Montag, 28. Februar 2011

Schwurbelsprech, Schraubdenk und Gender-Gap


Nein, von Doktoren halte ich meist ziemlich wenig. Hat wahrscheinlich damit zu tun, daß ich meine eigene Doktorarbeit nie zu Ende gebracht habe, weil ich nach dem vierten Exposé, mit dem ich meinen Doktorvater genervt habe eine Vision durchlitt, in der sich der Betonbau des Juridicums unerbittlich auf mich niedersenkte, um mich zu zerquetschen. (Echt!) Kurzum, ich sah einfach einen bitteren und nahen Tod vor mir, wenn ich wirklich mein Doktorarbeitprojekt mit mindstens 500 Seiten mit mindstens 3.000 Fußnoten nebst 20seitigen Literaturapparat in die Tat umsetzte. Juristische Doktorarbeiten können todsterbenslangweilig sein.

Dann doch lieber Konventionalscheidungen exekutieren, Kampftrinker verteidigen, Umlagenabrechnungen prüfen, mit Amtsleitern Bier saufen gehen, Knastluft schnuppern, stundenlange Vorträge aus TÜ-Protokollen hören. Ist ja manchmal auch nicht so prickelnd aber...

Mein Lieblingskomiker Broder hat sich ja gerade die Doktorarbeit des schärfsten Guttenbergkritikers Gysi vorgenommen. Interessesante Sache das. "Wenn das eine Arbeit ist, die wissenschaftlichen Kriterien entspricht, dann ist auch Kartenlegen eine wissenschaftliche Disziplin." Tja, ist wohl so, trotzdem werden wir uns nicht darauf freuen dürfen, daß Gysi nun in die Frührente geht.

Des Guttenberg-Terminators Fischer-Lescanos Doktorarbeit ist ja - selber Schuld - nun auch für alle zugreifbar verlinkt. Ein halsbrecherisches Werk. Da stelzt die deutsche Sprache auf so hohen Koturnen daher, daß man fürchtet, der Herr Doktor breche sich an der nächsten semantischen Bordsteinkante schier seinen akademischen Hals.
Die Semantik der Individualität, die Entdeckung des Menschen, ist auf die Umstellung gesellschaftlicher Differenzierung von Merkmalen stratifikatorischer Provenienz zu funktionalen Differenzierungsformen zurückzuführen. Die je individuelle Zumutung der Individualität und deren gesellschaftliche Auswirkungen liegen in der Konsequenz der gesellschaftlichen Tatsache, fait social, dass die Rolle des Individuums in der Gesellschaft nicht mehr aufgrund naturalistischer oder religiöser Momente determiniert ist, struktur- und herrschaftsbedingte Identitätszuweisungen gestrichen sind.
Nun muß man sich über solchen Schraubsprech nicht unbedingt wundern, entfalten sich doch die Geistesblitze dieser Arbeit vorwiegend zwischen Zitaten der Schraubdenker Luhmann und Derrida.
Wenn man aber Rechte als normative Erwartungen begreift und das Weltmenschenrechts-Recht als Subsystem der Weltgesellschaft, dann sieht man, dass man zwar unter Berufung die Menschenrechtssemantik eine Vielzahl von Realzuständen beklagen kann, dass man es aber dann nicht mit den normativen, kontrafaktischen Erwartungen in der Weltgesellschaft zu tun hat, sondern mit lernbereiten Kognitionen, kognitiven Erwartungen also, die , sei es kopfschüttelnd, sei es resignierend, skandalöse Zustände als Realität ferner Welten hinzunehmen bereit sind und sich diesen Atrozitäten lernend beugen.
Usw. usf. Wer wie der Herr Doktorand zwischen Konstruktivismus (Luhmann) und Dekonstruktion (Derrida) schwankt, kann und darf offenbar gar nicht anders schreiben. Schließlich sollte man es als Derridaner tunlichst vermeiden, verstanden zu werden.

Der Artikel in der "Kritischen Justiz" (aus meiner Sicht gewissermaßen eines der frühesten Foren der Dekonstruktion) hat ja nun Geschichte gemacht. Wenn man sich aber auch hier mit dem Sprachstil des Autors befaßt, findet sich Wunderliches. Den Gebrauch des sogenannten "Gender-Gap" ("Leser_innen, Autor_innen") hielt ich bisher für eine Sprachmarotte pubertierender Junggrüner. Daß ein leibhaftiger Professor diesen kindischen Unfug mitmacht, paßt nun wirklich in die Saison. Da setzt sich einer die Schellenkappe aufs Haupt und merkt es nicht mal.

Was Fischer-Lescano sonst noch so denkt und tut, kann man bei dem "Institut Solidarische Moderne" nachlesen. Das fragen sich die Mitwirkenden etwa wie sich die "kulturelle Norm der Heterosexualität gesellschaftlich durchbrechen" läßt. Ein klassisches Thema der Derridaner. So bekommt der kleine Unterstrich direkt Sinn.

Sonntag, 27. Februar 2011

Hochamtshochzeitsmesse


Als wir im vorvergangenen Jahr in unserer Gemeinde nach 30 Jahren standesamtlichen Verheiratetseins unsere Brautmesse in der außerordentlichen Form in unserer Gemeinde feierten, war das die erste Brautmesse in dieser Form seit mehr als 40 Jahren. Bilder gibt es leider nicht, jedenfalls nicht von dieser Messe. Hier gibt es nun Bilder und eine Erläuterung des Ritus von einer Hochzeitsmesse in Form eines levitierten Hochamtes.

Mir fiel dabei wieder einmal auf, warum eine ganze Reihe studierter Juristen Anhänger des Ritus in der extraordinary form sind. Der "alte" Hochzeitsritus bringt den besonderen liturgischen,sakramentalen und rechtlichen Charakter des Ehesakramentes deutlicher zum Ausdruck, als der Hochzeitsritus, der als "integrierter" Ritus im Rahmen des II. Vatikanums beschlossen wurde. (SC Rdn. 77,78)

Wie sich SC ausdrückt, sollte der Eheritus "bereichert" werden. Tatsächlich wurde er entreichert, der Introitus, der sich auf das Buch Tobit bezieht (womit man möglicherweise den protestantischen Mitgeschwistern eine Freude machen wollte) , wurde abgeschafft und durch einen Katalog von Allerweltsintroiten ersetzt, die Lesung aus Eph 5, 22-33 wurde - sofern sie überhaupt noch gelesen wird - um die politisch unkorrekten ersten drei Sätze gekürzt, statt um den Satz 21 erweitert, was im Sinne der "Gleichberechtigung" Sinn gemacht hätte ("Unterwerft Euch einander, in der Furcht Gottes"), der Brautsegen wurde im Sinne der "Gleichstellung" abgeschafft, diesmal im Sinne der Gleichstellung des Bräutigams. 

Das Ehesakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig, um es mit den Worten des berühmtesten antikatholischen Kampfgedichtes Heinrich Heines zu sagen, "und fehlt der Pfaffensegen dabei, die Ehe wird gültig nicht minder". Womit der gute Heinrich, der ja nicht nur die Taufe empfing sondern auch das Sakrament der Ehe im extraordinary rite, klarer den Charakter des Ehesakramentes beschrieb, als es das II. Vaticanum mit seinem nijemoudischen Hochzeitsmischmasch getan hat.

Die Eheschließung findet im außerordenlichen Ritus vor der Messe statt, vermeidet also schon in der Ordnung des Ritus den Irrtum, es finde hier eine "kirchliche Trauung" statt. Ursprünglich fand die Eheschließung vor der Kirchentür statt, vor der sogenannten Brautpforte, deren Bedeutung und liturgische Einordnung heute weitestgehend vergessen ist. In unserer früheren Gemeinde, die eine neugotische Kirche mit allen Drum und Dran nutzte, also auch mit Brautpforte, war diese Pforte zugemauert. In der Gemeinde herrschte die Meinung, es handele sich hier um einen "überflüssigen" Nebeneingang.

NLM bittet für Mrs. and Mr. Owen Curry um Euer Gebet. (Mister Owen trägt übrigens einen "Stresemann")

Ad Memorandum 2011: Alice fiel bei Jena


Der Tag, an dem das Feudalzeitalter endete, also das Zeitalter einer auf Privilegien, Standesherkunft und gesellschaftlichem Rang bestehenden Gesellschaftsordnung, läßt sich für Deutschland, genauer gesagt für Preußen, Deutschlands damals größtem und mächtigstem Staat, genau bestimmen. Es war der Tag der Schlacht bei Jena, der 14. Okt. 1806. Dieses Datum sollte man sich genau merken. Denn das Licht der neuen Zeit, die an diesem Tag anbrach, beginnt zu verdämmern. Denn wir befinden uns im Zeitalter der Quote. Wir befinden uns im Zeitalter von Alice Schwarzer. Das Zeitalter der Gleichheit vor dem Gesetz dämmert dahin, es beginnt das Zeitalter der Gleichmacherei nach dem Gesetz.

Aber zurück zur Schlacht von Jena. Die preußische Armee war der napoleonischen teilweise an Mannschaftsstärke und Bewaffnung überlegen. Doch woran sie krankte, und was schließlich die Ursache für ihre Niederlage war, haben die preußischen Militärreformer Gneisenau, Scharnhorst und Clausewitz scharfsinnig analysiert und in wenigen Jahren in tiefgreifenden Reformen beseitigt. Die Armee krankte, kurz gesagt, an der von Privilegien, Traditionen und der Verachtung des niederen Volkes geprägten preußischen Gesellschaft. Sie produzierte eine Armee, deren einfache Soldaten sich vor allem aus dem einfachen Volk rekrutierte, weil die besseren Herrschaften sich eine Exemtion erkaufen konnten. Sie produzierte eine Armee, der Spitzenpositionen ausschließlich durch Adlige besetzt waren, weil anderen die Offizierslaufbahn versperrt blieb, und deren höchste Postionen nicht nach dem Leistungs- sondern nach dem Anciennitätsprinzip besetzt waren.

Aus der Niederlage von Jena und Auerstadt erstand ein neuer Staat, der sich an dem seitdem ehernen Prinzip zu orientieren hatte, daß nur der ein Amt besetzen durfte, der sich dies durch Eignung, Leistung und Befähigung verdient hatte. Dieses Prinzip hat in unserem Land nach wie vor Verfassungsrang.

Vorwärts also zu Neuzeit. Oder dem, was sich dafür hält. Es ist schon bemerkenswert, daß die Neuerer der 70iger Jahre ein System wieder adoptiert haben, daß 170 Jahre zuvor in einer blutigen Schlacht als das unterlegene starb. Das System der Verteilung gesellschaftlicher Position nicht nach Eignung, Leistung und Befähigung, sondern nach persönlichen Eigenschaften. Es wird begründet mit der Behauptung, anders ließe sich die Emanzipation Benachteiligter nicht voranbringen. 

