Dienstag, 25. Mai 2010

Tadahhh! Und der erste Preis ...




... für das absolut dümmste Feature über die zweite, feierliche Beedigung der Gebeine Nikolaus Kopernikus geht aaaaaaaaaaannnn: Die FAZ.
Kopernikus hatte im 16. Jahrhundert das moderne, heliozentrische Weltbild begründet. Zu Lebzeiten wurde er deswegen von der katholischen Kirche verfolgt.
Zu Lebzeiten? Die Gelehrten streiten darüber, ob sein Buch "De Revolutionibus ..." noch an seinem Todestag, oder erst Monate danach fertiggestellt wurde. Für eine "Verfolgung zu Lebzeiten" war da wohl kaum Zeit. Vielmehr wurde Kopernikus mit allen Ehren, die einem treu dienenden Domherren gebührten, und dort beerdigt, wo alle treuen Diener der Kirche beerdigt werden. Am Fuß des Altars, vor dem er vierzig Jahre gedient hatte. Dort wo sich jeder gute Christ des Mittelalters wünschte, beerdigt zu werden. "Ad sanctos" nämlich, möglichst nahe zu den im Altar beerdigten Reliquien.

Aber auch nach seinem Tod blieb Kopernikus Werk zunächst unbehelligt, hatte er doch wissenschaftlich völlig korrekt seine Theorie als bloße Hypothese bezeichnet. Erst der Skandal um den ein wenig zu geltungsbedürftigen Herr Galileo Galilei (dem es ebenfalls nicht gelang, einen schlüssigen Beweis für seine heliozentrische Theorie zu liefern) führte dazu, daß auch Kopernikus auf dem Index landete. Allerdings erst im Jahre 1616, 73 Jahre nach seinem Tod.

Der Film, auf den das obige Zitat der FAZ hinweist, dementiert übrigens das Zitat. Dümmer gehts nimmer. Da sind offenbar bei einem FAZ-Redakteur gnadenlos die antiklerikalen Synapsen eingerastet.

1 Kommentar:

Alipius hat gesagt…

Ich bin ja davon überzeugt, daß in vielen Redakionshäusern die Computer mit Texbausteinen arbeiten, die über eine Assoziationssoftware aneinandergekettet werden. Wenn ein Reporter dann "Kopernikus" eintippt, hängt das Programm "Galilei" und "... wurde von der Kirche verfolgt" an. Dann wird irgendwo mal ein Satz zu lang und der Journalist muß kürzen. Er löscht in der Nachbearbeitung den "Galilei"-Teil und - voila - "Kopernikus wurde von der Kirche verfolgt".

Historische Genauigkeit und Rücksicht auf die Realität sind da - wie mittlerweile schon fast üblich - Nebensache.