Sonntag, 9. August 2009

Just Married

   Die Kirche, in der wir gestern in der "tridentinischen Form" geheiratet haben, ist nicht so weiß-gold wie diese. Sie ist im eher frugalen Stil der späten fünfziger gehalten. Aber die Casel, die unser Pfarrer getragen hat war eindeutig schöner. Sie entstammt einem Fundus der 50er Jahre, die irgendeine Gemeinde nicht mehr braucht.
   GanzinweißmitSchleier entfiel, schließlich sind wir seit fast 31 Jahren standesamtlich - und streng genommen sakramental gültig - verheiratet. Dafür hätten wir mit eigenen Blumenkindern dienen können, unseren beiden hinreißenden Enkeltöchtern, die wir dann doch nicht zum Einsatz gebracht haben.
   Unsere Schola hat sich gemüht und stundenlang für unsere Trauung geprobt, ebenso die Meßdiener, schließlich war das die erste Trauung im tridentinischen Usus seit unvordenklichen Zeiten. Es war berührend, aber glücklicherweise sitzt das Brautpaar ja mit dem Rücken zur Gemeinde, die sich diesmal aus unseren Freunden und unseren engsten Verwandten zusammensetzte. (Irgendwie hab ich dieses ein Indianerweintnicht doch noch immer verinnerlicht)

Freitag, 7. August 2009

Hippie Charles

   Ja was sagt uns dieses Bild? Die Woodstock-Revival-Welle droht mal wieder. Aber ich will janich meckern. 67,68,69 ff. lief ich auch mit langen Haaren rum, klampfte auf meiner Guitarre Folksongs, trug na ja, Jeans und T-Shirt und ja, ein Stirnband trug ich sogar noch bei den Straßenschlachten der Hausbesetzer-Bewegung. Am Anfang mehr Flower, am Ende mehr Power.
   Ich weissjanich ob ich ein richtiger Hippie war. Dieses Peace-Zeichen fand ich immer ziemlich albern, und Blümchen an die Polizei hab ich nur ein einziges Mal verteilt, weil, für eine hübsche junge Frau tut man, wenn man um die 20 Jahre ist, nahezu alles, sogar Blümchen an die Bereitschaftspolizei verteilen.
    War die Hippie-Bewegung friedlich und liebevoll? Rückblickend würde ich sagen, daß sie, wie alle pazifistischen Bewegung Pazifismus predigte und Appeasement praktizierte.
Was ihren inneren Frieden anging, zeigte sich in den gewaltätigen Auswüchsen der Hippie-Bewegung eine Aggressivität, die ihre Wurzeln in der Neigung der Blumenkinder zum Okkultismus, und in den krankmachenden Folgen des Drogenrauschs hatte.
   In wenigen Tage jährt sich das Massaker der Manson-Familie. Charles Manson hielt sich für einen legitimen Hippie. So falsch lag er da nicht. Alister Crowley, gewissermaßen der geistige Urahn Manson-Family, findet sich auch auf dem Cover von "Sergeant Peppers", dem vielleicht  berühmtesten Album der Beatles verewigt. Satan kommt niemals ungerufen.

Mittwoch, 5. August 2009

Rome sweet home

   Seit dem 1. Juli 2009 wohnen wir im Pfarrhaus in Ober-Ramstadt. Unsere Wohnung ist die ehemalige Priesterwohnung des Pfarrhauses. Nicht, daß Priester hierorts ausgestorben sind, aber mittlerweile gibt es jedenfalls mehr Priesterwohnungen als Priester. Hier also der Blick aus der "Rumpelkammer", die wir aber wegen des schönen Fensters, das gewissermaßen das Abzeichen des Hauses ist, zum (winzigen) Arbeitszimmer umgewidmet haben.
   Der Blick geht direkt auf den Eingang der Kirche. Alles ist im Stil der fünfziger Jahre gehalten, den ich (andere sprechen von Nierentischepoche) eigentlich schätze. Das Fenster ist jedenfalls in Gelb, Magenta und Blau gehalten. Mir gefällt es.

Über die Farben dieses Fensters mache ich mir schon Gedanken, so lange ich hier wohne. Was symbolisieren die Farben. Die Heilige Dreieinigkeit? Oder einfach nur das CMYK-System. So in etwa geben die Farben tatsächlich Yellow, Magenta und Cyan wieder. Aber auch das hat ja die heilige Zahl drei wieder in sich. Hat wer eine Idee?
Nun ja, von der PGR-Vorsitzenden wissen wir inzwischen, daß von der Kirchenausstattung einfach noch drei Fensterscheiben übrig waren. Und Pastellfarben waren in den fünfzigern eben Mode. Aber Zufälle gibt es nicht.

Käptn Ahab, übernehmen sie!

