Sonntag, 7. August 2011

Wer die Alte Messe hört, der frißt auch kleine Kinder


Kann man sich eigentlich eine unchristlichere Tat vorstellen, als die Ermordung dutzender Kinder und Jugendlicher? War die Tötung eines Kindes nicht aus Sicht christlicher wie im übrigen auch islamischer Tradition nicht die denkbar verachtenswerteste Untat? Unterschieden sich die Christen der Antike von ihrer Umgebung nicht dadurch, daß sie Kindern das Lebensrecht zusprachen? Heißt es nicht im Diognet-Brief
Sie heiraten wie alle und zeugen Kinder, jedoch setzen sie die Neugeborenen nicht aus.
Daß sich der Massenmörder Breivik im Ernst auf das Christentum berufen kann, nimmt eigentlich keiner an, der noch alle Tassen im Schrank hat. Was nun nicht heißt, daß man den Massenmord des christlich kostümierten Freimaurers Breivik nicht für so manche nützlichen Zwecke einsetzen kann. Auch die Memorandistin Saskia Wendel konnt es sich offenbar nicht verkneifen, bei Gelegenheit den katholischen Traditionalisten, und ein bißchen auch dem Papst eine reinzuzwiebeln. Das fängt ganz harmlos an:
DIE ZEIT: Wie sieht Breiviks ideale Kirche aus? 
Wendel: Er fordert nicht nur eine Revitalisierung des Christentums, sondern auch eine konservative Revolution der katholischen Kirche. Er will die Öffnungen, die das Zweite Vatikanum in den sechziger Jahren vollzogen hat, rückgängig machen und den alten Exklusivismus ins Recht setzen. Extra ecclesiam nulla salus: Die katholische Kirche ist die einzig wahre Kirche. Er kritisiert ihr Bekenntnis zur Religionsfreiheit und die Öffnung zum Islam. 
DIE ZEIT: Damit steht er aber nicht allein. 
Wendel: Nein, das sind klassische Topoi des katholischen Traditionalismus. Breivik hat zutiefst antimoderne Einstellungen etwa zur Abtreibung, zur Empfängnisverhütung, zur Geschlechtergerechtigkeit. Deshalb polemisiert er auch gegen Frauenordination und gegen die Anerkennung von Homosexualität durch die Kirche. Er lobt den Reichtum der Liturgie und die apostolische Sukzession, setzt die Autorität des katholischen Lehramtes gegen beliebige Deutungen der Schrift und betont die Unfehlbarkeit des Papstes.
Das Verbot der Abtreibung, wie auch der künstlichem Empfängnisverhütung, die Ablehnung der Homoehe wie auch der Frauenordination sind also "Topoi des katholischen Traditionalismus". Das war uns nun als Kenner der Position der Memofreis nicht wirklich neu. Aber das war ja noch nicht alles:
Konservative Katholiken, die viele von Breiviks Ansichten teilen, sind deshalb noch keine Fundamentalisten. Aber es gibt durchaus eine fließende Grenze. Mit Furcht vor Freiheit und Pluralität fängt es an, und wenn dann noch ein überzogenes Sendungsbewusstsein ins Spiel kommt, wenn das staatliche Gewaltmonopol nicht mehr anerkannt wird, wenn aus religiösen Überzeugungen direkt politische Forderungen abgeleitet werden – dann wird die Grenze zum Fundamentalismus überschritten. Bei bestimmten traditionalistischen Gruppierungen in der katholischen Kirche gibt es womöglich auch antidemokratische Einstellungen. Sollte hier ein Gewaltpotenzial entstehen, muss der Staat seine Schutzfunktion erfüllen. Das sind dann keine rein innerkirchlichen Angelegenheiten mehr.
Die Gründung der KAF, der Katholischen Armee Fraktion steht also unmittelbar bevor. Und es gibt eine fließende Grenze zum "christlichen"Terrorismus. Kenn ich. Als politisierender Student lebte ich mal ganz nahe an einer fließenden Grenze (zur RAF). Und sah eines Tages in die Mündung einer  HK MP5.

Und dann dieser "Jargon der Eigentlichkeit".  Da gibt es "womöglich auch" antidemokratische Einstellungen. Warum so zögerlich? Sagen wir es doch rund heraus, Zeit ist Sesterz. Wenn aus religiösen Überzeugungen politische Forderungen abgeleitet werden, dann ist da schon Fundamentalismus. Das gilt dann für die gesamte katholische Kirche, die Abtreibung als Verbrechen ansieht, die Homoehe ablehnt, die künstliche Befruchtung als widernatürlich ansieht, Euthanasie und vorgeburtliche Selektion ablehnt und und und.

