Montag, 30. Mai 2011

Soldaten und Priester


In einer einzigen Woche starben in Afghanistan 3 Soldaten der Bundeswehr bei Anschlägen der Taliban. Bei dem letzten Anschlag wurden zwei Soldaten der Bundeswehr getötet, mehrere Soldaten wurden verletzt, darunter auch ein hochrangiger Offizier der deutschen Bundeswehr in Afghanistan, Generalmajor Markus Kneip. Kneip erlitt Schrappnellverletzungen und Verbrennungen.

Kneip ließ sich von diesem Anschlag auf sein Leben nicht beeindrucken. "Ich bin Kommandeur hier im Norden Afghanistans und werde gemeinsam mit meinen Soldaten den Auftrag weiter ausführen." "Das erwarten die Menschen hier von uns, nach 30 Jahren Krieg. Diese Erwartung werde ich erfüllen, dafür stehe ich persönlich ein." Er bete für die Genesung der Verletzten.

Der Generalmajor ließ es sich trotz seiner Verletzungen nicht nehmen, die getöteten Soldaten zu verabschieden.

Ein Bild von Tapferkeit und Frömmigkeit. Ich gebe zu, daß ich tief gerührt bin. Durch Zufall - Zufälle gibt es nicht - fiel mir vor zwei Tagen ein alter Redetext aus dem 19. Jahrhundert in die Hände. Es geht in diesem Text um die Rolle des Priesters und die Rolle des Soldaten.
Ich weiß nicht, meine Herren, ob es Ihre Aufmerksamkeit erregt hat, wie die meine erregte: die Ähnlichkeit, die fast völlig Gleichheit, die zwischen zwei Personen besteht, die die gegensätzlichsten und verschiedenartigsten zu sein scheinen: die Ähnlichkeit zwischen dem Priester und dem Soldaten. Weder der ein noch der andere lebt für sich, weder der eine noch der andere lebt für seine Familie; für den einen wie für den anderen liegt der Ruhm im Opfer und in der Selbstverleugnung. Der Auftrag des Soldaten ist es, über die Unabhängigkeit der zivilen Gesellschaft zu wachen. Der Auftrag des Priesters ist es, über die Unabhängigkeit der religiösen Gesellschaft zu wachen. Die Pflicht des Priesters ist es, sein Leben hinzugeben, wie ein guter Hirte für seine Schafe zu sterben, die Pflicht des Soldaten ist es, wie die eines guten Bruders, das eigene Leben für seine Kameraden in die Schanze zu schlagen. Wenn sie die Härte und Strenge des priesterlichen Lebens betrachten, wird ihnen das Priestertum als das erscheinen, was es ist, als ein wirklicher Kriegsdienst. Wenn sie die Heiligkeit des Kriegsdienstes betrachten, wird Ihnen der Kriegsdienst als wahres Priestertum erscheinen. War wäre die Welt, was wäre die Zivilisation, was wäre Europa, wenn es weder Priester noch Soldaten gäbe? (Langanhaltender Beifall) (Juan Donoso Cortés, Rede über die allgemeine Lage Europas von 30. Januar 1850)
Ich frage mich, ob wohl eine solche Rede heute überhaupt noch gehalten werden dürfte. Ich glaube nicht. Ich glaube noch weniger, daß es irgendjemand wagen würde, einer solchen Rede auch noch Beifall zu spenden.

Aber Cortés hat recht. Jedenfalls haben wir den Beweis gewissermaßen ex negativo vor uns. In unserem Land, das keinesfalls Vaterland mehr genannt werden darf, hat der Soldat einen mindestens ebenso schlechten Ruf wie der Priester.

Das merkwürdige Konstrukt da oben ist ein Entwurf für das "Ehrenmal der Bundeswehr". Im offiziellen Text vermied der zuständige Minister sogar das Wort "Gefallene". Es ist vielmehr lediglich "Den Toten der Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit." gewidmet. Es muß ja nicht gleich ein Heldendenkmal sein. Aber daß alle Soldaten der Bundeswehr irgendwann einmal tot sein werden, ist doch eher banal. Oder hab ich da was mißverstanden?
"In der Cella werden für jeweils etwa fünf Sekunden Namen von über 3100 im Dienst ums Leben gekommener Soldaten an die Wand projiziert. Damit ähnelt es einer Videoinstallation und unterscheidet sich von traditionellen Kriegerdenkmälern und Gedenktafeln, bei denen die Namen dauerhaft auf Stein, Metall oder Holz festgehalten sind. Dadurch soll Heldenverehrung vermieden und stattdessen die Vergänglichkeit des Lebens und Individualität des Todes betont werden." Wahrscheinlich das verklemmteste Soldatendenkmal der Welt. Peinlich. Vor allem aber undankbar.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

So ist es! Cortez ist auch sonst eine gute Wahl. Zum Mal ist alles gesagt. Verklemmt und peinlich.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Die Priester, die mich seit meine Kindheit geprägt haben, waren solche Vertreter der "militia Christi" und streitbare Hirten. Sie wollten nicht "gemocht werden". Sie waren Diener der Sache Gottes und wenig weichgespült. Auch zur Frage der Landesverteidigung hatten sie eine Position, die sich deutlich von den gutmenschelnden Meinungen friedensbewegter Protestanten unterschied.
Cortez zeigt, wie sehr der Stellenwert der beiden Berufe (-ungen?) in unserer Gesellschaft herabgesunken ist.
Das verklemmte und peinliche Mahnmal ist für mich auch ein Zeichen dafür, wie wenig die neue Rolle der Bundewehr, in die sie unter Kanzler Gerhard Schröder geschoben wurde, vorbereitet und überhaupt klar ist.
Die Bundeswehr steht an einer Front, in einem Krieg. Darüber wird aber nicht offen und ehrlich gesprochen und deswegen kann auch kein ehrliches Denkmal für die Gefallenen dabei herauskommen.

Alipius hat gesagt…

Was ist denn an Heldenverehrung so schlimm, daß man sie vermeiden muß? Das ist nun wirklich des Kleinbürgertums unterste Schublade.