Samstag, 15. Mai 2010

Mertes: Der Mißbrauch hat einen "speziell katholischen Geschmack"

Kesseltreiben gegen die Kirche. Daß sich auf dem ökumenischen Kirchentag die katholischen wie nichtkatholischen Kirchenkritiker die Bälle zuwerfen würden, war ja absehbar. Schon die Veranstalter - Alois Glück und Frau Göring-Eckardt treffen sich - etwa in der Frage des Kirche-Seins - irgendwie in der Meinung, daß alles gut wäre, gäbe es da nicht den fundamentalistischen Papst in Rom,

Aber der Medienliebling der Mißbrauchsdebatte, Mertes hat mal wieder den Vogel abgeschossen.
Für den Priester ist das jahrzehntelange Verdrängen und Vertuschen von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen die Kehrseite einer auf Tabus, Verboten und Verdrängungen gegründeten katholischen Sexualmoral – einschließlich des Themas Homosexualität. Auch das mache zusammen mit dem Missbrauch der geistlichen Vollmacht durch Priester den „speziell katholischen Geschmack des Missbrauchs“ aus. Der Beifall, der dem Jesuiten immer wieder entgegenbrandet, klingt nicht nach Jubel. Der Schuldirektor hat sich nicht nur zum Sprachrohr der Opfer gemacht, sondern auch die Gefühle der meisten Zuhörer ins Wort gebracht.
Auch Wunibald Müller, der zweite Teilnehmer des Diskussion, nutzt die Debatte schamlos für eine kirchenpolitische Attacke. Alles wäre gut, würde die Kirche auch Frauen zu Priestern ordinieren. Wieder "brandet Beifall auf." Auch für Müller ist die "Pathologisierung der Homosexualität" die zweite Wurzel des Übels. Und natürlich fehlt auch nicht ein flammendes Plädoyer für die Aufhebung des Zölibats.

Ich könnte Feuer schreien. Den Kampf für die "Enttabuisierung" auch perverser Formen der Sexualität ist mir aus den 60igern und 70igern, wo ich auf Seiten der Kämpfer stand, sehr wohl bekannt. Ich erinnere mich noch gut an unsere Wortführer. Ein nicht kleiner Teil (Günther Amendt (Sexfront, Sexbuch), Hans (Hänschen) Giese etc.) war selbst homosexuell und argumentiert aus wohlverstandenem eigenen Interesse für eine "Homosexualisierung der Gesellschaft" (Reimut Reiche, nicht Benedikt der XVIte).

Nun ziehen da die kircheninternen Enttabuisierer in die Schlacht, allen voran Ulrich Mertes, dem ich es inzwischen nicht mehr abnehme, daß er "aus Zufall" auf die Hinweise sexuellen Mißbrauchs in seiner Einrichtung "gestoßen" sei. Jedenfalls wird offenkundig, daß der Medienliebling ein falsches Spiel mit uns spielt. Wieder einmal wird eine Diskussion über den Mißbrauch zu einer kirchenpolitischen Debatte..

Das Wort vom speziell katholischen Geschmack des Mißbrauchs ist, um nochmals Mosebach zu verlinken ein übles Wort. Mertes diskreditiert nicht etwa "nur" die katholische Kirche. Mertes denunziert die strenge Sexualmoral des Christentums als Ursache des Mißbrauchs kleiner Kinder.
Das ist ein übles Wort. Das Christentum hat doch den Schutz der Kinder erst in die Welt gebracht, gegen die heidnische Praxis, auch gegen alle übrigen Kulturen der Welt. Jesus spricht davon, dass jedes Kind einen Engel hat, der Gott ansieht. Und jeder, der sich an einem Kind vergreift, sollte einen Mühlstein um den Hals gehängt bekommen und ersäuft werden. Deshalb sind die Missbrauchsfälle für die Kirche ja so eine Katastrophe, ausgerechnet ein Kernanliegen wurde missachtet. (Mosebach)
Mertes betreibt eine Umwertung der Werte. Oder eine Umlügung der Wahrheit. Die katholische Religion, die sich stets dem Schutz der Schwächsten und dem Schutz der Kleinsten verpflichtet fühlte, wird zur Ursache des sexuellen Mißbrauchs der Kleinsten umgelogen. Das ist übel. Sehr übel. Und angesichts der Claqeure die diese faule Lüge auch noch mit "aufbrandendem Beifall" honorieren, muß ich sagen, daß ich heilfroh bin, daß ich mir diesen Reichsparteitag der Imbezilen erspart habe.

Na ja, ich weiß nicht, ob das Bildchen jetzt die richtige Illustration für diesen Artikel bildet, aber ich liebe Heiligenbildchen, vor allem die mit dem Glimmerstaub. Der Maler trägt den schönen Namen Carl Christian Vogel zu Vogelstein.

Kommentare:

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Klaus Mertes, nicht Ulrich. Zum anderen behauptet er überhaupt nicht, durch Zufall auf die Fälle gestoßen zu sein, sondern durch Mißbrauchsopfer, die sich an ihn als Rektor des Canisius-Kollegs gewandt hatten. Soviel Fairness muß sein.

Anonym hat gesagt…

der schulddirektor ; )