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Samstag, 27. August 2011

Preußisch-katholisch, nicht ultramontan


Das Bild hat nicht unbedingt mit der Hochzeit des preußischen Kronprinzen mit seiner durchlauchten Verlobten zu tun. Es ist das Bild der Urgroßmutter des Bräutigams. Und ich stelle es nur auf den Blog, weil es mal ein bißchen Glamour vermittelt. Mit Glamour hattens die Preußen bekanntermaßen nicht so. Und die heutige Hochzeit, zu der der Bräutigam Seine Königliche und Kaiserliche Hoheit Kronprinz Georg Friedrich von Preußen im Cut und Zylinder, seine Braut Ihro Durchlaucht Prinzessin Sophie zu Isenburg im Designerkleid und mit Schleppe aber ohne Schleier erschienen, war so recht bürgerlich-konform, sieht man von den ausgeprägt adeligen Nasen des Brautpaars ab.

Einzig der Auftritt des Schneiders, Wolfgang Joop, vermittelt ein bißchen ganz unpreußischen Glitter, aber daß Jopp den Anzug einem britischen Dandy abgekauft hat, sagt ja wohl alles.

Die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit, inclusive der deutschen Veröffentlichkeit zeigt mir aber, daß zum modernen deutschen Nationalcharakter, wie ja auch zum modernen Charakter des katholischen Deutschen vor allem die Lust an der nur vermeintlichen Selbstkritik gehört. Denn ebenso wie der deutsche Durchschnittskatholik an der - nehmen wir ein Beispiel und sagen wir es in Achtundsechzigerisch - respressiven Sexualmoral der katholischen Kirche rumnörgelt, nölt der durchschnittliche Feuilletonjournaillist mit Vorliebe über die Preußen.

So wie die katholische Kirche an allem schuld ist, vom Hunger in der Dritten Welt (wg. des Verbots der Pille) über den deutschen Nationalsozialismus (wg. Pius XII) bis zur Aidskatastrophe (wg. Kondome), so ist für das durchschnittsdeutsche Feuilletonnörgeli der Preuße schlechthin an allem schuld, schlichtweg an allem, was in der deutschen Geschichte des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts so alles schiefgelaufen ist.

Ich sehe davon ab, hier links zu setzen, denn bis jetzt habe ich kein Beispiel gefunden, wo ein Schreiber mal wenigstens ein bißchen sein erlauchtes Haupt aus dem journaillistischen Schlammbambes erhebt. Auch die katholische Presse setzt sich nicht von der muhenden und mähenden Meute ab.
Heute wird Rainer Maria Woelki in seine neues Amt als Erzbischof von Berlin eingeführt. Im Fernsehen kann man das leider nicht verfolgen. RBB übeträgt lieber eine preußische Prinzenhochzeit.
Schreibt Markus Reder heute in der "Tagespost". Ich habe ja mal ein bißchen als Freizeitjounaillist herumgepusselt. Eins hab ich gelernt. Das wichtigste an der Nachricht ist ihre Relevanz. Je seltener eine Ereignis, desto größer seine Relevanz. Wie häufig ereignete sich im letzten Jahrhundert die Hochzeit eines Kronprinzen des ehemaligen deutschen Kaiserhauses? Und wie häufig ereignete sich die Amtseinführung eines deutschen Bischofs? Ersteres ereignete sich noch weniger häufig als eine in Deutschland beobachtbare totale Sonnenfinsternis, gerade dreimal.

Fünfhundert Jahre lang hat das Haus Hohenzollern die Geschichte der Mark Brandenburg geprägt. Und nun sollte der zuständige Regionalsender darüber nicht berichten dürfen?

Die katholische Selbstbezogenheit und eine gewisse Unfähigkeit zur Realpolitik haben die Katastrophe des preußisch-deutschen Kulturkampfes mit verursacht. Nicht erkannt zu haben, daß nicht die preußischen Könige, sondern die liberale Mehrheit des preußischen und später deutschen Parlaments die treibende Kraft hinter dem Kulturkampf war, war letztlich eine der Ursachen der deutschen Katastrophe. Wo das preußische Königshaus wirklich stand, hätte man am heutigen Ereignis gut nachvollziehen können.

Die Potsdamer Friedenskirche gehört zu den meist gelungenen und kunstvollen Bauten, die Friedrich Wilhelm IV, der Vater des ersten deutschen Kaisers, errichten ließ. Ihr wichtigster Schmuck ist ein altes venezianische Mosaik aus dem 13. Jahrhundert, sie ist nach dem Vorbild einer italienischen Kirche gestaltet, die Anlage orientiert sich am Vorbild historischer Klosterbauten. Der Altar wird überwölbt durch ein Ziborium mit vier kostbaren Säulen aus sibirischem Jaspis, ein Geschenk des russischen Zaren Alexander des I. Ein einzigartiges "ökumenisches" Kunstwerk also.

Auf dem Gelände finden sich die Gräber von Friedrich Wilhelm IV und seiner Ehefrau Elisabeth von Bayern. Der protestantische König war mit einer katholischen Prinzessin verheiratet. Und beendete auch aus persönlichem Interesse den ersten preußischen Kulturkampf, der ja schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann. Auch Kronprinz Georg Friedrich heiratete heute eine Katholikin. An der ökumenischen Hochzeit waren neben einem protestantischen Pfarrer, der für gewöhnlich in Jerusalem wirkt, auch der Altabt des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz Gregor Henckel von Donnersmarck.

Heute heiratete ein Nachfahr des preußischen Königs, der einst auch für Katholiken Religionsfreiheit in seinem Land garantierte, in dem jeder nach seiner facon selig werden durfte. Der mit eigenen Mitteln für die Katholiken seiner Hauptstadt eine Kathedrale errichten ließ, in einer Zeit, in der die meisten Länder Nordeuropas noch weit von echter Religionsfreiheit entfernt waren.

Hätte doch einen Bericht wert sein können.

Aber stattdessen lese ich in einem meiner katholischen Aboblätter obiges. Und in der "Vatikan" bekennt sich Mosebach zum Ultramontanismus des 19. Jahrhunderts. Der aber war nicht nur Ausdruck katholischen Selbstbewußtseins und Unabhängikeit, sondern auch Ausdruck der Realitätsferne des politischen Katholizismus des 19. Jahrhunderts.

Im Zeitalter der Nationalstaaten waren die Katholiken noch nicht einmal im 20. Jahrhundert angekommen. Ich besitze eine Ausgabe des Schott aus den dreißiger Jahren. Dort ist nach wie vor unter den großen Fürbitten eine Fürbitte für den Kaiser abgedruckt - den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das bekanntlich schon im Jahre 1806 den Weg allen Irdischen gegangen war.

Manchmal stehe ich außerhalb meines eigenen Katholischseins. Und bin auf einmal wieder preußisch-hanseatisch. Und finde Katholen einfach doof.

Na ja, so doof auch wieder nicht. Der Spiegel unterbietet jedes denkbare Niveau noch immer mit Leichtigkeit.

Die Welt ist heute allerdings kaum zu toppen: 

"Der Sender übertrug am Samstag im Verbund mit dem SWR und dem Hessischen Rundfunk drei Stunden lang die Hochzeit des Chefs des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen, mit Sophie Prinzessin von Isenburg. Warum? Weil Georg Friedrich heute unser aller Kaiser wäre, wenn nicht die Amis, Franzosen und Briten nach dem Ersten Weltkrieg darauf bestanden hätten, mit einer demokratischen Regierung zu verhandeln – und nicht mit dem Mann, der den Weltenbrand an vorderster Front entfacht hatte. Liebe Programmmacher, liebe Preußen-Profiteure aus Westdeutschland, ihr müsst jetzt tapfer sein: Die Monarchie wurde 1918 in Deutschland abgeschafft. Für seinen Ururgroßvater kann der Prinz von Preußen nichts. Aber wieso soll er nun plötzlich wieder was davon haben?"

Nun, die These von der deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg wird von seriösen Historikern nicht vertreten. Das Deutschland des Jahres 1918 war eine konstitutionelle Monarchie,  die letzten Wahlen hatten zu einer parlamentarischen Mehrheit der SPD und des katholischen Zentrums geführt. Eine demokratische Regierung hatte Deutschland im Jahre 1918. Ihr Kanzler war der liberale Aristokrat Max von Baden, seinem Kabinett gehörte unter anderem der Sozialdemokrat Scheidemann an. 


