Dienstag, 20. Oktober 2009

Wir sind Päpstin!


Sönke Wortmann hat sich ja bisher vor allem mit Klamauk-Komödien ("Der bewegte Mann") und Fußballfilmen ("Das Wunder von Bern", "Deutschland - ein Sommermärchen") profiliert.
Nun also das Thema, daß die Menschheit - abgesehen von denen, die sich ernsthaft mit der Wissenschaft von der Geschichte unter spezieller Berücksichtigung der Kirchengeschichte beschäftigen - seit siebenhundert Jahren beschäftigt.
GAB ES EINE PÄPSTIN?
Donna Woolfolk Cross, die Autorin des Buches, das hier verfilmt wird, ist sich da ganz sicher. Jedenfalls hat sie ein paar dürre Sätze aus einer schmalen Legende aus dem 13. Jahrhundert zu einer hunderte Seiten dicken Schwarte aufgeblasen. Ganz genau kann sie die Päpstin beschreiben, und - tja - sie sieht so aus, und sie redet so wie eine Jung-Emanze, die sich gerade vor kurzem die gesammelten Werke von Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer reingezogen hat. Daß die Schauspielerin, die die Päpstin darstellt, kurz zuvor in einer Verfilmung die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin spielte, paßt doch. Schließlich ist die Päpstin Johanna so was Ähnliches wie die Gudrun Ensslin des 9. Jahrhunderts oder?
Dumm nur, daß die Legende von der "Päpstin Johanna" als ernstzunehmend nicht lange überlebte. Sie kann schon seit dem 17. Jahrhundert als wissenschaftlich eindeutig widerlegt gelten. Auch die neuere Geschichtsforschung hat an der Legende kein gutes Haar gelassen.
Aber richtige Literaten hemmt das ja keinesfalls in ihrer Schaffenskraft. Die Mischung von Sex, Gewalt und Papismus ist vor allem für nordeuropäische notabene nordamerikanische Schriftsteller einfach unwiderstehlich. Und so werden wir neben Schwulenfilmchen und Kickerromanzen auch immer wieder schwülstig-dramatisch-tränentriefende Hollywoodschinken über die Päpstin Johanna sehen - oder auch nicht. Zweieinhalb Stunden dauert der Film. Mir genügt der Trailer. Der reicht schon allein für die Vernichtung tausender Gehirnzellen.

Heute mittag, auf der Fahrt vom Knast ins Büro hörte ich eine inspirierende Interviewsendung über Wortmanns neuestes Produkt. Vorzugsweise wurde natürlich die Frau von der Straße angehört sowie irgendsoein volldebiles Filmsternchen. Wie sie schwärmen! Ein Frau auf dem Papstthron! Wie schön! Das könnte sich die katholische Kirche doch mal eine Lehre sein lassen.
Wir waren offenbar zu lange Papst. Jetzt will man in teutschen Land offenbar endlich wieder Päpstin sein.

Montag, 19. Oktober 2009

Ende der Eiszeit?

Erstmals seit vielen, vielen Jahren hat der Ortsbischof von Tarbes und Lourdes der Pius-Bruderschaft gestattet, im Anschluß an ihre traditionelle Lourdes-Wallfahrt ein Pontifikalamt in der Bsailika Pius X. zu zelebrieren. Offenkundig neigt sich die Eiszeit, die zur völligen Erstarrung in der Beziehung zwischen Bruderschaft und Weltkirche geführt hat, jedenfalls in Südfrankreich ihrem Ende zu.
Wie ich unser deutsches Episkopat einschätze, wird es wohl noch ein paar Jahrtausende dauern, bis die Gletscher auch hier auf dem Rückzug sind.
Nun hält man ja hierorts das Abschmelzen des ewigen Eises für ein Phänomen der sogenannten Klimakatastrophe. Ähnlich wird offenbar auch nur das allergeringste Entgegenkommen gegenüber den Traditionalisten angesehen, auch wenn diese - wie die Petrusbruderschaft - treue und ergebene Mitglieder der Weltkirche sind (Vielleicht ist ja auch genau das das Problem?).

