Montag, 28. Februar 2011

Schwurbelsprech, Schraubdenk und Gender-Gap


Nein, von Doktoren halte ich meist ziemlich wenig. Hat wahrscheinlich damit zu tun, daß ich meine eigene Doktorarbeit nie zu Ende gebracht habe, weil ich nach dem vierten Exposé, mit dem ich meinen Doktorvater genervt habe eine Vision durchlitt, in der sich der Betonbau des Juridicums unerbittlich auf mich niedersenkte, um mich zu zerquetschen. (Echt!) Kurzum, ich sah einfach einen bitteren und nahen Tod vor mir, wenn ich wirklich mein Doktorarbeitprojekt mit mindstens 500 Seiten mit mindstens 3.000 Fußnoten nebst 20seitigen Literaturapparat in die Tat umsetzte. Juristische Doktorarbeiten können todsterbenslangweilig sein.

Dann doch lieber Konventionalscheidungen exekutieren, Kampftrinker verteidigen, Umlagenabrechnungen prüfen, mit Amtsleitern Bier saufen gehen, Knastluft schnuppern, stundenlange Vorträge aus TÜ-Protokollen hören. Ist ja manchmal auch nicht so prickelnd aber...

Mein Lieblingskomiker Broder hat sich ja gerade die Doktorarbeit des schärfsten Guttenbergkritikers Gysi vorgenommen. Interessesante Sache das. "Wenn das eine Arbeit ist, die wissenschaftlichen Kriterien entspricht, dann ist auch Kartenlegen eine wissenschaftliche Disziplin." Tja, ist wohl so, trotzdem werden wir uns nicht darauf freuen dürfen, daß Gysi nun in die Frührente geht.

Des Guttenberg-Terminators Fischer-Lescanos Doktorarbeit ist ja - selber Schuld - nun auch für alle zugreifbar verlinkt. Ein halsbrecherisches Werk. Da stelzt die deutsche Sprache auf so hohen Koturnen daher, daß man fürchtet, der Herr Doktor breche sich an der nächsten semantischen Bordsteinkante schier seinen akademischen Hals.
Die Semantik der Individualität, die Entdeckung des Menschen, ist auf die Umstellung gesellschaftlicher Differenzierung von Merkmalen stratifikatorischer Provenienz zu funktionalen Differenzierungsformen zurückzuführen. Die je individuelle Zumutung der Individualität und deren gesellschaftliche Auswirkungen liegen in der Konsequenz der gesellschaftlichen Tatsache, fait social, dass die Rolle des Individuums in der Gesellschaft nicht mehr aufgrund naturalistischer oder religiöser Momente determiniert ist, struktur- und herrschaftsbedingte Identitätszuweisungen gestrichen sind.
Nun muß man sich über solchen Schraubsprech nicht unbedingt wundern, entfalten sich doch die Geistesblitze dieser Arbeit vorwiegend zwischen Zitaten der Schraubdenker Luhmann und Derrida.
Wenn man aber Rechte als normative Erwartungen begreift und das Weltmenschenrechts-Recht als Subsystem der Weltgesellschaft, dann sieht man, dass man zwar unter Berufung die Menschenrechtssemantik eine Vielzahl von Realzuständen beklagen kann, dass man es aber dann nicht mit den normativen, kontrafaktischen Erwartungen in der Weltgesellschaft zu tun hat, sondern mit lernbereiten Kognitionen, kognitiven Erwartungen also, die , sei es kopfschüttelnd, sei es resignierend, skandalöse Zustände als Realität ferner Welten hinzunehmen bereit sind und sich diesen Atrozitäten lernend beugen.
Usw. usf. Wer wie der Herr Doktorand zwischen Konstruktivismus (Luhmann) und Dekonstruktion (Derrida) schwankt, kann und darf offenbar gar nicht anders schreiben. Schließlich sollte man es als Derridaner tunlichst vermeiden, verstanden zu werden.

Der Artikel in der "Kritischen Justiz" (aus meiner Sicht gewissermaßen eines der frühesten Foren der Dekonstruktion) hat ja nun Geschichte gemacht. Wenn man sich aber auch hier mit dem Sprachstil des Autors befaßt, findet sich Wunderliches. Den Gebrauch des sogenannten "Gender-Gap" ("Leser_innen, Autor_innen") hielt ich bisher für eine Sprachmarotte pubertierender Junggrüner. Daß ein leibhaftiger Professor diesen kindischen Unfug mitmacht, paßt nun wirklich in die Saison. Da setzt sich einer die Schellenkappe aufs Haupt und merkt es nicht mal.