Der Artikelschreiber läßt übrigens eine Umfrage zu, ob sich die Leser wohl einen deutschen Kaiser wünschen. Die Mehrheit ist dafür. Find ich lustig. Vielleicht hat ja den Lesern auch nur imponiert, daß sich die nordischen konstitutionellen Monarchien Großbrittaniens, Dänemarks, Norwegens und Schwedens aus dem Euroschlamassel rausgehalten haben? Der Frage sollte man mal nachgehen.

Donnerstag, 25. August 2011

Norddeutscher Bund

     

Daß Männer und Frauen einfach nicht zusammen passen, wird in diesem Sketch schlüssig nachgewiesen. Ein absoluter Klassiker mit Vicco von Bülow und Evelyn Hamann in einer ihrer Starrollen. Der Norddeutsche Bund gewissermaßen in Aktion. Evelyn Hamman stammt aus Hammurch. Loriot aus Brandenburch.

Preußen und die Hanse formten im 19. Jahrhundert zunächst den Norddeutschen Bund, wurden mit der Reichsgründung dann die Kernländer des Deutschen Reiches. Die Farben Preußens - Schwarz/Weiß - und die Farben der Hanse - Rot/Weiß - verschmolzen zur schwarzweißroten Fahne des Norddeutschen Bundes, später Fahne des Deutschen Kaiserreichs.

Die Szene beweist, daß der Gipfel des Humors der Nicht-Humor ist. Die nordische Stiffness das Geheimnis des Absurden. Das Absurde das Geheimnis des Witzes.

Man kann diese Szene urkomisch finden oder einfach ganz normal. Nach 39 Jahren Ehe tendiere ich zu normal.

Im übrigen ein urchristliches Thema. Würden Männer und Frauen zueinander passen, bedürfte es keines Scheidungsverbots. (Siehe Matthäus 19, 10).) Das Geheimnis einer guten Ehe, so lehrt uns der große Moraltheologe Loriot, ist es, die Contenance zu wahren.

P.S. Selbst dann, wenn man die Nacht auf der Couch verbringen muß.


Freitag, 19. August 2011

Sabberwocky and the pope


1.500.000 junge Menschen werden zum Weltjugendtag in Spanien erwartet. 5.000 nicht mehr ganz so junge demonstrieren dagegen. Wenn ich die Qualitätszeitung aufschlage, die ich abonniert habe, mit dem heutigen Bericht über den Weltjugendtag, wird da auf Seite Eins über die Demonstration der 5.000 berichtet, auf den Seiten Zwei und Drei - immerhin - über die Begegnung der 1.500.000 mit dem Papst. Ich lese die Tabloid-Version, die ist immer noch ein bißchen schlechter als das klassische Format.

Garniert wird der Artikel auf Seite Eins mit dem Bild zweier junger Schwuler mit Dreitagebart, die sich - Papamobil im Hintergrund - so richtig ausgiebig besabbern. Die schwule Szene in Spanier hat nämlich anläßlich des Papstbesuches zu einem Kiss-In aufgerufen.

Anderen Menschen beim Austausch von schleimigen und klebrigen Körperflüssigkeiten zuzusehen turnt mich nicht nur überhaupt nicht an, sondern verursacht bei mir Brechreiz. Ganz unabhängig von der vielzitierten sexuellen Orientierung. Bei den in der modernen Filmkunst unvermeidlichen Knutsch und Vögelszene drück ich den Fast-Forward-Knopf. Ebenso beim Auftritt des unvermeidlichen Quotenschwulen notabene der unvermeidlichen Quotenlesbe.

Könnte mir gut vorstellen, daß sagen wir mal 85 Pro Zent der Betrachter dieses Titelbildes sich gleich anschließend den Finger in den Hals gesteckt haben, um mal wieder so richtig ausgiebig zu kotzen.

In der Gänze ein sehr hübsch anschauliches Beispiel dafür, daß der deutsche Journaillismus eigentlich voll schräg drauf ist. Da sind offenbar nicht nur die politischen, sondern auch die ästhetischen Maßstäbe völlig aus dem Lot. Wieviel Prozent der Leser fanden dieses Titelbild wohl so richtig schlecht? To say the least. Oder wollte da ein catholic-Guerilla-Fotojournalist zeigen, wie man diese Art der Demos finden soll?

Zum Kotzen nämlich.

Wer diesen Blog kennt, weiß ja, daß ich als Ex-Sex-Pol-Ober-Aktivist Härten gewohnt bin. Pornos fand ich mal waaaaaahnsinnig emanzipatorisch.

Hat sich gelegt. Nix ist unerotischer als der klassische Rammel-Bammel-Porno. Nix turnt mich mehr ab als die alljährliche Softporno-CSD-Parade. Aber die mittelalten Typen, die Zeitungen mit Müll volltexten den wahrscheinlich keine Sau liest, oder mit Fotos garnieren, die keiner sehen will, sind offenbar heute da angekommen, wo ich als pubertierender Sexpolaktivist mit Sweet-Seventeen angefangen habe. Wenn man als Pickelschlacks keine abkriegt, kommt man manchmal auf komische Ideen. Vielleicht auch auf die Idee, andere pickelige Schlackse vollzusabbern.

War ne harte Zeit. Hat mich mindestens eine Zillion Tuben Clearasil gekostet, um diese harten Zeiten endlich hinter mir zu lassen. Aber in der Zeit hab ich auch eine Menge geistiges Clearasil verpasst bekommen.Das fehlt offenbar den meisten Journaillisten, die ja, wie man weiß, meistens keine abgekriegt haben. Sondern in ihrem unfreiwilligen Zölibat offenkundig auf genau so schräge Ideen kommen wie oben zitierter Pickelschlacks.

Sabberwocky auf Seite Eins. Währggs.

Wie man liest, haben die jungen Menschen, die in Reichweite dieser besonders aggressiven Sorte von politisch korrekten Idioten geraten sind, mit gemeinsamen Gebeten reagiert. Könnt ich nicht. An der Sorte geistigem Clearasil gebricht es mir leider. Mir fällt da eher ganz spontan mein Lieblingsgedicht vom Sabberwock, äh Jabberwock ein. Geschrieben von einem zölibatär lebenden anglikanischen Diakon, dem geliebten Lewis Carroll.


Jabberwocky

 'Twas brillig, and the slithy toves 
Did gyre and gimble in the wabe; 
All mimsy were the borogoves, 
And the mome raths outgrabe. 

 "Beware the Jabberwock, my son! 
The jaws that bite, the claws that catch! 
Beware the Jubjub bird, and shun 
The frumious Bandersnatch!" 

 He took his vorpal sword in hand: 
Long time the manxome foe he sought-- 
So rested he by the Tumtum tree, 
And stood awhile in thought. 

 And as in uffish thought he stood, 
The Jabberwock, with eyes of flame, 
Came whiffling through the tulgey wood, 
And burbled as it came! 

One, two! One, two! and through and through 
The vorpal blade went snicker-snack! 
He left it dead, and with its head 
He went galumphing back. "

And hast thou slain the Jabberwock? 
Come to my arms, my beamish boy! 
O frabjous day! Callooh! Callay!" 
He chortled in his joy. 

 'Twas brillig, and the slithy toves 
Did gyre and gimble in the wabe; 
All mimsy were the borogoves, 
And the mome raths outgrabe. 

 Ein christliches Thema, so to say, die Tötung des Drachen durch den tapferen Kämpfer, der die Unschuld verteidigt. Bei einem christlichen Diakon kann man wohl davon ausgehen, daß er bei diesem Gedicht an St. Georg oder den St. Michael, Archangel, gedacht hat. Mehr über den Jabberwocky hier

Samstag, 13. August 2011

Catholic rock?

      

War Kirchenmusik nicht schon immer Pop? Es kann eigentlich nicht anders sein, wenn man sich anhört, wie Steve Winwood die Hammond B3, die ja eigentlich für die Kirchenmusik konzipiert war, in seine Kompositionen einbaut.

Ein youtube-Leser hat da offenbar ähnliche Assoziationen
The organ tone in this tune is the most raunchy, nasty, filthiest thing I have heard from a black and white video. It's absoultely perfect! It sounds like young Stevie Winwood ran away from catholic school, but before he did, he stole the organ from the church that the Benevolent Holy Sisters raised money to buy.
Keine Ahnung, ob Stevie wirklich an eine Schule der Benevolent Holy Sisters gegangen ist. Jedenfalls könnte der Text von "Higher love" von Epheser 5, 21 ff. inspiriert sein.

