Montag, 30. August 2010

Besser es gibt Skandal ...



als daß die Wahrheit zu kurz kommt. Dieser Spruch soll angeblich auf Gregor den Großen zurückgehen. Ein weises Wort. Wir können annehmen, daß Gregory the Great von dem, was man heute so political Correctness nennt, nicht viel hielt.

Ob Sarrazin nun Skandal oder Krawall machen wollte mit seinen Thesen ist mir nicht so ganz klar. Dem Krawalligen bin ich ja nicht so ganz abgeneigt. Und schließlich gehörte die gezielte Regelverletzung ja zu den einst sehr erfolgreichen Techniken derer - die hier besser unerwähnt bleiben, aber ihr wisst schon, wen ich meine. Ich werde mir DAS BUCH jedenfalls besorgen. Vor allem weil ich nicht glaube, daß man auf 464 Seiten einfach nur Krawall machen kann.

Daß sich die versammelte politische Klasse von Merkel bis Kramer, von Gabriel bis Ayyub Axel Köhler schröcklich über ein Buch echauffiert, das noch gar keiner gelesen hat, find ich höchst amüsant. Gehts noch dümmer? Nein. Kann man eigentlich noch deutlicher machen, daß es keineswegs um Sarrazins manchmal schrille Thesen, sondern um seine Themen geht?

Die wunderschöne Elfenbeinminiatur zeigt Gregor I, dem wir den gregorianischen Choral zu verdanken haben.    

Kommentare:

Lumen Cordium hat gesagt…

Warum dieser Aufschrei der Politiker, VOR der Veröffentlichung des Buches? Klingt ja fast wie Werbung.

Also ich nehme weder Sarrazin noch seine Kritiker für "voll" im Sinne von "voll vertrauenswürdig".

Monika M. hat gesagt…

Frau Merkel hat das Buch dem Vernehmen nach als Vorabdruck erhalten. Rezensenten aller großen Zeitungen erhalten es drei Wochen vor Erscheinen. Diejenigen Rezensionen, die ich bisher gelesen habe, setzen sich sehr intensiv mit der höchst umstrittenen genetischen Grundthese Sarrazins auseinander. Darüber hinaus mit seiner sozialdarwinistischen Gleichsetzung von Natur und Kultur. Das Lesen dieser Rezensionen kann einen Politiker schon darüber informieren, dass die These Sarrazins äußerst problematisch ist. Die einzige Partei, die Sarrazins Thesen unterstützt, ist die NPD. Natürlich entbindet das nicht von der Lektüre, von der es ja auch Vorabdrucke gab. Ich habe die im Spiegel gelesen und seine Vorschläge erschienen mir außerordentlich unchristlich.

Lumen Cordium hat gesagt…

Mir erscheinen seine Vorschläge auch als unchristlich, was ich aber schon so empfand, als Herr Sarrazin zum ersten Mal in die Skandal-Schlagzeilen geriet.

Will aber sagen, dass Politiker wie Merkel, Kraft, Roth ect. sich nicht über unchristliche Thesen so aufregen. Diese Profis müssten doch wissen, dass das öffentliche und obendrein politische Reden über ein Buch vor der eigentlichen Veröffentlichung auf dem Markt ziemlichen Einfluss auf die Verkaufszahlen haben wird. Das ist ja ein alter Schuh. Man sieht es am besten und deutlichsten bei Büchern von Dieter Bohlen oder dieser Charlotte Roche. Es würde also gut zum teilweise unchristlichen Inhalt passen, wenn unchristliche Leute dafür negative Werbung machen.

Aber vielleicht driftet das jetzt auch schon zu sehr Richtung Verschwörungstheorie ab.

Es wundert mich nur, denn so eine Scharfmacherei ist in meinen Augen unverantwortlich.