Also schuf man weltweit ein System der Quote. Ein System, das Ämter, und mit der Verhängung einer gesetzlichen Quote für "Diskriminierte" für private Unternehmen, auch gesellschaftliche Postionen nicht nach den für eine postfeudale Gesellschaft geltenden Prinzipien der Eignung, Leistung und Befähigung, sondern nach Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Religion und nach Inkrafttreten der Menschenrechtskarta der EU auch nach "sexueller Orientierung" vergibt. Den Quotenschwarzen hat uns schon die affirmative Action der 60er Jahre beschert, es folgte die Quotenfrau, und den Quotenchristen oder Quotenmuslim gibt es in der unglücklichen libanesischen Gesellschaft und so manch anderem Land schon länger. Der Quotenschwule beglückt uns mittlerweile in jeder Soap-Opera, und in der Politik kann man bestens reüssieren, wenn man erklärt man sei schwul, und das sei gut so.

Tief verankert ist mittlerweile der Irrglaube, daß jeder und jede für Jegliches geeignet sei, und daß es sich um Diskriminierung und die Folge von Diskriminierung handele, wenn gesellschaftliche und staatliche Positionen nicht gleichmäßig nach Maßgabe persönlicher Eigenschaften verteilt werden. So begegnet uns die Refeudalisierung der Gesellschaft unter der Fahne der Nicht-Diskriminierung.

Zeitgeistig wie es ist, ist das Memorandum 2011 von dieser neofeudalen Gesinnung gepägt. Ist es denn wirklich so schwer zu verstehen, daß eine "Lebenspartnerschaft" zweier Homosexueller nicht mit einer Ehe zwischen Mann und Frau gleichzusetzen ist? Offenbar, den der klassische Satz von der Gleichheit vor dem Gesetz ist mittlerweile durch das Gebot der "Nichtdiskriminierung" ersetzt. 

Nein, ich bin kein Militarist. Aber ich bin schon in einer Familie aufgewachsen, in der die Väter- und Großvätergeneration wenigsten zeitweise und mit Stolz eine Uniform trug, meist die des preußischen Heeres oder der kaiserlichen Marine. Und meinen Clausewitz habe ich gelesen. Die Gründe für dieses Studium nenne ich aber besser mal nicht. Zu lernen war, daß Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei. 

Freitag, 25. Februar 2011

Für Gott, König und Vaterland?


Wenn die arabischen Massen auf die Strassen strömen, melden sich bei mir nicht unbedingt euphorische Gefühle. Die vielzitierten arabischen Massen haben schon so manches blutrünstige und aggressive Regime an die Macht gebracht. Auch den Aufstand in Libyen finde ich nicht spontan sympathisch. Und die Fahne, die bei den großen Demonstrationen geschwenkt werden, habe ich bisher ignoriert. Bis ich feststellte, daß es sich dabei um die Fahne des libyschen Königreichs handelt. Ghaddafi hat diese Regierung, eine konstitutionelle Monarchie, 1969 durch seine "revolutionäre" Diktatur ersetzt. Es ist also die Fahne einer konstitutionell-demokratischen Vergangenheit. 

Wenn das die Zukunft wäre? Sind nicht die beiden arabischen Monarchien Marokko und Jordanien die modernsten und freiesten Länder der arabischen Welt? Und ist nicht die jordanische Monarchie  uns Christen wohlgesonnen, die Organisatorin der einzigen ernstzunehmenden arabischen Dialoginitiative?


Wikipedia unterhält übrigens eine offenbar brandaktuelle Seite über den libyschen Aufstand.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Dr. jur? Braucht kein Mensch!


Daß ein deutscher Kriegsminister (die Bezeichnung Verteidigungsminister find ich ebenso unpassend wie das im Schlurfeschritt einherlatschende krawattengeschmückte Berliner Wachbatallion) einen Dr. jur. braucht, versteh ich nicht. Bis ins 20 Jahrhundert hinein besuchten Kriegsminister allenfalls mal eine Militärakademie, aber von Juristerei ließ man in diesen Kreisen tunlichst die Finger. Eingedenk des Winkeladvokaten Varus, der bei der sogenannten Schlacht im sogenannten Teutoburger Wald sich von dem sogenannten Arminius in einen veritablen Hinterhalt locken ließ, was zur Ursache hatte, daß Arminius auf der römischen Militärakademie studiert hatte, während Varus seine Zeit mit juristischen Spitzfindigkeiten verplemperte.

Daß unser katholisch-blaublütiger Kriegsminister jetzt endlich seinen Dr.jur. in die Tonne tritt, nachdem er sich dem Erwerb dieses Titels offenkundig sowie nur mit offenkundig folgenschwerer Lustlosigkeit gewidmet hatte, ist ein Zeichen der Hoffnung.

Der Sieg am Hindukusch rückt näher. 

Als nächstes sollte von und zu vielleicht noch etwas am Outfit feilen. Obiges Beispiel paßt allerdings weniger zu gegelten Haaren, eher zur napoleonischen Windsturmlocke. Sollte kein größeres friseurisches Problem sein. Als nächstes sollte man dann darüber nachdenken, die Umwandlung der deutschen Armee in ein Söldnerheer zu überdenken. Schließlich hatte vor nunmehr rund 200 Jahren Scharnhorst, der auf obigem Bild konterfeite, das von preußischen Krautjunkern geführte und sich aus gesellschaftlichen Randgruppen rekrutierende preußische Söldnerheer in eine moderne Armee verwandelt. Der elegante Feldherr ging also den Weg, den von und zu jetzt zurückmarschieren will. Na ja, Scharnhorst mußte sich wie Clausewitz und Gneisenau sein "von" erst verdienen. Leistungsprinzip eben.

Das Thema paßt scheinbar nicht auf einen katholischen Blog. Aber nachdem sich die Welt scheinbar in Petitionisten und Memorandianer teilt, wollte ich bescheidentlich darauf hinweisen, daß es vielleicht doch noch Wichtigeres gibt. Wir haben einen Krieg. Und wenn unser in Krawatte und Anzug gekleideter Kriegsminister mit einem recht hat, dann, daß er endlich, endlich den Krieg am Hindukusch Krieg genannt hat. Und seinen Soldaten ein paar ordentliche Kanonen spendiert hat, derweil sich die Republik über fehlende Gänsefüßchen erregt. Hat da nicht mal wer was von spätrömischer Dekadenz gesagt?

Dienstag, 22. Februar 2011

Weiße Rose, Weiße Blätter


Heute vor 68 Jahren, am 22. Februar 1943 wurden die Widerstandskämpfer der Weißen Rose hingerichtet. Warum nannte sich die Gruppe um die Geschwister Scholl "Weiße Rose"?
Die schlüssigste Erklärung bietet eine bisher kaum beachtete Aussage Sophie Scholls gegenüber der Gestapo. Als sie ihren Bruder 1942, also noch bevor sie in die Aktivitäten eingeweiht wurde, nach der Bedeutung des Namens fragte, habe dieser geantwortet, "daß seiner Erinnerung nach während der französischen Revolution die verbannten Adligen eine weiße Rose als Symbol auf ihren Fahnen geführt hätten."Die Erklärung ruft auf den ersten Blick Verwunderung hervor: warum sollten sich Scholl und Schmorell gerade auf die Adligen berufen, sozusagen auf die antidemokratischen Konterrevolutionäre? (Sönke Zankel, Mit Flugblättern gegen gegen Hitler S. 286)
Vielleicht ruft die Berufung auf die "Konterrevolution" bei Herrn  Zankel Verwunderung hervor. Sie wird wohl auch bei den meisten glühenden Anhängern der "republikanischen Offensive" von heute Verwunderung hervorrufen. Doch Scholl und Schmorell wußten vermutlich nicht nur intuitiv über die geistigen Verbindungen zwischen dem jakobinischen Terror und der nazistischen Revolution. Hans Scholl war schließlich, wie fast alle Mitglieder der Widerstandsgruppe, in seiner Jugend ein begeisterter Anhänger der Hitlerjugend gewesen. Und die verstanden sich als revolutionäre Kämpfer gegen die "Reaktion". Die Gnadenlosigkeit und der wahrhaft revolutionäre Furor, mit denen die nationalsozialistischen Revolutionäre die adligen Mitglieder der Widerstandsbewegung des 20. Juli verfolgten, kann durchaus als Widerschein des jakobinischen Terreur verstanden werden, das Wüten der Marsellaise gegen das "sang impur" als Wetterleuchten der rassistischen Revolution der Nationalsozialisten.

Mosebachs Zitate aus einer Rede Himmlers und einer fiktiven Ansprache Saint-Justs, die Rede eines Massenmörders und die Rede eines jakobinischen Schlächters haben im deutschen Folliton bemerkenswerte Wallungen erregt. Aber der effektivste und mutigste Teil des deutschen Widerstands gegen Hitler hat sich selbst unter die "Weißen" gerechnet. Weiße Rose - Weiße Blätter. Während Nazis und Kommunisten unter roten Fahne marschierten, bis alles in Scherben fiel.

Montag, 21. Februar 2011

Astronomie und Officium divinum


Bei meinem letzten Besuch in der Kathedrale von Lund habe ich wieder einmal die großartige astronomische Uhr bewundert, die dort seit dem 14. Jahrhundert steht, oder besser stand, denn die heutige Uhr ist erst im zwanzigsten Jahrhundert nach alten Plänen rekonstruiert worden. Nun zeigen diese Uhren nicht nur die Uhrzeit im heutigen Sinn, sondern auch die sogenannten "temporalen" Stunden, die Zeiten also, zu denen ursprünglich und bis weit in unsere Zeit die Stundengebete gebetet wurden. Die alten mechanischen Uhren waren mit einem faszinierenden Aufwand konstruiert worden. Sie heute elektronisch zu simulieren, ist eher einfach. Mit GPS und Computertechnik passen sie in die Westentasche und gehen sogar genauer als die alten Uhren. Genaueres, auch zur Zeiteinteilung des Stundengebets hier.

Das Bild zeigt einen Screenshot des IPhone-Programms Astrock.

Sonntag, 20. Februar 2011

Ping gregoriano



Wenn ich mich nicht täusche, ist heute die XI. Messe "dran".

Vorfastenzeit



Todesstöhnen hielt mich umfangen; der Unterwelt Qualen umschlossen mich, In meiner Not schrie ich zum Herrn, und Er erhörte meinen Ruf von Seinem heiligen Tempel aus. Dich lieb ich Herr, o meine Stärke. Der Herr ist ja mein Fels, mein Hort und mein Befreier.

