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Mittwoch, 7. September 2011

Arnd Brummer und die alte Schachtel EKD


Arnd Brummer, Chefredakteur des protestantischen Subventionsblättgens "Chrismon", immerhin die auflagenstärkste - weil aus Kirchensteuergeldern finanzierte - "christliche" Zeitung Deutschlands, hat ein artiges Artikelchen geschrieben, wohl dem Heiligen Vater zum Gruß, den er in diesem Artikel nach allen Regeln der Kunst in die Pfanne haut. Benedikt des XVIten Kritik am "Relativismus" - umgangssprachlich könnte man sagen am "everything goes", das ja bekanntlich im protestantisch-staatskirchlichen Biotop besonders prächtig gedeiht- soll den Exkatholiken Brummer in die Arme der rheinisch-protestantischen Staatskirche betrieben haben.

Goldisch, würde man hierorts sagen. Nun wähnt sich ja der Brummer, der das Lehramt schon aus Gewissensgründen ebenso ablehnt, wie die russischen Anarchisten die "Autorität der anderen", nicht nur im Besitz der Nicht-Wahrheit, sondern glaubt sich, wie alle Antiautoritären auf der Seite der Jungen, der Zukunftsorientierten, der künftigen Sieger der Geschichte, kurz des jugendlich-revolutionären Fortschritts. Die alte Kirche, gemeint ist konkret die katholische, mitgedacht ist aber wie immer auch der "konservative" Protestantismus, habe ja kein langes Leben mehr vor sich.
An ihnen (den Dogmen) verzweifeln aufgeklärte Katholiken. Warum nimmt der römische Apparat das in Kauf? Warum spielt er die Karte der Abgrenzung und hetzt immer deftiger gegen die Protestanten? 
Zwei mögliche Antworten: Die aus Sicht Roms von der Nachbarschaft mit reformatorischen Kirchen infizierten und von der Diktatur des Relativismus bedrohten katholischen Diözesen, in denen der Priestermangel weite Landstriche gemeindlich verödet, sollen einer Art Gottesurteil unterworfen werden: Entweder dieser Teil des Kontinents wird weiter entkatholisiert oder es geschieht ein Wunder und die Schäflein kehren in den Pferch der einzig wahren Kirche zurück. Oder: In Rom hat man tatsächlich verstanden, dass ein mit der Moderne versöhnter Glaube entweder reformatorisch oder unmöglich ist. Aus der berechtigten Sorge, die europäische und nordamerikanische Entwicklung könnte in Südamerika, Asien und Afrika Schule machen, hat man eine Theologie des Unmöglichen entwickelt, um dem reformatorischen Element standzuhalten. Der globale Glaubenskonzern gibt Mittel- und West europa auf, um in anderen Welt gegenden fundamentalistischen Entwicklungen mit rabiatem Konservativismus standhalten zu können.
Die berechtigte Sorge, die europäische und nordamerikanische  Entwicklung könnte in Südamerika, Asien und Afrika Schule machen. Dieser Meinung kann man allenfalls sein, wenn man seine tägliche Lektüre beschränkt auf die Käseblätter des linkschristlichen Spektrums. Die Realität ist ja eine andere. Den siechen europäischen und nordamerikanischen christlichen Gemeinschaften des progressistischen Spektrums vom liberalen europäischen Staatsprotestantismus bis zum protestantoformen Linkskatholizismus, dem die Gläubigen weglaufen -und in noch größerem Maße - wegsterben, stehen junge, dynamische christliche Gemeinschaften in der übrigen Welt gegenüber, die sich den Progressimus der "Alten Welt" mit gutem Grund und zutreffenden Argumenten vom Leib halten. Die Vorgänge in der anglikanischen Weltkirche, wo mittlerweile eine "konservative" Mehrheit in Afrika und anderen ehemaligen britischen Kolonien einer "progressiven" Minderheit gegenübersteht ist symptomatisch. Den Zustand der AltweltAnglikaner ist der einer schrumpfenden Sekte.

Kein neues Szenario. Schon der "Fürstenknecht" Luther lebte ja in der Überzeugung, daß die "veraltete" Kirche alsbald verschwinden würde. 500 Jahre später ist der Lutherische Weltbund eine schrumpfende Sekte mit weltweit gerade einmal 60 Million Gläubigen, die katholische Kirche hingegen eine noch immer wachsende Gemeinschaft von aktuell 1,181 Milliarden Menschen.

Die progressiven (Alt)Katholiken und modernen Staatsprotestanten des 19. Jahrhundert sahen sich nicht anders. Die "aufgeklärten" Christen des 19. Jahrhunderts, denen Wilhelm Busch sozusagen ihren Lieblingscomic, den "Pater Filucius" zeichnete, erkannten sich in der Figur der hübschen jungen "Angelika"wieder, ihre Konkurrenten in der dicklichen alten (katholischen) Petrine, und der verhärmten (lutheranischen) Jungfer Pauline.

Der Realität entsprach das schon damals wohl kaum. Die Krise des preußischen Staatsprotestantismus, die zur ersten Phase des Kulturkampfes führt,  wurde von tiefgläubigen jungen Katholikinnen ausgelöst, in die sich protestantische Beamte verliebten, die aus den Preußischen Kernländern zur Verwaltung in die westfälischen Provinz geschickt wurden. Daraus entstanden dann Ehen, deren weiblicher Teil sich kirchenrechtlich korrekt aber zivilrechtlich unkorrekt mit der katholischen Erziehung der gemeinsamen Kinder durchsetzen konnte und wollte. Eine Staatskrise, ausgelöst von "modernen" protestantischen Herren mittleren Alters und gläubigen jungen katholischen Frauen. Sie endete übrigens mit dem Sieg der jungen Katholikinnen, nachdem auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV eine reizende junge bayerische Katholikin geheiratet hatte, in die er sich - völlig gegen die Staatsräson - verliebt hatte.

Wer die Augen aufmacht, wird auch heute feststellen, daß das modernistische linkskatholisch-linksprotestantische Wassersuppenchristentum seine glühendsten AnhängerInnen eher unter spätfeministischen Damen jenseits des Klimakteriums und pensionierten Eigentümern einer Beamtenheimstätte hat. Daß sich der ganz besonders fortschrittliche BDKJ durch einen mittelalten schon nicht mehr ganz taufrischen Berufsjugendlichen jenseits der 40er repräsentieren läßt steht hier pars pro toto.

Junge Menschen, die sich vom Wassersuppenchristentum des staatsprotestanischen Anbiedermeier beeindrucken lassen, sind mir nicht bekannt. Brummer Bekennntis er habe als Teenie "mit roten Ohren" die Frohe Kunde von der protestantischen Beliebigkeit vernommen, halte ich für das Ammenmärchen eines skrupellosen Chefredakteurs, der uns eine veritable Lügengeschichte auftischt.
Mit roten Ohren lag ich auf dem Bett und nahm auf, dass Wyclif den Priestern absprach, Hostien und Wein tatsächlich in Leib und Blut Christi verwandeln zu können. Ich war sehr froh darüber, als zwölf-, dreizehnjähriger Knabe zu erfahren, dass die Evangelischen in der benachbarten Kreuz- oder in der Pauluskirche neben meinem Gymnasium die Worte Jesu „Das ist mein Leib / mein Blut“ nicht wortwörtlich nahmen. Und noch mehr begeisterte mich, dass bei den Protestanten Leute gemeinsam zum Abendmahl gingen, die durchaus unterschiedliche Vorstellungen von der Bedeutung des Mahles hatten. Die einen nahmen Brot und Wein zum Gedächtnis an Christi Erlösungstat, die anderen nahmen die verwandelte Substanz Christi in sich auf.
Nachdem ich ja selbst mal ein dreizehnjähriger Knabe war, möcht ich das doch entschieden in Frage stellen. Ich erinnere mich noch gut an rote Ohren, aber da ging es um die heißen Strophen des Hohen Liedes und ähnlicher "heißer" Stellen im Alten Testament.. Daß ein sehr junger Mensch auf die Infragestellung seiner eigenen, in diesem Alter meist tiefernsten Glaubensüberzeugung "begeistert" reagiert, kann ich nicht glauben, und ein bissel älter als der Herr Redaktör bin ich ja schon. Nun ja, Konvertiten können ja manchmal schon ziemliche Stinkstiefel sein, aber es geht auch anders, wie das Beispiel der hübschen Dame oben zeigt.

Die Ehefrau des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV, Königin Elisabeth von Preußen, hat wohl maßgeblich dazu beigetragen, daß sich die preußische Religionspolitik wieder auf den toleranten Großen Friedrich zurückbesonnen hat. Friedrich Wilhelm beendete den Kulturkampf und stellte im übrigen auch für die Altlutheraner, die unter der Religionspolitik Preußens zu leiden hatten, die volle Religionsfreiheit wieder her. Ihren katholischen Glauben mußte sie, als sie in das refomierte Herrscherhaus Preußens einheiratete, nicht aufgeben. Später trat sie dann doch zur reformierten Kirche über. Eine vorbildliche Konvertitin. Als Reformierte leider nicht zur Heiligsprechung zugelassen.

Mittwoch, 31. August 2011

Zollitsch, Herodias, First Patchwork



Die Interviews unseres obersten deutschen Bischofs Zollitsch verdienen mit allem Recht das Prädikat "berüchtigt". Wenn ich mich zurückbesinne an vergangene Tage - demnächst zähle ich meinen 22.644ten incl Schalttage - fällt es mir schwer, mich an einen ähnlich hochgestellten Mann zu erinnern, der in vergleichbarer Weise die Fähigkeit besaß, in völliger Ahnungslosigkeit auch noch in Fettnäpfe zu tappen, die ihm keiner in den Weg gestellt hat.

Vielleicht Lübke? Nein, nicht direkt, der sprach zwar ein greuliches Englisch, hielt Reden, die von legendärer Bräsigkeit waren, aber Lübke wäre niemals auf die Idee gekommen, die Richtlinien der Partei der er angehörte, oder die Grundordnung des Landes, das er repräsentierte, in Frage zu stellen. Zollitsch - Verzeihung, es geht nicht anders - Geplapper ist lübkianisch, sein fataler Hang zum "Undogmatischen", ist ohne Parallele. Dabei steht ihm der revolutionäre Entwurf etwa so gut zu Gesicht, wie einer 73jährigen Matrone ein Lady-Gaga-Outfit.

Mich interessiert aber nun, an welchem Tag genau Zollitsch der "Zeit" dieses schröckliche Interview gegeben hat. Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sei eine Frage der Barmherzigkeit. Jesus hat es ja genau anders herum gesehen. Warum, fragt er seine Zuhörer, hat euch die Thora die Scheidung erlaubt? "Nur weil ihr so hartherzig seid" (Matthäus 19, 8).

