Freitag, 22. Januar 2010

21, Januar 1793: Die Blutspur

Seit den Diskussionen der 60er Jahre über die Rechtfertigung von Gewalt beschäftigen mich die Morde der Französischen Revolution, beschäftigt mich die Phase des Grande Terreur, die Hinrichtung Louis XVI am 21. Jan. 1793 war nur ein Ereignis in dieser Phase, aber zweifellos das wichtigste. Die Ermordung - den Mord an Louis XVI eine Hinrichtung zu nennen, wäre eine Verhöhnung rechtsstaatlicher Verfahrensnormen - des Königs löste weitere Morde aus, die schließlich im Völkermord in der Vendée gipfelten.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Redner des Jahres 1968 auf dem Römerberg, unter ihnen ein leibhaftiger Professor Dr., die die Blockade der Auslieferung des Springerkonzerns, rechtfertigten. Eigentümerlicherweise sprach der Herr Professor über den Grand Terreur der französischen Revolution. War die Ermordung des Königs gerechtfertigt? Ja, sagte uns jungen Schülern und Studenten der Herr Professor, denn man müsse doch gegen diesen einen Mord die jahrhundertelange Unterdrückung und Ausbeutung der einfachen Menschen gegenrechnen.
Der Herr Professor hätte wissen können, daß er damit den in diesen Tagen beginnenden Terror der Roten Armee Fraktion legitimierte, der wenige Tage vor dieser Rede mit einem Brandanschlag auf ein Frankfurter Kaufhaus begann.
Letztlich erwiesen sich die Jakobiner als die Urgroßväter der Massenmörder des zwanzigsten Jahrhunderts, denen im Namen des Fortschritts, im Namen der Nation, im Namen der Wissenschaft hunderte Millionen zum Opfer fielen.
War die Ermordung des Königs zwingend Voraussetzung für die Errichtung der Republik? Nein. Doch für die Begründung des Terreur, für die Beseitigung jeglichen Skrupels war dieser Justizmord eine nicht wegzudenkende Bedingung.

1 Kommentar:

Alipius hat gesagt…

Ich habe diesen Beitrag jetzt erst entdeckt. Der muß mir im Januar irgendwie durch die Lappen gegangen sein. Somit jetzt also etwas verspätet meinen Dank und meine Zustimmung!