Sonntag, 7. Februar 2016

Bonhoeffer zum Beginn der Fastenzeit

 

Alle wirklich bedeutenden religiös denkenden Menschen waren sich immer in einem einig: Religion ohne Opfer ist religiös kaschierte Sünde. Für Mahatma Ghandi gehörte "worship without sacrifice" zu seine berühmten "Seven social sins". Unser Pfarrer hat heute in der Predigt zu Quinquagesima - dem letzten Sonntag vor der Fastenzeit - Dietrich Bonhoeffer zitiert:
Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird: Gnade ohne Preis, ohne Kosten. 
Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als etabliertes System: das bedeutet Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, das heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee: Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung der Sünden. Die Kirche dieser Gnadenlehre ist durch diese Gottesidee schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. 
Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. 
Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus. 
Dagegen ist teure Gnade der verborgene Schatz im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die köstliche Perle, für deren Preis der Kaufmann alle seine Güter hingibt; die Königsherrschaft Christi, um derentwillen sich der Mensch das Auge ausreißt, das ihn ärgert; der Ruf Jesu Christi, auf den hin der Jünger seine Netze verlässt und nachfolgt. Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die geklopft werden muss.
Teurer ist sie, weil sie in die Gnade ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, teurer ist sie, weil sie ihm so erst das Leben schenkt… Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat (“Ihr seid teuer erkauft” 1.Kor 6,20), und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes: Teuer ist die Gnade, weil sie den Mensch unter das Joch der Nachfolge Jesu Christi zwingt, Gnade ist es, dass Jesus sagt: “Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.” (Mt 11,30)

Montag, 13. Mai 2013

Weiter gehts mit "Thermometer"

Auf diesem Blog gibt es seit einiger Zeit keine Einträge mehr, das Bloggen habe ich nicht aufgegeben, aber es mit anderer Akzentsetzung weiter mit "Thermometer"

Samstag, 3. März 2012

"Nachgeburtliche Abtreibung"

na logisch: Bitte hier klicken.

Noch immer grüble ich


über die Frage, wie es wohl blogozesisch gesehen für mich weitergeht. Vielleicht so?

Jedenfalls ganz ohne Blogozese wird's nicht gehen. "Materamata" aber wird es so nicht mehr geben, in einigen Wochen werde ich den Blog löschen. Weiter geht es mit "Thermometer".

Klingt nicht sonderlich katholisch, (die Webadresse lautet allerdings, weil "Thermometer" schon vergeben war, kathermometer.blogspot.com, hat also gewisse Anklänge). Thermometer ist ein programmatischer Blog, er hat also ein Thema. Allgemein gesagt geht es mir um das Verhältnis von Freiheit und Religion, genauer um Katholizismus und Freiheit.
Meine Herren, es gibt nur zwei Arten möglicher Unterdrückungen: die eine, die innerlich ist, und die andere, die äußerlich ist: die religiöse und die politische. Die sind aber solcher Natur, daß, wenn das religiöse Thermometer hoch steht, das Thermometer der Unterdrückung tief steht, und wenn das religiöse Thermometer niedrig steht, dann steht das politische Thermometer, die politische Unterdrückung, die Tyrannei hoch.... Die Freiheit, die wahre Freiheit, die Freiheit aller und für alle, kam nicht in die Welt, als mit dem Retter der Welt. ... Mit Jesus Christus, mit dem die religiöse Unterdrückung beginnt, verschwindet die politische Repression vollkommen. (Juan Donos Cortéz, Rede über die Diktatur)
Freiheit ist ja "kein Thema" mehr, wie wir bei der Kür des Präsidentenkandidaten Gauck gehört und gelesen haben. Fast verächtlich heißt es, der Mann "könne ja nur Freiheit", der Mann ist also das "Single-Point-Movement", wohl bald an der Spitze des Staates. Erstaunlich, daß in einer Zeit, deren Apologeten und Hohepriester doch behaupten, sie sei die freiheitlichste aller Zeiten, das Thema Befreiung als abgestanden gilt.

Das Thema gilt als gegessen, weil wir doch in der besten, der freiesten, der tolerantesten aller Welten leben. Doch gerade Menschen wie ich, die in den Zeiten aufgewachsen sind, die, wenn wir Jürgen Tritten reden hören, doch die intoleranteste und "repressivste" der Nachkriegsepoche war, wo der "katholische Mief" herrschte, um es mit Günther Grass Worten zu sagen, wo schon pubertierende Jugendlich unter der "repressiven Sexualmoral der katholischen Kirche" leiden mußten, wie der Prophet der sexuellen Befreiung Reimut Reiche zu schreiben pflegte, reiben sich die Augen.

