Elsa hat liebenswürdigerweise ihren wundervollen Artikel über die bekannteste Heilige des heutigen Tages auf ihrem blog veröffentlicht, so daß hier Raum bleibt, über eine andere Heilige zu schreiben, deren Gedenktag ebenfalls der 6. Juli ist, und die eine gewisse Verwandtschaft mit der Heiligen Maria Goretti zeigt.
Auch die Heilige Godelieve (der Name ist die niederdeutsche Variante des Frauennamens Gottliebe) wurde von einem Mann mißhandelt und umgebracht, und wie die Heilige Maria Goretti hat sie ihren Mörder gesegnet und mit ihrer Güte und Liebe zur Umkehr bewegt.
Die Geschichte spielt in einer anderen Zeit, vor tausend Jahren. Godelieve war die Tochter eines flämischen Edelmannes. Wie die Legende berichtet, war sie von frommer Gesinnung, sie war schön, gütig, großzügig zu den Armen. Viele junge Adelige hielten bei ihrem Vater um ihre Hand an, doch Godelieve lehnte ihre Werbung ab, sie sehnte sich danach, eine Nonne zu werden. Einer der Freier, Bertolf von Gistel, ließ sich aber nicht abweisen, und da sie ablehnte, sorgte er dafür, daß der Herzog von Boulogne ihren Vater Hemfried dazu zwang, ihrer Heirat mit ihrem unnachgiebigen Verehrer zuzustimmen.
Bertolf brachte also Godelieve als Braut auf sein Familienschloß in Gistel, in der Nähe des Hafens von Oostende. Kaum verheiratet, begann Godelieves Leidensweg. Die Mutter Bertolfs hatte nämlich andere Pläne mit ihrem Sohn, und so brachte sie Bertolf dazu, Godelieve noch vor dem Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten zu verstoßen. Bertolf überließ Godelieve seiner Mutter, die sie auf dem Schloß, dessen Hausherrin, technisch gesehen, eigentlich Godelieve selbst war, in ein winziges Zimmer sperren ließ. Godelieve wurde wie eine Sklavin gehalten, erhielt nur minimale Essensrationen aus Essensresten und wurde gezwungen, niedrige und schmutzige Arbeiten zu verrichten.
Godelieve gelang es schließlich, aus dem Schloß zu flüchten und zu ihrem Vater zurückzukehren. Nachdem ihr Vater sie dazu gebracht hatte, die Gründe für ihre Rückkehr zu berichten, beschwerte sich Hemfried bei dem Herzog von Flandern und dem Erzbischof von Tournai. Beide, die weltliche und die geistliche Macht des Landes, zwangen daraufhin Bertolf, seine Frau zurückzunehmen, und forderten ihn auf, sie von nun an anständig und würdig zu behandeln.
Bertolf und seine Mutter beugten sich zwar der Forderung der weltlichen und geistlichen Macht, heuchtelten Reue und gelobten Besserung, aber Godelieve hatte nach ihrer Rückkehr kein besseres Leben unter dem selben Dach mit einem Mann und einer Schwiegermutter, denen sie verhaßt war. Godelieve wurde weiter mißhandelt und nur wenige Monate nach Ihrer Rückkehr plante Bertolf die Beseitigung seiner lästigen Ehefrau. Bertolf arrangiert die Ermordung seiner Frau, und verließ dann das Schloß zu einer Reise nach Brügge. Godelieve wurde unter einem Vorwand aus dem Schloß gelockt, die beiden von ihrem Mann gedungenen Mörder strangulierten die junge Frau und ertränkten sie in einem Tümpel. Dann brachten sie die Leiche zurück in das Schloß, und legten Godelieve in ihr Bett.
Bertolf ließ trotz der offenkundigen Ermordung seiner Frau verbreiten, Godlieve sei eines natürlichen Todes gestorben. Unmittelbar nach dem Tod seiner Frau beeilte sich der "Witwer", erneut zu heiraten. Das Grab seiner Frau aber entwickelte sich zu einer Wallfahrtsstätte. Godelieve, die schon zu Lebzeiten von ihren Untertanen verehrt wurde, wurde nun als Märtyrerin verehrt.
Die zweite Ehefrau Bertolfs starb nach der Geburt einer Tochter. Das Kind war seit seiner Geburt blind. Die zweite Ehefrau Bertolfs wurde neben Godelieve begraben. Eines Tages betete Bertolfs blindeTochter vor dem Grab Godelieves in der Meinung, es sei das Grab ihrer Mutter. Als sie dabei um Gesundung von ihrer Blindheit bat, wurde ihr die Augen geöffnet, und sie sah, daß sie vor dem Grab Godelieves kniete.
Die Verehrung des Volkes für Godelieve war durch ein Wunder bestätigt. Bertolf bewegte dieses Wunder endlich dazu, sich zu seiner Schuld zu bekennen. Bertolf begab sich nach Rom, um um Absolution für sein furchtbares Verbrechen zu bitten. Nach einer Pilgerschaft in das Heilige Land ging er in das Kloster Bergues-St.-Winnoc, um dort sein Leben als Büßer und Beter zu beenden.
Godelieve gilt als die "Heiligste Frau Flanders" sie wird bei Halserkrankungen angerufen, aber auch bei Familienproblemen. Das Bild stellt einen Ausschnitt aus dem Godelieve-Altar dar.