Daß Zollitsch in diesem Zusammenhang unser "First Patchwork" erwähnt, haut dem Faß die Krone ins Gesicht. Der hach so katholische Bundespräsident hat ja schon in seiner Autobiographie ad coram publico verkündet, er habe vor seiner Eheschließung "nichts anbrennen lassen". Um drei Jahren nach Veröffentlichung seiner etwas verfrühten Autobiographie zu verdeutlichen, daß er auch nach seiner Ehescheidung nichts anbrennen läßt. Müssen wir einen Mann bedauern, der im Alter von mehr als vierzig Jahren seine Frau und Mutter seines Kindes verläßt, um eine 14 Jahre jüngere zu heiraten?

"Er ist für mich ein Katholik, der seinen Glauben lebt, und darunter leidet, wie die Situation ist". Nein, mir kommen nicht die Tränen, allenfalls die Tränen der Wut.

Ach ja, der Tag, an dem dies gesprochen wurde. Vielleicht war es ja der 29. August. Würde passen Warum hat Johannes der Täufer seinen Kopf verloren? Weil er das "First Patchwork" des jüdischen Staates kritisiert hatte. Die beiden allerhöchsten Ehebrecher Herodias und Herodes Antipas. Beide hatten ihre Ehepartner verstoßen.

Bettina Wulff als Herodias, übrigens auch mit Kind aus einer anderen "Beziehung", Christian Wulff als Tetrarch Herodes Antipas. Paßt leider nicht ganz. Weder hat der erboste Vater der ersten Ehefrau unseres Tetrarchen Herodes Wulff dem guten Christian aufs Haupt geschlagen, noch hat unser oberster Christ Zollitsch auch nur ein ganz ganz winzig kleines Wörtchen der Kritik am doppelten Ehebruch unseres ranghöchsten Ehepaares geäußert.

Na ja, irgendwie kann ich mir auch schlecht das abgeschlagene Haupt unseres obersten Bischofs auf einem Silbertablett vorstellen.

Daß Zollitsch die Grünen für eine Partei hält, bei der sich Christen "beheimatet" fühlen können, hat mich fast von meinem Designerschreibtischstuhl gehauen. Hat der Bischof die neuesten Zeitungen über die geplanten Anti-Papst-Demonstrationen gelesen, gehört, gesehen? Bei keiner fehlen die örtlichen grünen Parteigruppierungen, vor allem die Grüne Jugend. Seit an Seit mit dem "Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten", "pro familia", den Altatheisten der "Humanistischen Union", dem "Humanistischen Verband" und was in der linksschwulbilesbischatheistischhumanistischen Lack und Lederszene Rang und Namen hat.

Liest der Mann keine Zeitung? Hat der kein Radio? Keine Zeit zum Fernsehgucken? War dem Bistum der Internet-account zu teuer? Kann mich da mal jemand aus der Entourage des Bischofs aufklären? Oder besser noch, kann den Bischof mal jemand in den Umgang mit google einweisen?

Das Bild der Herodias mit dem faszinierenden Schlafzimmerblick ist von einem Maler meiner Lieblingsstilepoche, dem "akademischen Realismus", Hippolyte Delaroche gemalt worden. Es ist im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu besichtigen. Gar nicht so weit weg von Freiburg.

Dienstag, 12. Juli 2011

Ecclesia sedens



"Die Regisseure des Gesprächsforums hatten die Teilnehmer an 39 runden Tischen mit je acht Stühlen platziert" So schreibt die "Welt" am Montag.

Ganz abgesehen davon, daß ich stets die Krise kriege, wenn ich Schlechtschreib wie "platziert" lese, die Ergebnisse des Dialogprozesses bestätigen die These daß nicht nur die Form der Funktion, sondern auch die Funktion der Form folgt. Bei Elsa läßt sich nachlesen, was aus diesen 39 Stuhlkreisen an Inhaltlichem hervorgebracht wurde - 37 Thesen. Es sind, wenn man vom üblichen nichtssagenden Theospeak absieht, die üblichen Forderungen der sogenannten Reformbewegung. Diese 37 Thesen, das ist wirklich alles, was die Elite des deutschen Gremienkatholizismus zu Stande bringen kann.

Sind das unsere 300 Besten? Die unter Millionen deutscher Katholiken erlesene Elite des deutschen Katholizismus? Wenn es so ist, dann wird es Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wer in unserer deutschen Abteilung der Weltkirche was aus welchem Grunde "wird". Wie sich Zentralkommitees rekrutieren habe ich als studierter Jurist in mühseliger Kleinarbeit rekonstruiert. Die Satzungen sagen mir, daß es der wird, der denen dies schon sind, jedenfalls nicht in die Suppe spucken wird. Alles weitere besorgt der Zeitgeist, der jeglicher Demokratur ja schließlich wesensgemäß ist. Da versammeln sich demnach nicht die Katholischen, sondern die vom antirömischen Affekt seit jeher Infizierten.

Es besteht also kein Anlaß, sich zu wundern. Vielmehr besteht Anlaß, eine Marschkapelle zu gründen. Diese sollte bei der nächsten Versammlung mit Pauken, Trommeln und Trompeten den Versammlungssaal umrunden und ad infinitum folgendes, von den Verirrungen der 70iger Jahre bereinigtes Marschlied  aufspielen (Vielen Dank für den Text und die Idee, Superpelliceum):

Ein Haus voll Glorie schauet
weit über alle Land,
aus ew'gem Stein erbauet
von Gottes Meisterhand.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Gar herrlich ist's bekränzet
mit starker Türme Wehr,
und oben hoch erglänzet
des Kreuzes Zeichen hehr.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Wohl tobet um die Mauern
der Sturm in wilder Wut;
das Haus wird's überdauern,
auf festem Grund es ruht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Ob auch der Feind ihm dräue,
Ansturm der Hölle Macht:
Des Heilands Lieb und Treue
auf seinen Zinnen wacht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Dem Sohne steht zu Seite
die reinste der Jungfraun;
um sie drängt sich zum Streite
die Kriegsschar voll Vertraun.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Viel tausend schon vergossen
mit heil'ger Lust ihr Blut;
die Reihn stehn fest geschlossen
in hohem Glaubensmut.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Auf eilen liebentzündet
auch wir zum heil'gen Streit;
der Herr, der's Haus gegründet,
uns ew'gen Sieg verleiht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Aktion Jericho. Wird Zeit, daß wir der Ecclesia sedens den Marsch blasen. Ich spiele wahlweise Kesselpauke oder Snaredrum.

Die Kapelle braucht ein bißchen, bis sie endlich loslegt, also Geduld. Die Kapelle steht in der Tradtion des Husarenregiments Alexander II. von Rußland (Erstes Westfälisches, was auch die Musikauswahl erklärt). Der Text bestätigt, daß es Zeit wird, das Gotteslob endlich einzustampfen. Das, nachdem es in den letzten Jahren im Sinne der inclusive language gendermäßig durchgearbeitet worden ist, sowieso in GöttInnenlob umbenannt werden sollte.
Der katholischen Tradition zufolge und seit dem Konzil von Florenz 1439 kennen wir die Ecclesia militans, die Ecclesia triumphans und die Ecclesia penitens. Mit der Ecclesia sedens haben wir also nichts zu tun.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Des Zeit-Geists beständig Wehn


Keine Pfingsterklärung dieses Jahr? Nun ja, bis repetita non placent, aber auf die Süddeutsche und vor allem den Sprecher der "Augsburger Pfingsterklärung" Max Stetter ist Verlaß. Bedenklich immerhin, daß den Verfassern der diesjährigen "Pfingsterklärung" noch immer nicht auffällt, daß man als guter Katholik doch vielleicht besser keine Erklärung zu kirchenpolitischen Themen ausgerechnet zu diesem Termin und ausgerechnet unter dieser Überschrift abgeben sollte. Die fatale, nicht nur semantische Parallele zu Ignaz von Döllingers "Münchner Pfingsterklärung" von 1871 - in der Hochphase des Kulturkampfes - ist den Augsburgern offenbar noch immer nicht aufgegangen.

Die folgende Formulierung im Artikel der "Süddeutschen" find ich dabei eigentlich ganz hübsch:
Auch so kann man Zeichen setzen. Ausgerechnet an Pfingsten, da viele Priester in der Diözese Augsburg ihre Kirche ermahnt haben, Fenster und Türen zu öffnen, den Heiligen Geist wehen zu lassen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, hat Augsburgs neuer Bischof Konrad Zdarsa das Hochamt gemeinsam mit Kardinal Walter Brandmüller gefeiert. Dieser Mann steht für viele Christen für eine eindeutig rückwärts gewandte Kirche.
Reimt sich da nicht Geist statt auf Heilig vielmehr auf Zeit? Wer in der WiSiKi-Rhetorik bewandert ist, bei dem rasten bei "Fenster öffnen" eh die Synapsen ein.

Nun hat sich Bischof Zdarsa, zu dessen ersten Amtshandlungen die Entlassung des Leiters des erfolgreichen Leiters des Sankt Ulrich Verlages, Dr. Dirk Hermann Voß gehörte, zunächst bei unseren Augsburger NeuAltkatholiken ganz toll beliebt gemacht. Der Sprecher der altkatholischen Entristen Mangold findet die Entlassung des erfolgreichen Unternehmensleiters Voß zum Beispiel "ganz prima".

Aber inzwischen hat sich offenbar herausgestellt, daß der neue Bischof - huch - doch dem katholischen Glauben anhängt, zumindest der katholischen Liturgie.
Auch Zdarsas erster Hirtenbrief ist bis heute umstritten. Darin betonte er, für ihn sei die Teilnahme an einem Wortgottesdienst keine "Erfüllung der Sonntagspflicht, wo unter zumutbarem Einsatz die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier möglich ist". Davon fühlten sich viele Laien vor den Kopf gestoßen, die sich eigens ausbilden ließen, um angesichts des Priestermangels den Gemeinden wenigstens Wort-Gottes-Feiern anbieten zu können. "Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Einstellung der Theologen und den Bedürfnissen des Durchschnittsbürgers", sagt Diözesanratschef Helmut Mangold. "Hier müssen wir sehen, ob wir langfristig in Gesprächen die Anliegen der Gläubigen und der Geistlichen zusammenbringen."
Nun bietet das ja einen aufschlußreichen Einblick in die Denke derer, die, wie die Memorandisti, stets und ständig den angeblichen Priestermangel beklagen. Den Priestermangel gibt es, aber verglichen mit dem Gläubigenmangel ist der Mangel kein Mangel in der Relation "praktizierende Katholiken" und (das Heilige Meßopfer) "zelebrierende Priester". Dieses Verhältnis hat sich sogar verbessert. Die Zahl der Priester hat sich seit Anno Fuffzig in etwa halbiert. Die Quote der Messbesucher ist gleichzeitig auf ein Fünftel geschrumpft.

