Samstag, 9. April 2011

Marx´sche Weisheiten und marxistische Katastrophen


Kardinal Marx hat die "Kernenergie" (als ergrauter Altökopax sag ich ja immer noch Atomenergie, weil es vieeeel grusliger klingt) als "Teufelszeug" bezeichnet. Eine gewichtige Aussage, ist der Bischof doch Mitglied der in Windeseile aus dem Boden gestampften "Ethikkommission Kernenergie". 

Nun ist der Kardinal ja nicht der einzige Katholik, der die "ungeheuren Risiken" dieser Energieform geiselt, und sie aus ethischen Gründen für inakzeptabel hält. Der verehrte Kardinal Höffner hat ja schon 1980 auf die hohen Risiken hingewiesen, und diese Technologie als nicht akzeptabel angesehen. Allerdings hat er diese Aussage noch mit einem "Wenn" relativiert. Wenn die Risiken der Atomenergie so groß sind, wie ihre Kritiker behaupten, dann ... Höffner hat sich also zurückgehalten, hat sich zu moraltheologischen Fragen geäußert, und sich keinesfalls zu der zwar modischen, aber einem Kardinal der Katholischen Kirche nicht angemessenen Aussage verstiegen "Atomenergie ist Teufelszeug".

Die Risiken der Atomenergie sind uns seit Höffners Ausspruch, seit Tschernobyl und Fukushima deutlich vor Augen geführt worden. Bei der Tschernobyl-Katastrophe starben kurze Zeit nach dem Unfall 47 Menschen an der Strahlenkrankheit, die Zahl der durch tödlich verlaufende Krebserkrankungen, verursacht durch radiokative Kontamination, bewirkten Todesfälle wird von dem Tschernobyl-Forum, das sich aus mehreren internationalen Organisationen zusammensetzt, auf rund 4.000 geschätzt. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit höheren Zahlen aus. Eine Katastrophe, der tausende Menschen zum Opfer fielen. 

Aber auch andere Formen der Energieerzeugung sind gefährlich. Weitaus gefährlicher sogar. Allein durch den Bruch des Banqiao Dammes im Jahre 1975 starben nach offiziellen Angaben 171.000 Menschen, 5.960.000 Gebäude wurden zerstört und 11. Millionen Menschen wurden obdachlos. Auch hier liegen die inoffiziellen Schätzungen höher, nämlich bei bis zu einer viertel Million Menschen.

Man könnte natürlich auch von den tausenden Todesopfern reden, die in explodierenden und zusammenstürzenden Kohlgruben, durch explodierende Dampfkessel ums Leben kamen. Auch deren Zahl ist heute weit höher als alle bisher bekannten und vermuteten Todesopfer der Atomenergie. Und wenn man an den Klimakollaps glaubt, dann ist doch jegliche thermische Erzeugung von Energie, selbst ein harmloses Kohlefeuer, um Tee zu kochen, "Teufelszeug" nicht? Glaubt man den Katastrophikern - sie sind ja schließlich die mächtigste religiöse Bewegung dieser Welt- wird das Kohle- , Gas-, und Ölfeuer Milliarden töten.

Ist  also auch die Erzeugung von Energie mittels Kohle, Gas, Öl und Wasserkraft "Teufelzeug"? Nein? Und warum nicht? Was sagt uns der katholische Moraltheologe? 

Das Bild zeigt einer der gebrochenen Staudämme des Bangqiao-Systems. Die Katastrophe wurde im maoistischen China geheimgehalten. Bilder und Dokumente gibt es nur sehr wenige. Das Desaster von  Banqiao war eine im Wortsinn marxistische Katastrophe. Ursache der Katastrophe war das Fehlen jeglicher demokratischen oder bürokratischen Kontrolle. Sicherheitsregeln wurden mißachtet, Warnungen in den Wind geschlagen. Das Projekt war Teil eines der mörderischsten Vorhaben der Menschheitsgeschichte überhaupt, des "Großen Sprung nach vorn". Der "Sprung" führt im Jahre 1962 zu einer Hungersnot, die nach heute anerkannten Schätzungen 36 Millionen Menschen das Leben kostete.


Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Seh ich auch so!

wrtlx hat gesagt…

Die Crux bei atomaren Unfällen sind nicht die aktuen Opferzahlen. Es ist diese blöde Halbwertszeit, die Tatsache, dass Land und Wasser auf Jahrhunderte verseucht werden können.
Bei anderen Unfällen von der Elektrik über Auto über Dammbrüche und Erdbeben gibt es einmal Opfer, geht einmal was kaputt. Man bezahlt - bildlich gesehen einen hohen Preis, aber eben nur einmal.
Atomare Unfälle bedeuten einen hohen Preis ad hoc plus fast endlose Ratenzahlungen hinterher.

Die Aussage von seiner Eminenz kann ich trotzdem nicht ernst nehmen. Der soll sich lieber um sein Bistum kümmern, da hätt er genug zu tun. Stattdessen sitzt er in der nächsten nichts bewirkenden Palaverrunde.