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Donnerstag, 23. Juni 2011

La vraie liberté c´est le pelerinage


Wir wären ja wirklich sehr gerne zur Paris-Chartres-Wallfahrt gegangen, gerade weil das Thema der diesjährigen Wallfahrt ein Herzensthema ist. Aber für zwei Menschen, die beide schon über 60 sind ist ein 3-Tage-Marsch über hundert Kilometer eine Hürde, die kaum zu überwinden scheint. So vermitteln die Bilder der diesjährigen Wallfahrt auch wieder den Eindruck, daß der Alters-Median der Teilnehmer doch deutlich unter 25 liegt.


Oder vielleicht noch drunter.


Die FFI, mein Lieblingsorden, war auch da.


Ultracool. Ein bißchen fühle ich mich an den "Orden" erinnert, dem ich so mit 20 ff. angehörte. Aber nur ein bißchen.


Très chique. (Nein kein FFI-Pater, hat jemand eine Ahnung, was uns dieses Outfit sagt?) Weitere Bilder hier.

Ganz besonders freue ich mich natürlich über unsere preußische Wappenblume, die Strelitzie, auf dem Altar.

Sonntag, 1. Mai 2011

The Chaplet of Divine Mercy



Ein kleiner Trost dafür, daß es uns am Samstag nicht gelungen ist wg. diverser Ausfälle an Vorsängerinnen und Vorsängern, den Barmherzigkeitsrosenkranz zu singen. Und um daran zu erinnern, daß wir heute den Barmherzigkeitssonntag begehen. (über NLM mit Bildern von der Seligsprechung Johannes Paul des IIten in Rom) (Den letzten link unbedingt ansehen!)

Samstag, 30. April 2011

Die Sehnsucht nach dem guten König II



Mein leises Gemoser darüber, daß der erlauchte Bräutigam keinen Ring trägt, war in diesem Fall völlig daneben. Denn das erlauchte Ehepaar hat vollkommen korrekt seine Eheschließung nach einem Ritus vollzogen, der nicht nur dem Rituale der Anglikanischen Kirche, sondern auch dem älteren Rituale der Heiligen Katholischen Kirche entspricht. Dieser Ritus ist in vielerlei Hinsicht asymetrisch. So war es seit alters her nicht üblich, daß beide Ehegatten einen Ring tragen, vielmehr übergab nur der Bräutigam seiner Braut einen Ring, und mehr. Im (englisch)-katholischen Ring von Sarum spricht der Bräutigam dazu die Formel:
"With this ring I thee wed; this gold and silver I thee give, with my body I thee worship and with all my worldly goods I thee endow"
Die anglikanische Kirche hat diese Formel bewahrt, sie wird bis heute mit einer gewissen Abwandlung gesprochen. Der Hintergrund dieser Formel ist weniger das Versprechen ewiger Treue, dieses Versprechen wird vor der Übergabe der Ringe gegeben, sondern vielmehr die Zusage des Bräutigams, daß er seine Braut versorgen werde (with all my wordly goods I thee endow). Die "Catholic Encyclopedia" führt das altehrwürdige Ritual auf germanisch-rechtliche Ursprünge zurück, nach denen die Braut "erkauft" wurde. Wie dem auch sei, daß beide Ehegatten einen Ring tragen, ist erst im 20igsten Jahrhundert üblich geworden.

Die Sitte, daß beide Ehegatten Ringe tauschen, haben wir zunächst rein kommerziellen Interessen zu verdanken. Die amerikanische Schmuckindustrie propagierte diese Abwandlung des historischen Ritus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst nicht sonderlich erfolgreich. Noch Anfang der 30iger Jahre des 20. Jahrhunderts tauschten Eheleute nur in 15% der Eheschließungen zwei Ringe, erst nach der Großen Depression setzte sich dieser neue Brauch durch.

Mag sein, daß auch das neue Verständnis von "Gleichberechtigung" nach einem symmetrischen Ritus verlangte. Bis zu den Liturgiereformen der 60iger Jahre blieb aber auch der katholische Ritus asymmetrisch, der Priester weihte nur einen Ring, den der Braut nämlich. Wie auch nur der Braut der Brautsegen zukam.

Ich empfehle, dem guten Bischof und den beiden erlauchten Eheleuten gut zuzuhören. Was da gesagt und getan wird, entspricht christlichem Erbe. Sich zu diesem Erbe zu bekennen, gehört angesichts der wütenden Meute, die gegen die christliche Ehe anrennt, einiges an Mut.

Gott segne William und Catherine, er stärke sie und bewahre ihre Liebe, bis zu ihrem seligen Ende.

Sonntag, 24. April 2011

Die Ostersequenz und das Gerücht vom Diebstahl des Leibes Jesu



Die Nacht war ziemlich kurz, die Schola am Morgen müde. Entsprechend war der Vortrag des "Victimae paschali Laudes" leider ein bißchen verstolpert. Nun ist die Ostersequenz kein ganz einfaches Stück. Sie ist, wie so vieles, heute nur in verkürzter Form gebräuchlich. Das ändert die Struktur des Vortrags. Die Sequenz ist wie die meisten Hymnen für den Wechselgesang konzipiert. Doch an einer bestimmten Stelle fehlt das "Gegenstück".

die Sequenz beginnt mit der Aufforderung zum Gotteslob.

1. Victimae paschali laudes immolent Christiani.

Christen, opfert Lob dem (geopferten) Osterlamm!

2a Agnus redemit oves, Christus innocens Patri, reconciliavit peccatores

Das Lamm errettet die Schafe, der schuldlose Christus versöhnt die Sünder mit dem Vater

2b Mors et vita duello, conflixere mirando, dux vitae mortuus, regnat vivus.

Im Zweikampf Leben und Tod, sich rätselhaft bekriegen, der Herr des Lebens, tot, herrscht (doch) lebendig.

3a Dic nobis Maria, quid vidisti in via? Sepulchrum Christi viventis et gloriam vidi resurgentis.

Sag uns Maria, was hast du unter Wegs gesehen? Das Grab des lebenden Christ sah ich, und den Glanz des Auferstandenen.

3b Angelicos testes, sudarium et vestes, surrexit Christum spes mea, praecedet suos in Galilaeam.

