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Samstag, 7. August 2010

Qui cantat, bis orat


@Elsa

Qui cantat, bis orat ist ein angebliches Zitat des großen Philosphen, Theologen und Dichters Aurelius Augstinus. So hat er es allerdings nie gesagt, das einzige Zitat, daß diesem angeblichen Ausspruch am nächsten kommt lautet:
Qui enim cantat laudem, non solum laudat, sed etiam hilariter laudat; qui cantat laudem, non solum cantat, sed et amat eum quem cantat. In laude confitentis est praedicatio, in cantico amantis affectio...
übersetzt:
Wer nämlich den Lobpreis singt, lobt und preist nicht nur, sondern preist voller Heiterkeit; wer den Lobpreis singt, singt nicht nur, sondern liebt auch den, dem er singt. im Lob des Bekenners und Gläubigen ist immer auch die Predigt, das öffentliche Bekenntnis, im Gesang des Liebenden ist die Sehnsucht nach dem Geliebten.
Daß also das (Stunden-)Gebet der Kirche zu singen sei, war den Betern früherer Zeiten ungemein wichtig. Ein gesprochenes Gebet war gewissermaßen nur ein halbes Gebet. Benedikt, der etwa ein Jahrhundert nach Augustinus das Gundgesetz seines Ordens schrieb, spricht in seiner Regel wie selbstverständlich davon, daß die Introiten, Psalmen, Antiphonen, Responsorien und Versikel gesungen werden. Seine Regel gab den damaligen Stand wieder, und regulierte die bis dahin übliche Praxis in einer Form, die bis in die revolutionären 60er des vergangenen Jahrhunderts für alle Orden, Kleriker, das Stundengebet betende Laien, verbindliche Richtschnur blieb.

Misst man nun das Neue Deutsche Stundenbuch an diesem Maß, nämlich das doppelt betet, wer singt, so singt der Neue Deutsche Beter gewissermaßen nur 1,5fach. Mir fiel das, nachdem ich mich Jahre mit dem "Kleinen Stundenbuch"und dem Deutschen Antiphonale abgemüht hatte, gewissermaßen blitzartig auf, als ich das erste Mal eine benediktinische Schola (der Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard) die Komplet singen hörte. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen (Oder man sollte vielleicht, um im Bilde zu bleiben, sagen, daß mir die Bohnen aus den Ohren fielen). Das, sagte mir meine Intuition, ist die wirkliche, die eigentliche, die ursprüngliche und auch die zukünftige Form des liturgischen Gebets.

Danach hab ich den lieben Nonnen erst einmal alles abgekauft, was zum Thema gregorianischer Choral im Buchladen zu haben war, das Kleine Stundenbuch, das für einige Jahre meine bestgehüteter Schatz war, ruht nun in einer stillen Ecke meines Bücherregals für die besten Bücher. Die allerbesten Bücher stehen aber nun in meinem Nachtschrank, und dazu gehört das wieder in einer sehr liebevoll gestalteten Ausgabe nachgedruckte Breviarium Romanum und das 1934 bei Desclee & Co erschienene Antiphonale Monasticum Pro Diurnis Horis, das ich bei den Schwestern gekauft habe. Ein Liber Usalis besitze ich in elektronischer Form.

Was den Unterschied ausmacht, will ich am Hymnus der Komplet erläutern.

Schon die Übersetzung zeigt, daß der Übersetzer nicht etwa nur mit der lateinischen Sprache gerungen hat, so lautet Vers 2 des Originals wie folgt:

Procul recédant sómnia,
Et nóctium phantásmata:
Hostémque nostrum cómprime,
Ne polluántur córpora.

In etwa wörtlich:

Ferne bleiben die Traumgebild´,
und Trug und Wahn der dunklen Nacht:
Den Feind, den Gleisner halte fern,
daß uns´ren Leib er nicht befleckt.

Das NeuDeuStuBu:

Hüllt Schlaf die müden Glieder ein,
laß uns in Dir geborgen sein,
und mach am Morgen uns bereit
zum Lobe Deiner Herrlichkeit.

Hübsch gereimt, aber nicht wirklich übersetzt, wir haben es hier offenkundig mit einer Neudichtung zu tun, in der, typisch deutschkatholisch, schwierige, für die niederschwellige Pastoral unserer Tage untaugliche Wörter wie Wahn, Feind, Befleckung fehlen. 