Vor allem der Plural "Gruppierungen" macht mich neugierig. Da wüßte ich doch gerne mehr. Wer sind sie, die "Gruppierungen", gegen die "uns" der Staat schützen muß? Daß die Piusbruderschaft dazu gehört, kann man aus diesem Interview ohne Mühe herauslesen. Da sind sich Interviewer und Interviewte offenkundig gänzlich einig. Aber wer noch? Die Petrusbruderschaft? Die Lebenschützer? Die Anhänger der Alten Messe? Gregorianische Scholen? Die Unterzeichner der Petition "Pro Ecclesia"? Die Mitglieder von "Pro Sancta Ecclesia? Die Leser des Vatican Magazin? Matthias Matussek? Martin Mosebach? Das Priesternetzwerk? Die Blogozese? Auf alle paßt der Steckbrief, den die "Zeit" und die Frau Theologin entwickelt haben. Auch auf den Papst. Auch wenn der großzügigerweise noch nicht zum Bewohner der fließenden Grenze gemacht wird.

Khmer mauve - Der Juchtenkäfer als Objekt der Anbetung


Den Nachgeborenen muß man das wohl erklären. In den 70igern trugen die französischen Grünen, die Verts, damals noch radikaler misantrophisch als heute "Khmer verts". Sie wollten, so unterstellte man den Grünen damals keineswegs zu unrecht, wie die Khmer Rouge das Land deindustrialisieren und eine primitive, autoritär strukturierte Ökodiktatur errichten. Die Assoziation mit dem Massenmord der Roten Khmer war gewollt.

Eine Beschimpfung, die die "Verts" locker nahmen. Waren sie doch selbst zu nicht unerheblichen Teilen wenige Jahre zuvor noch "bei den Maos" und damit Anhänger eben dieser Khmer Rouge. Auch diesseits des Rheins sah es ja nicht besser aus. Schickte die Partei, der der heutige grüne Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg Anfang der 70iger Jahre noch angehörte,  der KBW, nicht noch 1979 nach dem Sturz des massenmörderischen Pol-Pot-Regimes Solidaritätsadressen an das von den kommunistischen Massenmördern der Khmer rouge repräsentierte "Demokratische Kampuchea", zu einem Zeitpunkt also, zu dem der mörderische Charakter des Regimes jedem Zeitungsleser bekannt sein mußte?

Was aber machte die mörderische Radikalität dieses Regimes eigentlich aus? Es war, so sehe ich das als ehemaliger "Mao" und langjähriges Mitglied der Deutschen "Verts", die diesseitsorientierte Erhebung einer politischen Vision zu einer Quasireligion. Der politische Chiliasmus, der das Paradies auf Erden errichten will, und stets im Massenmord endet.

Christen sollten gegen die religiöse Überhöhung der Politik gefeit sein. Machen sie aus jeder alltagspolitischen Entscheidung eine von Glauben oder Nichtglauben, sollten sie sich fragen, woran sie wirklich glauben. Begründetes Mißtrauen ist stets dann angebracht, wenn Mitchristen politische Entscheidungen wirklich jeder, vor allem alltagspolitischer Art direkt aus ihrem "Glauben" begründen wollen. Allen voran Heiner Geißler, auch so ein BaWü-Aktivist, der ja immer genau weiß, was Jesus Christus heute sagen würde. Und daß Jesus Christus, genau so wie Heiner Geißler, auch für die Finanztransaktionssteuer wäre.

Aber der Geißlerismus ist durchaus steigerungsfähig, zum Beispiel so:
1. S21 ist ein Projekt menschlicher Überheblichkeit 
Das Gebot, Gottes Schöpfung zu bebauen und zu bewahren (1.Mose 2,15), schließt menschliche Selbstherrlichkeit aus. Darauf weist die biblische Tradition in vielfältiger Weise hin, beginnend mit der Überlieferung vom Turmbau zu Babel (1.Mose 11). 
Für S21 muss ein gigantischer Aufwand an Tunnelbauten und Maßnahmen zum Schutz von Mineral- und Grundwasser betrieben werden, ohne dass dem ein entsprechender zusätzlicher Nutzen gegenüber stünde. 
Wir setzen uns dafür ein, daß technologischer Fortschritt nicht als Selbstzweck gilt. Komplexe, beim Bau und im Betrieb störanfällige, risikobehaftete Technologien ohne nennenswerten Nutzen lehnen wir ab.
Aus 1.Mose 2,15 und 1. Mose 11 folgt also zwingend, logisch und unmittelbar, daß wir die Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs ablehnen müssen. Ersetze Stuttgart 21 durch "Eisenbahn", verlege die Auseinandersetzung vom 19. ins 21. Jahrhundert und du weißt, wes Geistes die Theologeriche und Theologeusen sind, die diesen Unsinn verzapfen.