Sah die Engel als Zeugen, das Schweißtuch, die Binden, Christ, meine Hoffnung ist erstanden, den Seinen geht er voraus nach Galilaea.

Es folgt in der ursprünglichen Version das heute fehlende Gegenstück.

4a Credendum est magis soli, Maria veraci, Quam Judaeorum Turbae fallaci.

Der wahrhaftigen Maria (Magdalena) allein ist mehr zu glauben, als der betrügerischen Menge von Juden.

Wegen ihres als pejorativ antijüdisch verstanden Inhalts wurde die Sequenz verkürzt. Der "Betrug der Menge von den Juden (und nicht: Der Betrug der Juden)" wird allerdings von Matthäus (Kapitel 28, Vers 11-15) mit zahlreichen Details bestätigt, das Gerücht von der Entwendung des toten Leibes Jesu findet sich später im babylonischen Talmud, ist damit gleichsam Teil der offiziellen antichristlichen Polemik des nachchristlichen Judentums. In der Lesart Matthäus ist das "Gerücht" von den jüdischen Autoritäten bewußt in Umlauf gebracht worden. Liest man diesen Teil der Sequenz mit dem Bericht Matthäus als Hintergrund, ist der Text keineswegs "antijüdisch", er richtet sich vielmehr gegen die jüdischen Autoriäten, die mit allen Mitteln, auch dem der Bestechung und der bewußten Verbreitung von Unwahrheiten die zum Zeitpunkt des Todes noch nahezu ausschließlich aus Juden bestehende christliche Sekte bekämpften.

4b Scimus Christum surrexisse. a mortuis vere, tu nobis victor Rex, miserere.

Wir wissen, daß Christus wahrhaft von den Toten auferstanden ist, Du, unser siegreicher König, erbarme Dich unser. Halleluja.

Die Struktur der Sequenz in der Form von Doppelstrophen zeigt, daß sie in der Regel im Wechselgesang von Halbchören gesungen wurde. Vers 1 wird heute meist vom ganzen Chor gesungen, folgt man den üblichen Regeln wie auch dem Sinn des Textes, der ja verschiedene Sprecher (und eine Sprecherin) vorsieht, wäre die Intonation durch den Kantor oder den Zelebranten sinngemäßer.

Die Verkürzung der Sequenz erfolgte wohl im 16. Jahrhundert, bereits im Missale von 1570 fehlt Vers 4a.

Über den Sinn kann man sich streiten. Musikalisch führte die Reform der Sequenz zum Bruch mit den Regeln des musikalischen Vortrags. Theologisch ist die Zensur eher riskant, dementiert sie doch den eindeutigen Bericht Matthäus, den man ja eigentlich als Hintergrundtext hinzunehmen muß, um diesen Vers richtig zu verstehen - daß er sich nämlich gegen die jüdischen Autoriäten, nicht gegen das jüdische Volk richtet. Wie so oft, kollidiert die durchaus nachvollziehbare Absicht, als antijüdisch zu verstehende, meist mißzuverstehende Botschaften zu vermeiden, mit dem Gebot der Authenzität, und der Autorität der biblischen Überlieferung.

Die Zensur zerstört darüber hinaus die Komposition des Textes, 4a ist der Kommentar zum Bericht der Maria, dem 3a und 3b vorbehalten ist, in der heutigen Fassung endet der Text unvermittelt und übergangslos mit dem "Scimus". Maria von Magdala ist hier Hauptperson, so wie die Frauen in den Berichten der Evangelien, insbesondere bei Johannes, die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind, und die, die dem Herrn bis zum Ende beistehen, während - auch hier ist der Bericht bei Johannes die Ausnahme - die Jünger fliehen.

Auch die Differenz in der Frage der Zeugen zwischen den Evangelien und dem gleichsam juristisch korrekten Bekenntnis in 1. Kor. 15 3-5 gerät damit in den Hintergrund. Frauen taugten in der Rechtspraxis der Antike nicht als Zeugen, hier aber steht die "Maria veraci" als einzig wahrhafte Zeugin gegen die (männliche) "turbae fallaci". Paulus, der in dem jerusalemischen Urbekenntnis nur Männer als Zeugen kennt, steht gegen den authentischen Bericht der Evangelien, der sich als Tatsachenbericht von dem Ur-Credo absetzt. Benedikt setzt sich in seinem kürzlichen erschienen zweiten Band seines Jesus-Buchs ausführlich mit den Ursachen für diese Differenz auseinander und gibt eine plausible Erklärung. Danach ist das von Paulus wiedergegebene Urbekenntnis als Wiedergabe der rechtlichen Struktur der Urgemeinde zu verstehen, nicht aber als Tatsachenbericht.

Die Zensoren von Trient erscheinen damit in der Rückschau als Macker, die unter dem Vorwand antijüdische Mißverständnisse auszuräumen, die hervorragende Rolle der Frauen der Urgemeinde vergessen machen wollen.

Trotz des verkürzten Textes des Meßbuchs ist der vollständige Text bis in die heutige Zeit immer wieder tradiert worden. Und welchen sollen wir nun singen? Hat jemand einen Vorschlag? Ich plädiere für das Original. Als Feminist, jawoll.

Die Sequenz im Wechselgesang von Frauen und Männern zu singen, entspricht ihrem Sinn. Ist doch der Bericht der Maria von Magdala der Kern des Textes.

Samstag, 23. April 2011

Karfreitag



Warum das popule meus heute in der Liturgie nur selten vorkommt, hat möglicherweise damit zu tun, daß die wenigsten Scholen sich überhaupt noch um den gregorianischen Gesang bemühen. Vielleicht ist auch die modische Unterstellung, der Text sei antijüdisch, Ursache dafür, daß man die Klage des Herrn über sein Volk nur selten hört. Für unsere Schola gehört das popule meus zum Standardrepertoire. Wir singen das popule meus am Karfreitag während der Kreuzverehrung. Meist ist es ganz still in der Kirche, wenn der Gesang verklingt.

Man fühlt sich "wie bei den Mönchen" hat mir ein Gemeindemitglied erklärt. Dieser Gesang ist einer der Gründe dafür, warum ich bei dieser Gemeinde bin.