Ich stelle mir manchmal vor, daß da wirklich ein Mensch vor 50iger Jahren eingefroren wurde, und heute aufwacht. (Einer meiner Lieblingsfilme ist "Der letzte Gentleman", der handelt von diesem Thema.) Was würde er sehen und was darüber denken? Daß man sich nicht einmal ein Zigarette kaufen kann, ohne einen prohibitiven Preis dafür zu zahlen, daß Aufklärungsparolen auf den Packungen abgedruckt sind, die ihre Käufer zu unbelehrbaren Idioten erklären?

Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit. Hätten sies gewußt?

Autofahren ohne Gurt, Motorradfahren ohne Helm, Zigaretten ohne Filter, ja sogar ungefilterte Meinungen ohne die allgegenwärtige Zensur der political correctness. Es gab sogar noch "rechte" Zeitungen, ohne daß die Antifa den Kiosk anzündete, die FAZ war noch das Zentralorgan des deutschen Konservativismus, der Springerkonzern galt als Speerspitze des freien Journalismus und keiner wollte Axel Springer enteignen.

Eine der Zigarettenmarken, die selbst der radikallibertäre Citoyen und sogar mit Vorliebe (weil französisch und schwarz und stark) paffte, nannte sich "Gitanes", "Zigeunerin", gleich drei Sakrilege auf einmal. Erstens schwarzer Tabak, zweitens sexistische Werbung, drittens rassistische Diskriminierung. Gibt es die Zigarettenmarke noch? Oder hat der Zentralrat der Sinti und Roma sekundiert von Alice Schwarzer und finanziert von der ökostalinistischen ödp schon vor dem EGMR Klage eingereicht?

Man konnte noch unbefangen Zigeunerschnitzel bestellen, mit Juddeförtz knallen und vom schmalen Taschengeld am Kiosk sich einen Negerkuß kaufen, Der Struwwelpeter galt noch nicht als "schwarze Pädagogik" und in Grimms Märchen wurde manchesmal die böse Schwiegermutter auf inhumane Weise ums Leben gebracht. Heute reicht die Zensur schon bis in die Kinderbücher.

Die Liste dessen, was der/die BürgerIn vor einem halben Jahrhundert noch ungestraft durfte, und was er heute keineswegs darf, nicht einmal sagen, nicht einmal denken darf, ist lang. Und Cortez These, daß der Mangel an Religiosität (eigentlich: an katholischer Glaubenstärke) mit einem Mangel an Freiheit und einem Maximum an Despotie korrespondiert, ist augenscheinlich wahr. Das Thermometer der Politik zeigt Fieberwerte, das der Religion zeigt: lau.
Und dem Engel der Gemeinde von Laodizea schreibe: Das sagt der ‚Amen‘, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Ursprung der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiss bist. Ach, dass du kalt oder heiss wärst! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch heiss, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. (Off. 3, 14-16)
Also ran ans Thermometer. Messen wir mal. Kalt, lau, warm, heiß?

Sonntag, 26. Februar 2012

Blogpause? Nicht wirklich.

Auf diesem Blog hat sich einige Zeit lang wenig getan. Grund ist (auch) meine Überlastung mit beruflichen und familiären Arbeiten, aber der wichtigere Grund ist, daß ich darüber nachdenke, diesen Blog zu schließen. Nicht, um mich gänzlich aus der Blogozese zu verabschieden, ich denke aber schon seit Monaten darüber nach, welche Form der Bloggerei für mich denn nun eigentlich die richtige ist.

Vielleicht ja gar keine. Aber wenn doch, dann eine, in der ich mich auf das konzentriere, was ich am besten kann, oder auch auf das, was mich am meisten interessiert, oder vielleicht auf das, worüber ich am meisten weiß. Liturgisches gehört natürlich dazu für einen "Liturgiearbeiter", kirchenpolitisches und politisches, hätte ich doch als Apo-Opa (beides bitte ganz wörtlich nehmen) einiges zu sagen über die Kulturrevolution der 60iger, die, wie ich fast jeden Tag feststelle, unser ganze Gesellschaft beginnt zu dominieren, die sich in unserem täglichen Leben äußert. In meinem Neben- (und vielleicht demnächst Hauptblog) dreht es sich also hauptsächlich um die blechernen Zeiten, die in den 60iger Jahren begannen.

