advent, die Weihnachtszeit und die Osterzeit abweichende Antiphonen und entsprechende andere Psalmodien zu den gleichbleibenden Psalmen. Diese Einfachheit erklärt die große Beliebtheit des Officium Parvum seit der Renaissance bis in die Neuzeit.

Das Officium parvum war dabei keineswegs ein Gebet ausschließlich für die Laien, es wurden ebenso von Klerikern und Ordensangehörigen neben und zusätzlich zu dem Stundengebet gesungen. Wie weitverbreitet diese Praxis vor allem in Nordeuropa war, läßt sich an den alten Bauplänen der nordeuropäischen Kathedralen nachvollziehen. Fast alle Kathedralen und alle größeren Kirchen besaßen hinter dem Hauptaltar, also am weitesten östlich, gewissermaßen im Innnern des Mysteriums ein Marienkapelle, die vorwiegend der Zelebration des officium parvum diente.

Die Alternative besteht darin - so wie es Erzbischof Lefebvre für seine Bruderschaft angeregt hat, sich alltags auf die kleinen Horen Prim, Sext und Komplet zu beschränken. Aber auch da ändert sich der Text schon wesentlich häufiger, da er sich am Breviarium Romanum orientiert, noch häufiger ändern sich die Melodien. Aber das bleibt noch relativ übersichtlich. Hinzugefügt sind noch an Sonntagen die Laudes und die Vesper. Bei den Antiphonen zum Benedictus (Laudes) und zum Magnificat (Vesper) muß das kleine Büchlein, das die Bruderschaft herausgibt, schon passen. Die ändern sich nämlich jeden Tag, so daß wieder ein Rückgriff auf das Brevier nötig ist, bzw. für den, der die Antiphon singen will, auf das Antiphonale.

Da bleibt es dann faktisch bei der Beschränkung auf die drei kleinen Horen Prim, Sext und Komplet, was eigentlich ganz sinnvoll ist. Jedenfalls ist all dies noch wesentlich unkomplizierter, dabei aber sinniger, als das sehr fleissig bearbeitete aber letztlich untaugliche Kleine Stundenbuch.

Es gibt leider derzeit keine brauchbare Ausgabe des officium parvum in deutscher Sprache, auch die englische Version des Baronius Verlags, auf die ich schon hingewiesen habe, hat ihre Macken. Aber wenn das Studengebet für  Laien wieder in Mode kommt, kommt vielleicht auch wieder eine brauchbare Fassung in deutscher Sprache. Wer meine Ansätze brauchbar findet, mag sich melden. Mit ein bißchen Ermunterung mach ich gerne weiter. Noch dankbarer wäre ich für sachkundige Kritik und  brauchbare Anregungen, wie es besser zu machen sei.

Als Anregung eine von Guillaume Dufay vertonte Fassung des Ave Maris Stella, das allabendlich zur Vesper des officium parvum gesungen wird.

Mittwoch, 4. August 2010

Liturgisch-kalendarische Kakophonie


Elsa hat, angeregt durch einen sehr lesenswerten Vortrag des Sekretärs der Kommision "Ecclesia Dei" die berechtigte Frage gestellt, wie man sich in dem durch die nunmehr bestehende Konkurrenz zweier Kalender und zweier Riten eigentlich noch zurecht findet. Wie soll ein Laie das Stundengebet beten, wenn es doch sich widersprechende Kalender gibt, und wenn es nach der Liturgiereform des II. Vat. (es gibt auch eine nachkonziliare Liturgiereform, aber gemeint ist die in "Sacrosanctum Concilium" vorgenommen Umgestaltung des Stundengebet.) nunmehr drei verschiedene Psalterien, zwei verschiedene Stundenordnungen, dazu noch (bzw. wieder) das kleine Stundenbuch, alternativ das officium parvum B.M.V. gibt.