Samstag, 17. Oktober 2009

Flower mit Power

Der beblümelte Herr in der Mitten sollte bekannt sein. Dr. Albert Malcom Ranjith Patabendige Don war bis vor kurzem Präfekt der Vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst. Am 16. Juni 2009 wurde Dr. Malcolm Ranjith zum Erzbischof der Diözese Colombo ernannt. Eine seiner ersten Amtshandlungen: einige offenkundig notwendige Verdeutlichungen hinsichtlich der würdigen Feier der Heiligen Messe. Bemerkenswert, nicht etwa, weil Dr. Ranjith da etwas grundstürzend Neues sagt, sondern weil es offenkundig notwendig ist, verbindliche liturgische Normen in klarer Sprache den Gläubigen und Geweihten zu Gehör zu bringen:
  1. Die Eucharistie ist die Feier des Pascha-Mysterium die uns als einzigartige Gabe durch Jesus Christus selbst geschenkt wurde. Jesus Christus selbst ist der Urgrund aller Liturgie der Kirche und aus diesem Grund ist die Liturgie göttlichen Ursprungs. Die Heilige Liturgie ist die Feier Seines priesterlichen Dienstes und ist deshalb nicht einfach ein menschliches Unternehmen und nicht einfach eine menschliche Erfindung. Tatsächlich ist es unzutreffend, die Liturgie eine bloße Zelebration des Lebens zu nennen. Sie ist viel mehr als dies. Die Liturgie ist der Höhepunkt und die Quelle aus der sich alle göttliche Gnade in Seine Kirche ergießt. Das Allerheiligste Mysterium hat der Herr in die Hände der Apostel gelegt, und die Kirche hat mit größter Sorgfalt über die rechte Feier des Mysteriums gewacht und sie über die Jahrhunderte bewahrt, sie hat dabei eine Heilige Tradition und eine Theologie begründet, die keinen Raum läßt für eine individuelle oder private Interpretation dieser Tradition. Deshalb hat kein Priester, sei er Diözesanpriester oder Ordenspriester oder sei er auch eingeladen, spezielle religiöse Programme von außerhalb der Diözese oder aus irgendeinem anderen Land auszuführen, die Erlaubnis, irgendetwas an dem Heiligen Ritus der Messe zu ändern, hinzuzufügen oder wegzulassen. Dies ist nichts Neues, sondern ist so festgelegt in Sacrosanctum Concilium, der Dogmatischen Konstitution der Heiligen Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahre 1963, No 22/3, dies ist nochmals bestätigt worden in vielen Dokumenten wie Sacramentum Caritatis No. 55 durch Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI oder durch Ecclesia de Eucharistia No. 52 von Papst Johannes Paul II, dem wir ein ehrenvolles Andenken bewahren.
  2. In diesem Zusammenhang sollten bestimmte Elemente der Heiligen Feier besonders hervorgehoben werden:
  • Es ist keinem Priester erlaubt das Eucharistische Hochgebet zu ändern oder zu improvisieren wie auch andere unveränderbare Gebete der Messe, auch dann nicht, wenn ein bereits vorhandenes Element der Liturgie ausgeführt oder ergänzt werden soll, etwa indem verschiedene Hymnen gesungen oder Erläuterungen beigefügt werden. Wir müssen verstehen, daß die Liturgie der Kirche eng verbunden ist mit ihrem Glauben und ihrer Tradition. Lex Orandi, Lex Credendi, das Gesetz des Gebetes ist das Gesetz des Glaubens! Es ist der Herr, der uns die Liturgie gab und niemand sonst, deshalb hat kein anderer das Recht, sie zu ändern.
  • Die sogenannten "Lobpreis" - Elemente sind während der gesamten Heiligen Messe nicht erlaubt. Unpassende und laute Musik, Händeklatschen, lange Einschübe und tänzerische oder pantomimische Einlagen , die die Nüchternheit und Ernsthaftigkeit der Zelebration stören. sind nicht gestattet. Es ist sehr wichtig, daß wir die kulturelle Sensibilität des srilankischen Volkes verstehen. Die Mehrheit um uns ist bhuddistischen Glaubens, die einen von tiefer Ehrfurcht und Ernsthaftigkeit geprägten Kult pflegt. Auch Muslime und Hindus lassen in ihrem Kult keine chaotischen Interaktionen zu. Außerdem wissen wir, daß in unserem Land eine starke Abneigung gegen fundamentalistische christliche Sekten besteht, und wir Katholiken sollten unter allen Umständen deutlich machen, daß wir uns von diesen Sekten abheben. Jedenfalls scheinen einige dieser sogenannten Lob- und Preis-Übungen eher den Praktiken dieser Fundamentalisten zu ähneln als denen der katholischen Kirche. Wir sollten auf unsere kulturelle Eigenständigkeit und Einfühlsamkeit achten.
  • Das Wort Gottes darf nicht willkürlich verändert werden und der Antwortpsalm muß gesungen werden und ist nicht durch meditative Hymnen zu ersetzen. Die kontemplative Dimension des Wortes Gottes ist von herausragender Bedeutung. In einigen dieser para-liturgischen Feiern neigen die Menschen heutzutage zu extremer Geschwätzigkeit und Lautstärke. Gott spricht - wir hören zu; und dieses Zuhören braucht Stille und Kontemplation statt Kakophonie und exaltierten Aktionismus.
  • Die Priester sollen das Wort Gottes predigen und zwar aus Anlaß der Feier des liturgischen Mysteriums. Laienpredigern ist es strengstens verboten, während der liturgischen Feiern zu predigen.
  • Die Allerheiligste Eucharistie ist mit größter Sorgfalt und größtem Respekt zu zelebrieren und nur durch die, die dazu autorisiert sind. Alle Zelebranten, seien sie ordentlich oder außerordentlich bestellt, müssen mit ordentlichen liturgischen Gewändern gekleidet sein. Ich empfehle allen Gläubigen, auch den Geweihten, daß sie die Heilige Kommunion ehrfürchtig knieend und auf die Zunge empfangen. Die Praxis der Selbst-Kommunion ist verboten, und ich bitte demütig alle Priester, die den Menschen erlauben, sich selbst die Kommunion zu geben, diese Praktiken sofort einzustellen.
  • Von allen Priester wird erwartet, daß sie sich an den vorgeschriebenen Ritus der Messe halten, so daß kein Raum bleibt für Vergleiche oder Konkurrenz zwischen verschiedenen Messen, die durch bestimmte Priester zelebriert werden, und die sich abheben gegen Messen, die durch den verbleibenden Rest der Priester zelebriert werden.
  • Das Tetragramm JHWH darf wegen seines sakralen Charakters in Gebeten oder Hymnen nicht ausgesprochen werden. In diesem Zusammenhang sollten wir uns an der Sensibilität der jüdischen Gemeinde orientieren, von der wir so vieles in unseren Gottesdienst übernommen haben.
  • Liturgische Segnungen sind ausschließlich den ordinierten Zelebranten vorbehalten, d.h. den Bischöfen, Priestern und Diakonen. Ein jeder mag für den anderen beten. Aber ich empfehle mit allem Ernst, keine Gesten zu gebrauchen, die Illusionen nähren, oder zur Verwirrung oder zu Fehldeutungen Anlaß geben. (Eigene Übersetzung)
Der englische Originaltext findet sich hier.