Das goldene, das silberne, das eiserne Zeitalter, so organisierte die Antike die Geschichte. Währungstechnisch gesehen begann die Geschichte allerdings mit dem kupfernen Zeitalter, setzte sich fort mit dem silbernen, dann dem goldenen und endete heute mit dem blechernen Zeitalter, oder dem papierenen, wie man es sehen will. Das Symbol unserer Zeit findet sich in jedem Portemonnaie. Blech, billiges Blech. Ergänzt mit bunten Bildchen auf Papier.

Diese Zeit wird enden, soviel ist schon mal klar.
Une monnaie-papier, basée sur la seule confiance dans le gouvernement qui l’imprime, finit toujours par retourner à sa valeur intrinsèque, c’est-à-dire zéro. (Voltaire, Candide ou l´Optimisme)

Freitag, 27. Januar 2012

Alix hat geholfen

Entwurf für die russische Kapelle in Darmstadt

Als unser jüngstes Enkelkind wegen schwerer Fehlbildungen im Krankenhaus behandelt und operiert werden mußte, haben wir entdeckt, daß wir in Darmstadt, wo sie geboren ist, und wo wir viele Jahre gelebt haben und heute noch arbeiten, eine Ortsheilige haben. Sie trägt den selben Namen wie unser Enkelkind Victoria. Victoria Alix von Hessen, als Alexandra Feodorowna Zarin von Rußland. Die kleine russische Kapelle auf der Mathildenhöhe war als Privatkapelle des russischen Zarenpaares erbaut und auf russischer Erde errichtet worden. Ein kleines heiliges Stück Rußland also.

Die orthodoxe Kirche Rußlands hat die Zarenfamilie 1981 gemeinsam mit tausenden von den Bolschewiki Ermordeten zu Märtyrern erhoben. In den letzten Tagen sind wir zu dieser kleinen Kirche gepilgert und und haben für unsere kleine Victoria um Hilfe gebetet.

Alix hat geholfen. Victoria hat ihre erste Operation gut überstanden. Sie wird jetzt nicht mehr künstlich ernährt und atmet aus eigener Kraft. Noch ist nicht alles überstanden und wir erwarten noch weitere Operationen, Victoria wird noch Wochen im Krankenhaus bleiben müssen. Aber die zweite Hürde auf dem Weg ins Leben hat Victoria genommen.

Danke für Eure Gebete.

Mich haben schon immer die Heiligen besonders beeindruckt, von denen es Fotos gibt. Das klingt vielleicht seltsam, aber sie scheinen mir dadurch noch realer, noch gegenwärtiger. Sie sind, irgendwie, noch mehr bei uns. Und bei dieser, bei unserer Heiligen können wir auch die Orte besuchen, an denen sie war. Jeden Tag, wenn wir wollen und können.

Die kleine russisch-orthodoxe Gemeinde vor Ort unterhält eine Homepage.  Ihre kleine Kirche ist eine Berühmtheit und eines der Wahrzeichen von Darmstadt.

Seltsamerweise ist eine katholische (die "Käsglock") und eine orthodoxe Kirche das Wahrzeichen einer seit dem 16. Jahrhundert protestantischen Stadt. Und zwei katholische Großeltern bitten bei einer protestantisch getauften, zum orthodoxen Glauben konvertierten Heiligen um Hilfe. Paßt irgendwie. So in etwa stelle ich mir Ökumene vor.

Sonntag, 22. Januar 2012

Für Victoria


Unsere kleine Enkeltochter Victoria liegt noch immer in der Intensivstation der Kinderklinik. Sie bewegt sich, strampelt, aber noch immer kann man sie nicht in die Arme nehmen, sie ist umgeben von Apparaten und hängt an Schläuchen und Kathetern. Noch immer habe ich sie nicht sehen können, nur ein Handyfoto von einem winzigkleinen Mädchen mit vielen Kabeln und Verbänden. Ihre Eltern sind jeden Tag bei ihr, für Besuche der Großfamilie ist jetzt nicht die Zeit.