Freilich muß ein Katholik, der an einer Messe teilnehmen will, heute weitere Wege in Kauf nehmen. Ist das aber im Mutterland der BayerischenMotorenWerke etwa ein Problem? Echt? Herrscht da nicht nur Mangel an Geist, sondern auch an Sprit? Wers glaubt, läßt sich halt eine WortGottesFeier anstelle einer Heiligen Messe andrehen.

Die anderen lesen im Katechismus:
Die Christen heiligen den Sonntag und die anderen gebotenen Feiertage, indem sie an der Eucharistie des Herrn teilnehmen
Hätt ich nicht an der Eucharistie (ich bevorzuge den Begriff Heiliges Meßopfer) teilnehmen wollen, hätt ich ja auch evangelisch bleiben können, übrigens gleich welcher Geschmacksrichtung und Farbvariante. Die Katholiken, dies gerne evangelisch haben, werd ich nie verstehen. Daß die dann auch noch gleich "euphorisch" werden, und "Aufbruchstimmung" verspüren, versteh ich erst recht nicht.

Sonntag, 12. Juni 2011

Pfingstoktave: Gebetsaufruf für die Piusbruderschaft


Der Blog Messa in latino ruft zum Gebet für das Gelingen der Gespräche mit der Priesterbruderschaft Pius X auf. Auch das Magazin Katholisches hat sich diesem Aufruf angeschlossen. Ich bete mit.

Ich habe allerdings irgendwie das Gefühl, daß es eine ganze Reihe von Katholiken gibt, die sich dieser Gebetsbewegung auf gar keinen Fall anschließen würden. Ich könnte mir z.B. durchaus vorstellen, daß mein Bischof da eine ganz andere Intention verfolgt.
„Aber dass sich Leute eine Firmung nach altem Ritus wünschen können, halte ich für Blödsinn“, sagt der Kardinal ungewöhnlich deutlich. „Ich werde das nicht tun, sollen sie woanders hinreisen.“
Die Piusbruderschaft hat übrigens sofort darauf reagiert, wie man als Konkurrenzunternehmen ja doch reagieren sollte, wenn der Mitbewerber am Markt eine Marktlücke sträflich vernachlässigt. Tja, wenn man Gläubige auf Reisen schickt, dann reisen sie eben.

Zur Taufe nach altem Ritus und zur Eheschließung nach altem Ritus hat sich unser Kardinal zum Glück nicht geäußert, kann er auch gar nicht. Darf er auch gar nicht (mehr).  Ist ja gemein, aber irgendwie ist mir dann doch danach, dem Kardinal ein freundlich-fröhliches "Ätschebätsche" zuzurufen. Zumal mir das Glück zuteil geworden ist, meine standesamtliche Ehe im alten Ritus kirchlich noch einmal nachvollziehen zu dürfen.

Daß der alte Ritus der Taufe nicht nur komplexer, sondern auch tiefer und wie mir scheint, wirkkräftiger ist, auf jeden Fall schöner und sinnreicher, durfte ich vor einigen Monaten bei der Taufe des Kindes guter Freunde miterleben.

Aber im Ernst: wieviele Katholiken wünschen sich wohl, daß es zu einem Arrangement mit der Piusbruderschaft kommt, und wieviele wünschen es sich nicht? Wieviele sind der festen Überzeugung, daß die Wiederaufnahme der Bruderschaft in die Kirche der Kirche schadet, wieviele, daß es ihr nützt? Zumindest unter den deutschen Bischöfen halte ich die Zahl derer, die dieses dringende Anliegen des Papstes nicht nur verbal, sondern auch mit vollem Herzen unterstützen, für eher gering. Bischof Müller, in dessen Sprengel das Seminar Zaitzkofen liegt, hat kein Hehl daraus gemacht, daß er das Seminar sofort schließen würde, hätte er die Macht dazu. Und Bischof Müller kann unter den deutschen Bischöfen sonst als eher romtreu und prinzipienfest gelten. Was denken wohl die anderen? Hat irgendeiner den Prozeß tatkräftig unterstützt? Setzt nun ein Dialog mit der Bruderschaft auf Ebene der Bischofskonferenz ein? Zeigt sich wenigstens Neugier?

Nope. Ganz im Gegenteil. Nicht nur kein Dialog, und das bei einem Episkopat, daß sich sonst mit Überzeugung zur "clasa discutidora" zählt, vielmehr Gesprächsverbote,.

Als kleiner Laie aus der tiefen Provinz will ich ja den hohen Herren nicht dreinreden. Aber haben wir kein Problem? Ist die Piusbruderschaft nicht die einzige katholische "Fraktion" in Deutschland, die wächst, statt zu schrumpfen? Die Kirchen neu baut, neu eröffnet, statt Kirchen zu schließen? Die sogar ein verfallenes Kloster wieder mit Leben erfüllen wird? Die keinen Priestermangel kennt?

Im Gegensatz zu den "Kirchenspaltungen" des 19. Jahrhunderts, der Abspaltung der Deutschkatholiken, der Abspaltung der Altkatholiken handelt es sich hier um die Abspaltung einer Gruppe mit vier gültig, wenn auch rechtswidrig geweihten Bischöfen, die wiederum 534 gültig, aber kirchenrechtswidrig geweihte Priester unter sich haben.

Doch am Pfingstfest sollte man einmal darauf hinweisen, daß dem Heiligen Geist das Kirchenrecht so ziemlich am Bürzel vorbeigeht. So to say, schließlich ist der H. eine Taube. Erzbischof Lefebvre hat mit der Auflegung seiner geweihten Händen in Ausübung des ihm gültig verliehenen Amtes vier Priester gültig zu Bischöfen geweiht, die wiederum gültig hunderte Männer zu Priester geweiht haben. Eine Situation, die ein hier aus prinzipiellen Gründen  ungenannt bleibender Journalist ganz zu recht als "Albtraum für die katholische Kirche" bezeichnet hat.

Unseren Hirten haben hingegen, wie es scheint, einen sehr gesunden Schlaf. Was vorherrscht, ist gewissermaßen das Westerwelle-Denken. Soll der Papst mal machen. Wir ziehen das Gegeifer der deutschen Journaille nicht auf uns.

Zuwachs kann die katholische Kirche in Deutschland im übrigen gut gebrauchen. Sie hat ihn genau genommen bitter nötig. Vor allem wenn es um Menschen geht, die das Schisma ja nicht auf sich genommen haben, weil ihnen die Glaubenslehre, die Sittenlehre der Kirche nichts bedeutet, sondern vielmehr, weil die Kirche ihnen alles bedeutet. Von der anderen Sorte, denen, denen das alles eigentlich viel zu anstrengend ist, haben wir genug. Übergenug. Ganze Regimenter von Funktionären, die der Kirche eher eine Last statt ein Segen sind.

Dies war die Darstellung des Heiligen Geistes mit den meisten Putten, die ich finde konnte. Gesegnetes Pfingstfest, Alipius!

Montag, 6. Juni 2011

Bischof Marx, der Vielarmige


Bei diesem Artikel meines alten Freundes Edgar L. Gärtner über die "Ethikkommission" zur weiteren Nutzung der Atomenergie unter besonderer Berücksichtigung der Verlautbarungen der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Einlassungen unseres Vielzweckbischofs Dr. "Das Kapital" Reinhard Marx dachte ich sofort an die alten Indienbildchen in meiner Krabbelkiste. Besonders das Bild mit der vielarmigen Göttin Durga habe ich ganz spontan in Verbindung gebracht mit unserem Herrn Erzbischof.

Wir können dann doch wohl alsbald unseren Bischofs Marx als katholischen Vertreter in der neuen Bioethik-Kommission bewundern, die anläßlich der EHEC-Krise gebildet werden wird. Diese wird sich dann mit der Frage beschäftigen müssen, ob Kuhkacke noch als Dünger auf für den Anbau von Salaten, Tomaten, Gurken und Spinaten vorgesehenen Äckern ethisch unbedenklich ausgebracht werden darf.

Ob Dr. Marx dann auch noch so trefflich über den Ausstieg aus jeglicher irgendwie riskanter Technologie schwadronieren wird? Schließlich ist die künstliche Düngung wg. Ressourcenverbrauch mindestens ebenso ethisch fragwürdig wie die klassische Rinderscheißedüngung wg. der Gefahr der Übertragung ansteckender Krankheiten. So daß wir uns dann doch am besten dazu entschließen sollten, gleich ganz auszusterben. Statt ethisch bedenklich weiterzuleben.

Aber die zentrale Frage ist ja eigentlich, warum unsere superkompetente Bischofskonferenz über "smart grid", die "Back-up Kapazitäten Co2-armer GuD-Kraftwerk" den "Einsatz der Wasserstofftechnologie" und dergleichen zu befinden hat. Mir würden da ganz spontan noch mindestens ein Dutzend Themen einfallen, die ich genauso spannend finde. 

Aber am spannendsten finde ich eigentlich die Frage, wie es die Konferenz mit der Religion hält. Darüber hat man lange nichts mehr gehört. Es fehlt vielleicht inzwischen an der Kompetenz, nachdem man sich viel zu lange mit Themen beschäftigt hat, die die DBK eigentlich einen feuchten Kehricht anzugehen haben.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Wie einmal Grinsekatze selbst der taz tierisch auf die Nüsse ging



Berechenbarkeit soll ja angeblich eine positive menschliche Eigenschaft sein. Mit dieser Auffassung konnte ich mich noch nie anfreunden. Ich hasse es, gelangweilt zu werden. Und wenn ich Käßmanns neueste, oder besser gesagt neu wiederaufgewärmte Thesen lese, die sie anläßlich des Evangelischen Kindergeburtstags in Dresden zum besten gegeben hat, packt sie mich, die Langeweile. 
Margot Käßmann hat in ihrer Bibelarbeit zu den Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu erneut das deutsche militärische Engagement in Afghanistan kritisiert. „Es gibt keinen gerechten Krieg. Es gibt nur einen gerechten Frieden. Und dieser erfordert Kreativität, Zeit, Engagement und Geld“, unterstrich die frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
usw. usf. Da kann selbst der Kommentator der sonst nicht ganz zeitgeistfreien taz aus seinem Stühlchen sitzen bleiben.
In diesem Stil hat Käßmann ihre Fangemeinde gesammelt. Sie konnte keine bessere Offerte machen: Hier, seht!, ich stehe an diesem Ort, kann nicht anders! Dass die vormalig oberste Protestantin in Deutschland nie auch nur ein Sätzlein äußerte, das zu sagen echten Mut erfordert hätte, steht andererseits auch fest.
Käßmann, die Frau, die fahrlässig alkoholisiert ein Auto fuhr, ist völlig zu Recht aus dem Verkehr gezogen werden. Ethisch-pathetisch gesehen macht die Frau mit der striktesten Karriere der Evangelengeschichte nichts her, was wirklich Prädikate wie Querdenkerei oder Dissensliebe verdiente.
Sich als feige Opportunistin, die den Menschen stets nur nach dem Mund redet, auf Jesus Christus zu berufen, halte ich im eigentlichen Sinne für wahre Gotteslästerung. Tapfer wäre es gewesen - nur mal rein theoretisch - auf dieser für gewöhnlich soziökopazifemiegozentrischen Versammlung allergutester Gutmenschen die böse alte Confessio Augustana zu zitieren, die sich zur kirchlichen Lehre vom gerechten Krieg ja ganz anders äußert, als die Frau Ex- Bischofeuse. Da ich diesen Post ja gern zum Zwecke der Verbreitung subversiver Texte nutze, hier also das Grunddokument des lutheranischen Christentums Deutschlands zum Thema Krieg:
Artikel 16: Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment
Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung sind, die von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dass Christen ohne Sünde in Obrigkeit, Fürsten - und Richteramt tätig sein können, nach kaiserlichen und anderen geltenden Rechten Urteile und Recht sprechen, Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen, in ihnen mitstreiten (im Original: iure bellare, militare), kaufen und verkaufen, auferlegte Eide leisten, Eigentum haben, eine Ehe eingehen können usw. 
Hiermit werden die (im Original: Anabaptistas, Wiedertäufer) verdammt, die lehren, dass das oben Angezeigte unchristlich sei. 
Die Übersetzung stammt von der Seite der VELKD und bestätigt wieder einmal den italienischen Sinnspruch traductore = traditore. Es fehlt das "anabaptista", wohl des kuscheligen ökumenischen "Miteinanders" wegen.