Think about it, there must be higher love
Down in the heart or hidden in the stars above
Without it, life is wasted time
Look inside your heart, I'll look inside mine


Sonntag, 22. Mai 2011

Die Kirche und die schönen Frauen


Scipios Beschwerde darüber, daß ein 42 Jahre alter kurzhalsiger, bräsiger Moppel mit beginnender Glatze,  die deutsche katholische "Jugend" repräsentiert, während die "schönste Frau Koreas", Kim Tae hee als das "Gesicht" der katholischen Kirche in Korea gilt, inspiriert mich zunächst dazu, wieder ein Boucher-Bild einzustellen, selbstverständlich mit dem Lieblingssujet Francois Bouchers, der Madame de Pompadour.

Die nun gottlob beendete Hauptversammlung der "katholischen Jugend" hat uns mal wieder ein Papierle beschert das die sattsam bekannten Thesen von WiSiKi bis Memorandum Freiheit referiert. Klar, daß der zentrale Text wieder mit dem F-Wort garniert ist. Nach "Kirche der Freiheit" (Huber, EKD), "Memorandum Freiheit", nun also "Freiheit der Kinder Gottes". Daß sich unsere offenkundig eher mittelalten als wirklich jungen Freiheitsfreunde nicht entblödet haben, ernsthaft, wie angekündigt, ihre Thesen nach vermeintlich lutherschem Vorbild anzuschlagen, sagt mehr über den Geist der in Altenberg Versammelten aus, als das unsägliche Sammelsurium weitestgehend "geistloser" Resolutionen, die die Versammlung beschlossen hat.

Es ist ja schon so, daß mich ex-altlutheranischen katholisch konvertierten Apo-Opa eine gewisse Verzweiflung packt, wenn ich sehe, daß da ein Trupp offenkundig bildungsferner Endzwanziger bis Mittvierziger ein vorgeblich historisches Ereignis nachvollzieht, von dem aufgeklärte Lutheraner wissen, daß es sich so nie zugetragen hat. Aber das nur nebenbei.


Nun kreiselt die Versammlung wieder um das Thema der "Beteiligung der Frauen an der Leitung". Frauen also sind nur dann in der Kirche "gleichberechtigt", spielen nur dann eine Rolle, wenn sie "Macht teilen". Macht aber ist  Priester/Männermacht. Von da gelangen wird flott zur These, daß erst mit  der Zulassung der Frauen zu den Weiheämtern das emanzipatorische Ziel erreicht sei.
Wir teilen die Überzeugung nicht, dass es der Kirche verboten ist, Frauen zu den Weiheämtern zuzulassen.
Haben unsere katholischen "Jugendlichen" beschlossen. Überzeugung? Daß Frauen nicht zu den Weiheämter zugelassen sind, ist verbindliche kirchliche Lehre.

Daß die katholische Kirche Koreas im Kontrast zum betont androgynen Auftritt der BDK"J"  - Hauptthema der Versammlung war offenbar die Geschlechterpariät, also die genderistische Gleichmacherei - ausgerechnet bei koreanischen Soldaten mit dem Bild einer wunderschönen Frau wirbt, macht mich ja irgendwie nachdenklich. Darf man das? Sind katholische Mädchen etwa hübscher als andere? Kann es ein Motiv sein, katholisch zu werden um einer schönen Frau willen?

Oder besser gesagt, darf es ein Motiv sein?

Historisch gesehen ist es immer ein Motiv gewesen. Die hübschen katholischen Mädchen waren hochwahrscheinlich effektiver als der Jesuitenorden. Und mit Sicherheit gläubiger. Wegen der Glaubensstärke und Durchsetzungsfähigkeit der mit protestantischen Männern verheirateten katholischen Frauen der preußischen Westprovinzen hat der preußische Staat den ersten Akt des Kulturkampfs eingeleitet. Beendet wurde er erst durch Preußens König Friedrich Wilhelm IV - der mit einer katholischen bayerischen Prinzessin verheiratet war. Wie man sah, waren Frauen doch die besseren Missionare. Die koreanische Kirche liegt also richtig. Oder?

Wenn ich mich in die Denke unserer Berufsjugendlichen versetze (was mir leicht fällt, war dies Denke doch einstmals auch meine Denke), liegen die Koreaner natürlich falsch. "Mit den Waffen einer Frau" für den Glauben zu kämpfen ist natürlich völlig daneben. Weil eben dies ja voraussetzt, daß sich Frau dem "traditionellen Rollenmodell" unterwirft, nämlich sich einen Mann sucht, heiratet und Kinder erzieht, statt sich dem hehren Ziel zu widmen die "Berufswelt" zu erobern, Vorstandssitze in kapitalistischen  AGs und Ministerposten zu erklimmen. Oder Womynpriest, Bischöfeuse und letztendlich Papesse zu werden.

Aus kirchlicher Sicht ist der traditionelle Dienst der Frauen an und in der Kirche allerdings wesentlich effizienter. Der Priestermangel ist ein großes Problem, der Ehefrauen- und Müttermangel ist ein viel größeres.

Samstag, 21. Mai 2011

Voll geil


Wer sich noch zum Papstbesuch anmelden will, sollte sich beeilen. Mittlerweile scheint die Homepage zu funktionieren.

Auch andere außer gläubigen Katholiken wollen den Papst "begrüßen". So hat sich ein "breites Bündnis" von Gruppen zusammengetan, die unter einer wie üblich zotigen Parole gegen die "menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik" des Papstes protestieren wollen.

Nun klingt der Aufruf ja ein bißchen verschwurbelt.
Gerade die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen werden, z.B. durch das Verbot von Schwangerschaftsverhütung und -abbruch, deutlich negiert.
"Negiert" war zu meiner Zeit des jugendlichen Aufbruchs neben "frustriert" das Lieblingswort der Adorniten-Fraktion. Da muß sich wohl einer in die Redaktion verirrt haben. Ansonsten transportiert der Aufruf das gängige Sammelsurium sexualpolitischer Vorurteile gegen die rSkK (für Nicht-68er: repressive Sexualmoral der katholischen Kirche).

Ralf König, taz-Karikaturist hat ein Bildchen beigesteuert, auf dem der Heilige Vater so grimmig dreinschaut, daß es eine Art hat, und das breite Bündnis ist vor allem eine Bündnis der atheistischen und genderistischen Gruppen mit sich selbst. Außer den üblichen Verdächtigen weit und breit nichts zu erkennen, was dieses Bündnis wenigstens etwa mittelschmal machen würde. Noch nicht einmal WiSiKi ist beigetreten. Das kann nichts werden, Jungs und Mädels.

Der IPPF-Sproß pro familia ist mal wieder dabei, und natürlich das Atheisten-Spektrum HU, HVD und IBKA. Bin ja mal gespannt, wie es Renate Künast, Claudia Roth und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger schaffen, dem Heiligen Vater artig ihre Aufwartung zu machen, während ihr Verband gemeinsam mit Berlin Leder und Fetisch e.V. (für was die Deutschen alles Vereine gründen!) begleitet von der üblichen schwulen Softporno- Lack- und Lederszene gegen den vorgeblichen Freund "brutaler Diktaturen" auf die Straße geht.

Samstag, 30. April 2011

Die Sehnsucht nach dem guten König II



Mein leises Gemoser darüber, daß der erlauchte Bräutigam keinen Ring trägt, war in diesem Fall völlig daneben. Denn das erlauchte Ehepaar hat vollkommen korrekt seine Eheschließung nach einem Ritus vollzogen, der nicht nur dem Rituale der Anglikanischen Kirche, sondern auch dem älteren Rituale der Heiligen Katholischen Kirche entspricht. Dieser Ritus ist in vielerlei Hinsicht asymetrisch. So war es seit alters her nicht üblich, daß beide Ehegatten einen Ring tragen, vielmehr übergab nur der Bräutigam seiner Braut einen Ring, und mehr. Im (englisch)-katholischen Ring von Sarum spricht der Bräutigam dazu die Formel:
"With this ring I thee wed; this gold and silver I thee give, with my body I thee worship and with all my worldly goods I thee endow"
Die anglikanische Kirche hat diese Formel bewahrt, sie wird bis heute mit einer gewissen Abwandlung gesprochen. Der Hintergrund dieser Formel ist weniger das Versprechen ewiger Treue, dieses Versprechen wird vor der Übergabe der Ringe gegeben, sondern vielmehr die Zusage des Bräutigams, daß er seine Braut versorgen werde (with all my wordly goods I thee endow). Die "Catholic Encyclopedia" führt das altehrwürdige Ritual auf germanisch-rechtliche Ursprünge zurück, nach denen die Braut "erkauft" wurde. Wie dem auch sei, daß beide Ehegatten einen Ring tragen, ist erst im 20igsten Jahrhundert üblich geworden.

