Mittwoch, 11. August 2010

Ad Vesperas etc.


Für Laien, die das Stundengebet sprechen oder singen wollen, empfehle ich, nachdem ich mich selbst jahrelang mit der Materie - muß ich schon so sagen - herumgeschlagen habe am ehesten das Officium Parvum B.M.V. Es ändert sich - was auch ein Nachteil sein mag - nicht jeden Tag im Text und in den Melodien, es gibt lediglich für den Advent, die Weihnachtszeit und die Osterzeit abweichende Antiphonen und entsprechende andere Psalmodien zu den gleichbleibenden Psalmen. Diese Einfachheit erklärt die große Beliebtheit des Officium Parvum seit der Renaissance bis in die Neuzeit.

Das Officium parvum war dabei keineswegs ein Gebet ausschließlich für die Laien, es wurden ebenso von Klerikern und Ordensangehörigen neben und zusätzlich zu dem Stundengebet gesungen. Wie weitverbreitet diese Praxis vor allem in Nordeuropa war, läßt sich an den alten Bauplänen der nordeuropäischen Kathedralen nachvollziehen. Fast alle Kathedralen und alle größeren Kirchen besaßen hinter dem Hauptaltar, also am weitesten östlich, gewissermaßen im Innnern des Mysteriums ein Marienkapelle, die vorwiegend der Zelebration des officium parvum diente.

Die Alternative besteht darin - so wie es Erzbischof Lefebvre für seine Bruderschaft angeregt hat, sich alltags auf die kleinen Horen Prim, Sext und Komplet zu beschränken. Aber auch da ändert sich der Text schon wesentlich häufiger, da er sich am Breviarium Romanum orientiert, noch häufiger ändern sich die Melodien. Aber das bleibt noch relativ übersichtlich. Hinzugefügt sind noch an Sonntagen die Laudes und die Vesper. Bei den Antiphonen zum Benedictus (Laudes) und zum Magnificat (Vesper) muß das kleine Büchlein, das die Bruderschaft herausgibt, schon passen. Die ändern sich nämlich jeden Tag, so daß wieder ein Rückgriff auf das Brevier nötig ist, bzw. für den, der die Antiphon singen will, auf das Antiphonale.

Da bleibt es dann faktisch bei der Beschränkung auf die drei kleinen Horen Prim, Sext und Komplet, was eigentlich ganz sinnvoll ist. Jedenfalls ist all dies noch wesentlich unkomplizierter, dabei aber sinniger, als das sehr fleissig bearbeitete aber letztlich untaugliche Kleine Stundenbuch.

Es gibt leider derzeit keine brauchbare Ausgabe des officium parvum in deutscher Sprache, auch die englische Version des Baronius Verlags, auf die ich schon hingewiesen habe, hat ihre Macken. Aber wenn das Studengebet für  Laien wieder in Mode kommt, kommt vielleicht auch wieder eine brauchbare Fassung in deutscher Sprache. Wer meine Ansätze brauchbar findet, mag sich melden. Mit ein bißchen Ermunterung mach ich gerne weiter. Noch dankbarer wäre ich für sachkundige Kritik und  brauchbare Anregungen, wie es besser zu machen sei.

Als Anregung eine von Guillaume Dufay vertonte Fassung des Ave Maris Stella, das allabendlich zur Vesper des officium parvum gesungen wird.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe nicht ganz warum das "Kleine Stundenbuch" untauglich sein soll.

Ich bete das seit Jahren und finde es sehr beruhigend zu wissen daß die (allermeisten) Priester weltweit die gleichen Psalmen täglich mit mir beten. Mit einer Stimme praktisch. Eine spontane gemeinsame Feier der Vesper ist mit einem Priester (oder einem anderen Beter) so immer möglich.

Nur aus dem (alten) Brevier Prim, Sext und Komplet zu beten finde ich keine so gute Methode, da Laudes und Vesper ja durchaus eine höhere Wertigkeit haben und ihnen schon deshalb der Vorzug gegeben werden sollte, wenn man schon nicht das gesamte Stundengebet vollziehen kann. Das das sinniger sein soll kann ich aus diesen Gründen nicht so ganz nachvollziehen.

Johannes hat gesagt…

Welches Stundengebet betet er Pfarrer, oder die Pfarrer, die Du kennst? Das Kleine Stundenbuch ist eigentlich ausdrücklich für Laien gedacht, und gerade nicht für Kleriker, denen das Große Stundenbuch empfohlen wird. Daß sogar einzelne Orden das Kleine Stundenbuch benutzen, weiß ich. Aber die Benediktiner tun dies bewußt nicht. Sie würden sich gegen die Regel des heiligen Benedikt verhalten. Die Beneditktinische Regula ist aber gewissermaßen der Urmeter des Stundengebets. Das Poblem ist doch, daß seit dem II. Vaticanum die Ordnung des gemeinsamen Gebetes nicht mehr existiert. Die Una Voce ist nicht mehr.