In diesem Sinne, im Sinne des "iure bellare et militare" waren sich die lutheranischen Christen und die Kirche jedenfalls bis zum Ausbruch des ökopazifistischen Zeitalters und der Friedensdenkschrift der EKD noch einig.

Gleichzeitig kam heute wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan ums Leben, mehrere weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Sie fielen einem feigen Bombenanschlag zum Opfer.

Ich bin mir sicher, daß in diesem Panzer deutscher Soldaten, die ihr Leben für den Frieden und die Sicherheit und den Frieden des afghanischen und auch des deutschen Volkes in die Schanze geworfen haben, mehr Gottesfurcht und edle Gesinnung versammelt war, als auf dem von Tausenden besuchten "evangelischen" Kirchentag.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Evangelischer Kindergeburtstag


Heute beginnt in Dresden der "Evangelische Kirchentag". Die allerbeste Gelegenheit, dem evangelischen Böböbösewicht Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Graf basismäßig endlich mal die Meinung zu sagen. Beharrt der doch immer noch auf seiner These, daß bei evangelischen Pastorinnen der "Mutti-Typ, nicht wirklich intellektuell" mittlerweile vorherrsche. Doch statt Abbuße zu tun, setzt Graf sogar noch einen drauf.

Nicht nur der pastorale Mutti-Typ, sondern auch der Vati-Typ sei das Problem.
Es gibt in der evangelischen Kirche derzeit einen Trend zur Infantilisierung des Christlichen, zu einem Stil religiöser Kommunikation, der sich primär an Kinder und andere vermeintlich Unmündige richtet
Zu diesem Thema hat Graf nicht nur ein knackiges Interview gegeben, sonder gleich ein ganzes Buch verfasst.
Das Evangelium gerate "zu einer ganz einfachen, letztlich banalen Allerweltsbotschaft von einem Wohlfühlgott, der immer nur Liebe ist", kritisiert Graf. Zwar seien Frauen nach seiner Meinung besonders empfänglich für jene Tendenzen, doch im Kern ärgert er sich über diese Strömung als solche.
Das Thema dürfte allerdings den meisten - tausenden - Kirchentagsbesuchern ziemlich am Bürzel vorbeigehen. Die werden wahrscheinlich viel lieber Margot Käßmann zujubeln, der Wohlfühlprotestantin schlechthin. Wir sind schon mal gespannt, was wir diesmal von ihr zu hören bekommen. Der 50. Geburtstag der "von Gott geschenkten" Anti-Baby-Pille ist ja auch schon vorbei.

Afghanistan, sollte man denken, ist auch schon durch. Nicht für Margot Käßmann. Die diskutiert mit Tom Koenigs, der1973 seine Erbschaft dem Vietcong geschenkt hat und zu "meiner" Frankfurter Zeit - wie ich - der Gruppe "Revolutionärer Kampf" angehörte, über das Thema: "Schaffen militärische Interventionen Frieden?". Wir dürfen also mehr als gepflegte Langeweile nicht erwarten. Es sei denn, Genosse Tom ist an diesem Abend gut aufgelegt und bereit, die gute Ex-Bischofeuse auf einem mit hartholzigen Fakten angelegten Feuerchen zu grillen.

Ansonsten wird es ganz bestimmt viele, viele Stuhlkreise geben. Überhaupt scheint mir der Ev. Ki.Tag der Erfinder des neoliturgischen Mediums Stuhlkreis zu sein.

Das Thema Homosexualität ist mit 38 Veranstaltungen breit vertreten, ja es gibt sogar ein "Zentrum Homosexuelle und Kirche".  Dann gibt es noch eine Veranstaltung unter dem Titel "und das ist auch gut so..." an der selbstverständlich Wowi teilnimmt, umrahmt von Personen, wie Prof. Dr. Steinacker, Maria Jepsen und dem Vorsitzenden der Vereinigung Homosexuelle und Kirche, die dieser These keinesfalls widersprechen werden.

Unter dem Suchbegriff "Lebensschutz" ist erstmal nichts zu finden. Stattdessen gibt es einen Workshop "Welches Verhütungsmittel paßt zu mir?" Aber immerhin finden sich einige Lebenschutzvereinigungen wie Rahel e.V. und die TCLG. Kaleb, Jugend für das Leben, die CDL und ALfA. Nur auf den Podien wird über das doch so dringende und drängende Problem Lebensschutz nicht diskutiert. Stehen wir nicht vor einer Bundestags-Abstimmung über das Thema PID? Hat der Kirchentag uns dazu nichts zu sagen?

Kirchentage waren für mich einmal Zwischenstationen auf dem Weg zurück zu Christus. Ob ich diesem Weg anderen heute empfehlen würde? Eher nicht.

Der Kirchentag ist diesmal grün. Soll gleichzeitig für die Energiewende stehen. Womit wir wieder beim Kindergeburtstagsthema wären. Die Blümelein sie schlafen. Und ich schlaf jetzt auch.

Freitag, 27. Mai 2011

Voll blöd


Nicht nur Papier ist geduldig. Auch die Festplatten der internet-Server sind von grenzenloser Toleranz. Also liest man häufig so manches saublöde Zeug. Auch dieser blog steht ja, wie ich in christlicher Demut bekenne, unter dem  eschatologischen Vorbehalt.

Aber so toll viel dummes Zeug auf einmal, wie auf diesem von Herrn Mertes SJ (meinem Lieblingsjesuiten) verantworteten Text liest man doch wirklich selten.

Da wären dann zunächst mal die ollen Kamellen:
Papst Benedikt wird in Berlin von einem Bundespräsidenten begrüßt werden, der katholisch, geschieden und wiederverheiratet ist.
First patchwork, so to say. Und was das angeht folgt natürlich:
Wir wünschen uns ein befreiendes Wort, das auch wiederverheirateten Geschiedenen den Zugang zur Kommunion neu eröffnet.
Ich möchte an dieser Stelle besser verschweigen, was ich mir wünsche. Oder ich sage es poitiv, ich wünsche mir einen Papst, der das Heilige Sakrament der Ehe zwischen Mann und Frau, die auf Lebensdauer angelegt ist, und auf Kinder ausgerichtet, hochhält, daß es strahlen möge und die Herzen unserer verstockten politischen Repräsentanten erwärme. Vielleicht sogar das Herz von Klaus Mertes SJ.
Papst B. wird sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Neben ihm wird ein schwuler und zugleich katholischer Bürgermeister der Stadt stehen. Die Schwulen- und Lesbenverbände in Berlin haben im Vorfeld des Papstbesuches bereits zu Protestaktionen und Demonstrationen aufgerufen. Wir schlagen vor, dass die Kirche diese Ankündigungen zum Anlass nimmt, homosexuellen Männern und Frauen zuzuhören, um ihren Zorn und ihren Schmerz über die Kirche besser verstehen zu lernen.
Du, das macht mich nun echt betroffen Du. Ich meine, daß Wowi "katholisch" ist. Wowi ist katholisch getauft, indeed, aber er ist auch jemand, der den Christen in der Stadt mit seiner von den Altkommunisten mit großer Freude unterstützten Kampagne gegen den Religionsunterricht das Leben schwer macht etc. etc. Von "Zorn und Schmerz" der lesbischwulen Szene lese ich übrigens seltener. Weit häufiger von Hohn und Spott auf die katholische Kirche. Unter anderem auf einer mit Klaus Mertes SJ verbandelten Seite.
Diese (ökumenische) Einheit könnte ein Echo im Gottesdienst vor dem Hohenzollernschloss finden, wenn im Hochgebet nicht nur der eigenen Hierarchie, sondern auch der Verantwortungsträger in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften gedacht wird. Auch beim Heiligengedenken im Hochgebet könnten die „Martyrer von Plötzensee“ erwähnt werden, ohne sie nach Konfessionen zu unterscheiden.
Im Hochgebet? Ich versuche mit das gerade vorzustellen "vereint mit unserem Papst Benedikt (Was sagt da eigentlich der Papst selbst?), unserem Bischof (unserer heißt immer noch Karl), Herrn EKD-Ratsvorsitzenden Schneider und" (ja ab dann wird es sehr sehr lang, denn es gilt ja selbstverständlich nicht nur die Landeskirchen, sondern auch die Baptisten, Methodisten, Adventisten, Pfingstler, Altkatholiken, serbisch, russisch, ukrainisch, griechisch und sonstwie Orthodoxen, Anglikaner, Lutheraner, Calvinisten usw. usf. zu bedenken. Jedenfalls ein seeeeeeeehr langes Hochgebet, und dies auch noch von Katholikastern, die das Erste Hochgebet unter anderem deshalb ablehnen, weil es viiiiiiiel zu lang ist.
Wir bitten sehr darum, dass der Frieden der Kommunion in der Feier am 22. September nicht durch lautstarke Regieanweisungen vor der Austeilung der Kommunion verletzt wird, durch die getaufte Nicht-Katholiken ausdrücklich ausgeladen werden.
Elsa hat das ja schon treffend, unnachahmlich kommentiert. Ich möchte meinen, daß man ja eigentlich keinen ausladen kann, den man nicht eingeladen hat.