Die Sitte, daß beide Ehegatten Ringe tauschen, haben wir zunächst rein kommerziellen Interessen zu verdanken. Die amerikanische Schmuckindustrie propagierte diese Abwandlung des historischen Ritus seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst nicht sonderlich erfolgreich. Noch Anfang der 30iger Jahre des 20. Jahrhunderts tauschten Eheleute nur in 15% der Eheschließungen zwei Ringe, erst nach der Großen Depression setzte sich dieser neue Brauch durch.

Mag sein, daß auch das neue Verständnis von "Gleichberechtigung" nach einem symmetrischen Ritus verlangte. Bis zu den Liturgiereformen der 60iger Jahre blieb aber auch der katholische Ritus asymmetrisch, der Priester weihte nur einen Ring, den der Braut nämlich. Wie auch nur der Braut der Brautsegen zukam.

Ich empfehle, dem guten Bischof und den beiden erlauchten Eheleuten gut zuzuhören. Was da gesagt und getan wird, entspricht christlichem Erbe. Sich zu diesem Erbe zu bekennen, gehört angesichts der wütenden Meute, die gegen die christliche Ehe anrennt, einiges an Mut.

Gott segne William und Catherine, er stärke sie und bewahre ihre Liebe, bis zu ihrem seligen Ende.

Sonntag, 5. September 2010

Los Wochos: Happy birthday



Von meinem Lieblingspsychiater der vor wenigen Tagen wieder einmal einen unbedingt lesenswerten Artikel in der Tagespost geschrieben hat, habe ich gelernt, worauf man bei einer sich bewegenden Frau (wie auch bei einem Mann) achten sollte, und was das Bewegungsbild einer Person im Hinblick auf die Geschlechtszugehörigkeit dieser Person am meisten prägt: die ELLENBOGEN. Unglaubwürdig? Gut, einfach nur hinsehen, und die ELLENBOGEN beachten.

Heute, zum siebzigsten Geburtstag von Raquel Welch nun also mein absolut allerletzter Beitrag zu den LOS WOCHOS. Raquel soll ja DAS Sexsymbol der sechziger gewesen sein. Kann ich nicht ganz nachvollziehen, als Raquel Welch in einem völlig bescheuerten Dino-Film namens One Million Years B.C. groß rauskam war ich Sweet Sixteen, und durfte diesen Film wegen Raquels Wahnsinnsfellbikini überhaupt nicht ankucken.

Ich stelle mir ja öfter mal Talkshows vor(sehr spannend; Martin Luther und Margot Käßmann), diese Talkshow wäre sogar denkbar: Margot und Raquel zum weltbewegenden Thema: die Pille: Geschenk Gottes oder was?

Und hier der Trailer zur Talkshow im O-Ton Raquel Welch:
Margaret Sanger eröffnete 1916 die erste Klinik für Familienplanung, und seitdem blieb nichts mehr dasselbe. Seit diesem Datum hat die zunehmende Vermarktung von Methoden der Geburtenkontrolle einen überwältigenden Einfluß auf beide Geschlechter ausgeübt und hat zu einem revolutionären Wandel unserer moralischen Werte geführt.
Als ich älter wurde in den vergangenen fünf Jahrzehnten - von 1960 bis 2010 - und während ich in dieser revolutionären Periode der Veränderung der weiblichen Sexualität lebte, habe ich erlebt, wie diese Revolution die amerikanische Gesellschaft veränderte - zum Besseren oder zum Schlechteren. 
Einerseits hat die Pille es den Frauen zum Beginn der 60er Jahre einfacher gemacht, sich dafür zu entscheiden, den eigenen Kinderwunsch aufzuschieben bis nach dem Zeitpunkt, zu dem sie sich beruflich etabliert und eine Karriere begonnen hatten. Aber dennoch bestand für junge Frauen im fruchtbaren Alter (und ich war eine von ihnen) die Notwendigkeit, das eigene Herz zu befragen - und nachzudenken über die langfristigen Folgen oraler Kontrazeptiva - bevor sie diese sehr persönliche Entscheidung trafen. 
Es war eine Entscheidung mit der ich ebenfalls konfrontiert wurde, als ich im Alter von 19 Jahren entdeckte, daß ich schwanger war. Obwohl ich mit dem Vater des Kindes verheiratet war, Jim Welch, war ich auf diese Entwicklung nicht vorbereitet. Ich glaubte, daß ich meine Karrierepläne zunächst aufgeben müsse. Aber dies war nicht einfach nur meine Entscheidung. Ich wollte immer Jims Babys haben, aber ich war nicht sicher, wie er reagieren würde. Zu diesem Zeitpunkt waren wir beide 19 Jahre und frisch verheiratet, wir kämpften um unsere Zukunft. Aber er war völlig zuversichtlich und er wünschte sich unser Baby so sehr und seine positive, optimistische Haltung entschied alles. Ich habe Jim immer geliebt für die Art und Weise, wie er in diesem Moment reagierte.
Während meiner Schwangerschaft fing ich an zu realisieren, daß es hier nicht um mich ging. Ich war nur eine Zuschauerin, die die Metamorphose beobachtete, die sich in meinem Körper abspielte, damit ein anderes Leben geboren werden konnte. Mit wurde klar, daß dies ein Akt der Selbstaufopferung war, besonders für mich als Frau. Aber wir beide waren völlig eingebunden in diesen Prozeß, nicht nur in diesem Moment, sondern für unser ganzes, restliches Leben. Und dies ist beängstigend. 
Wir können uns einbilden, daß wir diese Situation umgehen und eine Entscheidung vermeiden können, aber ich habe noch niemanden kennengelernt, dem dies gelungen ist. Jim und ich hatten zwei schöne Kinder, die ein immer noch andauernder Segen für uns beide waren. Später mußte ich mich allein durchschlagen mit meinen beiden Kleinen, als alleinerziehende Mutter, die eine Filmkarriere verfolgte. Es war ganz und gar nicht ideal, aber meine Kinder haben meinen Erfolg nicht behindert. Sie haben mir Bodenhaftung vermittelt und haben mich zu früherer Reife und Erwachsenheit gezwungen. Ich sollte nicht unerwähnt lassen, daß die Geburt von zwei Kindern meine Figur nicht beeinträchtigt hat.
Aber wenn ich eine andere Haltung zu Sex, Empfängnis und Verantwortung gehabt hätte, wäre die Entwicklung ganz anders verlaufen.
Ein signifikanter und nachhaltiger Effekt der Pille auf das weibliche Sexualverhalten während der 60er war: "Jetzt können wir jederzeit Sex haben, ohne die Konsequenzen zu fürchten. Hallelujah, laßt uns die Party feiern."
Und dabei ist es geblieben. Heute scheint niemand mehr in der Lage zu sein, die Hosen anzubehalten niemand schätzt es, sich selbst Zügel anzulegen. Es erhebt sich die Frage: ist eine Heirat noch eine mögliche Option? Ich schäme mich sagen zu müssen, daß ich selbst vier Mal verheiratet war, und dennoch bin ich der festen Überzeugung, daß die Ehe ein Eckstein der Zivilisation ist, eine grundlegende Institution die die Gesellschaft festigt, die Kindern Schutz und ein Zuhause gibt, und uns vor der Anarchie bewahrt.
Im deutlichen Gegensatz dazu hat das Fehlen von Regeln für sexuelles Verhalten, oder wie es manchen nennen, die "sexuelle Befreiung", die Vorsicht und Urteilsfähigkeit beseitigt, mit der man einen Sexualpartner wählt, was einmal identisch war mit der  Suche nach einem Gefährten für das ganze Leben. Ohne Begrenzung der eigenen Freiheit fehlt das Vertrauen und die Loyalität zwischen Paaren im fruchtbaren Alter, und dies führt offensichtlich zur Untreue. Niemand scheint davor gefeit zu sein.
Die Folge des Beispiels, das die ältere Generation gibt, ist, daß unter Teenager aus den 90ern Promiskuität mit wechselnden Partner allgemein üblich geworden ist. Vielen meiner Freunde, die Eltern von Teenagern sind, fehlten die Worte, als bekannt wurde daß Oralsex bei halbwüchsigen Mädchen, die die Mittelschule besuchen, zu einer üblichen und beliebten Praxis im ganzen Land geworden war.
Eine 13 Jahre alte Tochter eines unserer Freunde gab freimütig zu, daß sie regelmäßig mit mehreren Jungs Fellatio ausübt. "Ach komm, Mama. Es ist keine große Sache, Jeder tut es." Offensichtlich halten die Kinder das nicht für Sex, solange es nicht um direkten Verkehr geht. Kann es denn sein, daß eine normale und gesunde Person sich darüber kein Urteil mehr bilden kann?
Im Ernst, Leute, wenn ein alterndes Sex-Symbol wie ich mit der roten "Vorsicht"-Flagge wedelt, weil die moralischen Standards ein so erschreckend tiefes Niveau erreicht haben, sollte eigentlich jedem klar werden, daß wir ein echtes Problem haben.  Und wirklich, eben deshalb, weil ich dieses sexy Image hatte, ist es so wichtig, daß ich meinen Mund aufmache und sage: Wacht auf Mädels! Es ist Zeit, daß ihre Eure Socken hochzieht! Wir können es so viel besser.
Happy birthday Raquel.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Summertime


Keine Zeit. Muß mich um Enkelkinder kümmern, essen kochen, langweilige Kinderfilme mitkucken, aberwitzige Bauklotztürme bauen, Baby schaukeln, den Turnbaum machen, am Strand sitzen, plantschen etc.

