Samstag, 19. März 2011

Unter der grünen Fahne


Es wird wohl mal wieder Zeit, daß ich den Jungs und Mädels die Welt erkläre, so wie sie der 68er sieht. Vielleicht wird dann der Zornausbruch von Daniel Cohn-Bendit, der bei Misses Slomka sich eines Interviews unterziehen mußte, erklärbarer. Ich habe ja ein paar Jährchen mit dem Kohn in diversen politischen Gruppen verbracht. Die wichtigste nannte sich "Revolutionärer Kampf" und hat dann später insgesamt drei Minister hervorgebracht, einen Außenminister, einen Justizminister und eine Frauenministerin. Was Dany, ein klassischer französischer militant, dann später bei den Grünen, diesem öko-pazifistischen Haufen violett bestrumpfter Müslitussies und drittweltengagierter Oberstudienräte zu suchen hatte, war mir ein politisches Rätsel und wird es auch immer bleiben.

Es sei denn, man erklärt Danys grünes Engagement aus seinem Geltungsstreben, dann paßt es, aber ansonsten hat Dany mit seiner ihm eigenen Schrillität dazu beigetragen, aus einem bescheuerten Haufen einen noch bescheuerteren zu machen. Daß da eine Interviewerin, wie die Ikone des beourgeoisen Tussietums Slomka, ein bissel ins Schleudern gerät, weil da scheinbar ein grünes Müsli spricht, der sich nach dem dritten Satz als das entpuppt, was er immer war, ein militant eben, wundert mich denn doch. Hätte sie den Cohn nicht besser kennen müssen?

Doch Danys Wut hat einen Hintergrund, den Dany verschweigt. Gaddafi ist eine Kreatur der Revolte von 68. Gaddafi ist buchstäblich ein Waffenbruder der militanten Frankfurter Szene, zu der Dany Cohn-Bendit engste Kontakte unterhielt. Ohne ihre Methoden zu billigen, wohl aber ihre Ziele.

1975 überfielen auf Geheiß Gaddafis Terroristen die OPEC-Konferenz in Wien. Teilnehmer dieser Aktion waren unter anderem Illich Ramirez Sanchez, genannt Carlos, der mit Abstand mörderischste Terrorist, den die Revolte der 60er Jahre hervorgebracht hat, Gabriele Kröcher-Tiedemann - Nada -, und Hans-Joachim Klein - Klein-Klein. Für Klein-Klein, der aus der Frankfurter RZ stammte, war der Überfall der Wendepunkt seiner terroristischen Karriere. Klein-Klein wurde bei dem Überfall schwer verletzt, und stieg nach seiner Gesundung aus. Wenig später entkam er nur knapp einem Liquidationskommando der RZ.

Nach seinem Ausstieg half Dany mit Unterstützung französischer Freunde Klein-Klein unterzutauchen. 1998 wurde Klein-Klein dann doch verhaftet und blieb fünf Jahre in Haft.

Klein-Klein war bei dem Überfall klar geworden, daß er nichts anderes war, als ein Handlanger Gaddafis, der mit diesem Überfall Druck auf die OPEC ausüben wollte, die Erölpreise höher zu setzen. Und Klein-Klein wurde Zeuge eines glatten Mordes durch seinen Genossen Carlos.

Sollte ich das sagen? Interessiert das wen? Ja, auch ich war in der "Szene". Mit Bonifatius Böse und Hannes Weinrich gehörte ich einer Gruppe an, der FNL, aus der sich später die RZ, die Revolutionären Zellen entwickelte. Ich habe den Absprung gerade noch geschafft. Und habe nun genug Grund, zu beten. Auch um die armen Seelen meiner Ex-Genossen. Es gibt da eine kleine Kapelle, in der ich regelmäßig mein Gebet für die Toten, die Täter wie die Opfer, spreche.

Ich habe versucht, das häßlichste Bild Gaddafis im internet zu finden. Es ist die Fratze eines Dieners des Vaters der Lüge, des Mörders von Anfang an. Ja, ich glaube an den Teufel, ich bin seinen Dienern begegnet. Und ich war nahe daran, in seinen Dienst zu treten.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Mensch, so gerade nochmal von der Schüppe gesprungen, oder? Aber meinst Du wirklich, daß alle Grünen so sind? Ich kenne da eine, die theologisch eigentlich voll auf meiner Linie ist und die auch auch Sonntag für Sonntag sehe (werktags ist die auch meist da).

Johannes hat gesagt…

NIcht ganz. Von der Schüppe gesprungen mein ich. Hat mich zumindest das gekostet, was man eine "bürgerliche Karriere" nennt.Wenn Du eine so gute Meinung von den Grünen hast, dann sieh Dir vielleicht mal den Kruzifix-Beschluß der Bayerischen Grünen an, oder die Beschlüsse des Grünen Jugend zur Abschaffung des Art 6 GG und der Legalisierung der Polygamie. http://www.gruene-jugend.de/aktuelles/beschluesse/%20395818.html

Stanislaus hat gesagt…

Klar, Beschlüsse repräsentieren den Mainstream einer Gruppierung wie Partei gleichermaßen. Nur gibt es auch Minderheiten, die das sicher anders sehen. Aber ich kann ja mal die betreffende Person darauf ansprechen.