Sonntag, 17. April 2011

Sepp meets Fritz


Ob unser Papst wohl als Kind von seinen Eltern so gerufen wurde, wie man in Bayern einen Jungen mit dem Taufnamen Joseph anspricht? Mit Sepp nämlich. Eltern brauchen das. Vor allem bei Jungen. Der kürzest mögliche Kammandoton ist unbedingt und existentiell notwendig. Meist im Verbund mit einem Kurzsatz in der grammatischen Form des Imperativ, in etwa eine Umschreibung von "Würdest Du bitte die Güte haben, deine Schwester nicht an den Zöpfen zu ziehen?" Oder so. 

Und wehret den Knaben und lehret die Mädchen.

Zweisilbige Namen sind da untauglich. Also wird der in meiner Herkunftsregion sehr beliebte Name Johann(es) meist zu Hans - wegen des Zischlautes am Schluß nur mäßig tauglich - noch häufiger zu Jan verkürzt. Absolut tauglich für den Kasernenhofdiskant einer zornigen Frau Mutter. Die liebende Ehefrau kann den Namen dann ja zu dem wieder etwas weicheren Hans umwandeln.

In WestNorddeutschland ist indessen der Name Friedrich häufiger gebräuchlich. Wegen der noch immer nur mäßig erfolgreichen Christianisierung dominieren die altgermanischen Namen. Soweit männliche Kleinkinder nicht Kevin getauft werden, aber das ist ja bekanntlich kein Name, sondern eine Diagnose. Bekanntlich verkürzt sich der Name Friedrich in seiner muttertauglichen Variante zu Fritz.

Sepp also, in seinem jetzigen SoSein der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI, begegnet am 22. September Fritz. In concreto wird der Heilige Vater am 22. September vor dem preußischen Schloß 

Charlottenburg
eine Heilige Messe zelebrieren.

Errichtet wurde Schloß Charlottenburg von dem vormaligen Kurfürsten Friedrich (Fritz) III., dem späteren ersten König Preußens - und somit gleichzeitig Friedrich (Fritz) der I. Zur Ehre seiner Frau Sophie Charlotte von Hannover nannte der König das um 1700 noch recht überschaubare Schlößchen Charlottenburg.


Das Schloß sah dann noch eine ganze Reihe von mit "Fritz" benamsten preußischen Königen, bis sich dann im 19. Jahrhundert, nach einer Übergangsphase der mit Friedrich Wilhelm benannten Königen, der Name Wilhelm durchsetzte.

Charlottenburg war allerdings selten die Hauptresidenz der preußischen Könige, Friedrich Wilhelm der I. Sohn des Erbauers, ließ das Schloß im wesentlichen leerstehen, der "Alte Fritz" bevorzugte seine bescheidenere Sommerresidenz Sanssouci, und die Lieblingsresidenz der "Preußischen Madonna" Luise von Mecklenburg-Strelitz und ihres Mannes Friedrich Wilhelm III. war das Herrenhaus Paretz, eher eine etwas größere ländliche Villa, als ein Schloß.

Denkbar, daß die barocken Dimensionen, die das Schloß später annahm, doch der preußischen Botschaft von Sparsamkeit und Zurückhaltung widersprachen.


Der pompöse Endausbau des Schlosses war ein Werk Friedrich Wilhelms II., kein besonders beliebter König, dem das Volk (man bedenke, daß sich die Könige Preußens unvorsichtigerweise in der Nähe Berlins niederließen) den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Der dicke Lüderjahn" verpaßte. Insbesondere seine Mätressenwirtschaft entsprach eher nicht dem im Volk erwünschten "preußischen Stil".

Halten wir also fest, daß dieses Schloß im wesentlichen das Schloß von Fritz ist, vor dem Sepp - der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI - am 22. September eine Heilige Messe zelebrieren wird. Preußisch und katholisch paßt also doch besser zusammen, als man so denken sollte. Oder nicht?

Auf diesem Bild sieht Friedrich II. - der Alte Fritz - doch freundlicher aus, als auf den bekannteren Bildern, die ihn als grimmigen Grummelgreis darstellen, der nur seine Hunde liebte, aber nicht - zum Beispiel - seine bedauernswerte Ehefrau. Es ist gleichzeitig das einzige Porträt, für das Friedrich II. persönlich Modell gesessen hat. 1763 entstand das Bild, Fritz war damals 41 Jahre alt. Vielleicht vermittelt es ja ein etwas freundlicheres Bild des Königs, in dessen Reich "jeder nach seiner façon selig" werden durfte, der die Folter abschaffte, und die Kartoffel einführte, der ein begabter Komponist und Musiker, Literat und Philosoph war. Und ein Staatsmann, der erste Diener des Staates. Und, was einen Juristen natürlich am meisten rührt, der Initiator des Grundgesetzes des preußischen Rechtsstaates, des Preußischen Allgemeinen Landrechts. Am 17. August 1991 wurde Friedrich endlich, seinem letzten Willen entsprechend, vor seinem Lieblingsschloß beerdigt. Man ehrt den "Alten Fritz" für gewöhnlich damit, daß man eine Kartoffel auf sein Grab legt.


Sonntag, 10. April 2011

Judica me


Lent - Passion Sunday: Introit from Corpus Christi Watershed on Vimeo.

Der Introitus des heutigen Tages noch einmal in gregoriansch. Zum Mitlesen. Man beachte das fehlende Gloria.