Die folgende Sequenz hat mich aber nun in einer ganz eigenen Weise irritiert:
Wir halten einen intensiven Diskurs zwischen gläubigen und nichtgläubigen Menschen in dieser Stadt über die Frage nach Gott und die Rolle von Religion im öffentlichen Raum für dringlich geboten. Die Glaubwürdigkeit eines solchen Diskurses hängt nicht zuletzt auch von der ökumenischen Einheit derer ab, die ihn führen – einschließlich der religionsübergreifenden Einheit mit Juden, Muslimen, Hindus und allen anderen Menschen in der Stadt, die aufrichtigen Herzens Gott suchen.
Das interreligiöse Gespräch liegt mir, und zwar ganz im Ernst, am Herzen. Um so unappetitlicher ist mir allerdings die graue Soße, zu der "die Religionen" ebenso wie "die Konfessionen" von den "Eseintunsmehralsunstrennt-Ökumenikern" verrührt wird. Hindus, die "aufrichtigen Herzens Gott suchen", gibt es nicht. Das sollte jeder wissen, der sich ernsthaft mit den fernöstlichen Religionen auseinandergesetzt hat. Der Bhuddismus ist dezidiert a-theistisch, der Hinduismus ist es im Kern. Bhuddisten und die vielen Glaubensrichtungen des Hinduismus eint vieles, etwa der Glaube an den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt, aber nicht die "Suche nach Gott", jedenfalls nicht, wenn man darunter einen personalen Gott im Sinne der jüdischen, christlichen, muslimischen Religion versteht

Aber wem die eigene Religion so herzlich wurscht ist, dem ist letztlich auch die Religion derer, mit denen vorgeblich ein "Dialog" geführt wirdl, scheißegal. Die häufig beschränkte, manchmal völlige Kenntnislosigkeit betreffend Riten, Theologie und Dogmen der eigenen Religion korrespondiert meist aufs innigste mit der dumpfnasigen Ignoranz die sich erzählen läßt, der Islam sei eine "Religion des Friedens" und der Hinduismus eine "Religion der Toleranz".

Wir waren alle mal Hindus. Spätestens als Jimi Hendrix Platte "Bold as Love" auf den Markt kam. Die Scheibe steht für den fernöstlich-astrologischen Esomüll, der sich in den 60er über  die Popszene ergoß. Mit "Axis" ist die Erdachse gemeint. Warum Gott Krishna in seiner Incarnation als Jimi Hendrix so gut zu sex an drugs an rock n roll passte, ist mir ja irgendwie klar, aber so klar auch wieder nicht. Benedikt hat mal was von spiritueller Autoerotik gesprochen. Passt irgendwie.

Montag, 14. Februar 2011

Muttikirche statt Mutter Kirche


Das Memorandum-Freiheit-Thema läßt mich nicht los. Dafür gibt es ja gute Gründe. Schließlich bin ich vor den Verhältnissen geflüchtet, die die unterschreibenden Theologen des Memorandum-Freiheit nun so dringend und "notwendig" in der katholischen Kirche umsetzen wollen. Coca-Cola und Käsebrötchen zum "Abendmahl", schröckliche Muzak alias "Neues Geistliches Lied", PfarrerInnen, die jedesmal, wenn sie das Glaubensbekenntnis rezitieren, eigentlich Zeige- und Mittelfinger hinter dem Talar kreuzen müßten, Flower-Power-Pop-Op Events statt Gottesdienst, Zeitgeistbesoffene Oberprälaten die sich bei jeder geistigen Volksseuche, die mal grad dran ist, gleich die Kante geben, und - ja das ist das Thema des heutigen Tages - die Muttikirche.

Beginnen wir mit obigem (Juristen lieben Schwurbeldeutsch) Bild. Das mal wieder von bad vestments stammt, einer meiner Lieblingsseiten.

Warum sehen eigentlich Frauen in liturgischer Kleidung meist völlig bescheuert aus? Zwei Gründe:

Frauen neigen offenkundig dazu, liturgische Kleidung unter dem Begriff Mode einzuordnen. Jede Modetorheit, vor allem die in frommen Kreisen so beliebte Do-it-yourself-, Strick-, Häkel-, und Batikmode, kommt damit verzögerungsfrei in schrecklichen Meßgewändern zum Ausdruck.

Die aus einer langen, schon vorchristlichen Tradition hergeleiteten Meßgewänder sind für Männer gemacht. Eine Albe, eine Kasel, eine Dalmatik passt zu einer männlichen Figur, Männer haben diese Kleidungsstücke und ihre antiken Vorbilder Jahrtausende getragen. Eine Frau in eine Casula - oder was so aussehen soll - gekleidet, und um das Maß des Scheußlichen vollzumachen, noch dazu mit einer Überstola "geziert", ist - ein Transvestit.

Nun der Zeitgeist will es ja so, daß Frauen als Pfarrerinnen im Geiste der "Gleichstellung" (wo ist eigentlich das alte gute Wort "Gleichberechtigung" geblieben?) selbstverständlich ihren "Mann stehen" sollen. Die lieben evangelischen MitbrüderInnen und Mitschwesteriche (einschließlich unserer lieben katholischen AlttheologInnen) versäumen ja keine Gelegenheit, uns zurückgebliebenen Katholiken unter die Nase zu reiben, daß wir ja so hoffnungslos dem Mittelalter verhaftet bleiben, weil wir diesen entscheidenden Reformschritt noch nicht mitgegangen sind.

Und gegen den vorgeblichen "Priestermangel" scheint es ja ein Mittel zu sein. Wenn auch nicht wirklich. Zwar gibt es etwa jedes Jahr mehr evangelische StudentInnen die sich auf das evangelische Pfarramt vorbereiten als Seminaristen, die Priester werden wollen, rechnet man die hohe Zahl der Studienabbrecher ab, bleiben aber jedenfalls weniger als 200 Absolventen pro Jahr, zu wenig, um die freiwerdenden Stellen zu besetzen. Und ein stets wachsender Anteil ist weiblichen Geschlechts, im Bundesmittel mehr als 60%, in einzelnen Landeskirchen, vor allem im Osten sogar 80%.

Und mittlerweile meldet sich Kritik an dieser Entwicklung, die man als Feminisierung sehen muß, auch aus den eigenen evangelischen Reihen.
Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf hat die Qualität evangelischer Theologiestudierender massiv bemängelt. Die evangelische Kirche habe zu wenig Theologennachwuchs, sagte er am Freitag in Dresden. Dabei breche die Tradition ab, dass es für das Pfarramt zumeist männliche Studierende aus gut gebildeten Familien gebe. Das Pfarramt werde zu einem Frauenberuf, zumeist für Studentinnen aus einem nichtakademischem Elternhaus. Eher „Muttityp statt wirklich intellektuell“, meinte der in München lehrende Systematische Theologe.
Sie verbänden das Bild von einem „Kuschelgott mit schlichten Gedanken“. Das sei auf Dauer eine für die Theologie bedrohliche Entwicklung. Er wünsche sich nicht, dass seine Enkel, wenn er welche hätte, mit solchen Pfarrerinnen konfrontiert sein müssten.
Die Nachricht kann nicht ganz stimmen. Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Graf hat in seiner Ansprache bestimmt nicht den grammatikalisch absurden Begriff "Theologiestudierender" gebraucht. Aber erkennen wir in diesem Bild nicht unsere allseits - abgesehen von gewissen ultrakonservativen Randgruppen - beliebte Ex-Bischöfin, Ex EKD-Ratsvorsitzende K.? Die Liste ihrer theologischen Fehlleistungen ist ja legendär, aber ihre Fähigkeit, andere Menschen für sich einzunehmen, indem sie ihnen nach dem Mund redet, ebenfalls. Grad gestern hat sie mal wieder einen Preis eingeheimst.

Auf die Gefahr, daß ich mich bei meinen weiblichen Leserinnen in die Nesseln setze: ist es denkbar, daß nicht nur das Amt eines Priesters - allerdings aus ekklesiologischen Gründen - sondern auch das Amt eines Pfarrers - aus gewissermaßen theologischen Gründen - kein Frauenberuf ist? Jedenfalls dann nicht, wenn man den Pfarrer nicht als Sozialarbeiter, sondern als geistlichen Leiter der Gemeinde sieht, als wissenschaftlich gebildeten Theologen, dessen Hauptaufgabe darin besteht, dem Gottesdienst vorzustehen, das Evangelium zu predigen und auszulegen. Ist es vielleicht so, daß die weibliche Neigung zum Pragmatismus jedenfalls dieser Form der Ausübung des Amtes eines Pfarrers im Weg steht?

Dem weiblichen "run" auf das Amt des Pfarrers korrespondiert bezeichnenderweise ein Aussterben des klassischen weiblichen "Amtes", der Diakonissin.

Eine Bewegung, die Parallelen in der katholischen Konfession hat. Dem Aufflammen der Diskussion über die angebliche "Männermacht" in der Kirche, den seit Jahrzehnten immer wieder und wieder wiederholten Forderungen nach Emannzipation (nein, ich habe mich nicht verschrieben), der Forderung nach Ordination von Frauen korrrespondiert ein Zusammenbruch der Berufungen in den weiblichen Orden. Um 1950 gehörten in Deutschland fast 100.000 Frauen verschiedenen Orden an. Heute sind es noch rund 22.000. 83% der Ordensfrauen sind über 65.

Frauen also "erobern" die Postionen der "Männermacht" und bestätigen das Peter-Prinzip. Doch sie fehlen dort, wo sie dringend benötigt würden, in den einstmals "typisch weiblichen" Berufen. Denn diese Berufe und Tätigkeiten sind nichts wert. Ein absurdes Ergebnis der "Frauenbefreiung", die doch angetreten war um die Abwertung des Weiblichen zu beenden.

Die evangelische Kirche in Deutschland hat nicht nur immer mehr und mehr Pfarrerinnen, sondern auch insgesamt fünf Bischöfinnen. Vier davon sind geschieden. Kann ein Zufall sein. Oder auch nicht.

"Der Bischof in der Mitte wirkt wie ein Gockel unter seinen Hennen." Sagt meine Herzallerliebste. Was ich niemals zu sagen wagen würde.

Freitag, 26. November 2010

Die stets das Böse will ...


Einfach DIE Gelegenheit mal wieder eines von Alipius-Super-Plakaten zu posten. Nur frag ich mich, warum dieses das mit Abstand am witzigsten und liebevollste gestaltete Plakat ist. Hat es vielleicht damit eine Bewandtnis? Weil uns Uta, diese immer mit mindestens 130 dbA kreischende Nervensäge den maximalen Adrenalinstoß versetzt? Weil man bei ihr eine Menge lernen kann, allerdings ex negativo.

Jedenfalls weiß ich nach diesem Artikel, warum ich in meinem Bücherschrank ein ganzes Arsenal schwerer Theo-Waffen stehen habe. Darunter die 27. Auflage des griechischen Neuen Testaments von Nestle-Aland. Insbesondere der Umgang protestantischer Bibelexegeten mit den Urtexten haben mich gelehrt, daß man sich besser gleich mit dem Urtext beschäftigt, als mit dem, was Übersetzer daraus machen. Traduttore - Traditore. Der Übersetzer ist der Betrüger.

