Mittwoch, 26. August 2009

Adam, Eva, Lilith und das Diakonische Werk in Hessen und Nassau

Manche Nachricht reizt mich ja wirklich wahlweise zur Weißglut ob der christprotestantischen oder christkatholischen Dämlichkeit, die sie offenbart, oder aber zur rauchendeschwefelsäureätzenden Häme.
Diese Nachricht gehört eher in die Weißglut-Kategorie.
Also tief Luft holen und gaaanz langsam:
Seit 100 Jahren gibt es in Frankfurt eine Einrichtung, die wohnungslosen Frauen eine Zuflucht bietet. "Haus Zuflucht" hieß diese Einrichtung ursprünglich, Träger war der Verein für weibliche Stadtmission, eine protestantische Vereinigung. Seit 1909 bot das Haus zunächst vor allem Zuflucht für junge Frau, die aufgrund Verarmung und Verwahrlosung in die Prostitution geraten waren, für "gefallene Mädchen" also. Denen wollte man den Weg zurück in die Gesellschaft bahnen, das Haus war als christliche Wohngemeinschaft organisiert, mit allem was da nun dazugehört, Andacht und Gebet und , nun ja, christliche Moralpredigt.
In den Siebziger Jahren nun kamen frisch an der FH ausgebildete, feministisch geprägte Sozialpädagoginnen an die Einrichtung, die das Konzept als antiemanzipatorisch ablehnten. Zuviel Kontrolle, zuviel Gebet, zuviel Moral. Vor der Revolte zog sich die weibliche Stadtmission zurück, das Zentrum wurde unter dem Namen "Lilith - Wohnen für Frauen" weiterbetrieben. Nichts so Überraschendes, war doch Lilith in der Hochphase der Frauenbewegung gewissermaßen die Alternativbesetzung für Eva, soll sie doch nach einer mittelalterlichen jüdischen Legende die erste Frau Adams gewesen sein, die gemeinsam mit Adam aus Lehm erschaffen wurde, gleichberechtigt also, und nicht - wie Eva - aus der Rippe Adams als dem Manne unterworfene Gefährtin. (So funktioniert eben die Trivialtheologie der 70iger, die mitlesenden Theologen mögen mir verzeihen).
Doch Lilith ist kein harmloses Wesen. Die Sumerer, die einen weiblichen Luftgeist Lilith kannten, haben mit diesem Wesen nichts sonderlich Sympathisches verbunden. In jahrtausendealten Darstellungen trägt Lilith vielmehr die heute klassischen Attribute eines satanischen Wesens, Flügel und Krallenfüße. Auch die Juden der Antike (Jesaja 34,14) sehen Lilith als Dämon, Griechen und Römer sehen sie als bösen Geist, der Kinder stiehlt und ermordet. Alle semitischen Völker, auch die arabischen, fürchten sich vor Lilith, als der Kinder stehlenden und Kinder mordenden Dämonin.
In der christlichen Ikonographie des Mittelalters treffen wir auf Darstellungen der Lilith als verführerische Schlange, die Eva verleitet, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu brechen, in der Dämonologie des Mittelalters ist Lilith ein Succubus, ein weibliches Teufelswesen, das unvorsichtige junge Männer verführt und verschlingt.
Es war die aufgeklärte Neuzeit, die dem satanischen Wesen Sympathie entgegenbrachte. Schon Goethe widmet ihr im Faust eine eher neckische Episode. Der Urvater aller Satanisten und schwarzen Esoteriker, Alister Crowley (sein Bild findet sich - ganz harmlos - übrigens auf dem Cover von "Sergeant Pepper´sLonely Hearts Clubs Band") nannte sein erstes Kind nach der Kinderfresserin Lilith: Ma Ahathoor Hecate Sappho Jezebel Lilith Crowley.
Und eine große Karriere hat die Kinderfresserin schließlich in der Feministinnen-, der Esoterik-, der Hexen- und Satanistenszene der 70iger Jahre gemacht. Die Zahl der Frauenzentren, die sich ausgerechnet eine männervertilgende und kinderfressende Dämonin als Namensgeberin wählten, läßt sich in Deutschland kaum zählen.
Den Clou dieses Blogeintrags bewahr ich mir wie üblich für den Schluß auf. Das wirklich enervierende an der Geschichte der Frankfurter Einrichtung "Lilith - Wohnen für Frauen" ist, daß der Träger dieser Einrichtung über das Diakonische Werk nach wie vor die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ist. Offenkundig ist dort durchaus bekannt, was sich mit der Dame Lilith verbindet. Aber den lieben Mitchristen scheint das völlig wurst zu sein.
Eine kirchliche Einrichtung, die den Namen einer Dämonin trägt? Kann das wahr sein? Bestimmt nicht. Muß eine Ente sein. Aber die Einrichtung hat eine Homepage.