Freitag, 16. Oktober 2009

Darmstadt und seine Madonna

   Darmstadt ist - obwohl die Protestanten schon lange nicht mehr die Bevölkerungsmehrheit stellen - potzprotestantisch. Es scheint, als habe die Stadt ihre Tradition als Hauptstadt eines kleinen lutheranischen Ländchen gewissermaßen in sich eingesogen, als würden die Steine dieser Stadt noch über weitere Jahrhunderte den protestantischen Mief ausdünsten, den sie über die Jahrhunderte eingesogen haben. Wer das nicht weiß, und an Fastnacht in Darmstadt Fastnacht feiern will, kann da sein Aha-Erlebnis haben. (Man flüchtet über die Tage einer jahrhundertealten Tradition folgend ins benachbarte Dieburg, das dafür ebenso potzkatholisch ist, wie Darmstadt potzprotestantisch.) 
    Doch mitten in dieser Stadt fand sich ein von den Bürgern der Stadt verehrtes, ja geliebtes katholisches Bildnis, die Darmstädter Madonna. Im 16. Jahrhundert hat der letzte katholische Bürgermeister der Stadt Basel Hans Holbein d.J. beauftragt, ein wohl für eine Privatkapelle bestimmtes Marienbild zu malen, auf dem der Stifter, dessen lebende und dessen verstorbenen Ehefrau und dessen Tochter verewigt wurden.
    1822 erwarb ein preußischer Prinz das Bild, das dann Mitte des 19. Jahrhunderts nach einigen erbrechtlichen Verwicklungen in Darmstadt blieb. Zum großen Leidwesen der Darmstädter wanderte das Bild aufgrund komplizierter Erbstreitigkeiten im Jahr 2004 in das Städelmuseum in Frankfurt, wo es keinesfalls hingehört - davon sind die Darmstädter felsenfest überzeugt. Nun, die Erbstreitigkeiten sind offenbar zu lösen, und nun gibt es Hoffnung, daß dieses Bild wieder nach Darmstadt gelangt, nicht in das Stadtschloß wo es in einer fast sakralen Umgebung über mehr als ein Jahrhundert zu sehen war, sondern in das benachbarte Landesmuseum. Ich hab jedenfalls ganz heimlich ein paar Gesätze geopfert, damit das Bild wieder dahin kommt, wo ich es jedes Jahr mehrmals besucht und besichtig habe.
   Darf man das?
   

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Teresa die Wunderschöne

Dieses Bild meiner Lieblingsheiligen mußte heute sein. St. Teresa als junge Frau. Francois Gérard hat sie so im 19. Jahrhundert gemalt. Nach Berninis Skulptur der Ekstatikerin ein Bild von Teresa als überirdisch-mystischer Engel von seraphischer Schönheit.
Francois hat sich seine Brötchen ansonsten mit anmutig-erotischen Bildern junger Damen in durchsichtigen Empire-Kleidchen verdient, und nicht zuletzt mit Bildern Napoleons in imperialer Pose. Auch Talleyrand, der womöglich genialste Wendehals der Geschichte, war sein Kunde.
Dies ist nun eines seiner letzten Bilder. Als er es malte, war Francois schon 57 Jahre alt. Das bild entstand am Ende seines Lebens. 10 Jahre später starb er. Seine Zeit, nicht nur seine Lebenszeit, sondern auch seine Epoche, die Epoche des Klassizismus, des Empire, der Revolution und der Restauration war zuende. Gérard war unmodern geworden, aber in diesem Bild, eines der bekanntesten und schönsten von Teresa scheint schon die neue Zeit auf, die Zeit der Romantik.