Freitag, 2. Juli 2010

Ritter Wesley ./. Brasilien 2:1



War mir ja schon vollkommen klar, daß es einfach so kommen mußte. Ritter Wesley, das Bild seiner Liebsten im Herzen, und ganz bestimmt ihr Strumpfband um dem Oberarm geknotet  (unter dem Trikot natürlich) zieht furchtlos in den Kampf gegen den Drachen (sprich Brasilien) und siegt!!!

Jaaaa! Holland gegen Brasilien 2:1.

Seiner Herzallerliebsten zuliebe ist er, was ganz bestimmt den letztlich entscheidenden Beitrag zum Sieg bedeutete, zum katholischen Glauben übergetreten.

Montag, 7. Juni 2010

First patchwork


Auf diesem Blog also bis auf weiteres nur noch Bilder von Francois Boucher. Schließlich gilt es, als Anhänger der Kunst der Rokoko Flagge zu zeigen, nicht Alipius?

Und heute ein kurzer, wennauch launiger Beitrag, warum ich die beiden hochgelobten Kandidaten für das BuPräAmt für völlig unwählbar halte. Oder auch, warum sie natürlich völlig wählbar sind. Nur nicht für mich - was ja auch völlig wurscht ist, weil ja niemand auch nur im entferntesten auf die Idee käme, mich zum Wahlmann zu küren.

Weil ich es ätzend finde, daß da zwei Männer als Kandidaten stehen, die beide noch nicht einmal das auf die Reihe gebracht haben, was Gilbert Keith Chesterton als die männliche Kardinaltugend schlechthin angesehen hat. Nämlich, eine ganz normale christliche Ehe zu führen.

Der Wulff droht uns als der schlechthinnige Patchworkpräsident. Geschieden, ein Kind aus erster Ehe, verheiratet mit einer um 14 Jahre jüngeren Frau, die - wie es so schön heißt - "ein Kind in die Ehe bringt"(als ginge er hier um eine Waschmaschine, einen Fernseher oder eine Garnitur Silberbesteck). Ein gemeinsames Kind. Die mittlerweile klassische hachwassinnwirsomodern DeineKinderMeineKinderUnsereKinder-Situation. Und da kann man sich über den ersten katholischen Bundespräsidenten nicht so richtig freuen.

Und der Gauck? Ja protestantischer Pfarrer ist der sogar. Aber selbst ein prominentes Beispiel dafür, daß die Ehen protestantischer PrälatInnen offenkundig scheidungsanfälliger sind, oder zumindest genauso scheidungsanfällig wie die der übrigen Gesellschaft. Auch geschieden, auch mit einer um 20 Jahre jüngeren Frau zusammen.

Ist es eigentlich zuviel verlangt, daß man uns bitte - mehr verlang ich ja gar nicht - Kandidaten bietet, die nicht fünfmal geschieden und wiederverheiratet, auch nicht einmal geschieden und wiederverheiratet, nicht schwul, nicht von der Geisteskrankheit der Gendermainstreamingideologie angekränkelt, nicht in Patchworkverhältnissen lebend, nicht in wilder Ehe lebend, nicht außereheliche Beziehungen habend, sonundsoviel Kinder von soundsoviel Frauen habend, die uns kurz gesagt nicht mit ihren Sexgeschichten nerven. Nur als Alternative. Damit man auswählen kann.

Ich hätt gern einen - notabene eine - der einfach nur mit der Frau zusammenlebt - oder dem Mann - die er  - oder sie - geheiratet hat, mit der er - oder sie - Kinder hat, und mit der er - oder sie - immer noch zusammenlebt. Nur als Kandidaten. Den würd ich wählen. Aber der steht nicht im Angebot. Bloß die Merkels, Schröders, Westerwelles, Fischers, Becks, Wowereits, Seehofers, ja und die Wulffs und Gaucks.

Und die würd ich nicht wählen. Weil ich der offenbar völlig altmodischen Vorstellung bin, daß die, die uns politisch repräsentieren, ja ein Vorbild sein sollten. Was besseres als wir, die wir unser Leben vielleicht nicht so toll auf die Reihe bekommen haben. Zu denen wir aufschauen können. Als Vorbilder an Liebe, Treue, Verläßlichkeit, Glaubwürdigkeit, die uns den Mut geben, es wenigstens zu versuchen so zu leben, wie unsere großen Vorbilder. Weil sonst die Gesellschaft zusammenbricht, wenn sie keine Vorbilder mehr hat.

Nun ja, die erzkatholischen Könige Frankreichs, die Nachfahren des Heiligen Ludwigs, hielten sich Mätressen. Dies ist ein Bild der berühmtesten Mätresse aller Zeiten, Madame Pompadour. Und trotzdem widert mich das Mätressenwesen des französischen Könige weniger an, als die allgegenwärtige, und sei es auch nur serielle, Promiskuität der Jetztzeit.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Phoebes einsame Schwestern

Gestern fand die örtliche ACK-Versammlung im kleinen Büro der Elisabeth-Gemeinschaft statt. Für mich Anlaß, meine Kenntnisse über eine im 19. und 20. Jahrhundert einst starke und die diakonische Arbeit der Evangelischen prägende Bewegung zu vertiefen: Die Diakonissen. "Unsere" Diakonissen, die des Elisabethen-Stiftes in Darmstadt, gehören oder besser gesagt gehörten dem Kaiserswerther Verband an. Sie berufen sich auf die erste Diakonisse, die Heilige Phoebe, und führen Ihre Geschichte auf Theodor Fliedner und seine beiden Ehefrauen Caroline und Friederike Fliedner zurück. Und auf Florence Nightingale, die sicher berühmtesteKrankenschwester des 19. Jahrhunderte, die mit den Fliedners in Verbindung stand.

Wer sich allerdings auf der offiziellen Seite des Kaiserswerther Verbandes auch nur darüber informieren will, nach welchen Grundsätzen, und in welcher Lebensform die Diakonissen lebten, muß lange suchen und wird nichts finden. Daß das Wort Diakonisse keinen Beruf bezeichnet, sondern einen Lebenstil, erfährt man nur von der jüngeren, ehemals viel kleineren Konkurrenz: Diakonissen lebten ehelos.
Unsere Ehelosigkeit weist in besonderer Weise voraus auf das kommende Reich Gottes. Da wird der Mensch weder heiraten noch sich heiraten lassen, denn die Gemeinschaft mit Gott wird ihn ganz erfüllen. Unser freiwilliger Entschluß zur Ehelosigkeit ist Ausdruck unserer Liebe zu Gott. Er läßt unser Leben nicht verkümmern, sondern ermöglicht es, unsere Liebeskraft in der Hinwendung vor allem zu ungeborgenen, ungeliebten, angefochtenen und kranken Menschen zu entfalten. Darüber hinaus erfahren wir unsere Ehelosigkeit als eine besondere Möglichkeit, Jesus Christus mit unserem ganzen Leben zur Verfügung zu stehen.
Ja, da blüht so manches im Verborgenen, über das unsere protestantischen Bürder und Schwestern allenfalls im hämischen Ton herziehen. Auf der semioffiziellen Seite "evangelisch.de" findet sich z.B. der gesammelte Unfug, der über das Zölibat von offizieller evangelischer Seite verzapft wird.
Der Zölibat ist das Problem, als dessen Lösung er sich ausgibt. Er bringt viele soziale Nachteile mit sich: einen deutlichen Mangel an Priesteramtskandidaten und eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten; eine Überrepräsentation homosexueller Geistlicher; die Neurotisierung jener Priester und ihrer geheimen Familien, die trotz Verbot die Liebe entdecken und ihr versteckt nachgehen. Problematisch auch: die wachsende Zahl zugewanderter Geistlicher, die vor den Augen der Gemeinde mit der deutschen Sprache ringen
Nett, unsere evangelischen "Geschwister", gelle? Vor allem der Hinweis auf die "Überrepräsentierung homosexueller Geistlicher", der eigentlich eher zum unterirdischen Niveau der Pornokratenpostille "Stern" gehört. Wer meint, Käßmanns fauxpas sei ein einmalige Ausrutscher, der kennt die Mischpoche nicht, der ich anzugehören die Unehre glücklicherweise nicht mehr habe.