Die Maler und Dichter des 19. Jahrhunderts begannen, hübsche Bildchen zu malen und - Goethe folgend - nette Gedichte über die Dämonin zu schreiben. Dieses ist von Dante Gabriel Rosetti.

1 Kommentar:

bee hat gesagt…

Wo Du grade Lilith sagtst. Ich weiß nicht, wer in meinem Bekanntenkreis meine Telefonummer mit der Bemerkung "Beschwerdestelle für Religiöseangelegenheiten" versehen hat, aber irgendwer muss mir diese Funktion angedichtet haben.
Neulich erhalte ich einen Anruf aus dem Tal der PietCong (aka Stuttgart) eine Freundin, die lange Jahre in einer Freikirche zuhause war und da nun nach eigenen Angaben rausgewachsen ist- was immer das meint- ruft mich an, um folgende skandlöse Story los zu werden: Ein Pärchen aus ihrem Bekanntenkreis Stgt hat ein Baby bekommen, obwohl Beide seit Jahren sich eher einer Freikirche zugehörig fühlen, war der Vater nie aus der katholischen Kirche ausgetreten. Als nun das Baby da war, fanden sie eine Taufe keine so schlechte Idee, allerdings war eine Taufe in der bevorzugten Gemeinde von Beginn ausgeschlossen, da nur Bekenntnistaufen dort vorgenommen werden. Nun, aber irgendwie ... und die Oma fand auch... also sind die Beiden zum katholischem Pfarrer getapert, um das Kind zur Taufe "anzumelden". Zu ihrem entsetzen ging das nicht einfach so, der Mann hatte die Unverschämtheit Fragen nach der religiösen Orientierung zu stellen, wollte wissen warum man denn nicht kirchlich geheiratet habe und was das denn für eine Gemeinschaft wäre, bei der sie ab und an den Gottesdienst besuchen würden... und dann kam der absolute Hammer: Er hatte am Namen Lilith was auszusetzten. Irgendwie fehlte ihm total der Respekt vor der Entscheidung der Eltern ihr Baby Lilith zu nennen. Und hat sie einfach weg geschickt, sie sollten sich nochmal überlegen, warum sie ihr Kind taufen lassen wollten. Das geht doch nicht, oder? Schließlich hört sich Lilith doch gut an und wer kennt schon die ollen Geschichten? Am Standesamt hat niemand Einwände gehabt und wenn die nix sagen, dann ist es doch erlaubt, oder?
Dann muss der doch, oder?
Der Versuch zu erklären, dass die katholische Kirche kein Dienstleister für Lebensabschnitts-Zeremonien ist, es schon gerne gesehen würde, wenn die Eltern wenigstens ansatzweise den Lehren der katholischen Kirche zustimmen würden und sich mir der Sinn einer katholischen Taufe in diesem speziellen Fall jetzt nicht wirklich erschlösse, wurde von der anderen Seite mit: "Ihr könnt doch froh sein, wenn überhaupt noch jemand sein Kind bringt."
Hm.. echt?