Sonntag, 13. März 2011

Unsere tägliche Katastrophe gib uns heute

Vergleicht man die Informationspolitik der interessierten politischen Parteien mit internationalen Informationsangeboten, so fällt auf, daß das atomare Desaster in Japan offenbar bewußt überzeichnet wird. Es gibt in unserem Land offenbar Politiker, die sich unter der Fahne "unsere Gedanken sind bei den Opfern" offenbar vor allem Gedanken über ihre unverhofften Machtchancen machen. Die deutsche Presse trägt ihr Scherflein dazu bei.

Wer einigermaßen objektive Informationen sucht, sollte sich auch nicht bei der deutschen Presse sondern am besten bei Al Jazeera umsehen. (Aus deutscher Sicht sind das natürlich alles "Abwiegler"). Eine unabhängige Presse gibt es offenbar nur noch außerhalb der BRD.

Schon erstaunlich, wie sich die japanische Musterdemokratie auf einmal in einen quasistalinistischen Staat wandeln kann. Aus Sicht der deutschen Presse und der interessierten Parteien natürlich.

Ich jedenfalls kann mir kaum etwas Widerlicheres vorstellen, als den Versuch aus dem Elend anderer Menschen Profit zu schlagen, sei es in Gestalt von Auflagensteigerungen oder Wählerstimmen.

Kommentare:

Iris Kammerer hat gesagt…

Ändert das etwas an der Tatsache, dass wir es mit einer Technik zu tun haben, deren Output eben nicht nur aus "sauberem" Strom besteht, sondern vor allem aus einer Sorte "Müll", der über zigtausende Jahre seine unvorstellbare und für Lebewesen nicht wahrnehmbare Giftigkeit und Gefährlichkeit behält?
Wohlgemerkt: wir sprechen hier nicht über überschaubare Zeiträume, sondern über zigtausende Jahre, d.h. über einen Zeitraum, der so ziemlich alles, was wir archäologisch überblicken können, übersteigt.
Es ist nicht einmal möglich, ein AKW abzureißen, sondern man legt die außer Dienst gestellten Anlagen einfach still und lässt sie stehen in der Zuversicht, irgendjemand werde irgendwann schon eine Lösung finden.

Er derartiger Umgang mit nachfolgenden Generationen ist nicht bloß verantwortungslos, sondern schlicht zynisch!
Zumal die einzige Motivation im besten Falle ökonomisches Denken, im schlimmsten Fall schlichter Egoismus ("Ich will aber immer Strom zur Verfügung haben") ist.

Das bitte ich bei der Beurteilung des Widerstandes gegen diese menschen- und schöpfungsverachtende Technik zu bedenken und nicht aus jeder öffentlichen Person, die sich dagegen einsetzt, einen Antifa-Popanz zu generieren.

Den politischen Gegner zu dämonisieren, ist nun mal kein geeignetes Mittel der Auseinandersetzung.

Johannes hat gesagt…

Liebe Iris, das ist alles richtig. Aber darum geht es nicht. Es geht um das Problem, daß hier mit falschen Zahlen operiert wird, daß die Katastrophe die groß genug ist, noch größer gemacht wird, als sie in Wirklichkeit ist, um daraus Profit zu schlagen. Ich war lange genug, nämlich 15 Jahre, bei den Grünen, um zu wissen, wie die denken. Sie beten um eine Katastrophe, glaub mir. Lies den Text, er macht etwas aus dem partiellen melt-down eines einzigen Brennstabs gleich eine Kernschmelze, aus dem derzeit erkennbaren Risikos einer relativ geringen Freisetzung radioaktiven Materials die Verseuchung halb Japans. Das ist gezielter und bewußter Katastrophismus. Denen sind die Menschenopfer völlig egal. Denen geht es um den Profit.

Iris Kammerer hat gesagt…

Lieber Johannes,
ich bin beileibe keine Sympathisantin grüner Politik (eigentlich gibt es überhaupt keine Partei, der ich mich ausreichend zugehörig fühle, um sie auch nur halbwegs guten Gewissens wählen zu können).
Allerdings glaube ich der japanischen Informationspolitik ebensowenig - und schon gar nicht den Verlautbarungen der Betreiber der betroffenen AKW. Und auch hierzulande sind einige Lobbyisten ebenso verlogen wie so mancher AKW-Gegner.
Glauben darf man in diesem Business letztendlich niemandem! dafür geht es um zu viel Geld bzw. Machtinteressen.

Dass jedoch die Lage in den beschädigten Meilern kritisch sein muss, zeigen Reaktionen wie der Rückzug der Schiffe und Flugzeuge der U.S. Navy, nachdem ca. 90 sm vor der Küste stark erhöhte Radioaktivität in der Region festgestellt wurde. Solche Tatsachenentscheidungen sind alarmierend.

Jetzt sollen in operativer Hektik die Sicherheitsstandards hiesiger AKWs überprüft werden, die doch laut Präsident des Deutschen Atomforums schon immer viel sicherer gewesen seien als die japanischen (was schlichtweg gelogen ist, weil unsere AKWs z.B. keinen derartigen Erdbenenschutz usw. aufweisen und wir baugleiche Meiler an mehreren Standorten haben usw. usf).
Offen gestanden ist dieses Vorgehen in meinen Augen ein Offenbarungseid der aktuellen Bundesregierung, die sich in der Angelegenheit der Laufzeitverlängerung mehrheitlich einmal mehr gewissen Lobbyaktivitäten mehr verbunden fühlt als uns Bürgern.