Schaff Recht mir, Gott

Wir lesen heute im Schott (natürlich ist DER SCHOTT  gemeint):
   Heute ändert sich der Charakter des Fastenliturgie mit einem Male. Die Beziehungen auf die Katechumenen treten jetzt mehr zurück, auch fehlen die Anspielungen auf die Stationskirchen, dagegen tritt der leidende Christus in den Vordergrund. In erschütternder Weise schreit er oft mit dem Psalmisten zum Vater um Rettung aus übergroßer Leidensangst. Die Lesungen stellen uns den Mann der Schmerzen vor Augen. Immer düsterer ballen sich die Gewitterwolken über seinem Haupt zusammen, bis sie sich endlich am Karfreitag furchtbar entladen. Neben dieser unergründlich tiefen Verdemütigung Christi in seinen Leiden tritt in dieser Zeit aber auch deren gewaltige Wirkung: der Segen des Opfertodes, im Lobe des Kreuzes, hervor.
   Um ihren Schmerz über das Leiden und den Tod ihres Bräutigams noch mehr zu bekunden, läßt die Kirche in den Tagesmessen der Passionszeit im Staffelgebet den Psalm Judica, der in freudigem Jubel ausklingt und im Introitus des Palmsonntags wiederkehrt, wegfallen und das Gloria Patri, den frohen Lobruf an die heilige Dreifaltigkeit, verstummen. Sie verhüllt auch das Altarkreuz und die Altarbilder mit dunklen Tüchern, um so an die Erniedrigung des Erlösers zu erinnern und das Bild des Gekreuzigten um so tiefer in unsre Herzen zu prägen. Die Altarkreuze bleiben verhüllt bis nach der Kreuzverehrung am Karfreitag, die Altarbilder bis zum Gloria des Karsamstags.
    In wahrer Seelen- und Opfergemeinschaft einigen wir uns mit dem leidenden Christus und beten mit ihm den Introitus, das Graduale, den Tractus und die Communio. Er ist der Hohepriester und Vermittler der zukünftigen Güter, der sich in seinem Leiden und jetzt wieder in der Heiligen Meßfeier Gott zum Opfer darbringt (Epistel, Communio). Das Evangelium offenbart die tiefe Spannung, die zwischen dem Heiland und den Juden bestand und die schließlich zum Gottesmord führte. Mit voller Seelenruhe, den Lobpreis des Vaters auf den Lippen, ging der Heiland dem Leiden entgegen; so wollen auch wir auf den Opfergang des Lebens weiterwandern (Offertorium).
Der Text läßt sich nur verstehen, wenn man die Lesungen kennt, auf die sich DER SCHOTT bezieht. Im Gegensatz zur Lesung im NOM waren dies Hebr. 9, 11-15 und Joh. 8, 46-59, der den bitteren Streit zwischen Jesus und den "turbis Judæorum" beschreibt. Wie so häufig, hat der NOM hier die "Schatzkammer der Bibel" (SC 51) nicht weiter aufgetan, sondern die Tür zugeklappt, um im Bilde zu bleiben. Die Lesung aus Joh. 8, 46-59 fehlt heute in den Sonntagslesungen gänzlich. Schade, denn so fehlt der Bezug zum Passionssonntag, der ja so auch nicht mehr heißen darf.

"Da hoben sie Steine auf, um nach Ihm zu werfen: Jesus aber verbarg Sich und ging hinweg aus dem Tempel." So lautet der letzte Satz des Evangeliums. In früheren Zeiten wartete man bis zu diesem Satz, um das Kreuz zu verhüllen und die Türen der Altäre zu schließen. Die Kreuzverhüllung gehört Gottlob noch immer zu den nicht vorgeschriebenen aber üblichen Gebräuchen.

Ansgar Wallenhorst spielt auf einer Wahnsinnsorgel eine Wahnsinnsimprovisation zum Introitus des Passionssonntags. Da hört man doch so recht den Donner und Blitz, das Wetterleuchten des kommenden Dramas. Ist ein bißchen neutönisch manchmal, aber das brauch ich ab und zu.

Sonntag, 27. März 2011

Uhrzeitenwende


Wieder einmal werden die Uhren umgestellt. Die Winterzeit endet, die Sommerzeit beginnt. Vielen Menschen bekommt diese Umstellung nicht, die Umstellung verursacht stets ein leichtes Chaos, und auch unser Vikar kam heute zu spät. Wer sich gegen solche Unfälle wappnen will, sollte sich wohl eine funkgesteuerte Uhr anschaffen.

Skaphe mit temporalen Stunden
Einem Menschen der Antike und des Mittelalters, der Renaissance, ja selbst einem Menschen des 19. Jahrhunderts hätte man dieses Phänomen der Zeitumstellung wohl nicht erklären können. Jeder Ort hatte, bis zur Einführung der "Eisenbahnzeit" Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, seine eigene Zeit. Die Uhrzeit orientierte sich am Sonnenlauf und wurde stets zur Mitte des Tages, wenn die Sonne im Zenit stand "synchronisiert", auch als im 14. Jahrhundert mechanische Uhren aufkamen, baute man noch immer Sonnenuhren, um die noch recht ungenauen mechanischen Uhren nachzustellen. Wobei auch die meist planen Sonnenuhren des Mittelalters nicht an die Genauigkeit der sphärischen griechisch-römischen Skaphen herankamen.

Noch bis zum Beginn der Zeit der großen astronomischen Uhren Mitte des 14. Jahrhunderts, und auch noch viele Jahrhunderte danach wurde der Tag nicht in 24 gleiche Stunden eingeteilt, sondern, wie in der Antike üblich, in sogenannte "temporale" Stunden, was bedeutet, daß Tag und Nacht, unabhängig von der jahreszeitbedingten Länge in jeweils 12 Stunden eingeteilt wurden, beginnend mit der ersten Stunde nach Sonnenaufgang (der Prim). Dies sind die Uhrzeiten, von denen in der Bibel die Rede ist, wenn in Matth. 20 von der dritten (der Terz), der sechsten (der Sext) und der neunten (der Non) die Rede ist. Wenn im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg die Arbeiter um die elfte Stunde eingestellt werden, so blieb ihnen noch eine Stunde Arbeit bis zum Sonnenuntergang, und um so skandalöser schien es den Zeitgenossen Jesu, daß auch diese noch den vollen Lohn erhielten. Und wenn wir am Karfreitag der Kreuzigung Jesu in der sechsten Stunden gedenken, und seines Todes in der neunten Stunden, dann war dies nur zum Zeitpunkt der Frühlings- und Herbstzeitenwende präzise zwölf Uhr Ortszeit und 15 Uhr Ortszeit, und keineswegs zwölf und fünfzehn Uhr MEZ.

Wadokei-Uhr der Edo-Epoche
Auf dem Land ging man  noch lange Zeit mit den "Hühnern zu Bett" und stieg mit ihnen auf, Licht war teuer, es galt, das Tageslicht möglichst auszunutzen. In Ländern, in denen Energie rar, und die Resourcen begrenzt waren, blieb es - wie im Japan der Edo-Epoche - noch bis ins 19. Jahrhundert bei der Einteilung in temporale Stunden.