Unser Pfarrer hat die kleine Ikone, die ich für Victoria mit einem Bild der "Darmstädter Victoria" gekauft habe, ohne Bedenken geweiht. Victoria Alix von Hessen ist lutherisch getauft und erzogen, als Frau des letzten Zaren ist sie zum orthodoxen Glauben übergetreten. 1918 wurde die Familie von bolschewistischen Revolutionären ermordet.

1981 ist sie von der russisch-orthodoxen Kirche gemeinsam mit tausenden Opfern der kommunistischen Revolution heilig gesprochen worden. In der kleinen orthodoxen Kirche, die zu den Wahrzeichen der Stadt gehört, wird sie verehrt, in der Kirche hängt eine Ikone der letzten Zarin. Die Kirche gehörte einst der Zarenfamilie, bei Staatsbesuchen nutzte der Zar mit seiner Familien diese kleine Kirche zu Gottesdiensten. Die Kirche steht auf russischer Erde, die mit mehreren Eisenbahnwagons nach Darmstadt gekarrt wurden.

Nach der Ermordung des letzten Zaren ging die Kirche in das Eigentum der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland über.

Heute brennen jeden Tag dort Dutzende von Kerzen, die Kirche ist stets voll mit Gläubigen die dort beten. Man spricht russisch, aber die nette junge Dame, die mir die Ikone verkauft hat, erkennt sofort, daß meine Muttersprache deutsch ist.

Die Revolution hat den Glauben nicht besiegt.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Victoria!

Victoria Alix von Hessen, Zarin von Rußland

Heute ist meine Enkeltochter Victoria geboren. Schon Tage vor der Geburt hatte sich herausgestellt, daß Victoria unter schweren Fehlbildungen leidet.  Die Geburt war ein Drama (Fußlage), und verlief doch ohne große Komplikationen. Victoria wurde sofort in eine Spezialklinik zur Operation gebracht. Die Ärzte machen uns Hoffnung, daß die Operationen zum Erfolg führen. Es war ein Tag der Tränen und der Bittgebete, heute abend der Dankgebete, nachdem uns die Ärzte sagen konnten, daß die Operation gut verlaufen ist.

Ich habe meine Enkelin noch nicht gesehen, und hoffe, daß ich sie in den nächsten Tagen sehen werde, und noch mehr, daß ich sie gesund und frei in die Arme nehmen kann.

Es werden wohl noch viele Tage des Gebets folgen.

Victoria Alix ist der Namen einer hessischen Prinzessin, die in der selben Stadt geboren ist wie meine Enkelin. Sie war die letzte Zarin Rußlands. Victoria Alix wird von der orthodoxen Kirche Rußlands als Heilige verehrt. Jetzt ist mir nicht ganz klar, ob man als Katholik eine orthodoxe Heilige um ihre Hilfe bitten darf - ich tu es einfach.


Freitag, 6. Januar 2012

Wonn of se autständing wimen off se leiter middelleitsches



 Ich liebe Papst Benedikts bayerenglisch. Benedikt XVI über Jehanne d´arc.

Jeanne und Thérèse


Der Aufwand, mit dem sich Thérèse von Lisieux als Jeanne d`Arc inszenierte ist schon bemerkenswert genug. Hat sich Thérèse mit der Kriegerin identifiziert? Oder eben mit der Heiligen Jungfrau Johanna von Orleans? Vielleicht helfen die Gedichte und Lieder weiter, die Thérèse für Jeanne d´Arc geschaffen hat:

Jeanne, c'est toi notre unique espérance
Du haut des Cieux, daigne entendre nos voix
Descends vers nous, viens convertir la France
Viens la sauver une seconde fois.

Der Text stammt aus dem Canticum pour obténir la canonisation de la Vénérable Jeanne d`Arc

Johanna, Du bist es, unsere einzige Hoffnung
Von den Höhen des Himmels höre unsere Stimme,
Steig herab zu uns, komm, verwandle Frankreich,
Komm, rette Frankreich, ein zweites Mal

Thérèse hat sich mit allen Kräften für die Canonisation der Heiligen Johanna von Orleans eingesetzt. Schließlich war sie erfolgreich. Johanna wurde 1909, Jahre nach Thérèses Tod, selig und 1920 heiliggesprochen.

Ob sich heute, im Zeitalter der Quotenfrau, noch eine junge Frau mit Jeanne identifizieren kann?

