"Wer heute Minarette verbietet, verbietet morgen Kirchtürme." So oder ähnlich lauten die milde hysterischen Verlautbarungen so mancher christlicher Prälaten. Minarett-Verbot hin Kirchturm-Verbot her. Braucht die irgendwer? Die absoluten Essentials des Kirchenbaus sollten wir eigentlich kennen. Ein Tabernakel. Ein Altar. Alles andere ist nur Zutat. Nur wenige Christen haben dies so konsequent umgesetzt wie die oben abgebildeten Herren. Eine zisterziensische Kirche ist nur dies. Ein Tabernakel, ein Altar, eine Halle. Keine Kirchtürme. Die hielten die Zisterzienser, noch immer einer der lebenskräftigsten Orden der katholischen Kirche für Nippes, Tand, Kitsch, Klimbim. Glocken gab es wohl, die mußten aber mit einem Dachreiter vorlieb nehmen. Und überhaupt riefen die Glocken nicht zum Gottesdienst, sondern zuerst einmal zum Stundengebet.
Womit wir bei den Minaretten wären. Auch die haben im Prinzip nichts Sakrales an sich. Sie dienten ursprünglich als Wach- und Leuchttürme, hatten also eher militärisch-praktische Funktion, später hielt man es wohl für sinnig, von diesen Türmen aus zum Gebet zu rufen - zur muslimischen Version des Stundengebets also.
So gesehen habe beiden Türme - Kirchturm wie Minarett - dann doch etwas miteinander zu tun. Was aber nun nichts daran ändert, das weder der Kirchturm noch das Minarett sakrale Funktion oder auch nur Bedeutung hätte. Wozu also die Aufregung? Sollten wir uns nicht besser auf den zisterziensischen Standpunkt stellen, daß diesen Nippes kein Mensch wirklich braucht? Much ado about nothing? Irgendwie schon.

