Sonntag, 24. Mai 2009

Heimat

  Hej-mat spricht man dieses Wort. Und dieser Altar ist für mich Heimat. Es ist der Alter der Kirche von Oerel, der Kirche in der mein Vater getauft wurde, und in der meine Eltern geheiratet haben. Die Gemeinde ist lutherisch, die Kirche steht auf früherem Bremer Land, fast nebenan. Die Bremer aber sind calvinistisch-reformiert (igitt, hätte meine Großmutter gesagt und das klingt wie igejitt, aber schreiben kann man das eigentlich nicht, es ist jedenfalls ein Ausdruck abgrundtiefen Widerwillens). Nun ja, die Bremer haben auch auf dem Land die Reformation durchgesetzt, aber dort hat man nur eine äußerst milde Form akzeptieren wollen, und so viel geändert haben die konservativen Bauren nicht. Schon gar nicht den Altar.
   Nein, diesen Altar hatten die armen Geestbauern von den kargen Erträgen ihres entweder sumpfigen oder trockenen und jedenfalls armseligen Landes bezahlt.  So kommt es, daß heute noch in dieser protestantischen Kirche ein Marienaltar steht. Nicht Christus, wie bei den meisten protestantischen Altären üblich, sondern Maria steht im Mittelpunkt. Links ist die Verkündigung dargestellt, rechts die Anbetung der drei Könige. Das Kruzifix stammt aus der Gothik, und ist wohl früher Teil eines Vortragkreuzes gewesen. Meine Konversion hat ein paar grummelige Kommentare provoziert, aber, nachdem ich meinen Lieben erklärt habe, daß man hierorts doch eigentlich immer ein bißchen katholisch geblieben ist, und ich eben jetzt wieder ein büschen mehr katholisch bin, wars dann auch gut.

Die Kirche von Oerel ist wohl mehr als tausend Jahre alt. Der Altar stammt jedenfalls, wie das Kruzifix, aus "katholischer Zeit".

Kommentare:

dilettantus in interrete hat gesagt…

Aber jetzt mal unter uns:
Die Bremer sind doch luthérisch und nicht reformiert?
Und irgendwie war es auch schön Anfang Februar in St. Johann zwischen Judengasse und (ehem.) Bordellviertel von Afrikanern und Balkanesen umgeben dem Meßopfer beizuwohnen.

Und wenn ich Ende Juli in Vegesack auftrete freue ich mich schon drauf!

Johannes hat gesagt…

Bremen schloß sich 1581 der Genfer Reformation an, um 1600 wurde der Heidelberger Katechismus eingeführt. Daß man heute davon nicht mehr so viel mitbekommt, ist eine andere Sache. (In meinem Taufzeugnis steht daß ich evangelisch-lutherisch getauft bin, ich bin allerdings im Land Bremen (Bremerhaven) und nicht in Bremen geboren. Komplizierte Sache das. Aber die Ur-Bremer sind in echt reformiert, und nicht lutherisch.