   Mehr als ein Jahrzehnt war ich Mitglied der "Grünen". Bis ich von altlinkem Gewäsch, strümpfestrickenden Softies, nervenden Altemanzen, AltKBWKBDKPRKUSW-Kadern die Nase gestrichen voll hatte, und mich Seriöserem zuwandte. Hin und wieder tue ich mir die Auslassungen einer/s GrünIn an, um es meist kurz darauf bitter zu bereuen. Folgender Artikel von Renate Künast in der aktuellen "Cicero" ist so recht geeignet, mir wieder einmal zu verdeutlichen, daß die Grünen die mit Abstand be.... aller Parteien sind. Und wohl auch die mit Abstand religions- und kirchenfeindlichste.
   In dieser Artikelserie geht es übrigens um die letzten 24 Stunden eines Prominenten, und was der jeweilige Prominente in diesen 24 Stunden zu tun gedenkt (Mein kryptobhuddistischer Lieblingsguru und Glückskekssprücheproduzent Anselm Grün will zum Beispiel Müsli essen). Also Renate (unter uns Grünen spricht man sich stets nur mit dem Vornamen an) Renate hat sich folgendes Plänchen ausgedacht:
An meinem letzten Tag reise ich morgens nach Vancouver-Island in Kanada zu den Walen. Stundenlang werde ich diese unglaublichen Urtiere vom Schiff aus beobachten.
Auf der Rückreise nach Europa blättere ich in einem meiner Gartenbücher. Ich lese in den letzten Stunden keine Buchstaben mehr, sondern spaziere in Gedanken durch die kontemplative Stimmung japanischer Steingärten und englischer Landschaftsgärtnerei.
   Klasse Idee. Nur daß die Redaktion nicht auf die Idee gekommen ist, die werte Chefökologin darauf aufmerksam zu machen, daß ihr nicht mehr die Flugbereitschaft der Bundeswehr zur Verfügung steht, die sie auch nur mit Ach und Krach in mindestens 9 Stunden nach Vancouver und 9 Stunden wieder zurück befördern könnte. Nix is mit stundenlangem Whalewatching. Freund Hein wartet, und die Uhr tickt. 
   Tja, und daß der Kerosinverbrauch auf dieser Superstrecke wahrscheinlich die Lebensration eines Mallorca-Urlaubers ausmacht, dessen unökologischen Lebenswandel die Grünen dermaleinst mit Flugzeitrationierungen bekämpfen wollten, ist ihr in der Eile auch nicht aufgefallen. 
Beten werde ich nicht. Ich bin aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Es wird vielleicht ein höheres Wesen geben. Aber Gott? Was ist der Sinn des Lebens? Es gibt keinen höheren, übergeordneten Sinn. Die Frage ist vielmehr: Was mache ich aus meiner Zeit hier und heute? Leben und respektvolle Existenz sind selbst der Sinn.
   Ja, so sinnse, die Grünen. Den Freundinnen und Freunden fällt in ihrem Leben niemals auf, daß sie den Glauben an ein "Höheres Wesen" oder die "Vorrrsehung" mit den Massenmördern Robbespierre, Saint Just und Adolf Hitler teilen. Daß sie der Glauben an die Errichtung des irdischen Paradieses nicht nur mit Karl Marx und Heinrich Heine, sondern auch mit Josef Dschugaschwili Stalin, Mao Tse Tung und Pol Pot verbindet. 
   Nein nein, Renate (bei uns Grünen sprechen wir uns immer nur mit den Vornamen an) hat keine Angst vor dem Tod.
... ich fühle mich als Teil der Natur, Teil des Ganzen. So heißt dann auch das Buch meines Lebens „Ein Teil“. Nach meinem Tod werde ich schlicht und einfach Teil der Natur sein und in der Natur aufgehen.
Nach meinen letzten 24 Stunden, nach meinem Tod will ich frei wie ein Baum sein. Ich schwanke noch zwischen der Lichtgestalt Birke und einer frei stehenden, weit ausladenden Eiche.

Ach nein: Am Ende will ich doch als großer Wal durch die Weltmeere schwimmen
   Da wünscht man sich doch glatt einen Käpt Ahab, der dieses Tier zu Grütze verarbeitet.
    Aber doch spannend, was sich Renate (bei uns Grünen sprechen wir uns immer nur mit dem Vornamen an) als letzte Musik wünscht. "Geh aus mein Herz und suche Freud". Hat die den Text mal gelesen?

Erwähle mich zum Paradeis
Und lass mich bis zur letzten Reis
An Leib und Seele grünen;
So will ich dir und deiner Ehr
Allein und sonsten keinem mehr
Hier und dort ewig dienen.

Sonntag, 2. August 2009

Flieg Gedanke, getragen von Sehehensucht ...

   Back again, Umzug so in etwa bewältigt, und das ist Monti "mein" Hund. An der Leine zieht er immer die Miene auf, die ich das "Nabucco-Gesicht" nenne. Böses Herrchen zwingt mich an die Leine, wo ich doch viel lieber mit 120 km/h über die Felder brettern möchte, Don ärgern, und Anton quälen und überhaupt in die Ferne, in die Freiheit fliehen. Jaja.
   Neben der Leineleine gibt es aber noch eine viel wirksamere auf Geruch und Geschmack basierte. Getrockneter Pansen. Unbedingt wirksam, hilft selbst dann, wenn Lieblingsfeind Anton am Horizont auftaucht.