Das Neue Stundenbuch versucht, den Verlust an Text-Sinn dadurch wettzumachen, daß nunmehr eine Vielzahl von Hymnen, nämlich statt einer einzigen deren acht zur Auswahl stehen. Die Auswahl ist - nebenbei gesagt - sehr beachtlich. Doch den Verlust an Text-Tiefe kann das nicht wettmachen.  Das Ganze wird vielmehr nunmehr textlastig, statt - um zum Punkt zu kommen - auf den Choral zentriert.

Daß ein Hoher Festtag gefeiert wird, oder daß der Zyklus wechselt, drückt sich in der überkommenen Komplet durch eine andere Singweise des immer gleichen Hymnus aus. In dem Anhang zum für die Laien vereinfachten Stundenbuch der Piusbruderschaft finden sich 17 verschiedene Singweisen des Hymnus der Komplet für die Zeiten und Hochfeste des Jahres. Grundsätzlich sind die Weisen gegen unendlich, denn jeder Orden, jede katholische Gemeinschaft hat ihre eigenen, feierlichen Melodien. Mnemotechnisch gesehen, ein großer Vorteil, wer nicht lesen und schreiben konnte, und das konnten bis in unsere Tage die wenigsten, konnte mit weit weniger Mühe sich Text und Melodie einprägen.

Das Neue Stundenbuch kennt nur noch drei Singweise des Hymnus der Komplet, und diese drei sind grob vereinfacht. Der Hymnus ist nur noch syllabisch vertont, während sich in der überkommenen Singweise die Freude der Hochfeste oder der Festzeiten in komplexen, melismatischen Melodien ausdrückt.

Von anderen Vereinfachungen, dem Wegfall von Orationen, der Reduzierung der Zahl der Psalmen u.ä. ist hier nicht die Rede, insgesamt ist wohl mehr Text, aber weniger Einfachheit, und das in einem tieferen Sinn.
wie groß und tröstlich es ist, sich in seinem täglichen Beten Schulter an Schulter zu wissen mit Tausenden auf der Welt, die um die gleiche Zeit die gleichen Gebete sprechen .... wenn die Gebete, die wir sprechen, überall in der Welt zur gleichen Zeit (wenn auch in verschiedenen Sprachen) verrichtet werden, wird das Bewußtsein der Gemeinschaft vor Gott stärker. Es ist ja eine Gemeinschaft, die nicht nur nach links und rechts reicht: sie reicht auch nach rückwärts. So betet die Kirche durch die Jahrhunderte, ... 
heißt es im Vorwort zum Kleinen Stundenbuch. Aber genau diesem Anspruch wird das Stundenbuch eben nicht gerecht. Es sind nunmehr unterschiedliche Gebete, sie werden in unterschiedlichen Sprachen gesprochen, zu unterschiedlichen Zeiten und der Bruch mit der Tradition ist kaum zu unterschätzen. Es ist nicht mehr das eine "Te lucis ante terminum". Es ist eben nicht mehr das eine Stundengebet, daß eben trotz einiger künstlerischer Freiheiten, doch immer noch dasselbe war, das Benedikt in den Kapiteln 8 bis 20 seiner Regel verbindlich machte.

Das Bild zeigt meinen Lieblingsorden, die Francescani dell´Immacolata beim feierlichen Gesang der Tenebrae.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Erstkommunion in Indien


Lese gerade in Manuel Boruttas Doktorarbeit über "Antikatholizismus". Mehrfach variiert Borutta das Thema "weibliche Kirche" - als zentralem Motto der antikatholischen Agitation.

Auch wenn ich ja nun ganz und gar nicht antikatholisch gestrickt bin, irgendwie ist doch was dran an der "weiblichen" Kirche, oder? Dieses Bild stammt von der neuen, wie gewohnt ausgezeichnet gestalteten indischen Homepage meines Lieblingsordens.

Freitag, 4. September 2009

Francescani! dell! Immacolata!


Ja,ja. Ich kann gar nicht genug kriegen von den FI.

Regnum mundi et omnem ornatum ...

Regnum mundi et omnem ornatum saeculi contempsi propter amorem domini mei Jesu Christi quem vidi quem amavi in quem credidi quem dilexi.
Dies ist der Text des Responsoriums, das bei der Confess einer Nonne gesungen wird. Hier findet sich übrigens eine wundervolle filmische Darstellung des Einkleidungsrituals, auch noch mit Audrey Hephurn in der Hauptrolle. Auch in dieser filmischen Darstellung singen die Nonnen das "Regnum mundi".
Das Bild stammt aus Lanherne, der englischen Niederlassung meines Lieblingsordens, und hier findet sich ein zu Herzen gehender Bericht über die feierliche Profess zweier junger Schwestern im Kloster der FI im römisch-seraphischen Ritus.