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Samstag, 4. Juni 2011
Plastic world
Der Film GATTACA ist voller kleiner Hinweise. Hier die - wie ich sie nenne - Rosenkranzszene.
Eine Geburt findet heute in einer vornehmlich technischen Umgebung statt. Mit dem Aussterben der evangelischen Diakonissen und dem Schwinden der katholischen Krankenhäuser werden auch die Geburtsstationen der Kliniken zu Abteilungen der "Krankenhäuser".
Über meinem Bettpfosten hängt ein riesiger schwarzer Rosenkranz, von dem ich erst spät erfahren habe, daß es der Rosenkranz einer Vinzentinerin gewesen sein muß.
Sonntag, 1. Mai 2011
Catherine and John Paul II
Ich stelle fest, daß die kommunizierenden Röhren des christlichen Europa noch immer gut funktionieren. Die Koinzidenz zweier Ereignisse, der Hochzeit von William und Catherine und die Seligsprechung Johannes Paul II, spricht dafür.
Was denn verbindet die Seligsprechung Johannes Paul des IIten mit der Hochzeit des künftigen britischen Kronprinzen und seiner Frau Catherine? Es ist der Name der Braut. Es sind nur Vermutungen, allerdings Vermutungen, denen niemand widersprochen hat, daß die Wahl des Hochzeitstages bewußt auf den 29. April festgesetzt wurde, den Festtag der Heiligen Katarina von Siena, und damit Namenspatronin der Braut.
So beginnt denn die Homilie des anglikanischen Bischofs von London mit einem Zitat von Catherine of Siena:
“Be who God meant you to be and you will set the world on fire.” So said St Catherine of Siena whose festival day it is today. Marriage is intended to be a way in which man and woman help each other to become what God meant each one to be, their deepest and truest selves."Der Bischof zitierte neben Katharina von Siena noch einen anderen berühmten Katholiken, Geoffrey Chaucer. An diesem Ort fast unvermeidlich, den Chaucer wurde die Ehre zuteil, in Westminster Abbey begraben zu werden.
Die besondere Verehrung, die die Päpste immer Katharina von Siena entgegenbrachten, hat nun auch der selige Johannes Paul der II geteilt. Gemeinsam mit Birgitta von Schweden und Edith Stein ernannte er sie 1999 zur Patronin Europas.
Aber es gibt da noch einen anderen Link. Westminster Abbey ist, wie der Petersdom dem Heiligen Apostelfürsten geweiht.
Daß im Zuge der Kalenderreform der Festtag der Heiligen Katharina wieder auf den 29. April gelegt wurde, ist eine der - eher wenigen - guten Entscheidungen im Rahmen der Kalenderreform. Die Dominikanerinnen jedenfalls haben das königliche Paar herzlich gerne in ihre Gebete eingeschlossen.
Freitag, 29. April 2011
Die Sehnsucht nach dem guten König I
Hab mir die Hochzeit angesehen. Naj, nicht die ganze. Das Jawort hab ich natürlich verpaßt, aber nicht den Auftritt der Braut, und den Einmarsch des Bräutigams nebst seines Bruders und Trauzeugen. Na gut. Die Kirche ist geklaut, des Bischofs Anglikanische Gemeinschaft ist gerade dabei, auseinanderzulaufen, die Braut verweigert ihrem Gespons ausdrücklich den Gehorsam und der Bräutigam weigert sich, einen Ehering zu tragen. Der Papa des Bräutigams kommt mit seiner Kebse, mit der er selbst nur standesamtlich getraut ist und unter den Gästen findet sich so mancher, der keineswegs ein Vorbild an christlicher Lebensführung ist
Also eigentlich so, wie es schon immer gewesen ist. Der erste König, der in Westminster Abbey gekrönt wurde, hatte schließlich, bevor er um einiges respektvoller, William der Eroberer genannt wurde, den nickname William the bastard. (Womit ich nicht gesagt haben will, daß der aktuelle William ein Bastard sei sondern nur, daß die eheliche Disziplin der königlichen Familie of england mitunter zu wünschen übrig ließ)
Sieht man also von der einen oder anderen Kleinigkeit ab und rubriziert man des Bräutigams matte Witze unter british humor, wars doch eine schöne Hochzeit. Der Bräutigam trug keinen Schlips sondern eine anständige und kleidsame Uniform, die Braut in ihrem formidablen Brautkleid nebst Schleier war einfach hinreißend und auch der Bischof hatte sein schönstes Pluviale an, wie seine Mitzelebranten. Vom outfit der Priesterschaft hätte man sich auch bei den Piusbrüdern befinden können, und das Ordinarium der Messe wurde in latein gesungen.