Heute sind wir wieder dran. Mit der Schola mein ich. Der erste Introitus der Fastenzeit ist einer der schönsten, aber er ist, gerade an den Stellen, an denen er so einfach scheint, nicht unkompliziert. Ein bißchen Lampenfieber. In keiner Musikform merkt man schneller, wenn einer der Sänger patzt.

Samstag, 19. Februar 2011

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten ....



Das altlinke Käseblatt, das den "Guttenberg-Skandal" inszeniert hat, wurde genau in dem Jahr und genau in der Stadt gegründet, in der ich 1968 mein Studium der Rechts- Staats- und Politikwissenschaften begann. Damals las ich noch mit Begeisterung verschrobene Artikel über "Marxistische Rechtstheorie". Die Begeisterung hat doch sehr nachgelassen.

Mußte also heute zusammen mit meinem Enkel Calle alte Beachboy-Songs hören, um mir klar zu machen, daß nicht alles in den 60ern ganz schlecht war. Die Orgel ist natürlich ein Hammond mit Leslieboxen, das elektronische Instrument ist übrigens kein Theremin, wie man auf den ersten Blick (bzw. auf den ersten Horch) vermuten sollte, sondern ein Tannerin.

Pipifaxland


Die ersten drei Seiten meiner heutigen Tageszeitung sind voll. Guttenbergs Doktorarbeit hier, Guttenbergs Doktorarbeit da, hat er nun ein halbes Dutzend Zitate, wie es sich der Ordnung halber gehörte, nicht kenntlich gemacht, oder mehr. Ein Thema das mir unumwunden gesagt, völlig am Arsch vorbeigeht.

Jedenfalls verdrängt dieser Pipifax die eigentliche Meldung des Tages auf die Seite fünf, daß nämlich erneut drei Soldaten der deutschen Armee im Krieg gegen die Terorbanden internationaler Islamisten ums Leben kamen. Auch Guttenberg, der nur einen Tag vor dem Anschlag am Ort des Anschlags einen Besuch abstattete, hat in Afghanistan einen gefährlichen Job.

In Afghanistan geht es um Leben und Tod, hier buchstäblich um ein paar Fußnoten. Pipifaxland. Die Welt brennt, in Deutschland sorgen sich die Krümelkacker um eine Doktorarbeit, die wie üblich in einer Auflage von wenigen hundert Exemplaren erschienen ist, und deren wesentlicher Sinn darin besteht, den Autor zum Schmuck eines Doktortitels zu verhelfen.

Die Initiatoren dieser "groundbreaking story" sind bekannt. Andreas Fischer-Lescano, Chefredakteur der Kritischen Justiz.

Kenn ich, das Blatt. Gegründet in den Jahren des Ruhms als erste linksradikale Juristenzeitung, die das Recht damals noch in den Dienst der proletarischen Weltrevolution stellen wollte. Sintemalen erschienen da noch Artikel über "Marxistische Rechtstheorie", wurde der leninistische Rechtstheoretiker Paschukanis bejubelt. Tja, mein SchockschwernotslangGedächtnis.

Die heutige Zuordnung des Blättgens läßt sich an der im schwerfälligen I-Deutsch geschrieben Selbstbeschreibung ablesen:
Die Zeitschrift "Kritische Justiz" wendet sich an JuristInnen, Jura-StudentInnen, ReferendarInnen, Rechts- und SozialwissenschaftlerInnen, GewerkschaftssekretärInnen, SozialarbeiterInnen, PädagogInnen, ÖkonomInnen, UmweltwissenschaftlerInnen.
Daß Fischer-Lescano als Gründungsmitglied dem "Ypsilanti-Institut für Angewandte Kuba-Wissenschaften" angehört, rundet das Bild ab. Ein Doktor der wahrscheinlich viele Wochen seiner aus Staatsmitteln bezahlten Zeit damit verbringt, einen anderen Doktor zu überführen, daß der ein halbes Dutzend Zitate seiner Doktorarbeit nicht als solche gekennzeichnet hat, hat wahrscheinlich nichts besseres zu tun.

Das Bild zeigt den Großonkel unseres Verteidigungsminister, Karl-Ludwig zu Guttenberg, einen der Köpfe des Widerstands im Dritten Reich, und Herausgeber der "Weißen Briefe".  Eine Erinnerung an  eine Zeit, in der es nicht um Fußnoten ging. Und ein kleiner Hinweis darauf, daß es im "Fall Guttenberg" nicht nur um eine Doktorarbeit geht, sondern um die bösen Erinnerungen einer politischen Linken, für die  ein Guttenberg eine ewige Erinnerung daran ist, daß die "antifaschistische" Linke im Kampf gegen Hitler versagt hat.

Freitag, 18. Februar 2011

Neokathogelischmemorandikalvolxaltaristischantiautoritärcontrapapistischsacropopikallesbischwultransgenderfeminogermanozentrimodernistischaggiornamentalprofessoralangelikanische Münsteraner Union


Ich habs! Nachdem ich, wie anbefohlen, meine ganze Energie auf die Namensfindung für die Memorandum-Freiheit-Kirche konzentriert habe, habe ich nun endlich den ultimaten Ausdruck gefunden. Sollte eigentlich nichts fehlen. Ihr katholisch-protestantischer Synkretismus, ihr im Kern antitheologisches Unterschriftenkartell, die Häresie der architektonisch-liturgischen Formlosigkeit, die ihren schärfsten Ausdruck in der allgegenwärtigen, kulturhistorisch meist völlig rücksichts- und geistlosen Installation von Volxaltären findet, die antiautoritäre Macke klebengebliebener Alt68er, der antipapistische, antirömische Affekt, die Zerstörung der Liturgie mittels NGL und Sacropop, die lesbisschwultrangsgendermäßige sexualpolitische Korrektheit, der altbacken violettstrümpfige Feminismus á la mode Schwarzer, nationalkirchlicher Germanozentrismus,  Modernismus und Aggiornamentalismus, nicht zuletzt die Tatsache, daß hier wie bereits im 19. Jahrhundert erneut eine "Professorenkirche" im Entstehen ist. Das Adjektiv angelikanisch muß man noch erklären:

Wilhelm Buschs Pater Filucius ist eine Bildergeschichte, die die politisch-religiösen Kriege des Jahres 1970 ingeniös zusammenfasst: "Man versteht diese allegorische Darstellung der kirchlichen Bewegung, welche sich im Anfang der [18]70er Jahre abspielte, wenn man für Gottlieb Michael den deutschen Michel, für Tante Petrine die römische, Pauline die evangelische Kirche setzt; die Base Angelika ist dann die freie Staatskirche der Zukunft. Der Jesuit Filucius führt den Hund Schrupp, die demokratische Presse, ein und sucht mit seinen Helfershelfern, der Internationalen und den Franzosen, den Haushalt zu stören; dagegen ruft Michel Hiebel den Wehr-, Fibel den Lehr- und Bullerstiebel den Nährstand zu Hilfe, mit deren Unterstützung er auch die ganze unsaubere Wirthschaft zum Fenster hinauswirft." So Wilhelm Busch im O-Ton. Die preußische Staatsregierung im Bund mit den jakobinischen Liberalen, die das preußische und deutsche Parlament beherrschten, träumte von einer handzahmen Kirche, in der man wohl unter anderem die Deutschkatholiken, vor allem aber die Altkatholiken gesehen hat, auf protestantischer Seite den Modernismus. Auch Pauline, die Allegorie des Protestantismus steht am Ende im Hintergrund und muß mit saurer Miene zusehen, wie der deutsche Michel die Angelika, Allegorie der liberalen Staatskirche ehelicht. Lesen und verstehen.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Aufstehen! Aufeinander zugehn!



Wieder eine triste Geschichte aus der katholischen Welt. Zwei junge Menschen lernen sich kennen und lieben, leben miteinander wie Mann und Frau, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Bei den beiden jungen Menschen handelt es sich nämlich um zwei homosexuelle Priester der katholischen Kirche. Die beiden Priester haben inzwischen den Dienst quittiert. So weit, so schlecht.

Doch in diesen unseren Tagen bleibt ein solches Ereignis nicht ungenutzt, sondern dient selbstverfreilich zum Anlaß einer fulminanten kirchenpolitischen Reformoffensive:
Deshalb fühlen sich Reicherts und Schmidt durch das kürzlich veröffentlichte Memorandum 'Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch' bestärkt, das inzwischen von rund 250 katholischen Theologieprofessoren unterstützt wird. Diese fordern angesichts der beispiellosen Krise der Kirche grundlegende Reformen – die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester etwa oder die Zulassung von Frauen zu geistlichen Ämtern. 'Die Theologen haben es auf den Punkt gebracht', sagt Schmidt. 'Die Kirche muss begreifen, dass es nicht mehr um Macht geht, um Gängelung und Unterdrückung, sondern um die Begleitung der Menschen.' Wichtig sei, dass die katholischen Christen 'endlich aufstehen und nach ihren Überzeugungen handeln'.
Ja, das ist doch mal eine gute Sache. SELBSTORGANISATION heißt das Wort der Stunde! Ist doch alles schon da, was gebraucht wird, um eine richtige anständige katholische Sekte zu gründen! Sogar ein eigenes Zentralkommittee hat es schon, daß diese Reforminitiative sicher wärmstens unterstützen wird! Es gibt sogar schon eine politische Partei, die das Projekt vehement befürwortet! Der Parlamentspräsident seht hinter Euch! Und mit 231 Professorinnen und Professoren ist da doch jede Menge theologische Manpower mit an Bord! Bestimmt finden sich auch jede Menge Priesterinnen und Priester, die mitmachen! Mit den ganzen illegal geweihten Priesterinnen, die bestimmt allein in Deutschland mehr als eine Hundertschaft aufmachen, ist der Priestermangel doch auf einen Schlag kein Problem mehr! Und wenn ich so die Statistiken lese, die die Welt, der Stern oder die Süddeutsche veröffentlichen, sind doch eh 40 % aller Priester schwul, 50% leben mit einer Frau zusammen macht 90%, so daß endlich eine katholische Kirche entstehen würde, für die PRIESTERMANGEL ein VÖLLIGES FREMDWORT ist!  Und einen Jingle gibt es ja auch schon! Ist natürlich von Clemens Bittlinger. Und ein paar abgelegte Bischöfe finden sich bestimmt auch noch, die mitmachen!Ich will ja jetzt keine Namen nenne, aber das ist doch irgendwie auch eine Frage der NÄCHSTENLIEBE! Und die Gründung einer KöR ist doch wirklich baby, da schreib ich sogar liebend gerne die Satzung! Natürlich zum Freundschaftspreis! Und da sich ja dann Umfragen zufolge 80% aller deutschen Katholiken hinter Euch versammeln, gibt es doch kohlemäßig gesehen überhaupt kein Problem.