Heute wird der 600te Geburtstag der Heiligen Jungfrau von Orleans begangen.

Montag, 2. Januar 2012

Allerherzlichsten Dank


denen, die anläßlich meiner Klausuren an mich gedacht haben. Ich hab bestanden! Im hohen Alter von noch nicht ganz aber fast Sixty-four! Ich lebe noch! Die Erde hat mich wieder!

Strelitzien sind meine Lieblingsblumen, also meine Lieblingsblumen für Euch, meine Lieben.

Sonntag, 1. Januar 2012

Brradabumm! Bimm! Bamm!

Ippolito Caffi, Das Girandola-Feuerwerk auf der Engelsburg 1830

Als Georg Friedrich Händel 1749 für das große Feuerwerk, für das er seine berühmte Feuerwerksmusik schrieb, Feuerwerker suchte, war es selbstverständlich, daß für dieses Ereignis nur italienische Feuerwerker in Frage kamen. Denn das katholische Italien, nicht das damals vorwiegend protestantische Nordeuropa, war zu seiner Zeit führend in dieser Spaßtechnologie, so to say.

Womit sich auch in diesem Fall Hilaire Bellocs Bonmot bestätigt, daß, wo immer die katholische Sonne scheint, Gelächter und guter Rotwein zu finden sein sollte.

Das päpstliche Haus selbst war für seine Feuerwerke berühmt, selbst ein Friedrich Engels soll sich eigens nach Rom bemüht haben, um wenigstens einmal die berühmte Girandola sehen zu können, die zu seinen Zeiten noch auf der Engelsburg abgefeuert wurde. Zum katholischen "Neuen Jahr" selbstverständlich, an Ostern.

Wie das römische Karneval, starb auch die römisch-päpstliche Girandola mit dem Ende des Kirchenstaates. Die Versuche, das Spektakel wiederzubeleben, scheiterten. Atheists haben nun mal, wie wir wissen, nicht nur keine Songs, sondern auch sonst keinen Spaß. Feuerwerk also ist, wie Gelächter und Rotwein, immens katholisch.

Konnte man mir bis hierher folgen? Für einen Pyromantiker wie mich, der Neujahr selten ohne angesengte Haare und Brandflecken auf dem Jackett beendet, ist das unmittelbar einleuchtend und zwingend logisch.

Heute scheint das aber nun nicht mehr zu gelten. Sogar glühende Anhänger des Katholizismus scheinen heute der These zuzuneigen, daß man an Neujahr doch bitte sehr "Brot statt Böller" für die "Armen" zu kaufen habe.

Eine Initiative, für die die "Armen" sich wohl kaum bedanken werden, stammt doch das Gros der in Europa verfeuerten Kracher, Heuler und Raketen aus den Schwellenländer. Und der "Arme" lebt doch für gewöhnlich zufriedener und komfortabler von dem Ertrag seiner Hände Arbeit, als von den Almosen der "Reichen".

Nun ist ja Neujahr nicht wirklich Kirchen-Neujahr, sondern eben nur der Jahreswechsel, was aber spricht dagegen, das Neue Jahr mit Feuerwerk und Glockengeläut zu begrüßen?

Brrradabumm! Bimmm! Bammmm!

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Das Scherflein der Witwe, die Krisis, der Euro


Von Geld ist in der Bibel viel die Rede. Von der Münze, die des Kaisers ist, aber auch vom Scherflein der Witwe. Demnächst darüber noch mehr, danach dann vom Christengeld und von der gottlosen Produktion moderner Assignaten. Wobei jeder, der meinen Blog regelmäßig liest, schon ahnen kann, was ich von den Assignaten unserer Zeit, dem jakobinischen Plunder, dem Papier- und Blechgeld der Europäischen Zentralbank halte.

Bin noch immer im Prüfungs-Streß, noch immer eigentlich in der Blogpause, deshalb nur ein kurzer Hinweis auf ein Manifest des wohl renommiertesten Ökonomen unseres Landes, Hans-Werner Sinn.

Damit das schon mal klar ist mit dem Euro, wirtschaftswissenschaftlich gesehen.

Natürlich darf ein Hinweis auf den Nationalökonomen der Blogozese (ich sach mal so) nicht fehlen, der uns erklärt warum die Forderung einer bisher noch nicht eindeutig identifizierten Gruppe trotzkistischer Entristen im Vatican nach Errichtung einer Welt-Zentralbank GANZ GROSSER KAESE ist.