Die Stadt war heute eigentümlich leer, mir fiel auf, daß es vor allem Personen männlichen Geschlechts waren, die heute auf der Straße zu sehen waren, so daß ich annehme, daß sich doch heute ein dezent monarchistischer odeur ausbreitete. Leider ist ja unser Kaiser weggeloffen, und wie man hört, sind gerade mal 10 Prozent der deutschen Bevölkerung monarchistisch gesinnt. Wobei ichs ja interessant fände, was z.B. die Bayern von einem Kinni hielten, oder die Bewohner der ehemals preußischen Lande von einem neuen Kaiser Wilhelm.
Das Thema könnte man mal vertiefen.
William the ...
Sonntag, 3. April 2011
Laetare: die Rose und die Kaiserin
Im Gegensatz zum Rosenmontag, dessen Benamsung wir den "bürgerlichen" Karnevalisten des 19. Jahrhunderts zu verdanken haben, hat der Rosensonntag - der Sonntag Laetare - eine jahrhundertealte Tradition. Nun heißt der Sonntag nicht nur wegen der rosenfarbenen Paramente Rosensonntag, sondern auch deshalb, weil seit dem 11. Jahrhundert der Papst an diesem Tag einer besonders verdienstvollen Person, gemeint ist natürlich der Verdienst um die katholische Sache, eine goldene Rose verleiht. Ursprünglich wurde die Rose nur Männern verliehen, später wurden überwiegend Frauen ausgezeichnet.
Daß Pius IX im Jahre 1856 der Kaiserin Eugénie von Frankreich eine goldene Rose verehrte, war dennoch eine gewagte Aktion. Denn schließlich ehrte er damit nicht den Souverän Frankreichs, den Kaiser Napoleon III, sondern dessen Ehefrau. Genau genommen war die goldene Rose ein Geschenk aus Anlaß der Geburt des einzigen Sohnes des Kaiserpaares. Doch Pius IX wußte sehr wohl, daß der vitalen und durchsetzungsstarken Kaiserin das Schicksal des Vatikanstaates, der gegen die italienischen Jakobiner um seine Existenz kämpfen mußte, weit mehr am Herzen lag, als ihrem Ehemann.
Die goldene Rose war jedenfalls eine lohnende Investition. Sie sicherte dem Kirchenstaat, der angesichts der italienischen Einigungsbestrebungen um seine Existenz fürchten mußte, die militärische Unterstützung der französischen Armee. Mit diesem Bündnis gelang es mehrfach, die Truppen Garibaldis zurückzuschlagen, und die Existenz des Kirchenstaates zu sichern.
Die goldene Rose war jedenfalls ein manchmal höchst wirksames Mittel des Vatikan, sich Einfluß zu sichern, oder Bündnisse zu festigen. Manchmal, geht man die Liste der Geehrten durch, aber auch nicht. Die Verleihung an Friedrich den III, Kurfürst von Sachsen, wird sich wohl kaum gelohnt haben. Dem Fürst waren seine machtpolitischen Ambitionen, deretwegen er sich der Schachfigur Luther bediente, wichtiger als die Sache des Glaubens.