Schließlich bin ich auf Utas Lügenmärchen, die aus ihr nur so heraussprudeln, früher häufig genug reingefallen, hab ihre Machwerke gläubig konsumiert. Bis mir auffiel, daß die verrückte Alte es mit der theologischen Wahrheit überhaupt nicht genau nimmt. Sondern daß sie einem gläubigen, meist uninformierten Publikum faustdicke Lügen auftischt. In diesem unsäglichen Artikel - die Kommentare sind übrigens unbedingt lesenswert - geht das zum Beispiel so:
Nach der Hochzeit des Mönches Martin Luther mit der Nonne Katharina von Bora wurde 1592 von Ihrem Vorgänger, Papst Clemens VIII., der griechische Urtext des Apostels Paulus in der lateinischen Ausgabe verfälscht. Paulus sagte im 1. Korintherbrief 9, 5: "Habe ich nicht das Recht, eine Ehefrau auf den Reisen mitzunehmen wie die übrigen Apostel und Petrus". Aus den Ehefrauen der Apostel werden dienende Schwestern, also Haushälterinnen. Und Ihr Vorgänger, Papst Johannes Paul II., erhob die Apostel sogar zu "Predigern und Lehrern des Zölibats". Da die meisten katholischen Priester zu wenig Griechisch verstehen, stoßen sie nie auf ihr vom Apostel Paulus verbrieftes Recht zu heiraten.
Nun, da wir alle ja perfekt im Altgriechischen sind, können wir uns den Text ja mal ansehen:

μὴ οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν ἀδελφὴν γυναῖκα περιάγειν ὡς καὶ οἱ λοιποὶ ἀπόστολοι καὶ οἱ ἀδελφοὶ τοῦ κυρίου καὶ Κηφᾶς

Ist doch völlig klar, das NT spricht hier von einer "adelphen gynaika" wörtlich also "einer Schwester, einer Frau", was die von Uta beschimpfte Clementina mit "sororem mulierem" wortwörtlich übersetzt. Die meisten seriösen Bibelübersetzungen, z.B. die im englischen Sprachraum sehr geschätzte (protestantische)  New Revised Standard Version, übersetzen sinngemäß mit "believing wife", einer "gläubigen Frau" also und nicht mit Ehefrau. Daß der von Uta bejubelte Luther die selbe Stelle mit "eine Frau zum Weibe" übersetzt, ja übersetzen muß, liegt auf der allerflachsten Hand. 

Das Sein bestimmt eben das Bewußtsein. Hab ich von Karl Marx gelernt. Ist ja nicht so, daß wir 68er unsere Zeit völlig verschwendet haben.

Daß dieser wirklich völlig hirnrissige Artikel ausgerechnet auf der offiziösen Seite evangelisch.de erscheint, läßt tief blicken. Offenkundig denken die Evangolen seit Luther selig immer nur an das Eine. Auf 255 Seiten Papst-Buch fällt den lieben Mitschwessern und MitbrüderInnen doch echt nur ein einziges Wort auf: Kondom. 

In meiner Sammlung lustiger Bibelübersetzungen ist die "Bibel in gerechter Sprache" auch in diesem Fall wieder einsame Spitze:"Haben wir nicht das Recht mit einer Schwester verheiratet unterwegs zu sein,  wie manche der übrigen Apostel ..." Der Brüller. 

Sonntag, 31. Oktober 2010

Das Katholische und das Makabre.


1. Taylor Marshall hat sich dieser Tage die Frage gestellt, was denn nun makabrer sei, Halloween oder das Reformationsfest. Die Antwort sollte nicht schwer fallen.

2. Halten wir uns etwas bei dem Wort makaber auf. Unter meiner Rosenkranzsammlung finden sich drei ältere Rosenkränze die mit einem memento mori versehen sind. Auf einer Seite zeigt ein memento mori einen Totenschädel auf der anderen das Gesicht des mit einer Dornenkrone gemarterten Jesus. Ein makabres Sujet. Deshalb völlig außer Mode.

3. Das Wort makaber taucht zum ersten Mal in der Zeit des schwarzen Todes auf, im 14. Jahrhundert. Die Etymologie des Wortes ist nicht ganz eindeutig. Nach Meinung der Mehrheit der Sprachforscher  leitet sich das Wort ab von dem lateinischen Maccabaeorum Chorea, dem Tanz der Maccabaeer.

4. Da dieser Blog ja auch von zarten Gemütern gelesen wird, hier nur ein link auf das im Wortsinn makaberste Kapitel der Bibel.

5. Die sieben makkabäischen Brüder werden, genauer gesagt wurden, von der Kirche als Märtyrer verehrt. Ihre Reliquien ruhen in der Kirche St. Petri zu den Ketten. Und mit dem Fest S. Petri ad Vincula (Petri Kettenfeier)  am 1. August wurde auch der sieben makkabäischen Brüder und ihrer Mutter gedacht. Das Fest fiel der Kalenderreform zum Opfer. Seitdem ist die Kirche also nicht mehr makaber.

6. Bekanntlich begann die lutherische Opposition mit einer Polemik gegen die katholische Lehre über den Ablaß der Sündenstrafen. Heute am 31. Oktober vor 493 Jahren veröffentlichte Luther seine Thesen.

7. In der Folge distanzierte sich Luther auch von den damit verbundenen Lehren sowie der liturgischen Praxis der Anrufung der Heiligen, des Gebets für die Toten und der Verehrung der Märtyrer. Die Verehrung der sieben makkabäischen Märtyrer wird dem Reformator ein Dorn im Auge gewesen sein, wenn er auch ihr Beispiel lobt. Aber das 2. Buch der Makkabäer wollte Luther, wie er in der Vorrede zu 2. Makk erklärt, aus der Heiligen Schrift "herauswerfen". Er bringt dafür eher ästhetische Gründe, tatsächlich überwiegen die theologischen.

8. Noch heute finden sich 1. und 2. Makkabäer in protestantischen Bibeln, wenn überhaupt (in meiner Konfirmandenbibel fehlen sie) unter den "apokryphen", also den im Grunde häretischen Schriften. Im Falle 2. Makk. hat dies profunde theologische Gründe. 2. Makk. bestätigt, daß die Anrufung der Heiligen, das Gebet für die Toten, die Praxis der liturgischen Opfers für die Toten, die Verehrung der Märtyrer zur liturgischen Praxis der vorchristlichen Pharisäer gehörte. Heute scheint uns dies als typisch katholisch.

9. Daß Luther für seinen Thesen"anschlag" (der wohl so nie stattgefunden hat), den 31. Oktober, den Vorabend der beiden wichtigsten "makabren" Feste Allerheiligen und Allerseelen gewählt hat, wird kein Zufall gewesen sein. An diesen beiden Tagen konzentrierte sich, was Luther bekämpfte, die Heiligenverehrung wie die Fürbitte und das Opfer für die Toten. Luther waren diese Fest im Wortsinn zu makkaber.

10. Das Makabre an diesen drei Tagen, einschließlich des Gruselfests Halloween (All Hallow´s Eve(ning)) ist genuiner Ausdruck des katholischen Glaubens. Die kleinen Kinder, die sich mit Totenköpfen schmücken und als kleine Geister durch die Straßen ziehen, und die von uns ein kleines Opfer in Gestalt von ein paar Zuckerstücken fordern, handeln catholically correct, sie liegen richtiger als der christliche Politiker der gleich das ganze Christentum durch Halloween gefährdet sieht. Und dabei ganz nebenbei vergißt, daß Reformationsfest und Allerheiligenabend antagonistische Feste sind.

Das Bildchen stammt von einer von den amerikanischen Franziskanern betriebenen Website.

Dienstag, 13. Juli 2010

Anglikanische Selbst-Zerlegung


Gegen die Ordination von Frauen zu BischöfInnen sprechen zumindest bei semialtgläubigen Vereinen wie der Anglikanischen Kirche  theologische und liturgische Gründe. Betrachtet man diese Versammlung anglikanischer BischöfInnen, scheinen mir auch ästhetische Gründe dagegen zu sprechen.

Jedenfalls bemüht sich die CoE wieder einmal angestrengt darum, sich selbst zu zerlegen. Der Beschluß, auch Altgläubige dazu zu zwingen, sich in jedem Fall auch einer Bischöfin zu unterstellen, führt in der Konsequenz zu einem Squeezing-out der letzten Anhänger der High Church Englands nebst der eher evangelikal gewirkten Traditionalisten.

Welcome home, brothas an sistas!

Sonntag, 23. Mai 2010

Veni Sancte Spiritus



Ich finde die Pfingstsequenz in diesem Beispiel etwas zu hektisch gesungen, aber es ist die einzige gemischte Schola, die ich gefunden habe. Gemischte Scholen, allerdings gemischt aus Knaben- und Männerstimmen, waren in der Hochphase der Gregorianik durchaus üblich, und daß auch die Sequenzen antiphonal gesungen werden, ist leider ein bißchen in Vergessenheit geraten.

An der Übersetzung der Sequenz haben sich so manche größere und kleinere Dichter versucht, die Übersetzung, die sich im Gotteslob findet, ist - nun ja - typisch thurmaierisch, sie hat wie meist ein penetrantes protestantisches Geschmäckle. Daß die Zeile "da virtutis meritum" nicht wörtlich übersetzt werden durfte, sollte jedem klar sein, den der Geist des postkonziliaren Ökumenismus schon mal umweht hat. Bei Th. wird da völlig frei mit "Laß es (das Volk) in der Zeit bestehn" übersetzt,  Bone (1847) übersetzte noch mit "spende uns der Tugend Lohn".

Die "ökumenischen Texte" des GL finde ich meistens besonders apart, wie in diesem Fall Markus Jenny: "Komm allgewaltig heiliger Hauch, der alle Kreatur belebt". Da denkt man doch eher an die belebende Frische von Coca-Cola, und eher nicht an den Creator Spiritus.

Johannes Schefflers (besser bekannt unter seinem Pseudonym Angelus Silesius) Übersetzung hat leider keinen Eingang in eines der gängigen Gesangbücher gefunden.

Komm, o heilger Geist, o komm,
Wirf deins Lichtes Strahln herum
In meins finstern Herzens Schrein.
Komm, der Armen Aufenthalt,
Komm, du reicher Geber, bald,
Komm, o lieber Glanz, herein.
Komm, o heilger Geist, o komm.

Bester Tröster, liebster Gast,
Meines Geistes Ruh und Rast,
Süß Erquickung, sei nicht weit.
In der Arbeit meine Ruh,
In der Hitz mein Trunk bist du,
In Betrübnis meine Freud.
Komm, o heilger Geist, o komm.

O du selges Seelenlicht,
Laß das Herz, das dir verpflicht,
Deine reiche Güte spürn.
Denn ohn deinen Glanz und Schein
Kann in uns nichts fruchtbar sein,
Nichts sich regen und berührn.
Komm, o heilger Geist, o komm.

