Donnerstag, 13. August 2009

Carnis resurrectionem

   Zu den Merkwürdigkeiten der "Ökumene" gehört, daß die vorgebliche Addition liturgischer Traditionen häufig zu einem Ergebnis führt, das den ehernen Regeln von Murphy´s law folgt. Toleranzen - hier die notwendigen Ungenauigkeiten der Übertragung ursprünglich lateinischer Texte in die deutsche Sprache - addieren sich stets zu falschen Seite. Dies gilt unter anderem für die Übersetzung des Symbolum Apostolicum. Das "Credo in carnis resurrectionem" übersetzte Luther noch korrekt mit "Auferstehung des Fleisches". In "vorkonziliaren" Übersetzungen, oder etwa in Ratzingers "Einführung in das Christentum" heißt es ebenfalls korrekt in wörtlicher Übersetzung "Auferstehung des Fleisches".
   Die ökumenische "Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte der Kirchen des deutschen Sprachraumes" übersetzt hingegen mit "Auferstehung der Toten". Vieldeutig und nichtssagend. 
    Trotz des ausdrücklichen Hinweises der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Jahre 2001(Ziffer 65), daß mit "Auferstehung des Fleisches" zu übersetzen sei, blieb es bisher dabei. Folgendes haben sich nicht nur die deutschen Bischöfe bislang nicht hinter die Ohren schreiben lassen.
Alle Formulierungen, die Bilder und Taten himmlischer Wesen auf menschliche Weise darstellen oder durch klar umrissene oder „konkrete" Bezeichnungen wiedergeben, wie es in der biblischen Sprache sehr oft geschieht, behalten manchmal ihre Kraft nur, wenn man sie wörtlich übersetzt, wie z. B. in der Nova Vulgata die Wörter ambulare (gehen), brachium (Arm), digitus (Finger), manus (Hand), vultus (Angesicht) Gottes, caro (Fleisch), cornu (Horn), os (Mund), semen (Same), visitare (heimsuchen). Es ist tatsächlich besser, sie nicht erklärend oder interpretierend durch eher 'abstrakte' oder vage Begriffe wiederzugeben. Was gewisse Wörter betrifft wie diejenigen, die in der Nova Vulgata mit anima und spiritus übersetzt sind, muss man sich an die oben, Nr. 40-41, dargelegten Grundsätze halten. Daher muss man vermeiden, für sie ein Personalpronomen oder ein „abstrakteres" Wort einzusetzen, außer es wäre in einem Fall wirklich notwendig. Denn man sollte bedenken, dass eine wörtliche Übersetzung von Ausdrücken, die in der Volkssprache als seltsam wahrgenommen werden könnten, gerade dadurch die Wissbegierde des Hörers herausfordert und Gelegenheit zu einer katechetischen Erschließung bietet.
Hat eigentlich irgendjemand eine Idee, wer diese obskure Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte installiert hat, aus welchen Personen sie sich zusammensetzte, und wer ihre Texte - mit denen übrigens nicht nur das offizielle Rom, sondern auch die SELK und unabhängige lutherische Gelehrte nicht einverstanden waren - legitimierte?

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Du weißt ja, daß die Beibehaltung des status quo durch unsere lieben Bischöfe in Deutschland auch in vielen anderen Dingen mittlerweile Tradition ist.

Was allerdings mit der "Auferstehung des Fleisches" (auch "sarx" bei Paulus) gemeint ist, darüber streiten sich die Exegeten. Wahrscheinlich ist hier der Ausdruck "der Toten" unverbindlicher. Das würde wiederum sehr schön in unsere Zeit passen.

Johannes hat gesagt…

Nun, was Ratzinger in seiner "Einführung" schreibt, ist doch einigermaßen verbindlich? Jedenfalls ist bei "Fleisch" klar, was nicht gemeint ist, und darum ging es ja schließlich den Verfassern. Das Wort zieht eine klare Grenze sowohl zur griechisch-philosophisch inspirierten klassischen Gnosis, wie auch zum heutigen tiefenpsychologisch inspirierten Neoarianismus.