Warum dieses ganz und gar unchristliche, vielmehr jakobinische Projekt, um im biblischen Bilde zu bleiben, ein Anschlag auf das Scherflein der Witwe ist, werd ich dann, wenn es mir gelingt, und wenn ich die Zeit finde, erklären.

Montag, 31. Oktober 2011

Vermißtenanzeige



In meinem alten Schott-Meßbuch von 1934 findet sich noch die Vigil von Allerheiligen. Die Vigil läßt sich laut Schott schon im 11. Jahrhundert nachweisen. In neueren Fassungen, auch des Schott für die außerordentliche Form findet sich die Vigil nicht mehr. Weiß jemand, welcher Liturgierevolution die Vigil zum Opfer gefallen ist? Die Ikonoklasten und Pantoffeltierchen der 60iger, um es mit Käptn Haddock zu sagen, können es jedenfalls nicht gewesen sein.

Das Verschwinden der Vigil hat jedenfalls auch bei guten Katholiken mittlerweile die Vorstellung befördert, es handele sich bei All Hallows Eve - Halloween - um ein heidnisches Fest. Auch in der Blogozese ist dieser Unfug, wie es scheint, weit verbreitet.

Zum Nervthema Halloween habe ich mich ja, mehrfach, hier und hier und hier und hier und hier verbreitet.

Liest bestimmt mal wieder kein Schwein.

Samstag, 29. Oktober 2011

Blogpause

Fortbildung tut not. Da ich in den nächsten vier Wochen meine Kenntnisse in Strafrecht auffrischen werde, wird es hier in nächster Zeit zunächst keine neuen Posts mehr geben.

Klausuren werden auch geschrieben werden müssen. Wenn vielleicht so ganz allgemein jemand mal an mich denkt, und vielleicht ein klitzekleines Kerzchen für mich stiftet. Ich forcht mich ja im allgemeinen nicht vor Tod und Teufel aber doch ein bißchen vor den drei Strafrechtsklausuren, die man mir abverlangen wird.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Johnny´s in the basement ...


mixin´ up the medicine. Zeitung gelesen. Über die Welt nachgedacht. Bob Dylan verlinkt. Das Lied ist ein bißchen creepy. Aber trotzdem einer meiner Lieblingssongs. Manchmal fühl ich mich halt so. Don´t need the weatherman to know from where the wind blows.

Samstag, 15. Oktober 2011

Die Gottesmutter und das gute Geld


In letzter Zeit muß ich viel über Geld nachdenken. Der Grund ist einfach. In wenigen Jahren werde ich von dem leben müssen, was ich in den letzten Jahrzehnten angespart habe. Wenn es sich herausstellt, daß ich gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen habe, wird das sehr schwierig.

Hat das was mit dem Thema dieses Blogs zu tun? Ja, der Titel auf der Münze links deutet es an. "Marien Gros" steht da. Umgangssprachlich Mariengroschen. Eine Kurantmünze, die mehr als dreihundert Jahre lang vor allem in Norddeutschland geprägt wurde. Erstmals im Jahre 1503 geprägt, war diese Münzform bis 1870 im Norddeutschen Raum im Umlauf. Sie definierte sich als 1/36tel oder 1/24tel eines Talers, Zunächst bezogen auf den Reichtstaler mit einem Gehalt von 25,98 gr Feinsilber, später dann auf den preußischen Taler mit einem Silbergehalt von 16,704 gr. Feinsilber. Selbst noch in der Zeit, als der preußische, durch den sogenannten Vereinstaler ersetzt wurde, blieb es in einigen Regionen bei der Prägung von Mariengroschen.

Die erste Münze dieser Art wurde 1503, also in vorreformatorischer Zeit geprägt, und trug auf der "Kopfseite" eine Mariendarstellung. Auch nach der Reformation blieb der Namen Mariengroschen erhalten, war doch diese kleine Silbermünze, in Gegensatz zu den großen und unhandlichen Talern, die Münze, die weitaus am häufigsten im Umlauf war. Die oben dargestellte Münze wurde, wie der Preußenadler und das Jahr 1756 zeigt, im Preußen Friedrichs des Großen geprägt, wahrscheinlich in Niedersachen oder Ostfriesland. Es war ursprünglich keine Scheidemünze, wie das Blech, das wir heute in unseren Portemonnaies mit uns herumtragen und das Spielgeld, das in unseren Brieftaschen knistert, sondern "gutes Geld". Echtes Silber, im Fall dieser Münze enthielt sie theoretisch 1,856 gr Feinsilber. Derzeit hätte sie damit einen reinen Metallwert von heute 1,392 Euro.