Daß in diesem ihnen eigentlich feindlichen Klima die ehelos lebenden Diakonissen auf Dauer nicht existieren konnten, liegt auf der Hand. Vor dem Krieg lebten und arbeiteten mehr als 400 Diakonissen im Stift. Keine ist mehr im Dienst, nur noch 15 Diakonissen im Ruhestand leben in Darmstadt.

Die Erosion geistlichen Lebens ist keine Besonderheit der katholischen Kirche. Nur was bei Katholikens langsam schleicht, das verlief bei den Evangelischen im scharfen Galopp. Die katholischen Orden sind schwächer geworden, sehr viel schwächer. Die evangelischen Orden - ihr stärkster Zweig waren die Diakonissen - haben praktisch aufgehört zu existieren.

Ach ja, eine der beiden älteren Damen war beim ÖKT. Besonders berührt hätten sie die armen "mit Priestern verheirateten Frauen". Da wußte ich nicht, was ich da noch sagen sollte, und hab mich besser den Rest des Abends ausgeschwiegen.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Anniversarium triste

Ein wichtiger Jahrestag ist nicht nur an der Blogozese, sondern, wie es scheint, an der gesamten katholischen Presse völlig kommentarlos vorbeigegangen. Vor nun etwas mehr als 50 Jahren, am 9. Mai 1960 erhielt die G.D. Searle & Co. die Zulassung der amerikanischen FDA für das "Medikament" Enovid, die erste wirksame "Anti-Baby-Pille". Über die Geschichte dieses wirklich revolutionären Produkts wußte ich ja schon einiges, aber erst durch einen (natürlich) Jubel-Artikel im Stern (ich empfehle die Printausgabe, die Internetversion ist gesäubert) fiel mir auf, daß dieser "Erfolg" von einer der finstersten Gestalten der modernen Geschichte mit Millionensummen finanziert und vorangetrieben wurde.

Die Rede ist von Margaret Sanger, der offen rassistischen Gründerin des IPPF. 1951 beauftragte Margaret Sanger den Bostoner Physiologen Gregory Pincus, ein Verhütungsmittel in Tablettenform zu entwickeln. Mehrere Millionen investierte auf Veranlassung von Sanger ihre Freundin Katherine McCormick in das Produkt. 1960 ist es dann so weit. Margarets Lebenstraum hat sich erfüllt.

Schon die Entwicklung der Pille referiert den offenen und latenten Rassismus der Pillenprophetin und ihrer Helfer. Pincus testet Enovid in den Armenvierteln von San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico. Die Frauen werden nicht informiert, daß sie an einem medizinischen Experiment teilnehmen, die Experimentatoren registrieren massive, teilweise lebensgefährliche Nebenwirkungen und kommen zunächst zu dem Ergebnis, daß Enovid zu viele Nebenwirkungen hat, als daß man das Mittel zur massenhaften Anwendung zulassen könne. Da sind keine Menschenfreunde am Werk.

An diesen Nebenwirkungen hat sich indessen bis heute wenig geändert, so unseriös ist nicht einmal der Stern, daß er seine Leser schlicht belügen würde. Doch die Liste der Nebenwirkungen zeigt, daß die Logik der Pille im wahrsten Sinn des Wortes eine satanische Logik ist. Ihre Prophetin versprach die sexuelle Befreiung der Frau, doch das Ergebnis war eine neue, noch perfidere Form der Versklavung. Die Prophetin versprach besseren Sex, aber in den Ländern, in denen heute die Pille mit mehr als 70 Prozent das beliebteste aller Empfängnisverhütungsmittel ist, sind Männer und Frauen so "oversexed and underfucked" wie noch nie in der Geschichte.

Gesundheitsschäden wie Thrombosen und Embolien sind nach wie vor bekannte und nicht vermeidbare Wirkungen der Pille. Bestimmte Formen der Pille, etwa die sogenannte Minipille wirken nicht wirklich empfängnisverhütend, sondern abtreibend. Unfruchtbarkeit, verminderte Libido bis hin zur Frigidität, selbst die Beeinflussung der Partnerwahl sind heute anerkannte Folgen des Antibabypillendrogenabusus.

Eine Anti-Sex-Revolution zweifellos. Sex ist beiläufiger geworden, aber auch eindeutig, sogar aus medizinisch-physischen Gründen, lustloser. Die Pille hat Sex banalisiert.
Die Pille müssen wir mit dem Tod der erotischen Liebe bezahlen. ... Liebe gründet in der Sehnsucht, in der Sehnsucht nach der geliebten Person. Sie ist nicht frei vom Geschlechtlichen. Je größer die Sehnsucht nach Vereinigung mit dem geliebten Menschen ist, um so größer ist die Liebe. Hebt man nun dieses Tabu des Geschlechtlichen auf, fällt die Schranke, die Sehnsucht weitgehend erzeugt, dann verliert die Liebe ihre Basis. ... Die Pille macht Romeo und Julia zu einem Museumsstück. Lassen Sie es mich drastisch sagen: Heute würde Julia ihrem Romeo erklären, daß sie nur noch schnell die Pille nehmen wolle und dann zu ihm komme. (Max Horkheimer, die Sehnsucht nach dem ganz anderen)
Das große Versprechen von der sexuellen Befreiung durch die Antibabypille war vielleicht die größte und folgenschwerste politische Lüge des 20. Jahrhundert. Sie war auch die tödlichste. Millionen von Kindern sind im Mutterleib unmittelbar durch bestimmte Formen der Pille getötet worden. Und die Pille hat die Abtreibung nicht etwa überflüssig gemacht, sondern die Abtreibung vielmehr als andere Form der "Familienplanung" erst geistig vorbereitet. Nur wenige Jahre nach der Einführung der Pille wurde in fast allen Ländern der westlichen Welt die Abtreibung legalisiert. Vorangetrieben von den selben Protagonisten, die die Pille erst entwickelt, dann popularisiert haben.

Die Pille war ein Meisterwerk des Vaters der Lüge.
vos ex patre diabolo estis et desideria patris vestri vultis facere ille homicida erat ab initio et in veritate non stetit quia non est veritas in eo cum loquitur mendacium ex propriis loquitur quia mendax est et pater eius (Joh 8, 44)
Ein Johannes-Zitat durfte (neben dem Max-Horkheimer-Zitat) in diesem blog natürlich nicht fehlen.

William Blake, The Flight of Molech.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Anarchist, Kinderschänder, Terroristenversteher, Europaabgeordneter



Ja so isser der alte Katholikenfresser. Und EX-OSO-Schüler.

Ja, ja, non scholae sed vitae discimus.

Mittwoch, 17. März 2010

Father Kung, the left-wing wacko on the fringe strikes again!

Bei manchen Verlautbarungen der Kategorie "Mißbrauch des Mißbrauchs" fehlen selbst den Sprachgewandtesten der Blogozese die Worte. Elsa findet, daß Adolf Muschgs Auslassungen den Tiefststand der Debatte markieren. Systematischer sexueller Mißbrauch von minderjährigen Schülern als Form der "pädagogischen Nähe". Darauf muß man erst mal kommen.
Aber auch Father Kung, the left-wing wacko on the fringe, hat mal wieder den Vogel abgeschossen. Nun Father Kung hat ja schon ziemlich viel Mist produziert. Aber ausgerechnet angesichts einer Vielzahl von Akten sexueller Zügellosigkeit nun die sattsam bekannte Forderung nach einen "unverkrampften Verhältnis zur Sexualität" zu erheben ist ja schon völlig daneben. Unverkrampft waren sie doch gewiß, die Herren Knabenschänder, oder?