Johannes hat gesagt…

Ich will mal so sagen: Seit mehr als 30 Jahren befasse ich mich vorwiegend mit Emigranten aus dem muslimischen Kulturraum. Natürlich hatte ich auch meine Phase, in denen ich behauptete, das Emigranten vorwiegend eine Bereicherung unserer Kultur darstellen. Heute - ich vertrete nach wie vor mehrheitlich Muslime oder solche, die aus muslimisch geprägten Ländern kommen - sehe ich das anders. Die islamisch geprägten Ländern sind in jeder Hinsicht zurückgeblieben, gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich. Gesellschaftlich - von den 10 Ländern, in denen am wenigsten (Religions)Freiheit herrscht, sind 8 muslimisch geprägt. Gesellschaftlich - ich muß nur einen Blick in meinen Bergmann-Ferid, der Sammlung des internationalen Familienrechts werfen, um nachvollziehen zu können, wie es etwa mit der Stellung der Frau in muslimischen Gesellschaften steht. Wirtschaftlich - die muslimischen Staaten leisten praktisch keinen Beitrag zur wirtschaftlich-technologischen Entwicklung, sie verfügen über reiche Rohstoffquellen, sind aber ansonsten nach wie vor auf dem Stand agrarisch geprägter Gesellschaften. Warum brach das osmanische Reich zusammen?

Lumen Cordium hat gesagt…

Sicher gibt es Probleme - riesen Probleme - mit der Integration. Ich finde auch, dass man bedingt durch diese Probleme von Überfremdung sprechen kann. Ich sehe das in Bamberg nur hie und da, aber es gibt auch dort schon Gegenden, wo man die Leute grüßen möchte, aber nur böse und unverständige Blicke erntet, sofern man die Gesichter überhaupt sehen kann. Die deutsche Landessprache wird oftmals nicht verstanden und die unterschiedlichen Mentalitäten können sich nur selten gegenseitig befruchten. Wenngleich die Beispiele, in denen das gelingt, sehr positiv sein können. Solche Ergebnisse sind aber rar.

Dennoch halte ich es für völlig überzogen einem Menschen den Respekt abzusprechen, nur weil er etwas Falsches tut. Sarrazin kennt den Grundsatz vielleicht nicht - ich weiß nicht, ob er Christ ist - den Menschen lieben, die Sünde (das Falsche, was er tut - Steuerhinterziehung, Schmarotzen) hassen. Liebe verlangt Respekt und ohne das, gibt es keine Menschlichkeit und kein Auskommen miteinander.

Mit den plumpen Aussagen Sarrazins, dass gewisse Völker von Grund auf einfach dümmer sind, verletzt er gerade Menschen aus jenen Völkern, die in Deutschland schon jetzt erfolgreich für seine Rente arbeiten und überhaupt nicht dumm sind.

Anonym hat gesagt…

och, "die Deutschen" lassen sich doch ganz prima integrieren... ich sehe da wenig Probleme mit der Integration an sich, eher in der Richtung...

....

Märilu

Johannes hat gesagt…

90 % der Bevölkerung und mehr sollen angeblich Sarrazins Thesen zustimmen. Nach anderen Umfragen sogar noch mehr. Wenn diese Umfragen stimmen, dürften wohl auch einige unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund der Auffassung zuneigen, daß die Immigranten ein ziemliches bißchen Mehr für ihre Integration tun sollten. Darum geht es. Um zu wissen, daß das größte Integrationsproblem nun einmal die Menschen aus den muslimischen Ländern sind, brauche ich keine Statistik. Mir genügt meine Aktenübersicht. Strafsachen - fast ausschließlich türkische und arabische Migranten. Sozialrecht - dito. Diese kühle Feststellung hat nichts mit Rassenhaß zu tun. Sondern damit, daß von beiden Seiten noch viel mehr für die Integration geleistet werden muß. Ich bin da ja auch nicht untätig. Aber das meine türkischen Azubis deutlich mehr Mühe machten und machen, hab ich erwartet. Und es sind Kinder der zweiten und dritten Generation.

Anonym hat gesagt…

@Johannes: ein ziemlich großer Prozentsatz ist sich auch über die Katholiken einig... sollen sogar Katholiken dazu gehören.
Gabriele