Wer sich mit der Geschichte des Geldes beschäftigt, wird feststellen, daß diese Geschichte stets eine Geschichte des Krieges der Münzherren gegen das Volk waren. Immer waren die Münzherren in Versuchung, durch die Verschlechterung des Geldes das Volk zu bestehlen. Im heiligen Römischen Reich hatte das Volk in diesem ungleichen Kampf immerhin eine Chance. Münzen, die den vorgeschriebenen Edelmetallgehalt, in der Regel Silber, unterschritten, wurden amtlich ausgeschieden. Sie wurden "verrufen" und zwar durch eine Institution, die auf dem Recht des Heiligen Römischen Reiches basierte.

Die Silberwährung ist in Europa mehr als ein Jahrtausend alt. Oder besser gesagt, sie war ein Jahrtausend alt, bis sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst durch den auf "Banknoten" basierenden Goldstandard, dann - nach dem zweiten Weltkrieg - durch das "Fiat-Geld" ersetzt wurde, mit anderen Worten Geld, von dem die jeweilige Zentralbank durch schlichte Definition erklärt, dies sei Geld.

Und da wird es religiös. Am Anfang der Welt stand das Wort Gottes "Es werde Licht". Dixitque Deus fiat lux facta est lux. Am Anfang unseres Wirtschaftssystem, daß der ordoliberalen Definition nach ein System der  Bettler und Diebe ist stand die Zentralbank, die Papiergeld und wertlose Münzen unter die Leute brachte. Und die Bank sprach, es werde Geld, und es ward Geld. "Fiat-Money" ist übrigens kein Schimpfwort systemkritischer Traditionalisten, die dem "guten Geld" hinterherjammern, sondern ein Fachbegriff der wissenschaftlichen Volkswirtschaftslehre.

Vor der Einführung des Fiat-Geldes existierten im Heiligen Römischen Reich, ebenso wie in allen Staaten vor Ende des 19. Jahrhunderts lediglich gesetzliche Regelungen, die den Silbergehalt der Großmünzen definierten und die Einhaltung der Regelung durch chemische Analyse der von den jeweiligen Münzherren herausgegebenen Münzen regelten. So war der sogenannte Vereinstaler, der auf dem preußischen Taler basierte, definiert als Münze mit einem Feinsilbergehalt von 500/30tel Gramm. Die Münze existierte fast ein Jahrhundert und galt im gesamten deutschsprachigen Raum.

Das heutige Geld ist "Regierungsgeld". Mit dem Fiatgeld unserer Tage ist ein Maximum an Staatlichkeit verbunden. Damit bewahrheitet sich erneut die Vision Donoso Cortez, der vorhersagte, daß das"Thermometer der Politik", das Maß der politischen Regulierung des Lebens des Volkes durch den Staat, um so mehr steige, um so tiefer das "Thermometer der Religion" sinke. Agnostizismus und Etatismus waren stets Zwillingsbrüder, das "schlechte Geld" ist ein integraler Bestandteil der allregulierenden Gewalt des modernen Staats.

Der Marientaler zeigte auf seiner Kopfseite das Bild der Gottesmutter mit dem Kind. Die Blechmünzen des Fiatgeldes sind meist mit dem Konterfei des jeweiligen Staatsoberhauptes versehen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Los Wochos



Meine Lieblingsserie in Kindertagen. Natürlich in SchwarzWeiß, allerdings in einer amerikanischen Fassung mit commercials. Die noch einen weiteren Pop-Classiker bieten, nämlich Campbell´s Tomato-Soup.

Ob Andy Warhol wohl in seiner Kindheit Lassie gesehen hat? Als die Serie im deutschen Fernsehen erschien, war ich 6 oder 7 Jahre alt. Es gab damals nur einen Sender und nur Schwarzweiß-Fernsehen. Jeden Sonntag gab es Krach, weil ich Lassie gucken wollte, und meine Mutter unbedingt mit unserem bescheuerten BMW 600 "an die frische Luft" wollte, wie sie es nannte. In Wirklichkeit ging es darum mit dieser gräßlichen Kiste, die nach billigem Plastik, Öl und Benzin müffelte und eine grauenvolle Straßenlage hatte und sowieso eine Gefahr für die Menschheit, insbesondere seine Insassen war, durch die Gegend zu rottern.