Mache rein alls, was befleckt,
Grünend, was verstocket steckt.
Heile, was verletzt und wund,
Beuge, was verstarrt und alt,
[339] Pflege, was erfrorn und kalt,
Leite, was nicht fort gekonnt.
Komm, o heilger Geist, o komm.

Gib uns, die wir dir sind treu
Und auf dich vertrauen frei,
Deiner sieben Gnaden Flut.
Gib der Tugend schönsten Lohn,
Gib des selgen Ausgangs Kron,
Ewge Freud und ewges Gut.
Komm, o heilger Geist, o komm.

Freitag, 21. Mai 2010

Irgendwie ist mir ein bißchen übel


Nachdem ich heute eine mail des Dekanats mit einem Artikel aus "Christ in der Gegenwart" (dem Zentralorgan des deutschen Aggiornamentismo) erhalten habe.
Eine tiefere Ursache für den Missbrauch und vor allem das jahrzehntelange Vertuschen sieht Mertes in der kirchlichen Sprachlosigkeit bei Sexualität und im hierarchischen Machtgefälle. Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller thematisierte das Problem der „monosexuellen Männergemeinschaft" des zum Zölibat verpflichteten Klerus. Das ziehe auch Personen mit unreifer Sexualität an, ein Risikofaktor. Frauen wären eine Bereicherung für die Priesterschaft: „Was nur halb ist, würde ganz werden."
Wie schön! Murpps! Ob ich heut mittag was Unrechtes gegessen habe?
Der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer hofft, dass die neurologischen Erkenntnisse unser Bild vom Menschen humanisieren. Das Fehlverhalten des Einzelnen sei nicht vorschnell mit Schuld gleichzusetzen. Für Singer wird das Gehirn durch eine lange Vorgeschichte geprägt. Jeder Mensch nimmt seine Welt anders wahr, je nach Vorwissen und Einflüssen, um die man oft gar nicht weiß. Das erfordere eine neue Art von Toleranz: „Jeder hat das Recht, für wahr zu halten, was er so wahrnimmt." Was ich mir zugestehe, muss ich genauso bei anderen akzeptieren. Wahrheit ist Wahrheit, auch wenn sie sich „von außen" als Wahrheiten im Plural zeigt.
Böarggh!! Doch nicht etwa der Singer? Aber eigentlich sollte man ihm für diesen Vortrag eine Ehrenmitgliedschaft bei "Wir sind Kirche" anbieten. (Von dem Fischbrötchen heut mittag kann mir doch nicht so übel sein, obs doch an dem Artikel liegt?)
Kummer bedauert eine enorme Berührungsangst der Theologen und kirchlichen Amtsträger gegenüber Naturwissenschaftlern gerade dann, wenn es ungemütlich wird. Aus ärztlicher Sicht verlangt der Hämatologe und Krebsforscher Wolfgang Hiddemann von seinen Kollegen eine Horizonterweiterung. Leben sei umfassender als nur Molekularbiologie und Eiweißchemie. „Es ist sehr viel Beziehung - zu anderen Menschen, zur Umwelt, zu Gott." Hiddemann erwähnt den Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther, der den „Einfluss der Liebe auf die Evolution" betont
Uhhhlp! Yoda was here. May the force be with you!
Als „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle" musste er evangelischem Selbstverständnis gemäß lernen, die Heilige Schrift immer wieder kritisch neu zu lesen. Nichts anderes geschehe in der Wissenschaft.
Das bewegt moderne Christen. Das bewegte auch jene 7000 Zuhörer, die zu der - auf dem Messegelände größten und völlig überfüllten - Veranstaltung mit Hans Küng und Harald Lesch gekommen waren. Küng sprach in berührenden Worten darüber, wie wir unseren Glauben leben können. Für den bedeutenden Theologen (hat noch einer ein Buch des Herder-Verlags im Regal?) wächst Glauben aus einem „kritischen Vertrauen zum Sinn unseres Lebens, zu den Mitmenschen, zur Wirklichkeit überhaupt … Denken wir nicht zu klein von Gott. Der Schöpfer dieses unabsehbaren Makro- und Mikrokosmos und des Evolutionsprozesses von 13,7 Milliarden Jahren ist nicht über oder außerhalb der Welt. Er ist in unserer Welt. Und zugleich in meinem Herzen. Ich kann meine Augen zum Himmel erheben und beten ‚Gott in der Höh sei Preis und Ehr', kann aber auch nach innen schauen und sagen: ‚mein Gott', ‚lieber Gott'. So ist für mich Gebet zu diesem Gott, der uns Vater und Mutter in einem ist, so ist für mich auch Gottesdienst in aufgeklärtem Glauben möglich und sinnvoll."
Rüahhlps!! Hat sich Küng jetzt zum Panentheismus bekehrt? Das wäre nun wirklich und wahrhaftig "aufgeklärt".
Küng sieht die Zukunft des Christentums in einer Neuausrichtung auf einen befreienden Christusglauben. Christliches Leben sei zugleich „Leben im Geist Christi, der Gottes Geist ist … So glaube ich an den Heiligen Geist, in mir und in der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche, aber - da er weht, wo er will - auch in der Welt." Christ sein heißt für Küng in überzeugender Weise ebenso Kirche sein. Daher wünscht er eine „zweite Reformation, nicht zur Spaltung, sondern zur Einheit der Kirche". Es war wie ein bewegendes Testament, das Küng aus langer Lebens- und Glaubenserfahrung in München vorlegte.
Öchhhh! Sowas nenn ich Hofberichterstattung am Hof von König Hansi. Bei mir bewegt sich da eher der Magen.
Der große Ökumeniker Otto Hermann Pesch sagte es deutlich: Die konfessionsverbindende Ehe ist die „Keimzelle der Kirchengemeinschaft". Oder drastisch gewendet: Der sakramentale Ausschluss etwa der evangelischen Mutter oder des evangelischen Vaters bei der Erstkommunion des Kindes sei ein „seelsorgliches Verbrechen an dem Kind".
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, versprach, sich in diesen Fragen energischer für Lösungen einzusetzen. „Wir haben da durchaus offene Ohren auch in Rom gefunden." Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, erklärte: „Kirche ist kein Selbstzweck. Wir haben gemeinsam den Auftrag, dass die Welt glaube."
Mann ist mir schlecht! Das kann einfach nicht das Fischbrötchen sein.
Der evangelische Präsident des Ökumenischen Kirchentags, der Transplantationsmediziner Eckhard Nagel, meinte: „Wir haben einen Traum geträumt, und der Traum ist Wirklichkeit geworden. Die Ökumene hat ein neues Gesicht bekommen." Der katholische Kirchentagspräsident Alois Glück: „Die Ungeduld des Kirchenvolkes im Hinblick auf weiterhin strittige Fragen ist unverkennbar. Der Dialog zwischen Kirche und Amt, Laien und Fachtheologen muss weitergehen." Der griechische orthodoxe Metropolit Augoustinus ermutigte: „Im Hören auf das Zeugnis der frühen Kirche werden wir nach jenen Möglichkeiten der legitimen Vielfalt - etwa was die Frage der kirchlichen Ämter betrifft - Ausschau halten!" Die Schwierigkeiten, die es in der Ökumene noch gibt, könnten mit Gottes Hilfe überwunden werden, erklärte Robert Zollitsch. Und Nikolaus Schneider stellte fest: „Ökumene ist Realität unseres Lebens, sie verändert schon jetzt unsere Kirchen." Was am Odeonsplatz geschah, - „das war die Vorspeise. Sie macht Appetit auf das Hauptgericht."
Jetzt wird mir aber wirklich sehr, sehr mülmig. Ob man sich als einfacher Katholik vielleicht besser gegen den konzentrischen Angriff der Ökumenisten bewaffnen sollte ? (Ob ich wohl irgendwo Onkel Ernst´s Mauser C96 finde?)

Mittwoch, 19. Mai 2010

Pillen-Paule, Pillen-Margot, Pillen-Karl

Der flotte junge Mann ganz links, der sein Zingulum so elegant-chaotisch gebunden hat, das isser, unser Kardinal Karl Lehmann, als junger Seminarist im Jahr 1957.

Fällt mir grad ein, weil ja nicht nur Paul der VI (mit klugen) Ausführungen über DIE PILLE (Oh shudda!!) von sich reden gemacht hat, Margot mit einer ziemlich blöden Predigt aufgefallen ist, auch der flotte Karl hat sich zur Pille mal geäußert:
Die Mädchen auf dem Petersplatz, die dem Papst zujubeln, haben die Pille in der Tasche: Das wissen wir schon lange.
War nicht so toll. Ich kenne eine ganze Reihe junger Frauen, die diese Behauptung zu Tränen gerührt hat. Ganz abgesehen davon, daß nicht "wir wissen", sondern unser Bischof Karl, wie andere weniger rühmenswerte Personen, sein eigenes Vorurteil als gemeinsame Erkenntnis ausgegeben hat.

Phoebes einsame Schwestern

Gestern fand die örtliche ACK-Versammlung im kleinen Büro der Elisabeth-Gemeinschaft statt. Für mich Anlaß, meine Kenntnisse über eine im 19. und 20. Jahrhundert einst starke und die diakonische Arbeit der Evangelischen prägende Bewegung zu vertiefen: Die Diakonissen. "Unsere" Diakonissen, die des Elisabethen-Stiftes in Darmstadt, gehören oder besser gesagt gehörten dem Kaiserswerther Verband an. Sie berufen sich auf die erste Diakonisse, die Heilige Phoebe, und führen Ihre Geschichte auf Theodor Fliedner und seine beiden Ehefrauen Caroline und Friederike Fliedner zurück. Und auf Florence Nightingale, die sicher berühmtesteKrankenschwester des 19. Jahrhunderte, die mit den Fliedners in Verbindung stand.