Ich habe ja mal nachgesehen, ob unter den Unterzeichnern etwa katholische Memorandisten zu finden sind und bin nicht fündig geworden. Irgendwie beruhigend, daß die Selbstsäkularisierung der LilaPausenKirche noch weit fortgeschrittener ist als die des modernistischen Flügels der Deutschen Katholiken.

Eher beunruhigend, daß es nach den Khmer Rouge, den Khmer Verts nun auch noch noch die Khmer Mauve gibt.

Was es mit dem Juchtenkäfer auf sich hat, läßt sich hier nachlesen.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Alipius in Allerhöchstform


Der ultimate Beitrag u.a. aber nicht nur zum Dialogprozeß. Zwerchfellerschütterndst. Unbedingt ansehen.

Dienstag, 12. Juli 2011

Ecclesia sedens



"Die Regisseure des Gesprächsforums hatten die Teilnehmer an 39 runden Tischen mit je acht Stühlen platziert" So schreibt die "Welt" am Montag.

Ganz abgesehen davon, daß ich stets die Krise kriege, wenn ich Schlechtschreib wie "platziert" lese, die Ergebnisse des Dialogprozesses bestätigen die These daß nicht nur die Form der Funktion, sondern auch die Funktion der Form folgt. Bei Elsa läßt sich nachlesen, was aus diesen 39 Stuhlkreisen an Inhaltlichem hervorgebracht wurde - 37 Thesen. Es sind, wenn man vom üblichen nichtssagenden Theospeak absieht, die üblichen Forderungen der sogenannten Reformbewegung. Diese 37 Thesen, das ist wirklich alles, was die Elite des deutschen Gremienkatholizismus zu Stande bringen kann.

Sind das unsere 300 Besten? Die unter Millionen deutscher Katholiken erlesene Elite des deutschen Katholizismus? Wenn es so ist, dann wird es Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wer in unserer deutschen Abteilung der Weltkirche was aus welchem Grunde "wird". Wie sich Zentralkommitees rekrutieren habe ich als studierter Jurist in mühseliger Kleinarbeit rekonstruiert. Die Satzungen sagen mir, daß es der wird, der denen dies schon sind, jedenfalls nicht in die Suppe spucken wird. Alles weitere besorgt der Zeitgeist, der jeglicher Demokratur ja schließlich wesensgemäß ist. Da versammeln sich demnach nicht die Katholischen, sondern die vom antirömischen Affekt seit jeher Infizierten.

Es besteht also kein Anlaß, sich zu wundern. Vielmehr besteht Anlaß, eine Marschkapelle zu gründen. Diese sollte bei der nächsten Versammlung mit Pauken, Trommeln und Trompeten den Versammlungssaal umrunden und ad infinitum folgendes, von den Verirrungen der 70iger Jahre bereinigtes Marschlied  aufspielen (Vielen Dank für den Text und die Idee, Superpelliceum):

Ein Haus voll Glorie schauet
weit über alle Land,
aus ew'gem Stein erbauet
von Gottes Meisterhand.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Gar herrlich ist's bekränzet
mit starker Türme Wehr,
und oben hoch erglänzet
des Kreuzes Zeichen hehr.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Wohl tobet um die Mauern
der Sturm in wilder Wut;
das Haus wird's überdauern,
auf festem Grund es ruht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Ob auch der Feind ihm dräue,
Ansturm der Hölle Macht:
Des Heilands Lieb und Treue
auf seinen Zinnen wacht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Dem Sohne steht zu Seite
die reinste der Jungfraun;
um sie drängt sich zum Streite
die Kriegsschar voll Vertraun.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Viel tausend schon vergossen
mit heil'ger Lust ihr Blut;
die Reihn stehn fest geschlossen
in hohem Glaubensmut.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Auf eilen liebentzündet
auch wir zum heil'gen Streit;
der Herr, der's Haus gegründet,
uns ew'gen Sieg verleiht.

Gott! Wir loben dich.
Gott! Wir preisen dich.
O laß im Hause dein
uns all geborgen sein!

Aktion Jericho. Wird Zeit, daß wir der Ecclesia sedens den Marsch blasen. Ich spiele wahlweise Kesselpauke oder Snaredrum.