IHR SETZT EUCH PRAKTISCH INS GEMACHTE NEST!

Ja für uns Zurückgebliebene wäre es natürlich hart, zurechtkommen zu müssen mit bloß noch 10% der verbleibenden Priester. Und den paar Professoren, die noch übrigbleiben. Ja das sind dann nicht mehr XXL-Pfarreien, sondern XXXL-Pfarreien, und um einen Religionslehrer zu finden, müßte man dann weite Wege fahren.

Aber macht Euch keine Gedanken um uns. Wir kommen schon zurecht.

Die Immobilienfrage müßte ja noch geklärt werden, aber für kreative Gottesdienste reichen doch auch die vielen leerstehenden Dorfgemeinschaftshäuser, sozialistischen Versammlungsstätten und Betonkirchen im Frugalstil der 60er Jahre und eigentlich alles, was den Versammlungsrichtlinien entspricht. Ihr seid doch keine Ästhetizisten! Oder? Ihr könntet uns doch den ganzen alten Plunder überlassen, den ihr nicht mehr braucht. Gothische Kathedralen, Barocke Kirchen, Hochaltäre, Heiligenbilder, den ganzen geschnitzten und gefaßten Statuen- und Statuettenplunder, sowie diese truscheligen Meßgewänder, und für die kreative Liturgie im modischen Stil der 21er jahre reicht doch auch Selbstgetöpfertes! Es gibt praktisch keine Gemeinde unserer Geschwisterkirche, die keinen Töpferkurs hat. Fragt einfach mal nach! Das ganze alte versilberte und vergoldete Blech könnt ihr uns geben. Zum Materialpreis selbstredend. Müßt ihr dann nicht mehr dauernd putzen. Wir haben für alles eine Verwendung.

Und die Namensfrage. Schwierig, schwierig. Deutschkatholisch und altkatholisch ist ja schon besetzt. Aber bei der Namensfindung hilft Euch die versammelte Blogozese! Ich habe ja schon ein paar Vorschläge. Wie wäre mit Memokatholizismus! Volxaltarische Tischgemeinschaft?
Radikaldemokratischer Kathoevangolizismus! Ökukathoprotestantische Kirche der Münsteraner Union?

Wir machen jetzt ein Brainstorming! Nur für Euch!

Clemens-Bittlinger-Sacro-Pop in einer katholischen Kirche. Da hab ich irgendwie die Vision, daß sich die Heiligenbilder von selbst zusammenrollen und aus der Kirche kugeln. Und ich seh mich selbst in den 60igern, wie ich mit dem CVJM eine Sakroposhow in unserer 50er-Jahre-Kirchenturnhalle abziehe. Mit unserem Fähnleinführer mit Klampfe und kurzen Hosen. Ich hoffe, daß ihr alle Verständnis dafür habt, daß ich mich anschließend mit MC5-Gedröhn und Stones-Geröchel bei den Anarchos ein bißchen erholen mußte. Heute gibts dafür nur noch Gregorianik. Ja. Auch aus gesundheitlichen Erwägungen. Bin immer noch sakropopgeschädigt. Kick out the jams *piep*!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Der Kampf gegen die PID ist verloren


Während wir uns über das F-Memorandum aufregen, zieht das prominenteste Mitglied der CDU-Politikergruppe, die für das Vorspiel zum F-Memo gesorgt haben, Norbert Lammert, die Strippen. Die Bündnisse sind geknüpft, die Strategie steht, das Verbot wird fallen. Dasselbe unsägliche Bündnis von ZK-Katholiken und liberalen Protestanten, das letztlich die entscheidenden Stimmen für die Aufweichung des Embryonenschutz besorgt hat, besorgt nun die Stimmen für die - vorläufig - teilweise Freigabe der Präimplatationsdiagnostik.

EKD-Präses Schneider, der schon seit Monaten für die Freigabe der PID plädiert hat einen entscheidenden Erfolg erzielt. Zwar hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in seiner am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme zunächst alle die Argumente zusammengetragen, die aus christlicher Sicht gegen die Zulassung der PID sprechen. Dann jedoch heißt es in der Stellungnahme:
"Unter den Mitgliedern des Rates", so heißt es, "gibt es unterschiedliche Meinungen zur Bewertung von Konstellationen, bei denen die Anwendung der PID nicht die Funktion hätte, zwischen behinderten und nicht behinderten Embryonen zu unterscheiden, sondern die Aufgabe, lebensfähige Embryonen zu identifizieren." Gemeint sind damit jene Fälle, in denen die Gefahr eines raschen Kindstodes besteht. Diese Fälle unterscheiden sich laut Stellungnahme von anderen "prinzipiell" dadurch, "dass es nicht um 'lebenswert' und 'nicht lebenswert', sondern um Lebensfähigkeit und Lebensunfähigkeit" gehe. In diesen Fällen "könnte die Möglichkeit eingeräumt werden, die PID zuzulassen", sofern ausreichende Beratung der Paare gewährleistet und Missbrauch ausgeschlossen sei.
Damit hat sich der Rat ausdrücklich nicht, jedenfalls nicht einstimmig gegen die PID ausgesprochen, sondern hält es für vertretbar, die PID in den Fällen zuzulassen, in denen die Geburt eines nicht lebensfähigen Kindes verhindert werden könnte. Ausgesprochen auffällig, daß diese Position genau der entspricht, die der bischöflich höchstgelobte Norbert Lammert gemeinsam mit anderen Parlamentariern in einem von ihm und anderen eingebrachten Gesetzesentwurf vertritt. Diese Parlamentarier wollen die PID nämlich dann zulassen, wenn bei einem Elternteil eine genetische Disposition vorliegt, "die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu Fehl- oder Totgeburten oder zum Tod des Kindes im ersten Lebensjahr führen kann." Unisono, oder nicht?

Die politische Konstellation ist bekannt. Das letzte Mal, war es der EKD-Vorsitzende Huber, der auf evangelischer Seite die Ablehnungsfront gegen eine Aufweichung des Embryonenschutzgesetzes zusammenbrechen ließ. Gemeinsam mit der ZK-Katholikin Schavan, die die entscheidenden Stimmen für die parlamentarische Mehrheit einbrachte, darf er sich als entscheidender Protagonist dieses vorletzten Anschlags auf das Lebensrecht sehen.

Liberale Katholiken, liberale Protestanten, liberale Liberale, schließlich liberale Linke. Seit mehr als hundert Jahren, seit den Jahren des Kulturkampfes hat diese Konstellation noch jeden katholischen und - was man häufig vergißt auch konsequent-evangelischen - Widerstand überwunden.

Das F-Wort


Sich Gedanken darüber zu machen, was Christus wohl zur, sagen wir mal, Tobin-Steuer sagen würde, ist ein beliebter Sport bei den Geißlers unserer Tage. Das Ergebnis ist allerdings vorhersagbar. Natürlich würde Christus genau das sagen, was ATTAC-Mitglied Geißler, sagt, das er sagen würde.

Mich wundert, daß sich kaum jemand fragt, was Paulus sagen würde, vor allem was er zu denen sagen würde die sich explizit auf ihn berufen. Wie die Memokatholiken. Denn das Wort von der "Freiheitsbotschaft des Evangeliums" nimmt schließlich explizit Bezug auf Gal. 5,1. Im Wortlaut also Paulus statement zu Memo-F-
1 Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht. Steht nun fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten! 2 Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. 3 Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. 4 Ihr seid von Christus abgetrennt1, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen. ...
13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe! 14 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 15 Wenn ihr aber einander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet! 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. 17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt. 18 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr nicht unter dem Gesetz. 19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, 21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden. ...
 Daß Paulus nicht von Freiheit im modernen Sinne spricht, ist jedem Exegeten geläufig. Die Freiheit des Evangeliums ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Freiheit von dem Gesetz der Beschneidung. Die Memofreiheit hat mit dieser - paulinischen - Freiheit des Evangeliums rein gar nichts zu tun. Die Memofreiheit bedeutet die Freiheit von "römischer Bevormundung" (Handlungsfeld 1(ich kann mich nur schwer an diesen Theologenschraubsprech gewöhnen)), von priesterlicher Autoriät (HF2), von der Rechtsautorität der Kirche (HF3), von der moralischen Autorität der Kirche im Bereich der menschlichen Sexualität (Scheidung, Homosexualität, "sexuelle Befreiung" HF4) von "rigoroser Moral" (HF5), von der "traditionellen" Liturgie (HF6).

Eine katholische Kirche also ohne Papst, ohne Priester, ohne Recht, ohne Moral, ohne Sünder, ohne Liturgie. Die Unverfrorenheit, sich mit einem solchen Programm auf Paulus zu berufen, kann man eigentlich nur mit einem guten, alten, unübersetzbaren jiddischen Wort beschreiben: Chuzpe.

So wird die Freiheit des Evangeliums zum F-Wort.

Ich wußte gar nicht, daß das LKA-Nordrheinwestfalen mal von Michael Hesemann damit beauftragt wurde, ein Phantombild von Paulus herzustellen. Die Kriminaler waren fleißig und natürlich sehr professionell. Sie nutzen die frühesten bildlichen Darstellungen und Berichte von Augenzeugen, die zur Verfügung standen. Man könnte sich mit diesem Bild Paulus anläßlich der Pressekonferenz der apostolischen Bischofskonferenz zu den Münsteraner Häresien vorstellen. Ob er wohl einen Brief an die Münsteraner geschrieben hätte?

Dienstag, 15. Februar 2011

Krawattenalarm!



Ieeekh! Krawatten allerorten. Sogar unsere Armee trägt Krawatte. Muß man sich über die Ausbreitung des Typus des Krawattenpriesters wundern? ich meine NEIN!

Unter dem nicht kopierbaren Video des Großen Zapfenstreich, auf dem traditionsgemäß ebenfalls der Yorcksche Marsch gespielt wird, findet sich unterhalb des Videos unserer hochnotpeinlichen Krawatten und Sacko-Armee, die sich peinlichst bemüht, nicht zu marschieren, sondern zu schlurfen, ein interessanter offenbar amerikanischer Kommentar:
The yorkscher... beautiful march but the display is so humble so humble... no goose step....soldier with ties, etc.  No this indeed is far from the "old tradition".
Der yorksche ... ein schöner Marsch, aber der Auftritt ist so demütig, so zerknirscht ... kein Stechschritt .. Soldaten mit Krawatten, etc. Nein, dies ist in der Tat weit weg von der "alten Tradition".
Kommt mir irgendwie bekannt vor: ich bin Soldat, tschuldigung, soll nicht wieder vorkommen, ich bin Katholik, tschuldigung, soll nicht wieder vorkommen. Offenbar ist das Verhuschte, Verklemmte, die allgegenwärtige Selbstverachtung zur Grundhaltung nicht etwa nur des Deutschen geworden.