Anonym hat gesagt…

Das "Kleine Stundenbuch" ist ein 1:1 Auszug aus dem "großen" Stundenbuch (das für die Priester vorgesehen ist). Der Inhalt der Laudes, Vesper und Komplet unterscheidet sich in keinem Buchstaben von dem Inhalt der Laudes, Vesper und Komplet des "Stundenbuches". Somit beten wir die identischen Gebete. Der (arbeitende) Laie "verzichtet" halt auf Lesehore und Terz-Sext-Non.

Irgendwie kommt es mir recht uninformiert vor, wenn Du das "Kleine Stundenbuch" als eigenständiges Werk gegenüber dem "Stundebuch" hinstellen, das nichts damit zu tun hat. Das ist definitiv nicht der Fall.

Zum Argument, daß es "Uno Voce" nicht mehr gibt: das war auch VOR VatII bedingt durch die eigenen Ordinarien der Fall (Dominikaner, Franziskaner, Amrosianischer Ritus, Mozarabischer Ritus).

Ich habe übrigens auch nichts gegen die Monastische Aufteilung der Psalmen (siehe "Benediktinisches Antiphonale", Münsterschwarzach), aber diese Stundengebete sind doch eher auf die Klösterliche Lebensweise zugeschnitten (d.h. in der Ausführungszeit durchaus länger). Wenn es um das Singen der Horen geht hat bei mir immer das "Benediktinisches Antiphonale" den Vorzug. Aber im täglichen Vollzug bete ich dann doch lieber mir unseren Priestern.

Kleine Nebenbemerkung zur Regula Benedikta:
Kapitel 18.22
22. Wir machen ausdrücklich auf folgendes aufmerksam: Wenn jemand mit dieser
Psalmenordnung nicht einverstanden ist, stelle er eine andere auf, die er für
besser hält.

Ich stimme zu:
"Die Beneditktinische Regula ist aber gewissermaßen der Urmeter des Stundengebets."

Anonym hat gesagt…

Nachtrag:

Selbstverständlich gilt dann auch Kapitel 18 Vers 23+24, die mir im Hinblick auf die Neuordnung des Stundengebets immer ein Lächeln auf die Lippen zaubern:

23. Doch achte er unter allen Umständen darauf, dass jede Woche der ganze
Psalter mit den 150 Psalmen gesungen und zu den Vigilien am Sonntag stets
von vorn begonnen wird.
24. Denn Mönche, die im Verlauf einer Woche weniger singen als den ganzen
Psalter mit den üblichen Cantica, sind zu träge im Dienst, den sie gelobt haben.

Aber: Regula Benedicta ist eine Regel für Mönche im Kloster. Deshalb sollte einen 1:1 Anwendung auf den "Weltpriester" hier nicht zum Einsatz kommen.

Trotzdem: die Regula Benedicta ist eine gute Richtlinie für ein christliches Leben, ohne Frage. Man muß sie nur auf die jeweilige Lebenssituation übertragen.

Johannes hat gesagt…

Und dennoch beteten alle Priester bis zum Vat. II den Wochenpsalter und weder einen zweiwöchigen noch einen vierwöchigen Psalter. § 101 Zif. 1 SC schreibt übrigens vor, daß die Kleriker die lateinische Sprache zu benutzen haben.Ein "Kleines Offizium" ist nur für Mitglieder bestimmter Orden zugelassen. Aber wie es scheint, beten die meisten Welt- und Ordenspriester das "Kleine Stundenbuch" in deutsch. Oder gar nicht. So viel zur Treue zum II. Vat.

Anonym hat gesagt…

Das ist richtig: gewisse Orden sind nicht zum vollständigen Stundengebet verpflichtet. Eine Konzession des hl. Vaters.

Worauf stützt sich Deine Behauptung, das die "meisten Priester" täglich nur 3 Horen (die aus dem klStB) beten und nicht die vorgeschriebenen 5 Horen? Ich habe beobachten können daß das "Stundenbuch" bei den Priestern, die ich kenne seinen festen Platz im täglichen Gebet hat.

Aus Gewichtsersparnis kommt es jedoch vor das der Priester während des Tages das klStB mit sich trägt und das etwas schwerere StB zu Hause läßt. Das heißt aber noch lange nicht, das er die dem StB eigenen Horen (Lesehore+kleine Hore) wegläßt.

Zum Gebrauch der lat. Sprache: der hl. Vater Paul VI. hat ausdrücklich die Benutzung der Muttersprache im Stundengebet erlaubt, sowie die "Liturgica Horarum" in der jetzigen Form (4 Wochen Psalter) approbiert. Und wer wäre ich, das ich mich gegen den hl. Vater stelle. Liturgischer Gehorsam ist beim Stundengebet, wie auch bei der Feier der hl. Messe wichtiger denn je und ein besonderer Wunsch unseres jetzigen hl. Vaters.