Aus Rache hab ich jedesmals das Auto vollgekotzt. Ich hasse BMWs. Und einen Hund wie Lassie bekam ich auch nie. Ich bekam überhaupt keinen Hund, weil der in unsere mit fünf Personen völlig überbevölkerte 45 qm 3ZKBWohnung sowieso nicht reingepasst hätte.

Und weil meine Mutter Hunde hasste. Mit Lassie wäre ich bestimmt den ganzen Tag "an der frischen Luft" gewesen.

Also bitte eine Runde Mitleid.

Montag, 3. Oktober 2011

Einheitsbrei, fade Suppen, liturgischer Schrott


Gemeinsame Darstellungen der drei Erzengel sind eigentlich ungewöhnlich. Ein gemeinsamer Spaziergang der Erzengel Michael, Raphael und Gabriele (von links) mit Tobias (zweiter von rechts) ist jedenfalls biblisch nicht überliefert. Nur Raphael allein ist der Begleiter Tobias im Buch Tobit. 

Das hat nun die Liturgiereformer nicht daran gehindert, die drei Erzengelfeste Gabriels (24. März), Michaels (29. September) und Raphaels (24. Oktober) zu einem Fest zusammenzufassen.

Eine grundstürzende Reform, denn das Fest des Erzengels Michael wird spätestens seit dem fünften Jahrhundert als Fest "In Dedicatione S. Michaelis Archangeli", also zum Gedenken an die Weihe der dem Erzengel Michael gestifteten Kirche begangenen. Das Fest geht damit in die Zeit des Papstes Leo der Große zurück.

Welche Motive die Liturgiereformer dabei bewogen haben, die drei Feste zusammenzuwerfen, sind mir nicht bekannt. Die Folgen sind jedenfalls jedes Jahr zu beobachten. Liturgisch blieb alles beim "Alten", so daß nach wie vor etwa das Graduale des Tages lediglich den Erzengel Michael erwähnt. Auch das seit dem 17. Jahrhundert bekannte und an diesem Tag übliche Prozessionslied "O unüberwindlicher Held" (heute: unüberwindlich starker Held) von Friedrich Spee erwähnt nur den einen, den Erzengel Michael, womit faktisch Raphael und Gabriel liturgisch und hymnisch "entfallen". Damit wird liturgischer Schrott produziert, Raphael und Gabriel werden höchst unelegant "entsorgt". 

Das Michaelslied hat eine interessante Geschichte. Es ist gewissermaßen das erste "Lied der Deutschen". Wer sich Gedanken darüber macht, wo wohl der Begriff des "Deutschen Michel" herkommt, sollte sich mit dem seit 1642 bekannten lateinischen Text befassen. Solche Nuancen gehen heute im liturgischen Einheitsbrei verloren. Lateinisch singt man ohnehin kaum noch.

Daß Spee nicht nur das Michaelslied, sondern auch ein Lied für den Erzengel Raphael gedichtet hat, ist seit der Liturgiereform und der Vereinheitlichung der katholischen deutschen Gesangbücher durch das  "Gotteslob" in Vergessenheit geraten. Was wohl noch so im Einheitsbrei versunken ist? Ich bleib da mal dran.

Freitag, 30. September 2011

Herr Vizibiliduxi


Für die zahlreichen Fans von spätbarocken Putten mußte dieses Bild einfach sein. Und wie jedes Jahr hab ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, meinen Post zum Michaelsfest rechtzeitig hinzukriegen. Immerhin lebe ich ja unter einem doppelten Patronat, das ist Pfarrgruppen, Pfarrverbünden Seelsorgeeinheiten u.ä. schließlich so eigen. Als Schola und Chormitglied bin ich deshalb in zwei Kirchen zu Hause, deren eine der B.M.V. und deren andere dem heros invincibilis dux michael geweiht ist.

Zum Ausgleich habe ich fleißig daran gearbeitet, eine vollständige Fassung des "O heros invincibilis, dux Michael" ins Netz zu stellen.

Der Herr Vizibiliduxi kommt in einer Geschichte Gottfried Kellers vor.