Mein Großvater war Angehöriger der Kaiserlichen Garde. Er fiel im ersten Weltkrieg. Aus verwickelten Gründe habe ich seine Militärdevotionalien geerbt. Die Tabakspfeife, die alle Reservisten zum Abschied bekamen, ein koloriertes Bild meines Großvaters in der Paradeuniform der Kaiserlichen Garde. Er war so unglaublich stolz darauf, in der Garde dienen zu dürfen.
Nie hat sich die Menschheit so hässlich gekleidet wie in unserer Epoche der freien Kleiderwahl. Den Menschen kleiden nur traditionelle Trachten oder Uniformen. Nicolas Gomez Davila

Montag, 14. Februar 2011

Muttikirche statt Mutter Kirche


Das Memorandum-Freiheit-Thema läßt mich nicht los. Dafür gibt es ja gute Gründe. Schließlich bin ich vor den Verhältnissen geflüchtet, die die unterschreibenden Theologen des Memorandum-Freiheit nun so dringend und "notwendig" in der katholischen Kirche umsetzen wollen. Coca-Cola und Käsebrötchen zum "Abendmahl", schröckliche Muzak alias "Neues Geistliches Lied", PfarrerInnen, die jedesmal, wenn sie das Glaubensbekenntnis rezitieren, eigentlich Zeige- und Mittelfinger hinter dem Talar kreuzen müßten, Flower-Power-Pop-Op Events statt Gottesdienst, Zeitgeistbesoffene Oberprälaten die sich bei jeder geistigen Volksseuche, die mal grad dran ist, gleich die Kante geben, und - ja das ist das Thema des heutigen Tages - die Muttikirche.

Beginnen wir mit obigem (Juristen lieben Schwurbeldeutsch) Bild. Das mal wieder von bad vestments stammt, einer meiner Lieblingsseiten.

Warum sehen eigentlich Frauen in liturgischer Kleidung meist völlig bescheuert aus? Zwei Gründe:

Frauen neigen offenkundig dazu, liturgische Kleidung unter dem Begriff Mode einzuordnen. Jede Modetorheit, vor allem die in frommen Kreisen so beliebte Do-it-yourself-, Strick-, Häkel-, und Batikmode, kommt damit verzögerungsfrei in schrecklichen Meßgewändern zum Ausdruck.

Die aus einer langen, schon vorchristlichen Tradition hergeleiteten Meßgewänder sind für Männer gemacht. Eine Albe, eine Kasel, eine Dalmatik passt zu einer männlichen Figur, Männer haben diese Kleidungsstücke und ihre antiken Vorbilder Jahrtausende getragen. Eine Frau in eine Casula - oder was so aussehen soll - gekleidet, und um das Maß des Scheußlichen vollzumachen, noch dazu mit einer Überstola "geziert", ist - ein Transvestit.

Nun der Zeitgeist will es ja so, daß Frauen als Pfarrerinnen im Geiste der "Gleichstellung" (wo ist eigentlich das alte gute Wort "Gleichberechtigung" geblieben?) selbstverständlich ihren "Mann stehen" sollen. Die lieben evangelischen MitbrüderInnen und Mitschwesteriche (einschließlich unserer lieben katholischen AlttheologInnen) versäumen ja keine Gelegenheit, uns zurückgebliebenen Katholiken unter die Nase zu reiben, daß wir ja so hoffnungslos dem Mittelalter verhaftet bleiben, weil wir diesen entscheidenden Reformschritt noch nicht mitgegangen sind.

Und gegen den vorgeblichen "Priestermangel" scheint es ja ein Mittel zu sein. Wenn auch nicht wirklich. Zwar gibt es etwa jedes Jahr mehr evangelische StudentInnen die sich auf das evangelische Pfarramt vorbereiten als Seminaristen, die Priester werden wollen, rechnet man die hohe Zahl der Studienabbrecher ab, bleiben aber jedenfalls weniger als 200 Absolventen pro Jahr, zu wenig, um die freiwerdenden Stellen zu besetzen. Und ein stets wachsender Anteil ist weiblichen Geschlechts, im Bundesmittel mehr als 60%, in einzelnen Landeskirchen, vor allem im Osten sogar 80%.

Und mittlerweile meldet sich Kritik an dieser Entwicklung, die man als Feminisierung sehen muß, auch aus den eigenen evangelischen Reihen.
Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf hat die Qualität evangelischer Theologiestudierender massiv bemängelt. Die evangelische Kirche habe zu wenig Theologennachwuchs, sagte er am Freitag in Dresden. Dabei breche die Tradition ab, dass es für das Pfarramt zumeist männliche Studierende aus gut gebildeten Familien gebe. Das Pfarramt werde zu einem Frauenberuf, zumeist für Studentinnen aus einem nichtakademischem Elternhaus. Eher „Muttityp statt wirklich intellektuell“, meinte der in München lehrende Systematische Theologe.
Sie verbänden das Bild von einem „Kuschelgott mit schlichten Gedanken“. Das sei auf Dauer eine für die Theologie bedrohliche Entwicklung. Er wünsche sich nicht, dass seine Enkel, wenn er welche hätte, mit solchen Pfarrerinnen konfrontiert sein müssten.
Die Nachricht kann nicht ganz stimmen. Prof. Dr. Dr. h.c. Friedrich Wilhelm Graf hat in seiner Ansprache bestimmt nicht den grammatikalisch absurden Begriff "Theologiestudierender" gebraucht. Aber erkennen wir in diesem Bild nicht unsere allseits - abgesehen von gewissen ultrakonservativen Randgruppen - beliebte Ex-Bischöfin, Ex EKD-Ratsvorsitzende K.? Die Liste ihrer theologischen Fehlleistungen ist ja legendär, aber ihre Fähigkeit, andere Menschen für sich einzunehmen, indem sie ihnen nach dem Mund redet, ebenfalls. Grad gestern hat sie mal wieder einen Preis eingeheimst.

Auf die Gefahr, daß ich mich bei meinen weiblichen Leserinnen in die Nesseln setze: ist es denkbar, daß nicht nur das Amt eines Priesters - allerdings aus ekklesiologischen Gründen - sondern auch das Amt eines Pfarrers - aus gewissermaßen theologischen Gründen - kein Frauenberuf ist? Jedenfalls dann nicht, wenn man den Pfarrer nicht als Sozialarbeiter, sondern als geistlichen Leiter der Gemeinde sieht, als wissenschaftlich gebildeten Theologen, dessen Hauptaufgabe darin besteht, dem Gottesdienst vorzustehen, das Evangelium zu predigen und auszulegen. Ist es vielleicht so, daß die weibliche Neigung zum Pragmatismus jedenfalls dieser Form der Ausübung des Amtes eines Pfarrers im Weg steht?

Dem weiblichen "run" auf das Amt des Pfarrers korrespondiert bezeichnenderweise ein Aussterben des klassischen weiblichen "Amtes", der Diakonissin.

Eine Bewegung, die Parallelen in der katholischen Konfession hat. Dem Aufflammen der Diskussion über die angebliche "Männermacht" in der Kirche, den seit Jahrzehnten immer wieder und wieder wiederholten Forderungen nach Emannzipation (nein, ich habe mich nicht verschrieben), der Forderung nach Ordination von Frauen korrrespondiert ein Zusammenbruch der Berufungen in den weiblichen Orden. Um 1950 gehörten in Deutschland fast 100.000 Frauen verschiedenen Orden an. Heute sind es noch rund 22.000. 83% der Ordensfrauen sind über 65.

Frauen also "erobern" die Postionen der "Männermacht" und bestätigen das Peter-Prinzip. Doch sie fehlen dort, wo sie dringend benötigt würden, in den einstmals "typisch weiblichen" Berufen. Denn diese Berufe und Tätigkeiten sind nichts wert. Ein absurdes Ergebnis der "Frauenbefreiung", die doch angetreten war um die Abwertung des Weiblichen zu beenden.

Die evangelische Kirche in Deutschland hat nicht nur immer mehr und mehr Pfarrerinnen, sondern auch insgesamt fünf Bischöfinnen. Vier davon sind geschieden. Kann ein Zufall sein. Oder auch nicht.

"Der Bischof in der Mitte wirkt wie ein Gockel unter seinen Hennen." Sagt meine Herzallerliebste. Was ich niemals zu sagen wagen würde.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Freiheit, die sie meinen



Bei aller Aufregung über Memorandum-Freiheit (so der URL im internet) sollten wir nicht vergessen, worum es geht. Unter anderem um den Kampf um eine Kultur des Leben. Und was da die Präsentation christlicher Botschaften angeht, ist ein Blick über den Teich sehr empfehlenswert. Die Manhattan Declaration hat einen Pro-Life Video Contest ausgeschrieben und dieses beeindruckend professionelle Video ist der Gewinner.

Wäre noch zu erwähnen, daß - auch wenn das Thema Abtreibung nicht explizit im Memorandum-Freiheit erwähnt wird - eine ganze Reihe der Unterstützer zur "donum vitae"-Szene gehört.

Freiheit, die sie meinen.

P.S. Mein Favorite-Pro-Life-Video ist allerdings Juno: Naja, nicht ganz catholically correct, aber ich kann die Dialoge in zwei Sprachen auswendig mitsprechen.

Montag, 7. Februar 2011

I Like it


Liken, daß die Schwarte kracht!

Memorandum 2011: Von der Unfreiheit eines Unchristenmenschen


Das Schlüsselwort heißt: Freiheit. Wer nach der Homepage der Verfasser des Memorandums Kirche 2011 sucht, wird unter memorandum-freiheit.de fündig. Der knappe Text enthält dreizehn Mal das Wort "frei" oder "Freiheit" in verschiedenen Zusammensetzungen und Tönungen, drei der sechs Thesen haben das Thema "Befreiung" - im wesentlich von der "bevormundenden" Kirche. Protestantische Phraseologie, die bei Protestanten meist weit kritischer gesehen wird, als bei progressiven Katholiken.

"Kirche der Freiheit" nannte der Ratsvorsitzenden der EKD Huber ein Thesenpapier, das ein Trupp evangelischer Funktionäre im Jahre 2006 verbreitete. Kirche der Freiheit - Intelligent schrumpfen (*eben!*) ist ein Interview überschrieben, das sich heute noch auf der Seite der EKD findet. Und in diesem Interview muß sich der Sozialdemokrat Huber vorhalten lassen, daß man die Parole "mehr Freiheit wagen" doch schon einmal gehört habe, von einem der bekannteren deutschen Sozialdemokraten. Recyling also allerorten. Die Evangelischen recyceln politische Parolen, der progressive Katholizismus evangelische Parolen.