Wir haben nunmehr
  1. das überkommene Einwochenpsalterium, das die gesamten Psalmen, der benediktinischen Ordnung folgend, auf eine Woche verteilt.
  2. den hierzu alternativ existierenden Zweiwochenpsalter, 
  3. den vor allem für Laien gedachten Vierwochenpsalter, der die Lesungen der Psalmen auf vier Wochen verteilt.
  4. das kleine Stundenbuch, das lediglich Laudes, Vesper und Komplet enthält und auf dem Vierwochenpsalter beruht
  5. das große Stundenbuch, das das vollständige Programm, nämlich Laudes, Vesper, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet und Lesehore enthält.
  6. das nunmehr wieder zugelassene Breviarium, mit der bis zum II. Vat. geltenden Leseordnung Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Laudes und Vesper und dem entsprechenden Einwochenpsalter
  7. das Officium parvum Beatae Mariae Virginis.
Denn man tau, würde man in meiner Heimat sagen. Daß es überhaupt so etwas gibt, wie das Stundengebet, habe ich erst bei einem Aufenthalt in einem benediktinischen Kloster erfahren. Inspiriert habe ich nach gangbaren Wegen gesucht, wenigsten ein "kleines" Stundengebet zu finden, und bin zunächst auf das "Kleine Stundenbuch" gestoßen, daß ich bald frustriert zur Seite gelegt habe. Es handelt sich um eine reine Textausgabe, die Suche nach Melodien ist aufwendig und frustrierend, wer sich damit beschäftigt hat, wird wissen, daß der Gebrauch des Kleinen Stundenbuchs mit ständiger Blätterei verbunden ist. Die Kreativität der Liturgiereformer hat sich so richtig ausgetobt und den Ritus etwa dadurch, daß für die Komplet jeden Tag ein anderer Hymnus empfohlen wird, noch einmal verkompliziert.

Dazu kommen Übersetzungen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. So wird etwa das Responsorium der Komplet "In manus tuas domine, commendo spiritum meum", ein Text, der zu den letzten Worte Jesu am Kreuz gehört, übersetzt mit "Herr auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben."Leben statt Geist, Irgendein Dichter statt Worte des am Kreuz erhöhten Jesus Christus. Paßt so recht zu einer Kirchenkultur, die sich des Bekenntnisses zum Gekreuzigten schämt.

Vor der Reform, die ich nicht für eine solche halte, gab es für Laien Alternativen, die den Kontext des Gebetes der ganzen Kirche wahrten. So gibt es in den Schott-Meßbüchern eine verkürzte Fassung der Sonntagskomplet, die sich als Gebet für jeden Tag anbietet. Davor, und das illustriert das obige Bild, die eine Szene im Haushalt des Lord Chancellor Thomas Morus darstellt (Zeichner: Hans Holbein der Jüngere 1527) war das Officium Parvum Beatae Mariae Virignis das bevorzugte Gebet der Laien. Es fand sich im Stundenbuch, dem bis in die Renaissance meistverbreiteten Laiengebetbuch, von dem viele wunderschön illustrierte Exemplare exisitieren.

Diese kleine Fassung des Stundengebets existierte neben dem "großen" Stundengebet, diesem besonders an die Jungfrau Maria gerichtete Gebet waren in jeder Kathedrale eigene Kapellen und eigene Altäre gewidmet. Meistens im Osten, noch hinter dem Hauptaltar. Näheres auf meinem Zweitblog.

Ich habe mich bemüht, eine Fassung mit Noten ins Netz zu stellen. Komplett ist das nicht, bisher seh ich so recht kein Interesse. Aber vielleicht wächst es ja mit dem Interesse an der Alten Messe, die gewissermaßen umrahmt wird durch das Stundengebet der Kirche und ja, auch durch das Kleine Officium.

Weiteres zum officium parvum auch auf diesem blog unter dem label officium parvum BMV.

Bestimmt guckt wieder kein Schwein.

Literaturempfehlungen: Eine auf Laudes, Prim, Sext, Vesper und Komplet  (Sonntag) oder auf Prim Sext und Komplet verkürzte Fassung des Stundengebets ist bei Angelus-Press bei den böhsen Pius-brüdern zu haben. Ein kleines Büchlein mit dem officium parvum gibt es beim Baronius-Verlag. Und ein gegen Spenden zu bestellende sehr schöne Fassung der Komplet mit deutscher Übersetzung gibt es bei den Petrusbrüdern.