Sonntag, 14. März 2010

Trau, schau wem

Jubel in der Blogozese, seit sich Alice Schwarzer auf unsere Seite geschlagen hat
Nein, der sexuelle Missbrauch von Kindern ist keine Erfindung katholischer Patres. Und er hat auch nichts mit dem Zölibat zu tun.
Aber Alice Schwarzer wäre nicht Alice Schwarzer, würde sie nicht die Gelegenheit nutzen, auf ihre eigene Weise den Mißbrauch zu mißbrauchen.
Allein in Deutschland werden nach Schätzung des Kriminologischen Instituts Hannover Jahr für Jahr etwa eine Million Kinder missbraucht, in neun von zehn Fällen sind es Mädchen.
Die Zahlen sind falsch. Die Behauptung, eine Million Kinder, darunter in der Lesart Alice Schwarzers, 900 000 Mädchen würden pro Jahr mißbraucht ist eine Tartarenmeldung. Die offizielle Polizeiliche Kriminalstatistik weist rund 15.000 Fälle aus, die zur Anzeige gebracht wurden. Dem steht eine sehr hohe Dunkelziffer gegenüber, aber wer behauptet, diese betrage 98,5% macht Politik mit unseriösen Zahlen. Auch wer behauptet, nur 10% der Opfer seien Jungen, hat sich offenbar die Zahlen der Polizei und die Zahlen seriöserer Institute nicht angesehen, oder genauer gesagt, will sie nicht sehen.
Diese wissenschaftlich belastbaren Zahlen weisen allerdings aus, daß nahezu hundert Prozent der Täter Männer, aber etwa 25 % der Opfer männliche Jugendliche und Kinder.
Was will Alice Schwarzer mit ihrer irren Statistik beweisen? Daß Frauen immer Opfer des patriarchalen Schweinesystems sind, niemals Täter.
Aber die Wissenschaft nimmt eher an, daß nicht die Zahlen der weiblichen, sondern die Zahlen der männlichen Opfer unterschätzt werden.
Mit Alices Statistiken haben Christen ihre eigenen ungute Erfahrung. Die von der Initiatorin der berüchtigten "Ich habe abgetrieben" Kampagne lancierten Zahlen über die weiblichen Opfer illegaler Abtreibungen waren manipuliert.
Mit einem hat Alice Schwarzer allerdings recht. Es war die "Emma" die schon in den siebziger Jahren, als die sexuelle Befreiungsideologie auf ihrem Höhepunkt war, den Mißbrauch thematisiert hat. Aber sie hat dabei immer nur die weiblichen Opfer im Blick gehabt. Warum? Es galt die politischen Bündnisparter der militanten Lesbenbewegung, die Schwulenbewegung zu schonen. Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik bestätigen nämlich, stellt man die sehr hohe Zahl mißbrauchter Jungen der verhältnismäßig geringen Zahl schwuler Erwachsener gegenüber, daß Homosexualität keine "normale" sexuelle Orientierung ist. Die kirchliche Statistik, die es erst seit 2001 gibt, weist sogar aus, daß 60% aller Mißbrauchsfälle einen homosexuellen Hintergrund haben. Wer uns Homosexualität als "normale" "sexuelle Orientierung" verkaufen will - auch A.Schwarzer hat das immer getan - wird durch die Statistik widerlegt. Die "Homosexualisierung der Gesellschaft" (Adorno) hat vielmehr einen Tsunami des sexuellen Mißbrauchs erzeugt.

Samstag, 13. März 2010

Ach ja?

Für regelmäßige Besucher der "überlieferten Messe" (ist der Novus ordo eigentlich nicht überliefert? grübel, grübel) gab es heute die Lesung aus Daniel 13. Die Parabel von "Susanna im Bade" erzählt uns die Geschichte, wie zwei ältere Männer versuchen, eine junge Frau zu vergewaltigen, die sich Ihnen widersetzt, dann aufgrund der Behauptung der beiden Alten, sie habe Ehebruch begangen, zum Tode verurteilt wird, aber durch den offenkundig forensisch geschulten und vom heiligen Geist inspirierten Daniel errettet wird. Passend zum Thema dieser Tage.
Am Morgen hatte ich noch den Bericht einer ehemaligen Schülerin des OSO über ihre Schulzeit in dieser schon in langer Tradition antiautoritären Schule gelesen, über gemeinsames Nacktduschen mit dem "Lehrkörper" (welch sinniger Begriff in diesem Zusammenhang) über Strip-poker in der Lehrerwohnung, darüber, daß sie als "Spießerin" beschimpft wurde, weil sie bei diesen Sexspielchen nicht mittun wollte.
Nicht zuletzt über den homosexuellen Schulleiter, dessen Vorliebe für kleine Jungs offenbar bekannt war. Aber alle fanden das ganz normal, lesen wir. So normal wie man heute "schwul lesbisch bi - ganz normal anders" findet.
Hier kam der Zeitgeist den "Pädagogen entgegen. Anfang der siebziger Jahre wurde bekanntlich die sexuelle Befreiung ausgerufen, die Gegenbewegung zur repressiven Sexualmoral der fünfziger Jahre (da kichert der Apo-Opa).
Leicht könnte man nun - wie Bischof Mixa - den Schluß ziehen, in der gelockerten Sexualmoral läge die Hauptursache für derartige Übergriffe. In Wahrheit wurde, wie Daniel Cohn-Bendit sagte, "eine libertäre Sexualmoral, die auf Emanzipation angelegt ist, für sexuellen Mißbrauch und sexuelle Ausbeutung benutzt"
Reingefallen, möcht ich sagen. Denn die libertäre Sexualmoral, die gab es nicht. Nicht als Moral. Es sei denn, mann hält die Regel, daß mann alles vögeln darf, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, für Moral. Überhaupt ist ja schon erstaunlich, daß Cohn Bendit nach vierzig Jahren auffällt, daß mann die hochgelobte "libertäre Sexualmoral" auch mißbrauchen kann.
Beweglicheren Geistern ist das schon weit früher aufgefallen. Reimut Reiches ungenießbare und unlesbare, aber dennoch in hoher Auflage verbreitete Schwarte über "Sexualität und Klassenkampf" trägt schon 1968 den Untertitel "Zur Abwehr repressiver Entsublimierung", was man locker aus dem soziopsychochinesischen mit "Jungs, das mit der sexuellen Revolution kann auch völlig nach hinten losgehen" übersetzen könnte.
Und 1969 schrieb der scheidende Bundesvorstand des AUSS, einstmals die Speerspitze der sexuellen (Pennäler)revolution, zum Thema Pille:
"Die Anti-Baby-Pille liefert das biologische Fundament, auf dem sowohl die bewußte Bestimmung der Frau über ihren Körper als auch neue Formen der Versklavung des Körpers und des Bewußtseins aufbauen können. Die Anti-Baby-Pille kann auch dazu dienen, der Frau ihr letztes natürliches Argument aus der Hand zu schlagen, wenn sie sich verweigern will."
Ein visionäres Argument, und wir wissen alle, wie das gelaufen ist.
Und das ist nun auch das letzte Wort, daß ich zu dieser Mißbrauchskiste schreiben. Denn eigentlich gehen mir die Alt-68er, jedenfalls die unbelehrbare Fraktion, TIERISCH AUF DIE NÜSSE.
Ja, ja, ich war Mitglied des Bundesvorstands des AUSS. Das Thema Sex-Pol hab ich durch. Will nix mehr von hören.

Samstag, 27. Februar 2010

Kirche, Sex und Suff

Gerade, als die Nachricht von Margot Käßmanns Rücktritt über den Ticker lief, fiel mir unsere Lokalpostille in die Hände. Seite eins: die geschiedene "Bischöfin" Margot tritt zurück wg. bekannten Vorfalls, Überfahren einer roten Ampel im - sagen wir es offen - Vollsuff. (Wir Strafverteidiger sagen es rund heraus, Zeit ist Sesterz).
Seite eins im Lokalteil: der neue Pfarrer meiner prot. Ex-Gemeinde! Toller Typ! So nett! Und natürlich mit Patchworkfamilie! (2 Frauen, drei Kinder) So sympathisch! Ein Mensch wie Du und ich!
Na ja der Amtsvorvorgänger - ein begnadeter Prediger mit Stentorstimme und von barockem Format - fiel manchesmal besoffen von der Kanzel, was ihm seine Gemeinde eigentlich nicht so richtig übel nahm. Bis er dann in der Trinkerheilanstalt landete, nach seiner Ehescheidung, deren Ursache wiederum nicht in erster Linie der Suff, sondern der Sex war. Der Sex mit der falschen Frau.
Dann gab es dann noch den Amtskollegen des Amtsvorvorgängers, der, nun ja, auch schon in zweiter Ehe verheiratet war mit einer lieben Frau, die wiederum Mutter eines nichtehelichen Kindes mit unbekanntem Vater gewesen ist. Und genau genommen, kenne ich persönlich eigentlich so gut wie keinen protestantischen Pfarrer notabene Pfarrerin, der/die nicht geschieden ist. Kennt jemand die Scheidungsquote von Pfarrern? Ist die nun niedriger oder höher als die gesellschaftsübliche von 50 %.? Aus meiner Erfahrung würd ich eher sagen, sie ist höher. Und die Alkoholiker- notabene Quartalssäuferquote scheint mir ja auch nicht so niedrig.
Wer Vorbild sein will, das ist wohl die Lehre nicht nur aus dem casus Käßmann, scheitert manchesmal gerade an der Last, ein Vorbild sein zu sollen.
Ich will ja jetzt die katholischen Priester ganz und gar nicht ausnehmen. Den Säufer und den Hurenbock (die frieren selbst im wärmsten Rock) trifft man auch im Amt des katholischen Pfarrers.
Aber es gibt da doch ein Heilmittel. Die Mutter eines Priesters, hat es mir mal verraten. Ein Priester, der sich in die selige Jungfrau und Gottesmutter verliebt, ist davor gefeit, sich in eines seiner Groupies (ja, ja, die gibt es) oder den Alkohol zu verlieben. Und so hat das Nachlassen der Verehrung der Gottesmutter vielleicht doch eine ganze Menge mit der aktuellen Krise des Standes zu tun. Nur ist, wenn die Priestermutterthese stimmt, die Krise des protestantischen Pfarrers chronisch. Und die des Priesterstandes heilbar.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Beck und Kolle aufgemixt