Wovon man sich befreien will ist ja kaum zu übersehen: von der bevormundenden Kirche. Also alles noch mal von vorn, Reformation, diesmal von innen, oder genau gesagt von innen oben, noch genauer gesagt von der Kanzel der hochgelahrten Doctorii und Professorii herab, Aufklärung als Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, Demokratisierung der Kirche à la francaise, nicht zu vergessen die sexuelle Revolution im Stile von Sartre, Beauvoir, Reich, Kommune 2 und Judith Butler.

Mich packt da schon eine gewisse Verzweiflung, wenn ich sehe, daß da wohlbestallte Beamte mit W3 aufwärts die alten Revo-Fähnchen schwenken, die ich selbst mal geschwenkt habe - was mir die W3 aufwärts allerdings ziemlich vermasselt hat. Ja, ich war ein von der Überlegenheit des Kulturprotestantismus zutiefst überzeugter junger Mann, war linksradikaler Jakobiner, lief mal mit zwei riesigen Creolen rum, weil ich Saint-Just so toll fand, und bei der Sexpol-Bewegung war ich vorne dran. Simone de Beauvoir mußte ich einfach gut finden, weil sonst mir jede Chance einen herzallerliebsten Schatz zu finden, gänzlich versperrt gewesen wäre. Und diesen ganzen Freud-Reich-Fromm-Psychomüll der 60er hab ich gefressen, bis er mir zu den Ohren rauskam.

Nun unterschreiben da mittlerweile 205 Hochschullehrer(lein?) (Tendenz steigend) ein Manifest, daß ein krudes Sammmelsurium neoprotestantischer, "aufgeklärter", jakobinischer, sexualreformerischer Ideen darstellt, an denen die katholische Kirche genesen soll. Daß die "Befreiung" von der "römischen Bevormundung" in der Geschichte meist in der Unterwerfung der Kirche unter die Macht des Staates endeten, will wohl keiner zur Kenntnis nehmen. Und daß die "sexuelle Befreiung" wie die "Befreiung der Frau" in einer im wahrsten Sinn des Wortes brutalen neuen Form der sexuellen Sklaverei endete, auch nicht.

Wie man wohl im allgemeinen übersieht, daß man mit flatternden Freiheitsfahnen in eine neue Diktatur segeln könnte, zwar nicht mehr die der absolutistischen Fürsten oder der Sansculotten, aber doch wenigstens in die des publizistischen Triumvirats BahnersDeckersPrantl.

Das gilt ganz allgemein für die typisch protestantischen "notwendigen Aufbrüche". Die Unterzeichner werden selbst nicht bestreiten, daß sie gewissermaßen eine Protestantisierung der Kirche betreiben. Aber bei so mancher Forderung ist ihnen wohl kaum klar, daß sie zum protestantischen Urprogramm gehören. Das gilt etwa für "Handlungsfeld" (ach dieser hohl blechern dröhnende Pädagogenjargon) Nr. 6:
Der Gottesdienst darf nicht in Traditionalismus erstarren. Kulturelle Vielfalt bereichert das gottesdienstliche Leben und verträgt sich nicht mit Tendenzen zur zentralistischen Vereinheitlichung.
Dem Lutheraner (selbstverfreilich auch dem Ex-Lutheraner) wird das höchst bekannt vorkommen. Art. 28 der confessio augustana bestreitet ja nicht etwa nur die weltliche Gewalt der Bischöfe, sondern auch deren Recht, innerkirchliche Satzungen zu errichten, nicht zuletzt, liturgische Vorschriften zu erlassen. Die "Liturgiefreiheit" war den Lutheraner und ist den progressiven Katholiken integraler Bestandteil der "Romfreiheit", oder um es mit Carl Schmitt zu sagen, des antirömischen Affekts.

Mit dem Freiheitssinn des Protestantismus - so weit er sich nicht als Befreiung vom römischen "Zentralismus" versteht - ist es im übrigen nicht weit her. Protestanten ist dies meist klarer bewußt als den protestantisierenden katholischen Luther-Sympathisanten.

Bei meinem letzten Besuch in der einstmaligen erzbischöflichen Kathedrale Skandinaviens in Lund fiel mir eine Broschüre in die Hände, die nicht nur die Geschichte des Doms, sondern auch die Geschichte der Reformation in Skandinavien beschreibt. Die Reformation - so heißt es da - habe in Skandinavien den Charakter eines Staatsstreich ("coup d´etat")angenommen. Das Ergebnis war - so die schwedisch-lutherische Erkenntnis - der erste totalitäre Staat Europas.
"By today´s standards, Swedish society of the 17th and 18th centuries would generally be considered totalitarian, Lutheran orthodoxy and strict church discipline were mainstays of systematic public control, an the church endorsed the Crown´s claims to power."
Die Befreiung vom lediglich geistlichen römischen "Zentralismus" endete - schon vergessen -  im protestantischen Autoritarismus der - später gemildert durch das freundliche Regiment aufgeklärter Fürsten - den ganzen europäischen Norden durchseuchte.

Noch schlimmer allerdings die hachsodemokratische andererseits so viel - unter anderem von dem trio infernale BahnersDeckersGeyer - gelobte Direktwahl der Bischöfe und Priester.
Gemäß dem alten Rechtsprinzip „Was alle angeht, soll von allen entschieden werden“ braucht es mehr synodale Strukturen auf allen Ebenen der Kirche. Die Gläubigen sind an der Bestellung wichtiger Amtsträger (Bischof, Pfarrer) zu beteiligen. Was vor Ort entschieden werden kann, soll dort entschieden werden.
So war es einst gewesen und ist es nimmermehr. In den ersten Jahrhunderten wurden die Bischöfe in der Tat vom Kirchenvolk gewählt. Augustinus hat sein ungeliebtes Amt auf diese Weise erworben. Doch der römische Zentralismus hat seinen Sinn. Er war bitter notwendig, um die politische Einflußnahme auf die Besetzung der Bischofsämter zu unterbinden. Jahrhundertelang und bis heute kämpft die Kirche um dieses Recht. Es wurde ihr genommen von so manchem mittelalterlichen Potentaten, vom englischen König, von den preußischen Kulturkämpfern, von der kommunistischen Diktatur Chinas.

Was da so demokratisch daherkommt ähnelt doch verteufelt der constitution civil du clergé der französischen Republik von 1790. Die Bischöfe etwa wurden gemäß dieser constitution durch Wählerversammlungen auf Ebene der Departements durch Priester und Laien (inclusive der protestantischen Laien!) gewählt. Jegliche Einflußnahme des Papstes wurde ausgeschaltet. Die Priester hatten einen Eid auf die (antikatholische) Verfassung der Republik zu leisten. Rund die Hälfte aller Kleriker und die Mehrheit der Bischöfe unterzeichnete nicht. Ihnen wurde als "Eidverweigerer" zunächst die öffentliche Predigt untersagt, schließlich wurden sie verhaftet, vertrieben, ermordet. Bei dem Septembermassakern des Jahres 1792 wurden 200 "Refractaires" von einem blutdürstigen Mob abgeschlachtet. Die Demokratisierung der Kirche endet mit einem Blutbad und schließlich der Dechristianisierung Frankreichs.

Ich glaube nicht, daß sich die offenbar kirchenhistorisch und kirchenrechtlich eher unbedarften Professoren darüber Gedanken gemacht haben, in welche Tradition sie sich stellen. Aber vor meinem geistigen Auge erscheint ein gewisser junger Mann mit zwei riesigen Ohrringen, wenn ich dieses Papier lese.

Das Bild zeigt einen "Untergrundgottesdienst" eines  prêtre refractaires 

Sonntag, 6. Februar 2011

Dialog der Verstopften


Lese heute in der Zeitung "Bischöfe und Laien gehen im Streit um das Zölibat aufeinander zu"

Ein gewisser "tsv" in der WamS schreibt so. Interessante Sache das. Genannt werden die "Laien" Lammert, Schavan, Kiechle, Vesper. Ein Parlamentspräsident, eine Ministerin, ein Ordensprovinzial, der Sprecher eines sich katholisch nennenden Zentralkommitees, gegen dessen Rekrutierungsmechanismen die Prinzipien des demokratischen Zentralismus des leninistischen ZK der KPdSU noch leidlich basisdemokratisch aussehen. Nicht genannt, aber selbstverständlich mitgemeint die Professorii und Doktorii die das Memorandum 2011 unterzeichnet haben, hochbesoldete Bildungsfunktionäre im Dienste des Staates und der Kirche , Gremiokraten und Funktionäre unter ihnen nicht wenige, auf die die knackige Charakterisierung Hans Küngs im englischen Sprachraum zutrifft. Left-wing wackos on the fringe.

Was schließen wir daraus?

Die katholischen Männer und Frauen, die ihr hartes Brot außerhalb des kommoden öffentlichen oder quasiöffentlichen nämlich kirchlichen Dienstes verdienen, die sich vor allem der Familienarbeit oder der Arbeit in anderen Betrieben als denen der öffentlichrechtlichen beschützenden Werkstätten widmen, sind eines jedenfalls nicht: die Basis.

Nun, zur Basis gehören ja selbstredend auch nicht die Dialogpartner auf der anderen Seite. Und so dialogisieren denn auch verständnisvollst die längst dem wirklichen gemeindlichen Leben entfremdeten bischöflichen Funktionäre mit den dem Leben ihre Wähler entfremdeten Politikastern sowie mit denen aus dem Elfenbeinturm in einem Dialogprozeß der, wie man hört, schon seit 20 Jahren andauern soll. Was nun wirklich nicht mehr karikiert werden kann.

Eine im übrigen grauenhafte Vorstellung, führt man sich vor Augen, daß dieser Prozeß zum Memorandum 2011 geführt hat. Was wird wohl ganz am Ende dieses Prozesses stehen? Man mag es sich nicht vorstellen.

Manchmal keimt dann doch die Hoffnung, daß die Dialogpartner gleichsam die Husni Mubaraks des deutschen Katholizismus sind. Das sind nicht die jugendlichen Revolutionäre in der schwarzen Lederjacke. Es sind ergraute Männer und Frauen, zu nicht unerheblichen Teilen kurz vor oder auch schon lange nach dem Pensionsalter, die ihre besten Zeiten in den 60igern und wenigen Folgejahrzehnten hatten. Die vom großen Aufbruch träumten und eine der größte Katastrophen des katholischen Lebens in den letzten drei Jahrhunderten erlebten. Die sehen müssen, wenn sie es denn sehen wollten, daß der Glaube in unserem Land zu verlöschen droht, wie eine Kerze, die keine Nahrung mehr findet. Und die wissen könnten, wenn sie es denn wissen wollten, daß sie ein gerüttelt Maß an Schuld an dieser Katastrophe tragen. Die aber trotzdem noch immer meinen, daß nicht zu viel, sondern zu wenig der Arznei, die sie der Kirche verabreicht haben, die Ursache des Siechtums sei.