Was Fischer-Lescano sonst noch so denkt und tut, kann man bei dem "Institut Solidarische Moderne" nachlesen. Das fragen sich die Mitwirkenden etwa wie sich die "kulturelle Norm der Heterosexualität gesellschaftlich durchbrechen" läßt. Ein klassisches Thema der Derridaner. So bekommt der kleine Unterstrich direkt Sinn.

Sonntag, 27. Februar 2011

Hochamtshochzeitsmesse


Als wir im vorvergangenen Jahr in unserer Gemeinde nach 30 Jahren standesamtlichen Verheiratetseins unsere Brautmesse in der außerordentlichen Form in unserer Gemeinde feierten, war das die erste Brautmesse in dieser Form seit mehr als 40 Jahren. Bilder gibt es leider nicht, jedenfalls nicht von dieser Messe. Hier gibt es nun Bilder und eine Erläuterung des Ritus von einer Hochzeitsmesse in Form eines levitierten Hochamtes.

Mir fiel dabei wieder einmal auf, warum eine ganze Reihe studierter Juristen Anhänger des Ritus in der extraordinary form sind. Der "alte" Hochzeitsritus bringt den besonderen liturgischen,sakramentalen und rechtlichen Charakter des Ehesakramentes deutlicher zum Ausdruck, als der Hochzeitsritus, der als "integrierter" Ritus im Rahmen des II. Vatikanums beschlossen wurde. (SC Rdn. 77,78)

Wie sich SC ausdrückt, sollte der Eheritus "bereichert" werden. Tatsächlich wurde er entreichert, der Introitus, der sich auf das Buch Tobit bezieht (womit man möglicherweise den protestantischen Mitgeschwistern eine Freude machen wollte) , wurde abgeschafft und durch einen Katalog von Allerweltsintroiten ersetzt, die Lesung aus Eph 5, 22-33 wurde - sofern sie überhaupt noch gelesen wird - um die politisch unkorrekten ersten drei Sätze gekürzt, statt um den Satz 21 erweitert, was im Sinne der "Gleichberechtigung" Sinn gemacht hätte ("Unterwerft Euch einander, in der Furcht Gottes"), der Brautsegen wurde im Sinne der "Gleichstellung" abgeschafft, diesmal im Sinne der Gleichstellung des Bräutigams. 

Das Ehesakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig, um es mit den Worten des berühmtesten antikatholischen Kampfgedichtes Heinrich Heines zu sagen, "und fehlt der Pfaffensegen dabei, die Ehe wird gültig nicht minder". Womit der gute Heinrich, der ja nicht nur die Taufe empfing sondern auch das Sakrament der Ehe im extraordinary rite, klarer den Charakter des Ehesakramentes beschrieb, als es das II. Vaticanum mit seinem nijemoudischen Hochzeitsmischmasch getan hat.

Die Eheschließung findet im außerordenlichen Ritus vor der Messe statt, vermeidet also schon in der Ordnung des Ritus den Irrtum, es finde hier eine "kirchliche Trauung" statt. Ursprünglich fand die Eheschließung vor der Kirchentür statt, vor der sogenannten Brautpforte, deren Bedeutung und liturgische Einordnung heute weitestgehend vergessen ist. In unserer früheren Gemeinde, die eine neugotische Kirche mit allen Drum und Dran nutzte, also auch mit Brautpforte, war diese Pforte zugemauert. In der Gemeinde herrschte die Meinung, es handele sich hier um einen "überflüssigen" Nebeneingang.

NLM bittet für Mrs. and Mr. Owen Curry um Euer Gebet. (Mister Owen trägt übrigens einen "Stresemann")

Ad Memorandum 2011: Alice fiel bei Jena


Der Tag, an dem das Feudalzeitalter endete, also das Zeitalter einer auf Privilegien, Standesherkunft und gesellschaftlichem Rang bestehenden Gesellschaftsordnung, läßt sich für Deutschland, genauer gesagt für Preußen, Deutschlands damals größtem und mächtigstem Staat, genau bestimmen. Es war der Tag der Schlacht bei Jena, der 14. Okt. 1806. Dieses Datum sollte man sich genau merken. Denn das Licht der neuen Zeit, die an diesem Tag anbrach, beginnt zu verdämmern. Denn wir befinden uns im Zeitalter der Quote. Wir befinden uns im Zeitalter von Alice Schwarzer. Das Zeitalter der Gleichheit vor dem Gesetz dämmert dahin, es beginnt das Zeitalter der Gleichmacherei nach dem Gesetz.