Die Kapelle braucht ein bißchen, bis sie endlich loslegt, also Geduld. Die Kapelle steht in der Tradtion des Husarenregiments Alexander II. von Rußland (Erstes Westfälisches, was auch die Musikauswahl erklärt). Der Text bestätigt, daß es Zeit wird, das Gotteslob endlich einzustampfen. Das, nachdem es in den letzten Jahren im Sinne der inclusive language gendermäßig durchgearbeitet worden ist, sowieso in GöttInnenlob umbenannt werden sollte.
Der katholischen Tradition zufolge und seit dem Konzil von Florenz 1439 kennen wir die Ecclesia militans, die Ecclesia triumphans und die Ecclesia penitens. Mit der Ecclesia sedens haben wir also nichts zu tun.

Sonntag, 10. Juli 2011

PID, die Neue Heimsuchung


Bevor sich jemand wundert, warum ich einen Beitrag über das PräimpG des ehemaligen evangelischen Pfarrers Peter Hintze u.a. mit einer Darstellung der "Visitatio Mariae" illustriere, ein kleines Rechenexempel. Von dem Evangelisten Lukas wissen wir, daß Maria wenige Tage nach der Verkündigung ihre Verwandte Elizabeth besuchte, die zu diesem Zeitpunkt mit Johannes dem Täufer im 6. Monat schwanger war. Diese wenigen Tagen berechnet die lateinische Kirche nicht, die Feier der Visitatio als Abschluß der Oktav von Fronleichnam ist ein symbolischer Termin. Die Ostkirche allerdings geht davon aus, daß zwischen Verkündigung und Heimsuchung 5 Tage lagen. Jesus Christus, wahrer Mensch, befand sich zu diesem Zeitpunkt morphologisch gesehen im Zustand des Wandels von einer Zygote zu einer Blastozyste, kurz vor der Nidation in die Gebärmutter der seligen Jungfrau Maria.

Eine strafrechtlich gesehen wesentliche Etappe, denn die Verhinderung der Nidation, der Einnistung der Blastozyste in die Gebärmutter, ist seit 1974 keine Straftat mehr, was die Pille, die Mini-Pille, die Spirale und die Pille danach legal macht. Abtreibung ist gesetzlich - allerdings erst seit den Tagen der glorious sexual revolution - als Abtreibung eines Embryos nach der Nidation definiert. Davor ist der menschliche Embryo selbst nach Auffassung unserer Verfassungsgerichts kein menschliches Wesen, dem das Grundrecht auf Leben zukommt.

Die Bibel definiert menschliches Leben offenkundig anders. Jesus Christus ist von Anfang seiner Menschwerdung an wahrer Mensch, und am Hochfest der Heimsuchung feiern wir nicht den Jesus blastozystus, sondern den Herrn. Auf vielen Ikonen, aber auch auf Bildern westlicher Künstler, zeichnen die Ikonenschreiber und Maler Jesus Christus, den Herrn, aufrecht stehend den knienden Johannes den Täufer segnend.

Fünf Tage alt waren auch die Embryonen an denen der Arzt Matthias Bloechle eine Blastozytenbiopsie durchführte, um jeweils festzustellen, ob diese Blastozysten Chromosomenanomalien aufwiesen. An insgesamt neun Embryonen nahm er diese Operation vor, 3 Embryonen durften leben, 5 Embryonen mußten sterben, von der Lebendgeburt eines Kindes wird nur einmal berichtet. Der BGH hielt diese Praxis für legal. Bloechle erstattete nach seiner "Pioniertat" Selbstanzeige. Das weitere Prozedere ist bekannt.

Das PräimpG ist Peter Hintzes Gesetz. Hintze ist der spiritus rector dieses Verfahrens. Wahrscheinlich nicht obwohl, sondern vielmehr gerade weil Hintze der Partei mit dem großen C angehört. Nicht obwohl, sondern gerade weil Hintze von Beruf, und vielleicht sogar einmal von Berufung evangelischer Pastor war. Auch unserer Herr Bloechle ist nach eigenem Bekenntnis gläubiger lutheranischer Christ. Und wie Ex-Pfarrer Hintze seinen Gesetzesentwurf mit der christlichen Nächstenliebe begründet, so begründet der Sohn eines evangelischen Pastors und bekennender Lutheraner Bloechle seine Haltung mit der "Gewissensfreiheit", beruft sich auf Kant und Martin Luther. Daß Bloechle auch noch ein Forum bei "evangelisch.de" bekommt, ist ja schon interessant und gibt Hubers Begriff von der Kirche der Freiheit ein ganz eignes Gschmäckle, notabene einen hautgout, um es in klarem Deutsch zu sagen.