Wer sich allerdings auf der offiziellen Seite des Kaiserswerther Verbandes auch nur darüber informieren will, nach welchen Grundsätzen, und in welcher Lebensform die Diakonissen lebten, muß lange suchen und wird nichts finden. Daß das Wort Diakonisse keinen Beruf bezeichnet, sondern einen Lebenstil, erfährt man nur von der jüngeren, ehemals viel kleineren Konkurrenz: Diakonissen lebten ehelos.
Unsere Ehelosigkeit weist in besonderer Weise voraus auf das kommende Reich Gottes. Da wird der Mensch weder heiraten noch sich heiraten lassen, denn die Gemeinschaft mit Gott wird ihn ganz erfüllen. Unser freiwilliger Entschluß zur Ehelosigkeit ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott. Er läßt unser Leben nicht verkümmern, sondern ermöglicht es, unsere Liebeskraft in der Hinwendung vor allem zu ungeborgenen, ungeliebten, angefochtenen und kranken Menschen zu entfalten. Darüber hinaus erfahren wir unsere Ehelosigkeit als eine besondere Möglichkeit, Jesus Christus mit unserem ganzen Leben zur Verfügung zu stehen.
Ja, da blüht so manches im Verborgenen, über das unsere protestantischen Bürder und Schwestern allenfalls im hämischen Ton herziehen. Auf der semioffiziellen Seite "evangelisch.de" findet sich z.B. der gesammelte Unfug, der über das Zölibat von offizieller evangelischer Seite verzapft wird.
Der Zölibat ist das Problem, als dessen Lösung er sich ausgibt. Er bringt viele soziale Nachteile mit sich: einen deutlichen Mangel an Priesteramtskandidaten und eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten; eine Überrepräsentation homosexueller Geistlicher; die Neurotisierung jener Priester und ihrer geheimen Familien, die trotz Verbot die Liebe entdecken und ihr versteckt nachgehen. Problematisch auch: die wachsende Zahl zugewanderter Geistlicher, die vor den Augen der Gemeinde mit der deutschen Sprache ringen
Nett, unsere evangelischen "Geschwister", gelle? Vor allem der Hinweis auf die "Überrepräsentierung homosexueller Geistlicher", der eigentlich eher zum unterirdischen Niveau der Pornokratenpostille "Stern" gehört. Wer meint, Käßmanns fauxpas sei ein einmalige Ausrutscher, der kennt die Mischpoche nicht, der ich anzugehören die Unehre glücklicherweise nicht mehr habe.

Daß in diesem ihnen eigentlich feindlichen Klima die ehelos lebenden Diakonissen auf Dauer nicht existieren konnten, liegt auf der Hand. Vor dem Krieg lebten und arbeiteten mehr als 400 Diakonissen im Stift. Keine ist mehr im Dienst, nur noch 15 Diakonissen im Ruhestand leben in Darmstadt.

Die Erosion geistlichen Lebens ist keine Besonderheit der katholischen Kirche. Nur was bei Katholikens langsam schleicht, das verlief bei den Evangelischen im scharfen Galopp. Die katholischen Orden sind schwächer geworden, sehr viel schwächer. Die evangelischen Orden - ihr stärkster Zweig waren die Diakonissen - haben praktisch aufgehört zu existieren.

Ach ja, eine der beiden älteren Damen war beim ÖKT. Besonders berührt hätten sie die armen "mit Priestern verheirateten Frauen". Da wußte ich nicht, was ich da noch sagen sollte, und hab mich besser den Rest des Abends ausgeschwiegen.

Montag, 17. Mai 2010

Irgendwie süß!

Vor allem die westliche anglikanische Kirche bietet ein faszinierendes Panoptikum der Zukunft der Kirche, die uns blühen würde, würden die Reformvisionen eines Wunibald Müller wahr.

Am 15 Mai haben die Anglikaner, nachdem sie ja im vergangenen Jahr den ersten bekennenden Schwulen zum Bischof ernannt haben, nun auch die erste bekennende Lesbe zur Bischöfin geweiht.

Könnte man sich ja jetzt gar schröcklich darüber echauffieren, so im +net-Stil - der allerdings selbst beim bösesten Willen nicht sich meiner Tastatur entwindet.

Irgendwie finde ich die BischöfInnen niedlich.

Vor allem die hier, die aussieht, wie meine Enkelinnen aussehen, wenn sie sich Mamis Kleider anziehen. Es gibt sogar einen ganz hinreißenden Fan-Blog für die anglikanischen Bischöfinnen. "Chicks in pointy hats". Wahnsinnig komisch, auch wenn die Autorin ihre Fanseite offenbar ganz, ganz ernst nimmt.

Kay Goldsworthy sieht allerdings eher aus, wie eine keltische Druidin, die gerade unterwegs ist zum Mistelschneiden. Und dieser Artikel bringt es endlich auf den Punkt. Katharine Jefferts Schorie als Barbie-Puppe!

Samstag, 15. Mai 2010

Fern, fern von Sacropop und NGL



Und nun die Lautsprecher aufdrehen. Für die Mädels gibts jetzt ein paar heiße Szenen mit Jean Louis Trintignant. Und für die Jungs ein paar Ballerszenen mit Silence Mauser C 96. 68´ gabs auch sehr, sehr gute Sachen. Zum Beispiel Il grande Silencio von Sergio Corbucci mit der Filmmusik von Ennio Morrricone. (Warnung für die Mädchen: der Film geht schlecht aus).

Ja die Mauser C 96. Mein Großonkel Ernst hatte so eine. Berufsoffzier bei der Marine wär´ mein Traumjob gewesen. Als ich klein war, hatte die Bundeswehr aber bloß n paar blöde Minensuchboote. Und die Mauser C96 gabs auch nicht mehr. Bin ich halt Rechtsanwalt geworden.

Oke, und jetzt muß ich noch irgendwie die katholische Wendung hinkriegen. Ja so gehts:
Ennio Morricone, der geniale Komponist der Italowesternserien Sergio Corbuccis´ über Kirchenmusik:
Ennio Morricone, the Academy Award-winning composer who has written scores for more than 500 films, including The Mission and The Untouchables (also ich hätte eher "Leichen pflastern seinen Weg" genannt), has lauded Pope Benedict’s attempts to promote Gregorian chant in the sacred liturgy.

“Today the Church has made a big mistake, turning the clock back 500 years with guitars and popular songs,” says Morricone. “I don't like it at all. Gregorian chant is a vital and important tradition of the Church and to waste this by having kids mix religious words with profane, Western songs is hugely grave, hugely grave.”

Pope Benedict-- whom Morricone calls “a very high-minded Pope, a man of great culture and also great strength”-- “is doing well to correct it,” he adds. “He should correct it with much more firmness. Some churches have taken heed, but others have´nt"
Yes Sir. Und vor meinem geistigen Auge sehe ich ein shootout zwischen Ennio Morricone und Clemens Bittlinger. Mal gucken, ob sich Onkel Ernst ´s C 96 nicht doch noch irgendwo findet. Er hatte die mit dem 20-Schuß Magazin. Bestimmt kein Problem für Ennio.

Mann das wärs doch. Der Erzkatholisch-Ultramontane Superkirchentag mit einem Kirchentagssong von Ennio Morricone. Soll ich Ennio mal eine mail schicken?

Mertes: Der Mißbrauch hat einen "speziell katholischen Geschmack"

Kesseltreiben gegen die Kirche. Daß sich auf dem ökumenischen Kirchentag die katholischen wie nichtkatholischen Kirchenkritiker die Bälle zuwerfen würden, war ja absehbar. Schon die Veranstalter - Alois Glück und Frau Göring-Eckardt treffen sich - etwa in der Frage des Kirche-Seins - irgendwie in der Meinung, daß alles gut wäre, gäbe es da nicht den fundamentalistischen Papst in Rom,

Aber der Medienliebling der Mißbrauchsdebatte, Mertes hat mal wieder den Vogel abgeschossen.
Für den Priester ist das jahrzehntelange Verdrängen und Vertuschen von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen die Kehrseite einer auf Tabus, Verboten und Verdrängungen gegründeten katholischen Sexualmoral – einschließlich des Themas Homosexualität. Auch das mache zusammen mit dem Missbrauch der geistlichen Vollmacht durch Priester den „speziell katholischen Geschmack des Missbrauchs“ aus. Der Beifall, der dem Jesuiten immer wieder entgegenbrandet, klingt nicht nach Jubel. Der Schuldirektor hat sich nicht nur zum Sprachrohr der Opfer gemacht, sondern auch die Gefühle der meisten Zuhörer ins Wort gebracht.
Auch Wunibald Müller, der zweite Teilnehmer des Diskussion, nutzt die Debatte schamlos für eine kirchenpolitische Attacke. Alles wäre gut, würde die Kirche auch Frauen zu Priestern ordinieren. Wieder "brandet Beifall auf." Auch für Müller ist die "Pathologisierung der Homosexualität" die zweite Wurzel des Übels. Und natürlich fehlt auch nicht ein flammendes Plädoyer für die Aufhebung des Zölibats.

Ich könnte Feuer schreien. Den Kampf für die "Enttabuisierung" auch perverser Formen der Sexualität ist mir aus den 60igern und 70igern, wo ich auf Seiten der Kämpfer stand, sehr wohl bekannt. Ich erinnere mich noch gut an unsere Wortführer. Ein nicht kleiner Teil (Günther Amendt (Sexfront, Sexbuch), Hans (Hänschen) Giese etc.) war selbst homosexuell und argumentiert aus wohlverstandenem eigenen Interesse für eine "Homosexualisierung der Gesellschaft" (Reimut Reiche, nicht Benedikt der XVIte).

Nun ziehen da die kircheninternen Enttabuisierer in die Schlacht, allen voran Ulrich Mertes, dem ich es inzwischen nicht mehr abnehme, daß er "aus Zufall" auf die Hinweise sexuellen Mißbrauchs in seiner Einrichtung "gestoßen" sei. Jedenfalls wird offenkundig, daß der Medienliebling ein falsches Spiel mit uns spielt. Wieder einmal wird eine Diskussion über den Mißbrauch zu einer kirchenpolitischen Debatte..

Das Wort vom speziell katholischen Geschmack des Mißbrauchs ist, um nochmals Mosebach zu verlinken ein übles Wort. Mertes diskreditiert nicht etwa "nur" die katholische Kirche. Mertes denunziert die strenge Sexualmoral des Christentums als Ursache des Mißbrauchs kleiner Kinder.
Das ist ein übles Wort. Das Christentum hat doch den Schutz der Kinder erst in die Welt gebracht, gegen die heidnische Praxis, auch gegen alle übrigen Kulturen der Welt. Jesus spricht davon, dass jedes Kind einen Engel hat, der Gott ansieht. Und jeder, der sich an einem Kind vergreift, sollte einen Mühlstein um den Hals gehängt bekommen und ersäuft werden. Deshalb sind die Missbrauchsfälle für die Kirche ja so eine Katastrophe, ausgerechnet ein Kernanliegen wurde missachtet. (Mosebach)
Mertes betreibt eine Umwertung der Werte. Oder eine Umlügung der Wahrheit. Die katholische Religion, die sich stets dem Schutz der Schwächsten und dem Schutz der Kleinsten verpflichtet fühlte, wird zur Ursache des sexuellen Mißbrauchs der Kleinsten umgelogen. Das ist übel. Sehr übel. Und angesichts der Claqeure die diese faule Lüge auch noch mit "aufbrandendem Beifall" honorieren, muß ich sagen, daß ich heilfroh bin, daß ich mir diesen Reichsparteitag der Imbezilen erspart habe.

Na ja, ich weiß nicht, ob das Bildchen jetzt die richtige Illustration für diesen Artikel bildet, aber ich liebe Heiligenbildchen, vor allem die mit dem Glimmerstaub. Der Maler trägt den schönen Namen Carl Christian Vogel zu Vogelstein.