Die Kunst der und die Neigung zur Zuspitzung einer gesellschaftspolitischen Debatte ist ja meist Politikern zu eigen. Bischöfe - vorzüglich die 3M´s - sind da aber manchmal auch nicht schlecht. Es geht - wenn ich da mal ein bißchen aus dem Nähkästchen eines alten Politikasters plaudern darf - um Einschaltquoten, Schlagzeilen und nicht zuletzt darum, den Gegner aus der Deckung zu locken, auf daß er beim zornigen Gegenangriff ein hübsches Eigentor schießt. Also Bischof Mixa hat das im Zusammenhang mit der Debatte um die Mißbrauchsfälle an jesutitischen Gymnasien so gemacht:
Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.
Ist das so falsch? Sicher nicht, daß sich die Mißbrauchsfälle vorwiegend in den 70iger und 80iger Jahren ereignet haben, in der Hochphase der sexuellen Revolution und einer aufschäumenden Debatte um die Entkrimininalisierung der Pädosexualität ist mindestens statistisch signifikant.
Und die "besonders progressiven Moralkritiker" haben sich dann auch sofortissimo zu Wort gemeldet. Allen voran Volker Beck, Grünen-Abgeordneter und parlamentarische Speerspitze des schwulen Verbandsfunktionärswesens. Ursache sei vielmehr die "systematische Unterdrückung von Sexualität" (durch die auf diesem Blog schon öfter erwähnte rSkK). Mixas Thesen seien "historisch absurd".
Ja wirklich? 1988 verkündete Beck in einem rechtspolitischen Beitrag für ein Buch mit dem Titel "Der pädosexuelle Komplex" folgende Thesen:
„Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung dringend erforderlich … Vorgeschlagen wird hier als langfristiges Ziel…, die ‚Schutz’-Altersgrenze zu überdenken und eine Strafabsehensklausel einzuführen.“ (S.266)

„Allein eine Mobilisierung der Schwulenbewegung für die rechtlich gesehen im Gegensatz zur Pädosexualität völlig unproblematische Gleichstellung von Homo- und Heterosexualität … und für die Rechte der Homosexuellen wird das Zementieren eines sexualrepressiven Klimas verhindern können – eine Voraussetzung, um eines Tages den Kampf für die zumindest teilweise Entkriminalisierung der Pädosexualität aufnehmen zu können.“ (S.268)
Schauschau. Das war in Zeiten, als grüne Parteitage die völlige Entkrimininalisierung des beschönigend als "Pädosexualität" bezeichneten Kindesmißbrauchs forderten. Was denen damals wenigstens die Wahlergebnisse verhagelte.
Hat Beck sein "langfristiges Ziel" aufgegeben? Wüßten wir ja gerne. Aber sein mittelfristiges, nämlich die "sexuelle Ausrichtung(Identität)" in den Verfassungsrang zu erheben haben die Sexualrevolutionäre ja auf europäischer Ebene schon erreicht. Artikel 21 der mit dem Lissabon Vertrag verbundenen Menschenrechtscharta verbietet eine Diskriminierung nicht nur wegen unverfügbarer Merkmale der Person wie Rasse, Geschlecht, Religion, Behinderung und Alter, sonder auch wegen der "sexuellen Ausrichtung". Ein Begriff, der eben kein unverfügbares Merkmal wie das angeborene Geschlecht bezeichnet, sondern zunächst nur die persönliche, letztlich subjektive Vorliebe. Welche Grenzen gibt es, hat man einmal den Schutz der sexuellen Ausrichtung ins Gesetz geschrieben, davor, daß auch Polygamisten und - sagen wirs mal biblisch - Knabenschänder den Schutz ihrer Sexuellen Identität verlangen?
Sie tuns ja schon.

Ich nutze die Gelegenheit, um mal wieder ein Bild eines meiner Lieblingsmaler, William Adolphe Bouguereau ins Netz zu stellen. Bevor es von der europäischen Gesinnungspolizei in den Giftschrank verbannt wird. Das Bild stammt aus Zeiten, da man für ausgeübte Homosexualität noch die schlimmsten Höllenstrafen erwartete. Im Hintergrund der mit den spitzen Ohren, im der Mitte Vergil und Dante und davor zwei männliche Wesen (scheinbar) ihre sexuelle Identität praktizierend. (Um Mißverständnisse zu vermeiden, so hat das Bougereau nicht gemeint, aber es sieht so aus)

Montag, 16. November 2009

Bibel zitieren wird zum Risiko

   Dante lesen auch, wenn sich die am 16. November vom Rechtsausschuss der Parlamentarischen Versammlung verabschiedete Resolution durchsetzt. Denn diese Resolution fordert nicht nur die europaweite Legalisierung der Homoehe, wie das Adoptionsrecht für "LGBT-Personen" kritisiert schärfstens die Ungerechtigkeit, Ablehnung und Diskriminierung der Lesben, Schwule, Bisexuelle (!) und Transen ausgesetzt sind. Der Rat ist auch "besorgt" über das Verbot lesbischwulbisexueller Paraden in einigen europäischen Ländern. 
   Vor allem fordert die Resolution das Verbot und die strafrechtliche Ahndung von "Hate-speech" "gewisser" prominenter Personen "including religious leaders". Meisner, Benedict XVI und andere "religious leader" leben also demnächst gefährlich, wenn sie nicht in den Lobpreis der brave new world der lesbian, gay, bisexual and transgender community einstimmen. Da dann wohl alsbald auch die Bibel mit schwarzen Balken erscheinen wird, hier noch einmal die einschlägigen, bald nicht mehr zu lesenden Zitate:
Du sollst nicht bei Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel. (3. Mose 18:22)

Als auch gleicherweise die Männer, (W. Männlichen; so auch weiter in diesem Verse) den natürlichen Gebrauch des Weibes verlassend, in ihrer Wollust zueinander entbrannt sind, indem sie Männer mit Männern Schande trieben und den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfingen. (Römer 1,27)
Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einem Weibe liegt, so haben beide einen Greuel verübt; sie sollen gewißlich getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.(3. Mose 20,10)
Oder wisset ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Irret euch nicht! Weder Hurer, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, (O. Wollüstlinge) noch Knabenschänder (1. Korinther 6,9)
   Ja, in den alten Zeiten nannten wir die Typen, die alles vögeln, was nicht bei drei auf den Bäumen war in der damals drastisch unverblümten Sprache "Querficker". Was man unter einem Bisexuellen verstehen darf, kann man ja bei Oswalt Kolle nachlesen. Einen Querficker eben. Ob auch die unverblümte Sprache der 68er demnächst als "Hate-Speech" strafbar ist? Dann wirds für einen katholischen 68er wie mich ja ganz, ganz gefährlich. 
   Ach ja, und in der Käßmann-Bibel (BibelingerechterSprache) lautet Lev. 18, 22 übrings wie folgt:
Mit einem männlichen Partner (ja, die ÜbersetzerIn hat ganz gewiss das Lebensparterschaftsgesetzergänzungsgesetz (kein Witz, das heißt wirklich so) gelesen) sollst du keinen Geschlechtsverkehr haben, wie mit einer Frau, ein Tabu ist dies.
   In unserer tabulosen Gesellschaft geradezu eine Aufforderung es zu tun. Isse nisch goldisch, uns Margöttsche?