Als im 14. Jahrhundert mechanische Uhren aufkamen, stellte man mit einem ingeniösen Mechanismus sowohl die mit mechanischen Uhren einfacher darzustellenden "äquinoktialen" Stunden, wie auch die temporalen Stunden dar. Aber darauf beschränkten sich die Wunderwerke der astronomischen Uhren, die sich um die Jahrhundertwende von 14. zum 15. Jahrhundert in fast jeder größeren Kirche installiert wurden, keineswegs. Sie zeigten meist noch ein ganzes Spekturm astronomischer Ereignisse und Daten, wie die Sternzeit, die Mondphasen, die Position von Mond, Sonne und Planeten im Zodiac, die Stundenregenten der (temporalen) Planetenstunden, Sonnenauf- und -untergang, Mondauf- und -untergang, die Zeiten der Dämmerung und der "goldenen Stunden". Es waren eher astronomische Rechenmaschinen als Stundenuhren, wie wir sie heute kennen. Es ist die Existenz von nahezu tausend dieser Großuhren in Europa nachgewiesen, wenige nur sind erhalten.

Prager Rathausuhr
Die Funktionsweise dieser astronomischen Uhren ist äußerst kompliziert, und sie zu lesen ist eine eigene Kunst. Man hat nun in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viele dieser Uhren rekonstruiert, und auf meist liebevoll gestalteten Seiten kann man ihre Funktionen nachvollziehen.

Für den "Einstieg" ist die deutsche Wikipedia-Seite der Prager Rathausuhr empfehlenswert, da sie vor allem die Lesetechnik einer nach Art eines Astrolabiums gestaltete Uhr anschaulich darstellt. Diese "Astrolabiumsuhren" sind am weitesten verbreitet, und man kennt häufig auch ihre Konstrukteure. Nikolaus Lilienveld gilt etwa als Konstrukteur der astronomischen Uhren in Lund, Stralsund und Bad Doberan. Lilienvelds Uhren sind angesichts ihrer großen Ähnlichkeit schon fast Beispiel einer Serienproduktion, aber es bot sich ja gewissermaßen der Nachbau eines erfolgreichen Projektes an.

Ausschnitt der Münsteraner Uhr
Auch in Deutschland finden sich mehrere Beispiele dieser großen astronomischen Uhren, die bekanntesten (und schönsten) sind dabei wohl die Ulmer Rathausuhr, und die astronomische Uhr des St. Paulus-Domes in Münster/Westfalen. Mir persönlich gefällt die Münsteraner Uhr nicht nur aus ästhetischen Gründen am besten. Sie weist eine außergewöhnliche Vielzahl von Funktionen aus, neben der Darstellung des Standes von Sonne und Mond zeigt sie auch die Konstellation der damals bekannten Planeten und die Stellung der Fixsternhimmels. Anrührend ist auch ihr Glockenspiel und das kleine Schaustück, daß sich jeden Mittag abspielt. Bei diesem Schauspiel treten die heiligen drei Könige, von denen man im Mittelalter sehr wohl wußte, daß sie auch "magi", Sterndeuter nämlich waren, aus der Tür, um sich vor der Jungfrau und dem Kind zu verneigen. Die Astronomie, und in Mittelalter und früher Neuzeit damit auch die Astrologie, dient, sie herrscht nicht.

Astra regunt homines, sed regit astra Deus.
Cedunt astra Deo, precibus Deus ipse piorum.

Die Sterne beherrschen die Menschen, doch Gott herrscht über die Sterne. Die Sterne gehorchen Gott, doch Gott hört auf die Gebete der Frommen, liest man als Text auf dieser Uhr.

Ulmer Rathausuhr.
Die im internet sehr ausführlich dokumentierte Ulmer Rathausuhr, darf hier natürlich nicht fehlen, auch ihren Typus gibt es nicht nur einmal, unter anderem, weil der in Deutschland führende Hersteller von Großuhren diese Uhr rekonstruiert hat, und sie wartet. 

Eine nicht zum Typus der Astrolabiumsuhr gehörende Uhr findet sich in Rostock. Sie dürfte, was das Alter ihres Uhrwerks angeht, wohl die älteste noch original erhaltene astronomische Uhr in Deutschland sein. Von der Darstellung der astronomischen Daten fällt sie in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen, aber die Tatsache, daß die Uhr nahezu völlig erhalten ist, macht sie einzigartig. (Nicht vergessen, das Deutschlandfähnchen rechts oben zu klicken)

Die meisten der noch existierenden Uhren in Deutschland - ich habe da Lund einfach mal dazugezählt, ist doch die dortige Uhr von einem deutschen Uhrmacher und Ingenieur konstruiert worden, sind keine Originale mehr. Die Uhr in Lund wurde sogar erst im Jahre 1923 rekonstruiert, die Münsteraner Uhr wurde während der Zeit der Terrorherrschaft der Wiedertäufer völlig zerstört und erst im 16. Jahrhundert wieder neu erbaut, andere Uhre besitzen zumeist nicht mehr die originalen Uhrwerke.
Sicher fielen, wie etwa die Uhr des Münster von Doberan, die Uhren auch schlichten Plünderern zum Opfer, doch daß diese Uhren außer Mode kamen, hat auch seine tiefer gehenden Gründe. Nicht nur, daß mit der Verbreitung von Wand- und Taschenuhren die Großuhren ihre Funktion verloren. Die Verfasser eines Führers für den Dom zu Lund sehen die Gründe so:

Die Uhr im Dom von Lund mit der thronenden Gottesmutter
Während des 17. Jahrhunderts (nach der Reformation) stellte man ein neues Zifferblatt für die Uhr her, nachdem der raffinierte mittelalterliche Uhrenmechanismus nicht mehr funktionierte. Viele der Original-Funktionen, die die alte Uhr zeigte, fielen dabei weg, das Zifferblatt zeigte nur noch die Tageszeit. Glocken auf der Oberseite der Uhr läuteten jede Viertelstunde und jede volle Stunde, unter der Obhut von zwei Figuren, die das Leben und den Tod repräsentierten. In dieser Beseitigung der alten Uhr die den Blick auf religiöse Feste, die Zeiten des Gebets und den Kosmos richtete, liegt etwas Symbolisches. Die neue Uhr drehte sich stattdessen im wörtlichen Sinn um die Stunden des Erdenlebens zwischen den Grenzen von Geburt und Tod.