Ja, mag sein, dass es unter "den Grünen" Einzelne gibt, deren Zynismus dem so manches Atromlobbyisten gleichkommt. Verallgemeinerungen à la "Sie (= die Grünen) beten um eine Katastrophen" wie "Frauen können nicht einparken" oder "Männer sind Schweine" sind nicht nur logisch unzulässig, sondern auch gefährlich.

Gerade wir Deutschen sollten aus leidvoller Erfahrung eigentlich wissen, wie gefährlich Vereinfachungen, Verallgemeinerungen und grundsätzliche Zuschreibungen negativer Eigenschaften sind. Ich bitte, das zu bedenken! :-)

Johannes hat gesagt…

Liebe Iris,

der letzte Vulkanausbruch und das letzte größere Erdbeben fand in Deutschland vor 12.900 Jahren statt. Die Grünen wünschen sich eine Katastrophe. Glaubs mir einfach, ich war fast 15 Jahre dabei. Ich kenne meine Pappenheimer, außerdem lies ihre Presseveröffentlichung, sie überziehen und sie tun das bewußt. Sie behaupten eine Kernschmelze habe bereits stattgefunden. Das weiß derzeit kein Mensch.

Ein alter Kardinal hat den Ökologismus einmal als Satanswerk bezeichnet. Deshalb, weil der radikale Ökologismus den Menschen eigentlich als Verseuchung der Natur versteht. Sie verachten die Menschen.

Anonym hat gesagt…

Keine Ökologie ohne "Ökologie der Seelen". Umweltverschmutzung ist doch nur die logische Folge von unreinen Seelen. Ein "Klacks" wäre es für Gott, die Umwelt von einem Moment auf den anderen in die komplette Reinheit zu bringen, schließlich hat er die Erde erschaffen. Mit der Reinheit der Seelen steht es da anders, dazu braucht es unseren Willen bzw. unser Einverständnis.

Mit einer derartigen Einstellung gegenüber der häufigsten Todesursache in Europa (Abtreibung) wie sie die "Grünen" haben, ist keine Reinheit zu erlangen, eher die größte Müllkippe de Welt.

lg
Märilu

Anonym hat gesagt…

Naja, das letzte größere Erdbeben war im 14. Jahrhundert (Basel 1356).

Iris Kammerer hat gesagt…

Lieber Johannes,

in meinem ersten Kommentar zu deinem Beitrag schrieb ich bereits, dass ich keine gesteigerten Sympathien für die Politik der Grünen (gemeint ist die Partei) hege - ich bitte das trotz meiner Kritik an deiner Argumentation und meiner strikten Ablehnung der Kernenergie im Gedächtnis zu behalten.

Mir geht es nicht darum, Sympathien für irgendeine politische Partei zu erwecken, sondern ich möchte meiner tiefen Beunruhigung darüber Ausdruck verleihen, dass - trotz unserer Historie, die uns doch besseres gelehrt haben sollte - Pauschalierungen von Menschengruppen aufgrund ihrer Zugehörigkeit z.B. zu einer Party offenbar für völlig in Ordnung gehalten werden.

Nichtsdestotrotz Es ist ein logisch unzulässiger rhetorischer Kniff!

Bei aller Erregung über Presseerklärungen und voreiligen Schlüssen aus dem dünnen und vagen Datenbestand, gilt für uns Christen immer noch die Maxime, die der Pfarrer von Ars mal in eine schöne Formel gepackt haben soll: "Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder."
Bryan Salminen hat das mal folgendermaßen ausgeführt: "Wir müssen 'den Sünden lieben und die Sünde hassen'. Das ist keine haarspalterische, abstrakte, technische Unterscheidung für Gelehrte und Theologen. Es ist entscheidend und praktikabel. Wenn wir die Sünde lieben, lieben wir den Sünder nicht. Denn man kann nicht zugleich den Krebs lieben und den Patienten."

HY hat gesagt…

Liebe Iris,
es ist politisch gewollt, dass der Müll nicht beseitigt wird. Seit 2005 sind Transporte zur Wiederaufbereitung verboten. Dass Kernkraftwerke nicht abgerissen werden können, ist auch falsch: Das Kernkraftwerk in Kahl (Main) z. B. wurde komplett abgebaut; es gibt gerade in Deutschland einige darauf spezialisierte Firmen.
Die deutsche Desinformationspolitik in den Medien ist einfach nur krass - wenn mal ein Physiker zu Wort kommt, ist er mit ziemlicher Sicherheit bei irgendeinem hell- oder dunkelgrünen Verein.
Auf meinem Blog habe ich objektivere Quellen verlinkt: http://www.grs.de/ (Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit); http://mitnse.com/ (MIT, USA); http://nei.cachefly.net/ (NEI, nuclear energy institute), aber auch den Kraftwerksbetreiber von Fukushima, Tepco: http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/index-e.html