Samstag, 2. Mai 2009

Proudly presents

   Nach wochenlanger Mühe und nach wochenlangem Kampf mit Textverarbeitungsprogrammen, widerspenstigen Fonts und der Tücke von unzureichenden Dateien ist es mir gelungen, einen kleinen Teil meines Rekonstruktionsprogramms umzusetzen. Mittlerweile steht über meinen Blog Marientid nun auch der Text des Officium Parvum B.M.V. Ad Vesperam mit Noten und deutscher Übersetzung im Netz.
    Diverse englische Seiten, die sich mit dem "Little Office of Our Lady" beschäftigen, sind ja schon online, leider gibt keine auch die Noten des Officiums wieder. Immerhin gibt es bei Baronius einen kleinen lateinisch-englischen Neudruck des Officiums, den man sich, wenn man ein paar Tage warten kann, auch bestellen kann. Die Noten meiner Fassung stammen im wesentlichen aus einem Antiphonale für das benediktinische Officium aus dem Jahre 1934.

Das Bild stammt aus einem Stundenbuch, das um 1500 verfasst und illustriert wurde. Es läßt sich  im internet einsehen, und gehört zur Biblothek der Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis (CEEC). Der Codex trägt die Nummer 1117

Montag, 20. April 2009

Ave Maris Stella

 
   Engelsmusik nicht? 
   Zur Vesper des Officium parvum Beatae Mariae Virginis gehört der Hymnus "Ave Maris Stella". Zunächst im gregorianischen Choral in einer älteren Fassung, die noch etwas altertümlicher, aber auch spannender klingt als die in den meisten Antiphonalen etc. abgedruckte, anschließend in der Vertonung eines der genialsten Komponisten der Renaissance, Guillaume Du Fay

Samstag, 18. April 2009

Quem terra, pontus, aethera


Das Officium Parvum Beatae Mariae Virginum beginnt zu nachtschlafender Zeit mit dem uralten Hymnus, "Quem terra, pontus, aethera." Hier in einer Aufnahme aus den fünziger Jahren, noch auf Vinyl *schnief*, mit echten Kratzern.

Dienstag, 14. April 2009

Mission not completed

   Vor Beginn der Fastenzeit hatte ich mir vorgenommen, für den Hausgebrauch einen kleinen Ausschnitt des Breviers zusammenzustellen, zu übersetzen, in meinem alten Antiphonale nachzusehen, ob es Melodien dafür gibt, in der Hoffnung, eine kleine, handhabbare Fassung des Breviers für nicht ganztägig dem Gebete sich Hingebende zu erarbeiten.
   Daß dies für einen normal berufstätigen Menschen ein wenig zu viel des Guten war, fiel mir alsbald auf. Aber ein Ergebnis hat das ganze Projekt denn doch. Immerhin ist es ja erhebend, bei dieser Arbeit festzustellen, daß andere ihre Mühe auch schon diesem Projekt widmeten. Ein "Kleines Officium" gab es schon immer. Die Damen und Herren auf dem obigen Bild - es handelt sich um eine Skizze, die Hans Holbein d.J. als Vorarbeit für ein Gemälde anfertigte - halten vermutlich eine kleines Gebetbuch mit dem Officium parvum BMV in Händen.
   Was da an wunderschönen Büchern unter dem Namen "Stundenbuch" so manche Museumssammlung ziert, war nichts anderes, als eben dieses "Kleine Officium", das "Officium parvum Beatae Mariae Virginis". Am Ende des 14. Jahrhunderts gab es eine richtige Konjunktur für diese kleinen Büchlein, meist wundervoll ausgeschmückt und mit viel Liebe gebunden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts ersetzte das Officium parvum für kleine Ordensgemeinschaften und Laien das "große" Brevier.
   Daß in meiner norddeutschen Heimat die Begeisterung für das kleine Officium so groß war, daß man zur Zelebration sogar eigene "Marientiden"-Kapellen baute, wußte ich bisher nicht.
   Diese Andachts- und Gebetspraxis fiel unter anderem der Reformation zum Opfer, denn vor allem in Nord- und Westeuropa war das Officium parvum zu hause. Den Rest besorgte dann die Liturgiereform (ich behaupte ja nicht, das die LF an allem schuld war, aber in diesem Fall sind Täter und Opfer eindeutig zu identifizieren)

Die Skizze gehört zu einem durch einen Brand verloren gegangenen Bild des Haushalts des Lord Chancellor Henry VIII, St. Thomas Morus.