Die Gelegenheit, wieder einmal ein Sujet des französischen Rokoko, diesmal des Neospätbarock abzubilden. Eugénie lehnte sich im Stil nicht ganz ohne Hintergedanken dem Stil der Madame Pompadour an. Auch ihre politischen Ambitionen und Strategien ähnelten der ihrer großen Vorgängerin in entscheidenden Details. Doch das französisch-österreichische Bündnis gegen Preußen scheiterte erneut. 1870 griff Preußen Frankreich an, die französische Armee unterlag, der Kaiser wurde festgenommen, Kaiserin Eugenie flüchtete unter abenteuerlichen Umständen nach England. Der Kirchenstaat verlor seine wichtigste Bündnispartnerin und unterlag den italienischen Jakobinern. Der Papst wurde zum Gefangenen im Vatican. Bismarcks Krieg hatte die politische Balance Europas verändert. Jahrzehnte später sollte das Chaos zwei Monstren gebären.
Samstag, 20. November 2010
Sozi und Reli
Der Soz im Allgemeinen und die Religion finden so einfach nicht zusammen. Und wer da meint, die SPD sei doch seit sehr langer Zeit eine zumindest weltanschaulich neutrale Partei. sollte sich vergegenwärtigen, daß das im Kern marxistische Heidelberger Programm noch bis 1959 in Kraft blieb. Es hat - etwa im Bildungsbereich - eine stramm antireligiöse Ausrichtung.
Den Kern des organisierten deutschen Atheismus bildeten Sozialdemokraten. Der "Verein für Feuerbestattung", neben dem "Freidenkerbund" sozusagen die Keimzelle des organisierten deutschen Atheismus wurde 1905 von 12 deutschen Sozialdemokraten gegründet. Was vielleicht erklärt, warum sich der Soz mit der Religion heute noch immer ein bißchen schwer tut.
Als sich die SPD in ihrem Godesberger Programm zur "Zusammenarbeit mit dem Kirchen" im Sinne einer "freien Partnerschaft" bekennen wollte, entging der Parteivorstand nur knapp einer Abstimmungsniederlage. Der Einfluß der "Freidenker" war immer noch stark. Daß viele der die Partei prägenden Personen zumindest aus traditionell atheistischen Familien stammten, ist bekannt. Nach II. Weltkrieg und Drittem Reich änderte sich das, und Grund dafür ist nicht etwa nur der in Godesberg in Satzungsform gegossene strukturelle Opportunismus einer Volkspartei.
Nein, bei mir sind Bindungen an Gott nie gewesen. Ich bin ja als "Heide" aufgewachsen und habe mich erst taufen lassen, als wir kirchlich heiraten wollten. Aus zwei Gründen übrigens: Mein Mann und ich waren uns einig darüber, daß man den Kirchen, wenn der Krieg zu Ende wäre, den Rücken stärken sollte. Wir hielten die Priester und Pastoren für die Einzigen, die nach dem - auch geistigen - Ruin möglicherweise die Menschen ein bißchen an die Hand nehmen könnten. Der zweite Grund: Die Nazis fingen 1941/42 an, alles, was überhaupt nur nach Kirche roch, schlechtzumachen. Da hat sich bei mir der Widerspruchsgeist geregt, auch wenn ich selbst ganz unchristlich erzogen worden bin. Ein Mensch, der einen Kopf hat, mit dem er sich manchmal die Welt betrachte, muß ja auf die Idee kommen, daß es oberhalb von uns kleinen Menschen und unserer kleinen Erde Gesetze gibt, Ordnungsgesetze, die das ganze Weltall zusammenhalten.Das sind sicher keine Sätze, die vor der christlichen Orthodoxie bestehen können. Aber es ist das Zeugnis eines Menschen, der, wo ihm der Glaube doch nicht geschenkt wurde, sich doch zumindest als Christ zu leben bemüht.
Loki Schmidt hat das geschrieben, die grande dame der deutschen Sozialdemokratie. Und umso zwergenhafter erscheinen die neuen Kulturkämpfer, die sich in der neuen deutschen Sozialdemokratie breit machen.