Die innerweltliche Askese, die die lutherische Staatskirche Dänemarks gewissermaßen zur Staatsdoktrin erhob, führte die Menschen dazu, daß sie den Blick vom Himmel ab und den Werktischen zuwandten. Von diesem Moment bis zur Einführung der Eisenbahnzeit sollte es noch drei Jahrhunderte dauern. Die Uhrzeit aber stand nicht mehr im Dienst des Gebetes, im Dienste Gottes und der Menschen, sondern gab den industriellen Marschkolonnen den Takt. Wer morgen unter einem time lag leidet, sollte vielleicht einen Moment darüber nachdenken. 

Astrolabium der Firma Festo
Nun sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten astronomische Uhren wieder rekonstruiert worden, sogar Neukonstruktionen sind hinzugekommen. So hat die Firma Festo, Marktführer in Sachen Automation, vor wenigen Jahren sogar eine völlig neu entwickelte, äußerst komplexe und hochpräzise astronomische Uhr Bauen lassen. Daß einer der bedeutendsten Technologieführer der Welt dies unternimmt, läßt sich vielleicht ja im Hegelschen Sinn als Umschlag der Quantität in die Qualität verstehen. Und daß diese Uhr in jahrelanger Feierabendarbeit von einem ehemaligen Vorstandsmitglied entwickelt wurde, läßt gewissermaßen den Typus des Universalgelehrten und Ingenieurs der Renaissance auferstehen. Vielleicht helfen diese neuen Uhren ja, den Blick wieder gen Himmel zu richten. 

Nikolaus Lilienveld
Von dem Konstrukteur und Erbauer der astronomischen Uhren des Münster in Bad Doberan. Stralsund und Lund haben wir sogar ein Selbstbildnis. Die Uhr in Bad Dobern selbst wurde im dreißigjährigen Krieg zunächst geplündert, später zerstört, das Zifferblatt blieb erhalten. Es läßt ein wenig darüber nachdenken, ob der Islam vielleicht doch ein bißchen zu Deutschland gehört. Wie bei Lilienvelds Uhren üblich, stehen in den vier Ecken des Zifferblatts Darstellungen der vier Weltweisen, des in Ägypten geborenen Griechen Ptolemäus, des spanischen Königs Alfons von Kastilien des ägyptischen Astrologen und Arztes Ali bin Ridwan und des in Persien lebenden und Lehrenden Mathematikers, Astronomen und Astrologen Albumasar.

Sonntag, 20. März 2011

Tiefergelegt



Der Introitus der "ordentlichen" Messe ist - aus unerfindlichen Gründen - heute ein anderer als in vielen Jahrhunderten davor, und in der "extraordinary" Messe. Doch die Lesung - Christi Verklärung - ist zum Glück noch immer dieselbe.

Mir fällt heute allerdings auf, daß die liturgische Thematik des Aufsteigens auf den Berg der Verkündung - oder der Offenbarung(Verklärung) - unmodern geworden ist. Überall sind die über einen "dramatischen" Treppenaufgang zu erreichenden Hochaltäre "tiefergelegt", oder mit einem davor gestellten Volxaltar gewissermaßen außer Betrieb genommen worden. Auch in unserer Pfarrgruppe sind die in den 50er Jahren errichteten Hochaltäre von ihrem Podest herunterbefördert und vor den Treppenaufgang gestellt worden.

Kanzeln, also Ambonen im eigentlichen Sinn des Wortes hat es in unseren bescheidenen Kirchenhütten aus Platzmangel nicht gegeben, und wo es sie in anderen Kirchen gab, hat man sie durch Lesepulte ersetzt, die dann euphemistisch Ambo genannt werden. Ambo leitet sich aber von dem altgriechischen Wort Amboun (Gipfel) oder anabainou ab (heraufsteigen). Wie Christus auf den Berg der Bergpredigt, auf den Berg der Verklärung, auf den Berg der Passion, auf den Berg der Himmelfahrt gestiegen ist, so steigt der Priester als alter christus auf den amboun, den Gipfel, um das Wort Gottes zu verkünden, auf den Berg Golgatha, um das Opfer darzubringen.

Wobei ich mich hier im Tempus vertan habe. Es muß wohl heißen "stieg".

Den introitus haben wir heute ganz gut hinbekommen, wie meine Herzallerliebste meint.

Sonntag, 27. Februar 2011

Hochamtshochzeitsmesse


Als wir im vorvergangenen Jahr in unserer Gemeinde nach 30 Jahren standesamtlichen Verheiratetseins unsere Brautmesse in der außerordentlichen Form in unserer Gemeinde feierten, war das die erste Brautmesse in dieser Form seit mehr als 40 Jahren. Bilder gibt es leider nicht, jedenfalls nicht von dieser Messe. Hier gibt es nun Bilder und eine Erläuterung des Ritus von einer Hochzeitsmesse in Form eines levitierten Hochamtes.

Mir fiel dabei wieder einmal auf, warum eine ganze Reihe studierter Juristen Anhänger des Ritus in der extraordinary form sind. Der "alte" Hochzeitsritus bringt den besonderen liturgischen,sakramentalen und rechtlichen Charakter des Ehesakramentes deutlicher zum Ausdruck, als der Hochzeitsritus, der als "integrierter" Ritus im Rahmen des II. Vatikanums beschlossen wurde. (SC Rdn. 77,78)

Wie sich SC ausdrückt, sollte der Eheritus "bereichert" werden. Tatsächlich wurde er entreichert, der Introitus, der sich auf das Buch Tobit bezieht (womit man möglicherweise den protestantischen Mitgeschwistern eine Freude machen wollte) , wurde abgeschafft und durch einen Katalog von Allerweltsintroiten ersetzt, die Lesung aus Eph 5, 22-33 wurde - sofern sie überhaupt noch gelesen wird - um die politisch unkorrekten ersten drei Sätze gekürzt, statt um den Satz 21 erweitert, was im Sinne der "Gleichberechtigung" Sinn gemacht hätte ("Unterwerft Euch einander, in der Furcht Gottes"), der Brautsegen wurde im Sinne der "Gleichstellung" abgeschafft, diesmal im Sinne der Gleichstellung des Bräutigams. 