Wie viele Parlamentarier, die für die Legalisierung der PID stimmten, haben ihr Gewissen wohl damit beruhigt, daß doch wohl nicht sittlich verwerflich sein kann, was von einem protestantischen Pastoren und einem evangelischen Pfarrerssohn gutgeheißen wird, ja gar noch als Akt der Nächstenliebe und als Ausdruck der Gewissensfreiheit anzusehen ist? Die Redebeiträge der meisten Parlamentarier, die sich zu diesem Thema geäußert haben, kann man übrigens hier sehen und hören. Auch Hintzes Beitrag, der von der Nächstenliebe handelt. Was sich auch sehr gut beobachten läßt, sind die leeren Abgeordneten-Sitze der Abgeordneten die offenbar Wichtigeres zu tun hatten, als dieser angeblichen "Sternstunde" des Parlaments beizuwohnen.

Daß nun Hintzes Entwurf noch viel weiter geht, als der BGH und Bloechle - bei Bloechle ging es um Embryonen, die nicht lebensfähig waren - soll nicht unerwähnt bleiben. Ich empfehle den Beitrag des Abgeordneten Henke, übrigens Vorsitzender des Marburger Bundes, der Vereinigung der deutschen Klinikärzte. Der Arzt Henke sorgt sich, wie viele andere Ärzte, ob nicht die PID bei der In-Vitro-Fertilisation durch die Legalisierung der PID zum Standardverfahren werden könnte. Ob nicht das Screening auf praktisch alle Arten der Behinderung ausgedehnt werden könnte.

Ob es eine Rolle spielt, daß Hintze Protestant, Henke Katholik ist? Wenn man sich die Zahlen ansieht, durchaus. Von 111 katholischen CDU-Abgeordneten, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, haben 92 gegen und 19 für die Zulassung der PID gestimmt. von den 79 protestantischen Abgeordneten 39 für Hintze und 40 dagegen. Daß der Hugenottensproß De Maizière gegen Hintze stimmen mußte, kann man schon bei Max Weber nachlesen.

Ursula von der Leyen, die sich in der Debatte für Hintzes Entwurf einsetzt, hat sich kurz davor für die erneute Bezuschußung der IVF durch die Krankenkassen eingesetzt. Nachdem alle anderen Maßnahmen zur Vermehrung der Geburten wohl nichts gefruchtet haben. Damit hätte wir dann eine im wahrsten Sinne höllische Mischung. Die Übernahme der Kosten der IVF durch die Krankenkassen hat die Zahlen im Jahre 2007 auf mehr als 30.000 steigen lassen. Die IVF ist eine Tortur. Warum diese Tortur auf sich nehmen, wenn man nicht gleichzeitig die Garantie auf ein gesundes Kind hat? Dafür gibt es nach der Legalisierung der PID keinen Grund. Also wird die PID zum Standardverfahren bei jeder IVF werden. Der Widerstand der Ethikkommissionen - wenn sie überhaupt Widerstand leisten - wird schnell abgeräumt werden. Die Klientel ist klagefreudig.  Die Justiz ist willig.

Dann rechnen wir zum Schluß noch einmal. Die Baby-take-home-rate, das Zahlenverhältnis zwischen den eingesetzten befruchteten Eizellen und den Lebendgeburten beträgt 1:32. Nur jede vierte Frau wird nach der Kombination IVF plus PID schwanger. Um eine größere Zahl auszuwählender Embryonen zu haben, werden nach internationalen Standards 8 bis 12 Embryonen bei jedem Versuch befruchtet. Da müßte man in Deutschland allerdings das Emryonenschutzgesetz noch ändern. Wird kommen, jede Wette, die Dämme sind nun endgültig gebrochen.

Die Todesrate liegt damit bei 30.000 mal (mindestens) 8 minus 7500 (Geburten) im worst case scenario. Das bedeutet mehr als 200.000 tote oder "überflüssige" Embryonen. In der Bundestagsdebatte sprach man von wenigen hundert Fällen. Hab ich mich etwa verrechnet? Zählt man die 200.000 "diskreten" Abtreibungen durch Pille, Spirale etc. dazu und die mehr als 100.000 "offiziellen" Abtreibungen, werden dann bald mehr als eine halbe Million ungeborene Kinder per anno sterben müssen. War da nicht von "Nächstenliebe" und "Gewissen" die Rede?