Bild: Die Traditionsfahne der SPD offenbart ihre Einbindung in die revolutionäre Tradition
Samstag, 30. Oktober 2010
Krabben mit Remouladensoße katholisch/muslimisch
Neulich geschahs. Eines Tages mußte es ja so kommen. War jedem klar, der Sarrazins Thesen von der mählichen Durchdringung des christlichen Abendlandes durch muslimische Einwanderer kennt, und ihre zwingende Logik verstanden hat.
Matthias Matussek begegnete einem Kopftuchmädchen!
Nun war es nicht ganz so hinreißend wie Grace Kelly, Ikone und Vorbild abendländischer Kopftuchmädchen. Aber schon niedlich. (Schon klar, 22jährige junge Frauen wollen ja keineswegs "niedlich" oder "süß" aussehen, aber dies ist hier unvermeidlich.)
Den erd- mark- oder werweißwassonstnoch erschütternden Schock, den diese Begegnung auslöste, kann man nachvollziehen, wenn man diese Zeilen liest:
Sie isst frittierte Krabben mit Remouladensauce aus einer mitgebrachten Pappschachtel. Mit den Fingern. Das tut man eigentlich nicht.Das "eigentlich" hat uns gerade eben noch gerettet. Und die Ausrufezeichen hinter jedem Satz hat er sich augenscheinlich gerade noch so verkniffen. (Mittlerweile wissen wir, daß Matussek selbst Krabben mit Remouladensoße gegessen hat! Im Speisewagen! Mit den Fingern! Das war gewiß der Schock, sozusagen der Clash of Ciliizations, der Dastutmannicht- und der KrabbenmitRemouladensoßeimSpeisewagen - civilization)
Sie trägt ein Kopftuch. Das tut man erst recht nicht in diesen Tagen, denn es sieht antidemokratisch und anti-emanzipatorisch aus.Wieder fehlen die Ausrufezeichen. Mein geistiges Ohr jedenfalls hört es vernehmlich knirschen, so muß er sich zurückgehalten haben..
Ach ja, sie war es, die mich angesprochen hat.Dieser Schock wird die Bloggerszene noch Monate durchschütteln. Vor allem Matthias Matussek.
Nun leider ist der Rest des Artikels staatstragend und tiefschürfend, statt, was wir doch an M.M. so lieben, witzisch, selbstironisch und dezent ernst-unernst. Ja, daß muß der Schock gewesen sein, Dabei war das Gespräch offenbar wesentlich unterhaltsamer und lustiger, als der Artikel, den M.M. darüber geschrieben hat.
Dann fragt mich Matussek: "Sie haben doch Humor, oder?" Nee, habe ich beim Integrieren verloren, erkläre ich. Das Dauergrinsen auf meinem Gesicht komme daher, weil ich meine Gesichtsmuskeln nicht kontrollieren könne. Dann muss halt der Gesichtsschleier her, beschließen Matussek und ich. Sonst wird das nie was mit meiner Integration in Deutschland.1:0 für Kübra Yücel. Jedenfalls soweit es um die Nachbereitung dieses Gesprächs geht. Ansonsten ist der Post auch so toll wieder nicht, sondern ist gekennzeichnet von der immer ein bißchen heulsusigen Larmoyanz, der die offiziellen Stellungnahmen muslimischer Vereine ebenso kennzeichnet wie - leider -die schon ein bißchen wachere muslimische Bloggerszene.
Aber wer weiß. Vielleicht hat dieses wahrhaft epochale Ereignis ja noch Folgen jenseits harmoniesoßiger Präsidentenansprachen aus der Abteilung "Kultur und Gedöns".
Grace Kelly, glamourösestes Kopftuchmädchen aller Zeiten in ihrem Hochzeitskleid. Nur mal so zur Erinnerung an 1. Korinther 11,2-16.
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