Die Ernennung von Rainer Maria Woelki hat ja so manchen Journaillisten zu rattenscharfen Kommentaren inspiriert. Da schäumt es nur so aus den Kolumnen, daß man unwillkürlich das Morgenblättchen waagerecht hält, damit der Sabber nicht auf den Boden tropft. Sonst gediegen und moderat formulierende Qualitätsschreiber versteigen sich dann zu Verbalexzessen wie "neofundamentalistische Feuilleton-Katholiken" oder "schwarzer Block". Nun ist ja die Technik der Zuspitzung eine, die jeder Journalist und Blogger beherrschen muß, weil, sonst liest uns ja wieder kein Schwein. Und inhaltlich ist der Kommentar von Matthias Kamann in der "Welt" eigentlich gar nicht so unfreundlich.
Kamann ist durchaus aufgefallen, daß die katholische Gemeinde in der dem Katholizismus schon immer eher feindlich gesonnenen Hauptstadt einen durchaus konservativen Zug hat. Eine Feststellung, die man auch andernorts machen kann, wo die Katholiken in einer extremen Diasporasituation leben. Gerade einmal 9% der Einwohner Berlins gehören der katholischen Kirche an, Berlin dürfte ja die einzige Hauptstadt der Welt mit einer agnostisch-atheistischen Bevölkerungsmehrheit sein. Und in Vorpommern, das auch noch zum Bistum gehört verlieren sich ganze 13.335 Katholiken.
In der Stadt, in der sich einst der fatale "Moabiter Klostersturm" zugetragen hat, macht man sich als Katholik ja heute schon ganz naturgemäß unbeliebt, steht man doch unter dem Verdacht, die repressiveSexualmoralderkatholischenKirche (auf diesem Blog stets mir rSkK abgekürzt) auch noch gut zu finden, und das "Gut so" des Regierenden Bürgermeisters zu seiner offen zur Schau getragenen Schwulität eher ungut. Klar, daß hier der CSD der größte der Republik, die Zuschauer am zahlreichsten sind, und daß der CSK beim Besuch des Papstes hier gleich weiter macht mit seiner Soft-Porno-Lack-und-Leder-Show.
Aber Berlin ist heute auch eine Stadt tief gläubiger katholischer Migrantengemeinden vor allem aus Osteuropa, rund 18% der Katholiken haben einen "Migrationshintergrund". Berlin ist Standort rühriger und lebendiger Gemeinden, die das Prädikat traditionalistisch nicht für abträglich halten, sondern Tradition im Sinne Chestertons als "Demokratie für die Toten" verstehen. Wer in Berlin etwa eine Sonntagsmesse im usus antiquior sucht, kann zwischen mehreren Möglichkeiten wählen.
"Meisner", "Opus Dei" sind offenbar die Stichworte, bei denen bei einem deutschen Journalisten die Synapsen einrasten. Alles fügt sich zu einem Bild von einem "schwarzen Block", zu dem sich angeblich die Gegenspieler von Lehman und Zollitsch zusammengetan haben.
Das Klima ist, behauptet Facius, rauer geworden. Die Polarisierung zwischen Traditionalisten und "Reformorientierten" habe sich verschärft. Diese Traditionalisten möchten "heiße Eisen" wie Zölibat, Frauen-Diakonat und Sexualmoral "fernhalten".
Heiße Eisen? Eher kältester Kaffee, der jedes Jahr ein bißchen mehr Null Grad Kelvin entgegenfröstelt. Wer sich die Reformriege ansieht, die sich dieser Themen widmet, wundert sich über diese Versammlung älterer ProfessorInnen knapp vor oder jenseits der Pensionsgrenze, garniert von gleichfalls älteren Damen in Violett und Batik, die in schrecklichen Klamotten Mahltische umtanzen, journalistisch hochgejazzt von zotteligen Journalisten mit Ho-Chi-Minh-Bart und Krankenkassenbrille.
Klar, die "Jugendlichen" sind ja auch für Frauenordination, Abschaffung des Zölibats und für die "Homosexualisierung der Gesellschaft" - sofern sie schon jenseits der vierzig angekommen sind.
Viel zu spät stellt sich der Papst an die Seite des schwarzen Blocks. Wie das obige Bild zeigt, hätten wir anno 1973 die Unterstützung der Schweizergarde dringend benötigt. (Gut, das Bild stammt aus dem Familienalbum, scheint so, daß mich der Schwarze Block einfach nicht losläßt)