Das Ehesakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig, um es mit den Worten des berühmtesten antikatholischen Kampfgedichtes Heinrich Heines zu sagen, "und fehlt der Pfaffensegen dabei, die Ehe wird gültig nicht minder". Womit der gute Heinrich, der ja nicht nur die Taufe empfing sondern auch das Sakrament der Ehe im extraordinary rite, klarer den Charakter des Ehesakramentes beschrieb, als es das II. Vaticanum mit seinem nijemoudischen Hochzeitsmischmasch getan hat.

Die Eheschließung findet im außerordenlichen Ritus vor der Messe statt, vermeidet also schon in der Ordnung des Ritus den Irrtum, es finde hier eine "kirchliche Trauung" statt. Ursprünglich fand die Eheschließung vor der Kirchentür statt, vor der sogenannten Brautpforte, deren Bedeutung und liturgische Einordnung heute weitestgehend vergessen ist. In unserer früheren Gemeinde, die eine neugotische Kirche mit allen Drum und Dran nutzte, also auch mit Brautpforte, war diese Pforte zugemauert. In der Gemeinde herrschte die Meinung, es handele sich hier um einen "überflüssigen" Nebeneingang.

NLM bittet für Mrs. and Mr. Owen Curry um Euer Gebet. (Mister Owen trägt übrigens einen "Stresemann")

Sonntag, 20. Februar 2011

Ping gregoriano



Wenn ich mich nicht täusche, ist heute die XI. Messe "dran".

Vorfastenzeit



Todesstöhnen hielt mich umfangen; der Unterwelt Qualen umschlossen mich, In meiner Not schrie ich zum Herrn, und Er erhörte meinen Ruf von Seinem heiligen Tempel aus. Dich lieb ich Herr, o meine Stärke. Der Herr ist ja mein Fels, mein Hort und mein Befreier.

Heute sind wir wieder dran. Mit der Schola mein ich. Der erste Introitus der Fastenzeit ist einer der schönsten, aber er ist, gerade an den Stellen, an denen er so einfach scheint, nicht unkompliziert. Ein bißchen Lampenfieber. In keiner Musikform merkt man schneller, wenn einer der Sänger patzt.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Häßlich, schmucklos, formlos




Folgende Aussage in dem unbedingt lesenswerten Interview mit Guido Pozzi, dem Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, hat mich doch, sozusagen, irritiert:
Es gibt Bischöfe und Priester, die in der Nachfrage nach dem alten Ritus vor allem das Risiko einer Sehnsucht nach dem Ästhetischen, rein Ornamentalen, Formalistischen sehen.
Bei Anwendung der Methode des argumentum e contrario, die jeder Jurist ja im Schlafe beherrscht, folgt daraus, daß man in der Nachfrage nach dem neuen Ritus vor allem das Risiko einer Sehnsucht nach dem Häßlichen, Schmucklosen, Formlosen sehen muß.

Manche Argumente in dieser endlosen Debatte sind doch so dämlich, daß man sich wundern muß, daß sie wirklich von Menschen, von denen man doch erwarten kann, daß sie zumindest derzeit noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, vorgebracht werden. (Juristen lieben Schachtelsätze!)

Ich versuche mich an einem musikalischen Adventskalender. Gregorianik paßt im übrigen zu beiden Meßformen. Oder sie sollte zumindest dazu passen, wenn man sie nicht mit Sakropop kombiniert.  Bei obigem (Juristen lieben Schraubsprech!) Musikstück handelt es sich um das Halleluja des Ersten Advent.

Sonntag, 7. November 2010

Liturgisches Scheibenschießen


Die, wie es die Frau Fürstin nennt, Ich-bin-katholisch-tschudigung-soll-nicht-wieder-vorkommen-Attitüde ist ja weit verbreitet. Als Neukatholik habe ich schon viel zu häufig feststellen müssen, daß meine Umwelt von mir erwartet, daß ich ob meines Katholischseins vor Scham unablässig in den Boden sinken müßte. (Nebenbei: geht das überhaupt?) Insbesondere liebe oder auch weniger liebe Mitkatholiken einer gewissen Webart versäumen fast keine Gelegenheit um sich in der Form des "Ich bin katholisch aber ..." (beliebiges aus dem sattsam bekannten Reformkatalog bitte hier einsetzen) zu äußern.

Doch irgendwie beschleicht mich das dumme Gefühl, daß der Kathomasochismus seine Wurzeln in gewissen, vielleicht nicht ganz gelungenen hochoffiziellen Dekreten der Kirche selbst hat. So läßt sich doch kein katholischeres Fest - sehen wir mal von Fronleichnam ab - als Allerheiligen/Allerseelen denken. Aber gerade dieses Fest, oder genauer dieses Ensemble von Festen hat es schwer getroffen:
  • schon in den fünfziger Jahren entfiel die Vigil von Allerheiligen, die doch seit dem 12. Jahrhundert gefeiert wurde, und seit dem 15. Jahrhundert für die ganze Kirche verbindlich wurde
  • mit der Liturgiereform verschwand auch das "Fasten vor dem Fest", wie überhaupt die Fastenregelungen insgesamt bis auf fast schon alberne Reste verschwanden
  • mit der Liturgiereform der 60iger entfiel die Allerheiligenoktav, wurde das Fest also förmlich degradiert.
  • mit der Liturgiereform wurde Schwarz als liturgische Farbe abgeschafft, so daß wir uns nun aussuchen dürfen, welche Farbe denn an Allerseelen sowie an Totenmessen angesagt ist. Nach alter auch säkularer Tradition ist Schwarz die Farbe der Trauer. Nicht so bei den Katholiken.
  • Die Sequenz dies irae, die doch von fast jedem Komponisten von Rang und Namen (Berlioz, Haydn, Liszt, Mahler, Mozart, Verdi usw. usf. vertont wurde, verschwand aus der Liturgie, blieb nur den Konzertsälen erhalten
  • Die Abschaffung der Sequenz - war sie zu "makaber"? -  bedeutet eine weitere Degradierung des Festes Allerseelen, denn wichtige Feste wurden und werden unter anderem liturgisch durch eine Sequenz "geadelt"
Liturgisches Scheibenschießen, oder gibt es noch einen Festzyklus der nachhaltiger ruiniert wurde?