Johannes hat gesagt…

Noch einmal: Vierwochenpsalter (Kleines Stundenbuch) und Wochenpsalter (Stundenbuch) sind nicht kompatibel. Die Priester früherer Jahre ließen das Brreviarium romanum auf Reisen zu Hause und nahmen nur das Diurnale mit, das in der Tat ein Teil des Breviers war Das Kleine Stundenbuch ist aber kein Teil des Großen, sondern eine andere Form des Stundengebets. Was der Papst "erlaubt" ist eine Sache, was man tun sollte, eine andere. Wer den Vierwochenpsalter betet und Prim und Matutin wegläßt, klinkt sich ja nicht nur aus dem aktuellen Gebet aus, sondern distanziert sich von einer in die vorchristliche Zeit zurückreichende Tradition. Wie oft wir zu beten haben, kannst Du in den Psalmen nachlesen. Wer bin ich, daß ich mich gegen eine 3.000 jährige Tradition stelle, wer bin ich, daß ich mich gegen das bereits im Alten, aber auch im Neuen Testament geoffenbarte Wort Gottes stelle, auch wenn es mit ein Papst erlaubt, und wenn es ein Konzil gutheißt. Ich werde also weiter, wenn Du es mir gestattest, die Prim beten. Auch weil sie in den Tagesablauf eines Rechtsanwalts mit 6-Tage Woche ganz gut reinpaßt. Samstags und Sonntags gönne ich mir dann eine Vesper, zu mehr reicht es leider nicht. Aber das darf dann auch genügen. Und ich weiß mich damit dennoch in einer Tradition, die mindestens bis zum Psalmisten zurückreicht.
Ganz abgesehen davon, daß die Übersetzung des Deutschen Kleinen Stundenbuchs hin und wieder ganz großer Mist sind.

Brevierbeter hat gesagt…

Noch einmal: Vierwochenpsalter (Kleines Stundenbuch) und Wochenpsalter (Stundenbuch) sind nicht kompatibel.

Hallo Johannes,
da täuschst Du Dich.Ich habe, wie Du aus meinen Postings im andere Artikel weißt, sowohl das klStB als auch das StB hier zu Hause und kann Dir bestätigen das beide tatsächlich kompatibel sind. Ich kann z.B. eine beliebige Vesper (oder Laudes oder Komplet) aus dem StB beten, während ich einem Mitbeter das klStB in die Hand drücke.

Könntest Du einen Beleg für Deine obige Behauptung anbringen?

Viele Grüße,
Brevierbeter

Johannes hat gesagt…

Wir reden offenbar aneinander vorbei. Du hast recht, ich kenne das "Große Stundenbuch"nicht, bin aber aufgrund der Kenntnis des SC davon ausgegangen, daß es wohl auf dem Wochenpsalter beruht. Wenn dem nicht so ist, macht es das nicht besser.
Ich besitze und benutze des Breviarium Romanum in dem geringen Umfang, in dem das möglich ist. Letztlich ist das aber nicht mein Thema. Mir ging es darum, daß die Abschaffung von Prim und Matutin wie auch die Einführung eines Mehrwochenpsalters sich mit nichts begründen läßt als mit dem Wollen, auf Gedeih undVerderb eine "Reform" durchzuziehen. Mutwillig ist eine mehrtausendjährige Tradition die instreitig in die vorchristliche Zeit zurückreicht, zerstört worden. Hast Du, wenn Du mich nach einem "Beleg" fragst, dafür eine Begründung? die Begründung des SC kenne ich, also komm mir nicht damit.

Anonym hat gesagt…

Wenn dem nicht so ist, macht es das nicht besser.

Prima. Gute Diskussionsgrundlage.

Aber ich hoffe Du hast jetzt wenigstens gelernt, daß das "kleine Stundenbuch" und das "Stundenbuch" kompatibel zueinander sind (weil das eine ein Auszug aus dem Anderen ist). Wäre schön, wenn Du Deinen Post von vor ein paar Wochen entsprechend korrigieren würdest. So schlecht fand ich die Auflistung gar nicht.

Du machst ja mit Deiner Prim eigentlich ja auch nichts anderes. Die ist ja auch nur ein Auszug aus dem Stundengebet nach der außerordentlichen Form.

Viel mehr Menschen beten halt ein ihren Lebensumständen angepassten Auszug aus dem Stundengebet nach der ordentlichen Form. So what? Beides sind approbierte Formen. Und letztere Form ist besonders für die Menschen interessant, die kein Latein können (das sind so 2-3 Leute, glaub mir).

Wir sollten dankbar dafür sein, DAß die Leute sich dem offiziellen Stundengebet der Kirche anschließen (gleich welcher Form auch immer). Hauptsache es WIRD gebetet. Besser als es zu unterlassen. Nur so kann der Glaube vertieft werden.

Diese internen Grabenkämpfe á la "Früher war alles Besser" gegen "Alles vor dem 2. Vatikanum was Schlecht" helfen uns nicht weiter ("Ein Reich, daß in sich selbst gespalten ist...usw.").