Mich erinnern sie an die Schamanen und Alchemisten, die dem chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì quecksilberhaltige Arzneimittel verabreichten, damit dieser den Tod überwinde und ewig lebe. Der Kaiser starb an der Minamata-Krankheit.

Was diese Quacksalber vielleicht wirklich denken, hat der doch schon manchmal etwas verwirrt wirkende Herr Zulehner vor wenigen Wochen offen bekannt:
Unter den Pfarrern sei es heute so, dass die Jungen vom Denken her oft alt seien. Und ältere Pfarrer würden durch junges Denken auffallen. Der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner warnt vor dieser Entwicklung, weil in Zukunft der Kirche dadurch einiges drohe könnte:
"Ich habe den Eindruck, dass an dieser Entwicklung der Filter der ehelosen Lebensform beteiligt ist. Dieser bringt uns im Grunde genommen Modernitätsverweigerer herein in die Kirche. Deshalb muss man schon fragen, wäre es nicht besser, Verheiratete und Frauen zu weihen? Wenn man Leute mit normalen Zivilberufen auch zu Priestern weihen würde, dann hätten wir die Hoffnung, dass wir nicht zur Sekte werden."
Gemeint ist nun nicht "Modernität", sondern Modernismus. Übrigens gehören nach Zulehners 75% der jüngeren Priester zu den sogenannten Modernitätsverweigerer. Die Beschreibung dürfte recht präzise sein. Der Krawattenpriester - oder seine verschärfte Version, der Offene-Hemdkragen-Pfaffe - ist offenbar eine aussterbende Spezies. Jeder, der sich einmal mit einem jungen Priester oder Seminaristen unterhalten hat, wird das wissen.

Auf diesem Hintergrund klingt das Memorandum 2011 irgendwie nach "auf zum letzten Gefecht".

Donoso Cortez hat in seinem Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus den Begriff der "clasa discutidora" geprägt. Der Kern seiner Kritik am Liberalismus ist, daß der Liberalismus einer Entscheidung ausweiche. Sein Ideal sei das "ewige Gespräch", der Kern der "republikanischen Werte" - um mit Hern Lindner zu sprechen - beschränke sich auf reine Verfahrensnormen. Der Liberalismus kenne kein Ziel, keine Wahrheit und keine Notwendigkeit zur Entscheidung. In einer berühmt gewordenen Metapher sagt Cortes, daß die Liberalen auf die Frage nach Christus oder Barrabas mit einem Antrag auf Vertagung oder der Einrichtung einer Untersuchungskommission antworten würden. Auch die "diskutierende Klasse" der katholischen Funktionärs- und Politikerkaste findet offenbar in einem Jahrzehnte währenden Dialogprozeß ohne Sinn und Ziel ihr persönliches paradisum. Ob wohl der Marques von Valdegamas - und Nachfahre des Konquistadoren Hernando Cortes - sich eine clasa discutidora catolica hat vorstellen können?

Samstag, 5. Februar 2011

Trau keiner Statistik ...


Nun haben wir es ja wieder aus allerhöchstberufenstem Munde, dem Munde von acht mit allerhöchsten politischen Ämtern bekleideten oder einstmals bekleideten katholischen Poltikern, sowie dem Munde von insgesamt 144 + katholischen Theologieprofessoren gehört: Wir haben einen Priestermangel und - die einzige Lösung des Problems ist die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Ordination von Frauen. Aber glaubt wirklich jemand an diese These? Nun, selbst unser Papst hat im Jahre 1970 wenigstens angeregt, darüber nachzudenken ob die Aufhebung des Regelzölibats eine Lösung sein könnte. Inzwischen hat er nachgedacht. Das Ergebnis ist bekannt. 

Ich frage mich allerdings, ob von diesen acht Politikern und 144 Professoren auch nur ein einziger wirklich ernsthaft glaubt, die Beseitigung des Zölibats sei im Ernst eine Lösung des Problems zurückgehender Priesterzahlen. 

Die Überprüfung dieser These sollte nicht so schwer sein, schließlich haben wir doch seit fünfhundert Jahren ein religiöses Unternehmen, daß seit eh und je nicht etwa nur kein Zölibat für Pastoren kannte, sondern im Gegenteil im Bild des Ganzen Hauses das Vorbild der vorbildgebenden und somit kinderreichen Pfarrersfamilie pflegte. Was wenigsten solange den Pfarrernachwuchs sicherte, solange sich in den Pfarrhäusern nicht die Patchworkfamilien, die Mehrfachgeschiedenen und Wiederverheirateten, oder wie mittlerweile, die bischwulesbischen Partnerschaften breitmachten.

Zunächst zu den Verhältnissen in der katholischen Kirche. Im Jahre 2009 meldeten sich nur noch ganze 209 Kandidaten für die Ausbildung zum Priester. Das Studium ist hart und langwierig, im langjährigen Mittel scheitern etwa 50% in der Ausbildung, so daß wir im Jahre 2009 nur noch ganze 99 Neupriester begrüßen konnten. Ein Verlust von 80% gegenüber dem Jahr 1965, damals waren es noch 500 Neupriester. Der Hinweis, daß ja auch die Zahl der praktizierenden Katholiken drastisch geschrumpft sei, verfängt da nicht so ganz. Zwar ist die Quote der Gottesdienstbesucher in den letzten Jahren ebenfalls geschrumpft, und zwar im Zeitraum von 1965 (45%) auf heute nur noch 13% was aber nun "lediglich" einem Verlust von  rund 71% entspricht. Die Zahl der Neupriester schrumpft damit ein bißchen schneller als die Zahl der praktizierenden Katholiken. Die Abweichung ist jedoch gering was dann doch die These bestätigt, daß die Zahl der Priester eben deshalb schrumpft, weil der Glaube und insbesondere die Sakramentenpastoral schrumpft. Der Rückgang der Gottesdienstbesucher verläuft nahezu parallel zum Rückgang der Neupriester. Dies ist für jeden, der sich gerne mit Statistik beschäftigt, statistisch signifikant.

Die Konsequenz, die wirklich und allein logisch aus dieser Entwicklung zu ziehen wäre, wäre damit nicht, die Anforderungen an die Priester herunterzuschrauben, sondern - mehr zu beten. Und das Gebet der katholischen Kirche ist das öffentliche Gebet, die Liturgie. Eben die Liturgie, die die 144+ dekonstruieren wollen.

Die evangelische "BruderundSchwesterKirche" hat weniger präzise Zahlen. Immerhin kennen wir die Zahlen der Studierenden, wie es so schön in inclusive language und politically saucorrect heißt. Derzeit bereiten sich gerade noch 2180 "Studierende" auf den Pfarrersberuf vor. Dies entspricht einer Jahrgangsstärke bei einem mindestens sechsjährigen in der Regel wohl längeren Studium von etwa rund 300 Studierenden. Rechnet man diese Zahl auf die Zahl der wahrscheinlich erfolgreichen Absolventen runter, verbleiben vielleicht 150 Neupastoren pro Jahr. Davon ist ein wachsender Anteil weiblichen Geschlechts. Geht der derzeitige Trend weiter, wird das Amt des evangelischen Pastoren zu einem typischen Frauenberuf. Teilweise liegt der Frauenanteil bereits bei mehr als 60%. Worüber auch bei der evangelischen Kirche nicht jeder glücklich ist.

Rechnet man nun - um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen - männliche Pastoren gegen männliche Priester, zeigt sich, daß auch im Hinblick auf die Gewinnung von (männlichen) Pfarrern das evangelische Modell kein Erfolgsmodell ist. 

Noch einmal: nur das Gebet hilft, nicht die teilweise irren Reformvorschläge der 144. Ganz zu schweigen davon, daß die genau die Ursache des Problems, den Glaubensverlust und daraus folgend den Mangel an Betern, noch genauer an liturgische Betenden, ignorieren und stattdessen auch noch einer Dekonstruktion der Liturgie das Wort reden.

Auch hier hilft ein Blick über den Gartenzaun. Die Gemeinschaften, die an der traditionellen Form der Liturgie festhalten, den Opfercharakter der Messe betonen, die Rolle des Priesters in seiner traditionellen Form als zölibatär lebender alter christus betonen, das Gebet um Berufungen zur ständigen Institution gemacht haben, können über einen Mangel an Priesterberufungen nicht klagen. Pius- und Petrusbruderschaft gehören zu den wenigen katholischen Körperschaften, die in den letzten Jahren ein schnelles und kontinuierliches Wachstum gezeigt haben. So gehören der FSSPX derzeit 511 Priester an, seit ihrer Gründung weist die Priesterbruderschaft ein kontinuierliche Wachstum auf, das bisher in keinem einzigen Jahr ein Rückgang zu verzeichnen hatte. Gleiches gilt für die Petrusbruderschaft, die ebenfalls seit 1988 kontinuierlich zunimmt. 

Heute, mitten in der Hochphase des sich anbahnenden Neuen Kulturkampfes lesen wir am Tag der Heiligen Agatha von Catania Matthäus 19, Vers 3-12. Mit wir meine ich allerdings die Anhänger der "Alten Messe" und damit der Alten Leseordnung. Nun geht es ja bei dieser Lesung um das Problem dieser Tage, um die auf Lebensdauer angelegte monogame Ehe einerseits und um die "Ehelosen, die von sich aus nicht wissen wollen von der Ehe um des Himmelsreiches willen". Agatha wird zur Märtyrerin, weil sie sich der Ehe mit einem Heiden verweigert, und sich als Christin bekennt. Mit der drastischen Darstellung des Martyriums von Agatha hatte ich immer ein Problem, deshalb diese etwas weniger blutige Darstellung. Sankt Agatha jedenfalls scheint mir die richte Heilige dieser Tage zu sein. Sankt Agatha hilf!

Freitag, 4. Februar 2011

Wenn man den Teufel nennt ...


kommt er gerennt. Gestern hab ich ein Wörtlein fallen lassen über das linkskatholische Unterschriftenkartell und Rabadazong! Schwefeldampf, Heulen und Zähneklappen! Das linkskatholische Unterschriftenkartell hat wieder zugeschlagen!