Aber zurück zur Schlacht von Jena. Die preußische Armee war der napoleonischen teilweise an Mannschaftsstärke und Bewaffnung überlegen. Doch woran sie krankte, und was schließlich die Ursache für ihre Niederlage war, haben die preußischen Militärreformer Gneisenau, Scharnhorst und Clausewitz scharfsinnig analysiert und in wenigen Jahren in tiefgreifenden Reformen beseitigt. Die Armee krankte, kurz gesagt, an der von Privilegien, Traditionen und der Verachtung des niederen Volkes geprägten preußischen Gesellschaft. Sie produzierte eine Armee, deren einfache Soldaten sich vor allem aus dem einfachen Volk rekrutierte, weil die besseren Herrschaften sich eine Exemtion erkaufen konnten. Sie produzierte eine Armee, der Spitzenpositionen ausschließlich durch Adlige besetzt waren, weil anderen die Offizierslaufbahn versperrt blieb, und deren höchste Postionen nicht nach dem Leistungs- sondern nach dem Anciennitätsprinzip besetzt waren.

Aus der Niederlage von Jena und Auerstadt erstand ein neuer Staat, der sich an dem seitdem ehernen Prinzip zu orientieren hatte, daß nur der ein Amt besetzen durfte, der sich dies durch Eignung, Leistung und Befähigung verdient hatte. Dieses Prinzip hat in unserem Land nach wie vor Verfassungsrang.

Vorwärts also zu Neuzeit. Oder dem, was sich dafür hält. Es ist schon bemerkenswert, daß die Neuerer der 70iger Jahre ein System wieder adoptiert haben, daß 170 Jahre zuvor in einer blutigen Schlacht als das unterlegene starb. Das System der Verteilung gesellschaftlicher Position nicht nach Eignung, Leistung und Befähigung, sondern nach persönlichen Eigenschaften. Es wird begründet mit der Behauptung, anders ließe sich die Emanzipation Benachteiligter nicht voranbringen. 

Also schuf man weltweit ein System der Quote. Ein System, das Ämter, und mit der Verhängung einer gesetzlichen Quote für "Diskriminierte" für private Unternehmen, auch gesellschaftliche Postionen nicht nach den für eine postfeudale Gesellschaft geltenden Prinzipien der Eignung, Leistung und Befähigung, sondern nach Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Religion und nach Inkrafttreten der Menschenrechtskarta der EU auch nach "sexueller Orientierung" vergibt. Den Quotenschwarzen hat uns schon die affirmative Action der 60er Jahre beschert, es folgte die Quotenfrau, und den Quotenchristen oder Quotenmuslim gibt es in der unglücklichen libanesischen Gesellschaft und so manch anderem Land schon länger. Der Quotenschwule beglückt uns mittlerweile in jeder Soap-Opera, und in der Politik kann man bestens reüssieren, wenn man erklärt man sei schwul, und das sei gut so.

Tief verankert ist mittlerweile der Irrglaube, daß jeder und jede für Jegliches geeignet sei, und daß es sich um Diskriminierung und die Folge von Diskriminierung handele, wenn gesellschaftliche und staatliche Positionen nicht gleichmäßig nach Maßgabe persönlicher Eigenschaften verteilt werden. So begegnet uns die Refeudalisierung der Gesellschaft unter der Fahne der Nicht-Diskriminierung.

Zeitgeistig wie es ist, ist das Memorandum 2011 von dieser neofeudalen Gesinnung gepägt. Ist es denn wirklich so schwer zu verstehen, daß eine "Lebenspartnerschaft" zweier Homosexueller nicht mit einer Ehe zwischen Mann und Frau gleichzusetzen ist? Offenbar, den der klassische Satz von der Gleichheit vor dem Gesetz ist mittlerweile durch das Gebot der "Nichtdiskriminierung" ersetzt. 