Ganz abgesehen davon, daß etwa durch den Entfall der Vigil zu Allerheiligen das Bewußtsein davon schwand, daß "Halloween", also (All) Hallow(s) e(v)en(ing), ursprünglich ein genuin christliches Fest war, und kein neopaganer Maskenball. Es rächt sich, wenn die Kirche das Feld räumt. Und dieses Feld - Halloween nämlich - hat sie 1955 geräumt. Wenn sich die Kirche gewissermaßen liturgisch selbst ins Museum notabene den Konzertsaal befördert, muß sich niemand wundern, wenn sich die säkulare Gesellschaft der "gruseligen" Botschaft der katholischen Totenfeste bemächtigt.

Über die Qualität des säkularen Halloween braucht man nicht zu diskutieren, aber dürfen wir uns wirklich darüber beschweren, daß nun die Neuheiden, die Geschäftemacher, die Spaßgesellschaft das "makabre" Fest Halloween als Event vermarkten? Dabei haben die Kinder, die sich mit Begeisterung als Geister und Knochenmänner verkleiden, wahrscheinlich besser den Sinn der "dia de muertos" verstanden, als die lieben Kirchenchristen, die mit Kerzchen und Traktätchen oder gar mit "Lutherbonbons" dagegen halten.

Introitus (Judicant sancti), Graduale (Exsultabunt Sancti), Offertorium (Exsultabunt sancti) und Communio (Justorum animae) finden sich nach wie vor, wenn auch an derer Stelle im Graduale Triplex. Also nichts hindert uns daran, die Nacht zurückzuerobern. Es sei denn, wir fürchten uns vor Knochenmänner und Kürbisköpfen.


Sonntag, 19. September 2010

Lieblingsvideo


Can you tell the difference?? from Corpus Christi Watershed on Vimeo.

Einfach gut gemacht. Für jeden, der Probleme damit hat, seinen lieben Mitkatholiken den Unterschied zwischen sakraler und profaner Musik zu erklären.

Justus es


17th Sunday after Pentecost: Introit from Corpus Christi Watershed on Vimeo.
heute in der Messe. Die Gemeinde wars zufrieden.

Sonntag, 8. August 2010

Komplet


"Die Sonntagskomplet ist das ideale Gebet für die fromme Seele, Nach den Stürmen des Tages sucht der vierte Psalm die Seele zur Ruhe zu bringen. Dies ist die Zeit, um Halt zu sagen, des Tages Arbeit zu beenden, alles auszuschließen außer dem Einen, dem Gedanken an Gott. Dies ist die Zeit, um die Orientierung unser Lebens auf Gott hin zu erneuern. Dies ist die Zeit, um zurückzukommen, zur Rast in Gottes Frieden. Einmal mehr erkennen wir, daß uns die Welt betrügt mit sündigen Freuden, nichts als lauter Lügen und Nichtigkeiten, zerbrechlich wie schillernde Seifenblasen. Wir erkennen, daß nur wahre Frömmigkeit einen wirklichen Wert hat. Das Licht der Gnade Gottes erleuchtet die fromme Seele, tiefe Freude überflutet sie, Friede wohnt in ihrem Herzen, und die Hoffnung auf die ewige Heimat im Himmelreich ist der starke Anker in der See des Lebens.

Während der erste Psalm der Komplet im Ton Ruhe und Schutz vermittelt, ist Psalm 90 positiv und aktiv. Die Seele fühlt sich sicher unter Gottes schützenden Flügeln. Während um uns der Kampf tobt, ruht die Seele, tief verwurzelt im Vertrauen auf Gott. In der Mitte von Nacht und Schrecken weiß sie von Gottes Schutz. Dieser Psalm ist unübertroffen als Abendgebet. Dieser Psalm gibt uns die Gewissheit, daß wir sicher sind in Gottes Hand, und erneuert unser Vertrauen, daß wir als Kinder Gottes über alle unsere Feinde siegreich sein werden.

Der letzte Psalm macht uns zu Wächtern des Tempels, denen Schlaf verboten ist: "Ihr müßt wachen, die Welt braucht euer nächtliches Gebet, damit uns der Feind nicht überwältigt." Das Stundengebet ist unsere Waffe! " (Aus der Einleitung zur Sonntagskomplet (Officium Divinum, abridged for Use of the Laity, Angelus Press))

Das Bild stammt aus dem englischen Blog der Dominikaner.

Samstag, 17. Juli 2010

Lieblingseite und Lieblingsheilige

Schöne Sachen zu sehen gibt es in jedem Fall auf einer meiner Lieblingsseiten, Daniel Mitsuis "the lion and the cardinal". Wer einen kleinen Eindruck von der Pracht und der Schönheit der Kirche gewinnen will, dem sei diesen Seite in jedem Fall empfohlen.

Die abgebildete casula ist laut Daniel Mitsui von Thérèse von Lisieux gemalt worden. Woran man sieht, daß die sogenannten kontemplativen Orden keineswegs tagaus, tagein mit der Kontemplation beschäftigt waren, sondern auch mit dem "Gebet mit Nadel und Faden". Schade, daß diese Form des Gebets seit der Liturgiereform nicht mehr gefragt ist. So mancher Frauenorden hat dadurch seine Einkünfte verloren.

Dienstag, 13. Juli 2010

Anglikanische Selbst-Zerlegung


Gegen die Ordination von Frauen zu BischöfInnen sprechen zumindest bei semialtgläubigen Vereinen wie der Anglikanischen Kirche  theologische und liturgische Gründe. Betrachtet man diese Versammlung anglikanischer BischöfInnen, scheinen mir auch ästhetische Gründe dagegen zu sprechen.

Jedenfalls bemüht sich die CoE wieder einmal angestrengt darum, sich selbst zu zerlegen. Der Beschluß, auch Altgläubige dazu zu zwingen, sich in jedem Fall auch einer Bischöfin zu unterstellen, führt in der Konsequenz zu einem Squeezing-out der letzten Anhänger der High Church Englands nebst der eher evangelikal gewirkten Traditionalisten.

Welcome home, brothas an sistas!