Und hier die Preisfrage des heutigen Tages: Welche Unterzeichner des "Memorandums" haben die Petition "Vaticanum II" NICHT unterzeichnet? Welcher prominente Jesuit wird diesmal seine Unterschrift verweigern? Jedenfalls sind von der Regensburger Viererbande Hemel, Demel, Porzelt und Schöttler schon mal alle dabei außer Schöttler. Der ist wahrscheinlich in Urlaub und hat sein Handy nicht dabei.

Tja, das Persönlichkeitsprofil einiger der Unterzeichner wirft ein interessantes Licht auf das soziologische Profil dieser Truppe. Z.B. Friedhelm Hengsbach, geboren 1937, emeritierter Professor, SJ, Mitglied bei Attac; Sabine Demel, geboren 1962, Mitglied im letzten ZK, daß den Sturm der Reaktion 1989 überlebt hat, und Mitgründerin von donum vitae, Unterzeichnerin der Petition Vaticanum II; die feministische Theologin Dr. Sabine Bieberstein; Dr. Peter Hünermann geb. 1929, Papstbeschimpfer., usw. usf.

Ein Teil der Genannten hat Lehramtsverfahren (Hünermann) und Disziplinarverfahren hinter sich (Demel Porzelt), und wenn man sich ein vollständiges Persönlichkeitsprofil des Restes erstellen würde, würde man wahrscheinlich nicht bei einem einzigen eine Überraschung erleben. Dies sind "Reformvorschläge", die man von den meisten schon einmal und in derselben oder anderen Form gehört hat. Stets werden die selben Presseorgane bemüht, stets unterschreibt dasselbe Kartell und die Ideen sind auch stets dieselben. Jeder von uns könnte wahrscheinlich die revolutionären Reformideen dieses Kartells auswendig im Schlaf herunterbeten.

Eine synodal verfasste Nationalkirche, die Ordination von verheirateten Männern und von Frauen, der "Aufbau" einer kirchlichen "Verwaltungsgerichtsbarkeit" (die es eigentlich längst gibt, die aber offenbar nicht so funktioniert, wie es den Herrschaften gefällt), die Anerkennung bilesbischwuler Lebensgemeinschaften, die Aufweichung der katholischen Ehemoral, insbesondere die Aufhebung jeglicher Sanktionen gegen wiederverheiratete Geschiedene, die Aufweichung der "rigiden" kirchlichen Morallehre, ein Gottesdienst der nicht in "Traditionalismus erstarrt".

Kurz und schlecht: eine national und synodal verfasste Kirche ohne Lehramt und ohne Liturgie. Hat sich eigentlich keiner von den Unterzeichner Gedanken darüber gemacht, wie lange eine solche Kirche wohl existieren würde? Gab es das nicht schon einmal, nämlich in Gestalt der "deutschkatholischen" oder der "altkatholischen" Kirche und der protestantischen sowieso? Von denen die eine mausetot, und die anderen halbtot sind.

Das ist alles sattsam bekannt. Aber warum zieht eigentlich keiner der Herren und Damen die Konsequenz und geht dorthin, wo es alles, was man sich so dringend wünscht, schon gibt? Zu den Altkatholiken, den Protestanten, oder gar den Deutschkatholiken (die durchaus noch existieren, aber als agnostische Sekte).

Nur müßten die 143 Professorii und Doktorii dann auf ihre Besoldungen, Gehältern und Pensionen verzichten. So revolutionär will dann wohl doch keiner sein.

Donnerstag, 3. Februar 2011

staatsfromm und romfern


Nein, ich kann meinen Bischof Karl nicht leiden. Andererseits bete ich  mindestens jeden Sonntag für ihn und mit ihm, nämlich in der heiligen Messe. Aber das heißt ja nicht, daß ich ihn mögen muß. Kurz und gut, mein Bischof und ich, das war von Anfang an keine Traumbeziehung. Ein konservativ gewendeter Ex-Revoluzzer und ein in seinem Amt offenkundig verunglückter Möchtegernrevoluzzer, der Lieblingsbischof der *piep*liberalen, der KarlDampfinallenGassen,  der Lieblingsgast in allen Talkshows, bei denen es darauf ankommt, auf keinen Fall eine Kontroverse aufzubauen, daraus konnte keine geglückte Beziehung werden.

Mit diesem Artikel in dem Diözesan-Käßblättgen "Glaube und Leben" (abbestellt, wie so manches, was zur berühmt-berüchtigten Lehmannkirche gehört, von ChristinderGegenwart (dem Zentralorgan der Aggiornamentalismus) und der FAZ (dem Zentralorgan wiederum des Deckersismus-Bahnerismus)) dürfte nunmehr der absolute Tiefpunkt meiner Beziehung zu meinem Bischof erreicht sein.

Alexander Kissler hat zu dieser Schmähschrift schon passendes gesagt, ich setz gern noch einen drauf. Lehmann hat offenbar nicht begriffen, worin der eigentliche Skandal der Initiative der von ihm in höchsten Tönen gelobten "verdienstvollen" Politiker liegt, die sich gegen das sogenannte Zwangszölibat richtet. Nun kann ich nicht glauben, daß Lehmann glaubt, daß wir glauben, daß er glaubt, bei dem WegmitdemZölibatpamphlet der 8 "verdienten" CDU-Politiker handele es sich um ein Schreiben, daß aus der Besorgnis um das Wohlergehen der Kirche von bloßen Privatpersonen verfasst worden sei. Die sich nun mal nur dadurch auszeichnen, daß sie ehemalige oder amtierende Staatsfunktionäre sind.

Wäre das so, dann hätten sie sich wohl unauffällig in einer langen, langen Liste des üblichen linkskatholischen Unterschriftkartells versteckt. Nein, so blöd, das zu glauben, kann man nicht sein, wenn man sich Jahrzehnte mit unseren Politikastercliquen abgegeben hat. Und schon gar nicht, wenn man sich Jahrzehnte maßgeblich selbst im politischen Geschäft betätigt hat. Nein. Dies ist ein politisches Programm. Vorgetragen von Politikern, die bewußt ihr politisches Renommee und ihre politische Position nutzen, um "Druck aufzubauen".

Und genau darin, Brandmüller hat es ja in den ersten Sätzen seiner Stellungnahme gesagt, liegt der Skandal. Der Staat, vertreten durch eine Riege seiner höchsten Repräsentanten, meint, der Kirche vorschreiben zu dürfen, wie sie ihre innersten Angelegenheiten zu regeln habe. Dies ist Staatskirchenpolitik in seiner schlimmsten Form, dies ist die politische Diktatur, der sich die Kirche in vielen Jahrhunderten erwehren mußte und immer noch erwehren muß.

Ich glaube, daß man nicht unbedingt Jurist sein muß um sich daran zu erinnern, daß in der Geschichte der Kirche sich immer wieder die Kirche gegen die politischen Machthaber zu wehren hatte, die ihr vorschreiben wollten, wer Bischof werden durfte, wer Priester, welche Orden sich organisieren durften und welche nicht, welche liturgischen Praktiken legitim und legal waren, oder nicht, wer wallfahrten darf oder nicht und wohin oder wohin nicht, selbst bis dahin, welche Lieder man in der Kirche zu singen habe, und welche nicht.

Die Kirche hat in diesem unendlich langen und über die Jahrhunderte immer wieder neu zu führenden Angriff auf ihre Unabhängigkeit immer wieder dieselbe Regel zu verteidigen gehabt. In Ansehung der Kirche gilt das Primat der Politik nicht. Jedenfalls in Ansehung dieser Kirche. Der Papst und der Kaiser regieren auf symmetrischen Thronen.

Wer das nicht begreift, für den sind Märtyrer wie Thomas Becket oder Thomas Morus umsonst gestorben. Wer (na wer wohl) angesichts dieses kaum verhüllten Zugriffs der organisierten Politik auf die Kirche die Zugreifer auch noch in den höchsten Tönen lobt, und dabei auch noch herausstreicht daß es sich hier um den "amtierenden Bundestagspräsidenten, immerhin nach dem Bundespräsidenten die zweite Autorität in unserem Land, eine amtierende Bundesministerin und drei hochverdiente Ministerpräsidenten" handelt, dem darf man vorhalten, daß er sich offenkundig eine politische Kirche wünscht. Keine Kirche, die sich auch zu politischen Themen äußert, sondern die sich als Staats- und Nationalkirche versteht, in engem Bündnis mit der politischen Macht, ihr dienend und von ihr gestützt. Vor allem gestützt gegen den nur geistlich aber nicht politisch mächtigen Bischof von Rom.

Das Konterfei zeigt einen Herrn Wessenberg. "Ignaz Heinrich von Wessenberg (4 November 1774 – 9 August 1860) was a German writer and scholar, and liberal Catholic churchman as well as Vicar general and administrator of the Diocese of Constance. Imbued from his early youth with Josephinistic and Febronian principles, he advocated a German National Church, somewhat loosely connected with Rome, supported by the State and protected by it against papal interference." So heißt es in der englischen Wikipedia.  Wessenberg handelte im Auftrag eines der Amtsvorgänger des heutigen Bischofs von Mainz,  Karl Theodor von Dalberg. Und der war nun ein waschechter Angehöriger des Illuminatenordens. Und selbstredend Febronianer.  

Mittwoch, 2. Februar 2011

Purificatio Mariae


So manche Änderungen des liturgischen Kalenders scheinen beim Gottesvolk keinesfalls anzukommen. Wir feiern also heute "Lichtmeß", d.h. Mariä Lichtmeß bzw. nach dem vorrevolutionären Kalender die Purificatio Beatae Mariae Virginis. Die heute offizielle Bezeichnung "Darstellung des Herrn" dürfte bei den meisten Katholiken unbekannt sein. Feiertag ist Mariä Lichtmeß leider nirgendwo mehr und so fehlt meist Zeit und Gelegenheit die traditionelle Form der Lichterprozession zu feiern. Im GT findet sich aber nach wie vor der volle Text und gregorianische Satz, und wer will, kann die Prozession also in seiner feierlichsten - gregorianischen - Form feiern.

Nur - es fehlt die Zeit. Als gesetzlicher Feiertag wurde Lichtmeß bereits im jahre 1912 in Bayern und Sachsen abgeschafft. Nach wie vor ist das Fest in einzelnen Kantonen der Schweiz und in Liechtenstein zumindest gewöhnlicher, wenn auch nicht gesetzlicher Feiertag. Und eigentlich ist dies der ursprünglichste Tag der Arbeit, der Tag an dem Bedienstete insbesondere Knechte und Mägde den Dienstherrn wechselten. Und diesen Wechsel natürlich mit einem Tag des Nichttuns des Nichtguten begangen.

Auf jeden Fall ist das nunc dimittis zur heutigen Komplet mit besonderer Inbrunst zu singen. Muß ja nicht gleich der 8stimmige Satz von Gustav Holst sein.