Nein, ich bin kein Militarist. Aber ich bin schon in einer Familie aufgewachsen, in der die Väter- und Großvätergeneration wenigsten zeitweise und mit Stolz eine Uniform trug, meist die des preußischen Heeres oder der kaiserlichen Marine. Und meinen Clausewitz habe ich gelesen. Die Gründe für dieses Studium nenne ich aber besser mal nicht. Zu lernen war, daß Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei. 

Freitag, 25. Februar 2011

Für Gott, König und Vaterland?


Wenn die arabischen Massen auf die Strassen strömen, melden sich bei mir nicht unbedingt euphorische Gefühle. Die vielzitierten arabischen Massen haben schon so manches blutrünstige und aggressive Regime an die Macht gebracht. Auch den Aufstand in Libyen finde ich nicht spontan sympathisch. Und die Fahne, die bei den großen Demonstrationen geschwenkt werden, habe ich bisher ignoriert. Bis ich feststellte, daß es sich dabei um die Fahne des libyschen Königreichs handelt. Ghaddafi hat diese Regierung, eine konstitutionelle Monarchie, 1969 durch seine "revolutionäre" Diktatur ersetzt. Es ist also die Fahne einer konstitutionell-demokratischen Vergangenheit. 

Wenn das die Zukunft wäre? Sind nicht die beiden arabischen Monarchien Marokko und Jordanien die modernsten und freiesten Länder der arabischen Welt? Und ist nicht die jordanische Monarchie  uns Christen wohlgesonnen, die Organisatorin der einzigen ernstzunehmenden arabischen Dialoginitiative?


Wikipedia unterhält übrigens eine offenbar brandaktuelle Seite über den libyschen Aufstand.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Dr. jur? Braucht kein Mensch!


Daß ein deutscher Kriegsminister (die Bezeichnung Verteidigungsminister find ich ebenso unpassend wie das im Schlurfeschritt einherlatschende krawattengeschmückte Berliner Wachbatallion) einen Dr. jur. braucht, versteh ich nicht. Bis ins 20 Jahrhundert hinein besuchten Kriegsminister allenfalls mal eine Militärakademie, aber von Juristerei ließ man in diesen Kreisen tunlichst die Finger. Eingedenk des Winkeladvokaten Varus, der bei der sogenannten Schlacht im sogenannten Teutoburger Wald sich von dem sogenannten Arminius in einen veritablen Hinterhalt locken ließ, was zur Ursache hatte, daß Arminius auf der römischen Militärakademie studiert hatte, während Varus seine Zeit mit juristischen Spitzfindigkeiten verplemperte.

Daß unser katholisch-blaublütiger Kriegsminister jetzt endlich seinen Dr.jur. in die Tonne tritt, nachdem er sich dem Erwerb dieses Titels offenkundig sowie nur mit offenkundig folgenschwerer Lustlosigkeit gewidmet hatte, ist ein Zeichen der Hoffnung.

Der Sieg am Hindukusch rückt näher. 

Als nächstes sollte von und zu vielleicht noch etwas am Outfit feilen. Obiges Beispiel paßt allerdings weniger zu gegelten Haaren, eher zur napoleonischen Windsturmlocke. Sollte kein größeres friseurisches Problem sein. Als nächstes sollte man dann darüber nachdenken, die Umwandlung der deutschen Armee in ein Söldnerheer zu überdenken. Schließlich hatte vor nunmehr rund 200 Jahren Scharnhorst, der auf obigem Bild konterfeite, das von preußischen Krautjunkern geführte und sich aus gesellschaftlichen Randgruppen rekrutierende preußische Söldnerheer in eine moderne Armee verwandelt. Der elegante Feldherr ging also den Weg, den von und zu jetzt zurückmarschieren will. Na ja, Scharnhorst mußte sich wie Clausewitz und Gneisenau sein "von" erst verdienen. Leistungsprinzip eben.

Das Thema paßt scheinbar nicht auf einen katholischen Blog. Aber nachdem sich die Welt scheinbar in Petitionisten und Memorandianer teilt, wollte ich bescheidentlich darauf hinweisen, daß es vielleicht doch noch Wichtigeres gibt. Wir haben einen Krieg. Und wenn unser in Krawatte und Anzug gekleideter Kriegsminister mit einem recht hat, dann, daß er endlich, endlich den Krieg am Hindukusch Krieg genannt hat. Und seinen Soldaten ein paar ordentliche Kanonen spendiert hat, derweil sich die Republik über fehlende Gänsefüßchen erregt. Hat da nicht mal wer was von spätrömischer Dekadenz gesagt?